Wahlgedanken 2.0

Anfang des Monats habe ich – noch recht allgemein – über die zur Landtagswahl zur Wahl stehenden Parteien und Personen philosophiert. Da kannte ich meinen konkreten Wahlzettel noch nicht. Dank Strelitzius weiß ich nun, wo ich sie mir angucken kann: http://geoport-lk-mse.de/masterportal/wahlen/. Nun kann ich also mal genauer raufgucken und meine Schätzungen konkretisieren.

6 Direktkandidaten stehen für mich zur Wahl. Drei fallen schon mal aus, dass sind die grundsätzlichen. Von zweien weiß ich nix und was ich von vieren weiß, lässt mich zurückhaltend sein mit meinem Kreuzchen., also “wegen aktueller oder bisheriger Aktivitäten nicht wählbar”. Doppelzuordnungen sind mit dabei. Ich fürchte, ich werde sehr abstrakte Kriterien anlegen bei der Auswahl der Ankreuzstelle.

Was erstaunlich ist: Die Schweriner Volkszeitung hatte neulich mal eine Art abgespeckten Not-Wahl-O-Mat veröffentlicht. Die offizielle Version gibt es für die Landtagswahl in M-V mal wieder nicht, da sich zwei Parteien so sehr vom Volk verabschiedet haben, dass sie es nicht schaffen, ihre Pläne für die Zeit nach der Wahl auf ein verständliches Maß zu pauschalisieren. Die SVZ-Wahlhilfe steht zwar, wenn man in die Kommentare guckt, ein wenig unter Kritik, bei mir kam aber das heraus, was ich beinahe erwartet habe und was ich wahrscheinlich sowieso wählen werde.

17 Parteien stehen auch noch zur Wahl. Alte bekannte, alte unbekannte, neue Zusammenschlüsse, neue Parteien usw. Die Zahl der aus grundsätzlichen Erwägungen heraus unwählbaren liegt bei 9, von 11 lese ich den/die Namen, aber sehr viel mehr fällt mir dann dazu auch nicht ein. 8 fallen wegen aktuellen oder bisherigen Aktivitäten raus (auch hier sind mehrfache Zuordnungen mit dabei). Das selbst die Zahlen der letzten beiden Kategorien mehr als 17 ergibt, liegt einfach daran, dass man selbst von den unbekannten schon mal irgendeine Idiotie gehört hat.

Timing ist alles

Entschuldigt bitte, wenn ich Euch mal mit einer Trivialität belästige, aber ich war gerade beim Haareschneiden, so dass ich diese Geschichte nicht so bald meinem Frisör erzählen kann. So müsst ihr drunter leiden. 😉 Alles fing damit an, dass ich einen Sonnabend mit einem kleinen Wellness-Ausflug plante. Der Termin war gemacht und die Freude darauf meinerseits entsprechend groß, spürte ich doch aktuell eine kleine schmerzhafte Verspannung, die ich in gute Hände abgeben wollte. Der Plan war perfekt.

Naja, perfekt ist was anderes. Immerhin hatte die ganze Sache einen kleinen Haken: Am Sonnabend einen Wecker stellen zu müssen, wenn auch erst kurz vor neun, ist für einen Spätschläfer, der den ersten Tag des Wochenendes gern zum Ausschlafen nutzt, nicht so einfach. Aber der Grund heiligte die Strapaze und so startete der Tag mit etwas Sonne hinterm Fenster und einem gemütlichen Wannenbad. Das war doch so angenehm, dass die Zeit darüber recht schnell verging, immerhin wartete noch eine kleine Autofahrt auf mich, bevor die Hauptwellness ansetzte.

So war es dann rund um 12 Uhr, als ich das Ziel in das Navi-Programm meines Smartphones eingab. Ich kenne zwar die Route (wie sich später herausstellte, doch nicht so richtig), aber die errechnete Ankunftszeit zeigt doch immer gut an, ob ich mich eher beeilen muss oder doch ein wenig durch unsere schöne Landschaft cruisen kann. Dann vervollständigte ich die Bekleidung und verließ mit der Jacke in der einen Hand und zwei Beuteln Leergut in der anderen die Wohnung. Am Auto angekommen stellte ich dann fest, dass das Smartphone wahrscheinlich noch auf der Flurgarderobe lag … Na, so wichtig ist es ja nun auch nicht. Geht auch ohne.

Die Jacke kam auf die hintere Sitzbank, das Leergut in den Kofferraum. Der Rückweg sollte zum Einkaufen genutzt werden. Dann ging es los in Richtung Autobahn und dort war dann die Verwunderung groß. So voll habe ich die A20 hier in der Gegend noch nie gesehen. Offensichtlich war in den Urlaubshochburgen an der Ostsee gerade Bettenwechsel. Ich wusste mich zwar gut in der Zeit, aber es stand die Entscheidung an, ob ich eher ruhig auf der rechten Fahrspur vor mich hin fahre oder doch etwas zügiger auf der linken, immer bereit, den noch schnelleren Autos auszuweichen. Die zweite Variante schien mir die zeitlich sicherere, wusste ich ohne meine Navi-App ja nicht, wie gut ich in der Zeit lag.

So ging es zügig voran, immer die Augen auf dem umliegenden Verkehr gerichtet. Schert da einer aus, kommt von hinten ein PS-starker oder bremst eine lahme Ente die Überholspur aus. Man hat da richtig was zu tun. Es kam, wie es kommen musste: Schwups war die richtige Ausfahrt verpasst. Die nächste war aber nicht weit und so fuhr ich dann über eine urlaubsbedingt auch gut gefüllte Bundesstraße wieder zurück, bis ich den Parkplatz meiner Wahl relativ frühzeitig erreichte. 12:57 Uhr (die Zeit wird nochmal auftauchen) verließ ich das Auto und tauchte in die Wellnesswelt ein. Kurz überlegte ich, ob ich meine Jacke den letzten Weg mitnehme, entschloss mich aber, sie mit allem Inhalt – u.a. einem Handy – im Auto zu lassen.

Als ich mich einige Zeit später entspannt, entkrampft und gelassen meinem Auto näherte, ahnte ich noch nichts böses. Nur als ich die Tür öffnete, hörte ich gerade noch das Handy klingeln. Die Neugier ließ es mich aus der Jackentasche puhlen und leicht erschreckt aufs Display gucken. Die angezeigte Nummer hatte ich lange nicht mehr gesehen, aber ich kannte sie wohl. Es war kein Mensch, der mich anrief, sondern eine Maschine, die damit anzeigte, dass zwar kein GAU auf Arbeit passiert war, aber irgendwas kurz davor. Mit einer bestimmten Tastenkombination hätte man nähere Infos abrufen können, aber ich habe das schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich diese nicht im Kopf hatte. Was ist da los? Eine SMS an eine Kollegin brachte auch keine Klärung, sie war wie ich  außerhalb jeden Wirkungsbereiches. Und ich hatte mein Smartphone nicht dabei, um den aktuellen Betriebsstatus etwas detaillierter erfahren zu können.

Der Blick aufs Handydisplay brachte noch etwas erschreckendes zu Tage: Der Störungsanruf war nicht der erste. Und auch nicht der zweite. Zu dem Zeitpunkt war es der 49. und es sollten noch einige folgen, bis ich auf Gutglück Tastenkombinationen ausprobierte und offensichtlich eine wirksame erwischte: Zumindest die Anrufe hörten auf. Dann machte ich mich auf den zügigen Heimweg. Nach ca. 10-15 Minuten Fahrt bekam ich immerhin die Information, dass zumindest nach außen hin alles so lief, wie es sollte. So stellte sich nur noch die Frage, was der Auslöser der Alarmanrufe war. Aber das konnte ich von zu Hause aus machen, dazu musste ich nicht in die Firma. Und dann kann immer noch entschieden werden, ob und was zu tun ist. Auch das geplante Einkaufen ließ sich guten Gewissens auf dem Heimweg noch erledigen.

Ein Vorgang, der eigentlich bis 13 Uhr laufen sollte, ging bereits um 12:57 Uhr (ich hatte gesagt, dass die Zeit nochmal kommt) in eine Art Leerlauf. Immerhin passierte noch so viel nichts, dass die Reserve nicht ansprang, aber es passierte eben nicht genug, um die Alarmauslösung zu verhindern. Etwa 30 Sekunden nach Beginn dieses Zustandes gingen die Alarm-E-Mails raus, aber ohne Smartphone kriegt man das nicht mit. Und weitere 30 Sekunden später folgten die Anrufe. Da hatte ich mein Auto und damit das Handy bereits verlassen und war noch auf dem Weg über eine Lobby, eine Treppe und einen Flur zum Ziel meines Wellnessausfluges, den ich – unwissend der Situation – in aller Ruhe genießen konnte. Bei meinen Handy ging zwar gerade die Welt unter, aber ich lag auf einer weißen Pritsche, warme Öle überflossen mich und heiße Steine sorgten für Entspannung.

Hätte ich mein Auto nur 30 Sekunden später verlassen oder meine Jacke mit hinein genommen, es wäre vorbei gewesen mit dem geruhsamen Sonnabendnachmittag. So verfestigt sich die Weisheit, dass es im Leben doch immer mal wieder auf ein gutes Timing ankommt. Man ist doch recht glücklich, wenn es stimmt. Falsches Timing ist doch blöd.

P.S.: Und jetzt schreibe ich noch eine böse Beschwerde-E-Mail an jemanden, der vielleicht nicht verantwortlich, aber doch involviert ist an den fehlenden 3 Minuten.

Berlin wächst und wächst und wächst …

Unsere Hauptstadt wächst und wächst und das sogar über sich hinaus. Selbst der Autobahnring drumrum wird irgendwann – sehr Neubrandenburg-like – ein innerstädtischer Ringverkehr werden.

Stellt sich die Frage, woher ich diese Weisheit nehme? Ganz einfach. Neulich las ich mal einen Einleger eines Marken-Discounters der in der Werbebeilage eines Anzeigenblattes steckte. Dort fand ich Berlin in seiner vollen Größe. Ich habe das mal fotografiert:

Berlin wächst

Berlin, mit den Stadtteilen Neukölln, Wedding, Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedrichshein, Schöneberg, Mitte, Spandau … usw. Soweit, so gut. Aber gucken wir uns die dritte Spalte doch mal genauer an:

Berlin wächst

Friedrichshagen, Rostock, Friedrichshain, …, Mitte, Schwerin, Hohen Neuendorf, … Kreuzberg, Neubrandenburg, Marzahn, …

Berlin wächst und wächst. Sind die drei mecklenburgischen Städte eigentlich direkt eingemeindet oder nur Enklaven?

Wahlgedanken

Der Wahlzettel zur nächsten Wahl zerfällt in drei Teile: unbekanntes (der kleinste), grundsätzlich nicht wählbares (mindestens die Hälfte) und wegen aktueller oder bisheriger Aktivitäten nicht wählbares. 

Aber gewählt werden muss. Ich hoffe mal, dass sich noch was ergibt.

P.S.: Dass ich keine konkrete Wahl angegeben habe, hat seinen Grund: Der Gedanke beschäftigte mich schon mindestens bei den letzten beiden Wählen und wird es sicher auch bei den nächsten machen.

Lustige Newsletter vom Handynetzprovider

Wenn zwei zusammengehen und eine Familie … ähm … nein, eher eine Einheit bilden (sollen), gehts gern mal drunter und drüber. Wir wissen ja, dass Großprojekte in Deutschland zur Zeit immer wundervoll laufen. Warum nicht auch mal die Fusion  von zwei Funknetzbetreibern zu einem. E-Plus und O2 gingen ja bereits vor einiger Zeit organisatorisch und nach und nach auch technisch zusammen.

Noch ärgere ich mich nicht darüber, dass ich zum Beispiel mit meinem mobilen Router und mit meinem Datenstick seit einigen Tagen nur tröpfelnd Daten empfangen kann (2G wird angezeigt, auch 3G erzwingen geht, aber es tröpfelt trotzdem nur). Die beiden SIM-Karten laufen bei der schon immer O2-Tochter Fonic, also auch im Netz von O2. Heute stellte ich nun fest, dass bei meinem Smartphone (SIM von der ehemaligen E-Plus-Tochter Simyo und damit klassisch im E-Plus-Netz unterwegs) zwar HSPA+ und 42,2 Mbps steht, aber die Daten auch nur noch tröpfeln. (Guthaben bei allen 3 vorhanden, Surfvolumen ebenfalls).

Aber das soll eigentlich gar kein Thema sein, lässt aber vielleicht gerade meine Grundstimmung gegenüber O2 erahnen, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass ich mit Freunden E-Plus-Kunde der ersten Tage bin/war. Soweit zur Stimmungslage. In dieser Stimmung erhielt ich heute Abend dann ein E-Mail von meinem neuen Netzbetreiber. Zumindest las ich sie erst abends, das Absendedatum sagt nachmittags, gemütliche Kaffeezeit.

Betreff: Unser Dank für Ihre Treue. Ab jetzt sind Sie Silber-Kunde.

Da bin ich ja gerührt. Silber-Kunde. Wegen Treue. Treu wie Silber. Immerhin: Es gibt eine zweite Kinokarte umsonst, wenn eine Kinokarte kaufe. Donnerstags. In einem Kino, das über 100 km weit weg ist. Oder noch weiter. So einen Silberstatus muss man sich ja verdienen. Mit Treue.

Aber der Text geht wird ja noch besser. Nach einer einschleimenden Begrüßung (“Lieber …” – HALLO! Wir sind Geschäftspartner, da wird nicht mit “Lieber …” angesprochen, sondern mit “Sehr geehrter Herr …”) wird erläutert, worum es eigentlich geht:

“Sie sind jetzt über 1 Jahr lang Kunde bei uns, und als Dank für Ihre Treue erhalten Sie den Silber-Status.”

Liebes O2, mein E-Plus-Vertrag wurde letzten Monat (20.06.) umgestellt. Ich bin also erst seit etwas über einem Monat Euer Kunde. Aber Stop! Nicht aufregen. Weiter lesen.

“Da E-Plus und o2 zusammengehören, zählen wir Ihre Zeit bei E-Plus natürlich mit.”

Achso, ja dann. Das könnte dann mit dem einsen Jahr hinkommen. Von März 1996 bis heute ist doch etwa eins Jahr, oder will jemand was anderes behaupten?

Irgendwie alles blamabel bis dort hinaus. Bringt mal euer Netz in Ordnung und verschont treue Kunden mit Kundenbindungsmaßnahmen. Ich gehöre zu denen, die ihr damit eher verscheucht als bindet.

Gerade nochmal Schwein gehabt

SCHE… – Beinahe hätte ich einen Fehler gemacht und wäre auf Phishing-E-Mail reingefallen. Ich hatte mein Passwort schon eingegeben…

Da bekomme ich eine E-Mail von meinem Internetkaufhaus mit dem Betreff “Kundenkonto” und dem Text:

Wir benötigen Ihre Hilfe
Guten Tag,

Aufgrund jüngster Betrugsversuche haben wir einige Kundenkonten zum Schutz unserer Kunden vorsorglich gesperrt.

Dies ist ein automatischer Prozess und dient dazu Ihre Daten vor Missbrauch zu schützen.

Um Ihr Kundenkonto wieder wie gewohnt nutzen zu können müssen Sie einen Abgleich Ihrer Daten durchführen.

Nach Abschluss des Abgleichs können Sie Ihr Kundenkonto wieder uneingeschränkt nutzen. Um Die Sicherheit Ihres Kundenkontos zu erhöhen beachten Sie bitte folgende Sicherheitshinweise:

  • Nutzen Sie, falls möglich, immer die selben Geräte für den Zugriff auf Ihr Kundenkonto.
  • Geben Sie ihre Daten niemals an Dritte.
  • Nutzen Sie ein sicheres Passwort (Groß- und Kleinbuchstaben + Sonderzeichen).

Um den Abgleich jetzt durchzuführen besuchen Sie bitte folgenden Link: …

Die E-Mail kam auch über die Adresse rein, mit der ich mit dem Kaufhaus kommuniziere (und die sonst wenig öffentlich ist).

Den Link sah man nicht, was mich nur ein wenig wunderte, dass die Linkfläche einen Hauch unprofessionell aussah. Und ich wurde auf der nachfolgenden Seite, nachdem ich meine Kundendaten eingegeben hätte, nach meiner Bankverbindung gefragt, die ich bei dem Internetkaufhaus aber nicht hinterlegt habe und demzufolge nicht nutze. Deswegen guckte ich mir die aufgerufene Webadresse nochmal genau an.

Und dann bekam ich doch Panik. Was mit kaufhaus.de/… oder kaufhaus.com/… anfangen sollte, fing mit kaufhaus.com-sighup-kundenservice-userid.93478574923875.jweje4854z3ujh58tzh6.ru/… an.

Merke: Wenn nach der Länderkennung bzw. der TLD (also .de oder .com oder .net usw.) kein Schrägstrich kommt, ist es nichts dergleichen. Dann ist die Adresse noch nicht zu Ende, egal, wie es danach aussieht. Erst ein Schrägstrich / beendet die Adresse. Und davor steht .ru, was nicht auf mein Internetkaufhaus, sondern in diesem Zusammenhang auf böse Betrügerlein hinweist.

Als erstes habe ich beim Kaufhaus mein Passwort geändert (sollte man ja sowieso regelmäßig machen). Ich hoffe, ich war schneller als die anderen. Überlege noch, auch die E-Mail-Adresse zu ändern …

Apropos: Eigentlich hätte mich die E-Mail selber schon stutzig machen müssen. Aber ich war wohl nicht mehr ganz wach. Die kam Absendertechnisch nicht vom Kaufhaus, obwohl da “Kaufhaus.de” stand, aber dahinter stand meine E-Mail-Adresse und keine von kaufhaus.de

Leute,  passt bloß auf.

Ironie im Internet funktioniert nicht (immer)

Wobei ich die Aussage in der Überschrift gleich wieder korrigieren muss. Schriftliche Ironie im Internet funktioniert nicht. Meine These in dem Zusammenhang ist, dass in der Schriftsprache noch nichts gefunden wurde, was der Mimik/Gestik in allen Nuancen entspricht. Sicher gibt es Smileys, aber die sind in dem Zusammenhang eher Holzhammer als wirklicher Ersatz für diesen Blick, dieses leichte Zucken im Augenwinkel, das Ironie dem direkten Gegenüber zumindest zu erkennen hilft. Natürlich kann man auch mangelnde Intelligenz unterstellen, wenn jemand Ironie – gemeinhin die feine – nicht erkennt. Aber der Fehler könnte dann auch auf Seiten des Autors liegen. Es ist also mitnichten ein gutes Argument.

So ist es doch als bedauerlich festzustellen, dass der eine oder andere ironische Text nicht als solcher erkannt, sondern wortwörtlich ernst genommen wird. Die eine oder andere Erfahrung durfte ich in dem Zusammenhang auch schon machen, was mich einerseits auch amüsierte, anderseits aber auch eine (möglicherweise) interessante Diskussion im Ansatz ersterben ließ. Aber wenn man nach einem ironischen Kommentar geblockt wird, misslingt selbst eine Klarstellung schon im Ansatz. Das aber nur so nebenbei.

Satire in einem Text zu erkennen, ist meist einfacher, Ironie hat eher die Tendenz unterzugehen. Sicher mag es eine Hilfe sein, wenn man als Autor dafür bekannt ist, ironisch zu kommentieren. Da ist der Leser dann schon etwas geeicht und erwartungsfroh und unterstellt manchmal mehr Ironie als eigentlich da ist. Aber was machen da nur Schreiber, die mal ironisch und mal nicht ironisch ihrer Tätigkeit nachgehen? Schwierig. Ein Beispiel? Gern.

Neulich las ich einen Text, der sich über die wetterbedingte Männermode etwas ausließ. Unter der Überschrift “Almost Fourty – Wenn das Outfit zu heiß wird” wird mit allen Klischees gespielt, die es in dem Zusammenhang nur gibt. Im Stil einer Stilikone fordert der Autor die Vernichtung aller Kurzarm-Hemden, greift das Socken-und-Sandalen-geht-gar-nicht-Diktat auf und verbannt auch kurze Hosen in den Bereich des modisch Unmöglichen. Dabei wird auf’s beste fabuliert:

Socken und Sandalen – weltweit als absolutes Tabu erkannt – erfreuen sich überraschenderweise nach wie vor großer Beliebtheit, aber das ist nicht die einzige Möglichkeit anderen Leuten die Netzhaut zu verätzen.

Ist das nicht herrlich!? Ironie pur, die schon gefährlich dicht an eine Satire heranreicht. Aber genau hier zeigt sich die ironische Qualität des Autors, eben nicht den Schritt zu gehen, das Fehlen von Socken in den Sandalen auch gleich auf die Unterwäsche unter den Hosen auszudehnen. Nur dann wäre das “weltweite Tabu” wirklich konsequent weiter gedacht.

Ähnlich übrigens wird auch beim Begründen abzulehnender Kurzärmligkeit ironisch überhöht. Das ist echt feine Kunst:

Denn … wirklich niemand (darf) kurzärmelige Hemden in der Öffentlichkeit tragen. Wenn einem wirklich so warm ist … kann man die Ärmel eines Hemdes einfach nach oben rollen.

Da wird der Autor doch fast wieder satirisch, weiß man doch, dass dieses aufgerollte in den meisten Fällen einfach nur ungeschickt und peinlich aussieht und gern als Bizepssimulanz missbraucht wird. Aber in der heutigen, auf Oberflächlichkeiten geeichten Zeit wird jeder Trick genutzt, um da ein paar Pluspünktchen einzufangen.

Alles in allem finden wir in “Almost Fourty – Wenn das Outfit zu heiß wird” auf heldth.com ein schönes Beispiel für einen ironischen Text, der mit den gängigen Meinungsklischees spielt und durch eine entsprechende Überhöhung ad absurdum führt. Er ist ein guter Beleg dafür, dass man auch ohne die Holzhammer á la Smileys oder Hashtags auskommt, und trotzdem einen schönen, amüsant zu lesenden Text hinbekommt, der herrlich ironisch ist, aber so, wie er da steht, durchaus auch ernst genommen werden könnte. Meine Gratulation!

Wir machen dicht! Und bohren dann Löcher rein…

Wir lernen: “Nicht jede Idee, die spontan nach einer guten Idee aussieht, ist letztendlich auch eine.” Ab und an sollte man die darauf beruhenden Aktivitäten einer Überprüfung unterziehen und auf Sinnvolligkeit abklopfen. Das Beispiel heute ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Bezogen auf Häuser kann man die salopp zusammenfassen in “Dämmen, Isolieren, Abdichten”.

Dass das aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, zeigt die Wirklichkeit. Die Praxis war ja schon immer ein Kriterium für die Wirksamkeit von Theorien. Und in dieser, also der Praxis, stellt sich nun heraus, dass sich durch die Isolation und Abdichtung in den Räumen die Schadstoffgehalte in der Luft sehr schnell und besser erhöhen. Früher führten die undichten Fenster zu einem regelmäßigen Luftaustausch, was die Schadstoffwerte niedrig hielt. Außerdem gab es früher sowieso weniger (künstliche) Schadstoffe. 😉

Regelmäßig Fenster aufreißen bringt übrigens nichts, wenn man das Gesamte betrachtet, da hierdurch zwar die Schadstoffe wieder auf ein erträgliches Maß gesenkt werden, dafür wird aber die Energieeinsparverordnung ad absurdum geführt, weil dann u.U. mehr Energie verbraucht wird als vor deren Einführung bzw. Umsetzung. Aber wozu gibt es eigentlich Lüftungsanlagen, die diesen Makel nicht haben, weil sie die zugeführte Luft mit Hilfe der Abluft vorwärmen?

Hurra! Ein Wirtschaftszweig freut sich. Der Einbau solcher Lüftungsanlagen kostet natürlich auch wieder Geld, selbst beim Hausneubau. Außerdem ist mit Folgekosten zu rechnen, die u.U. wieder höher sein können als die Einsparungen durch Dämmung u.ä. (was wohl, wie ich neulich irgendwo aufschnappte, manchmal schon allein für die Dämmung gilt: Dämmkosten auf Miete umgelegt, Miete steigt, Heiznebenkosten sinken, wenn die aber weniger sinken als die Steigerung durch die Dämmkosten …)

Die (Be-)Lüftungsanlagen erschließen dann aber gleich neue Geschäftsfelder, in denen Leute beschäftigt werden können und die Gewinne abwerfen. Einerseits müssen die Anlagen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Immerhin wird Außenluft angesogen, die mit ihren ganzen Bestandteilen Filter füllt und ggf. in den angenehm warmen Milieus auch Krankheitserreger u.ä. vermehren könnte. Jährliche Wartungs- und Überprüfungstermine sind doch da sicher Pflicht (die Rauchwarner machen es vor).

Die zentrale Belüftung eines Hauses macht aber auch noch andere Wertschöpfungsketten denkbar. Man denke an Raumparfüms, die jetzt zentral für das ganze Haus eingesetzt werden können. Entsprechende Hersteller sollten die Produzenten von Belüftungsanlagen schon mal bedrängen, passende Schnittstellen zu ihren Druckduftamphoren mit einzubauen. Oder vielleicht noch eine Idee für die Abfüller dieser Gasdruckbehälter für die Wasseraufsprudler. In diese Kartuschen passt ja auch eine gute Menge Luft rein.

Wie wäre es für die Hausparty mal mit einer Druckgaspatrone “Berliner Luft”, Originalabfüllung aus der Hauptstadt, in den Regionalvariationen Kreuzberg, Marzahn oder Regierungsviertel. Oder “Mecklenburger Landluft” in den Spezialrichtungen “Rapsfeld”, “Frisch gejaucht” oder “Grillabend”. Und für die speziellen Genießer: “Hamburger Fischmarkt”, “Sportlerumkleide” oder “Chillige Studenten-WG”, der irre Duft nach frischen Gras mit einer Nuance alter, übervoller Spüle und feuchten Pizzakartons.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wie auch beim Erhaltungswillen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Mittlerweile gibt es doch so viele Indizien, dass eine sinnvolle Überarbeitung denkbar und notwendig erscheint. Aber sicher wird das bis zur Wahl nichts mehr. Welche Wahl ich damit auch immer meine.

(entstanden mit freundlicher Anregung durch einen welt.de-Artikel)