Denkfehler – Falsche Ursache

In der Philosophie – aber nicht nur dort – baut man gern Kausalitäten oder gar ganze Kausalitätsketten auf. Ursache -> Wirkung ist die Verknüpfung, die immer wieder hergestellt wird und als so allgemeingültig gilt, dass sie bis ins wirkliche Leben hinein wirkt. Wenn irgendetwas passiert, hat das diese oder jene Ursache. Punktum. Wer sich da etwas kundig machen möchte, kann es mit dem dazugehörigen Wikipedia-Artikel versuchen. Dort gibt es auch einen Absatz zur Kausalität in der Physik. Ich erinnere mich dunkel an mein Studium.

Physik und Philosophie waren in der Vergangenheit schon immer eng verbunden. VIele große Physiker waren durchaus auch anerkannte Philosophen. Nicht umsonst hat es die Physik als einzige der anderen Wissenschaften geschafft, ein eigenes Philosophiegebäude – die Metaphysik – aufzustellen. Mal ganz populistisch ausgedrückt. ;-) Gegenseitig befruchtet haben sich Philosophie und Physik ungezählte Male. So kann man sich durchaus fragen, wo das o.g. Kausalitätsprinzip erstmalig als Erkenntnis aufgetaucht ist.

Aber es ist auch nicht das einzige Denkmodell, das man aus der Physik in der Philosophie verwerten kann, es gibt da noch ein anderes, das ursprünglich aus der Elektrotechnik kommt. Hier ist es als “Rechte-Hand-Regel” bekannt, die die Kraftwirkungsrichtung auf einen stromdurchflossenen Leiter in einem Magnetfeld beschreibt. Kennen gelernt habe ich diese Regel (es gibt sie auch als “Linke-Hand-Regel”)  als UVW-Regel, die dem philosophierenden Gedanken näher kommt. Die drei Buchstaben stehen für Ursache-Vermittlung-Wirkung. Heißt: Jede Wirkung hat neben einer Ursache auch eine vermittelnde Bedingung. Und hier liegt der Knackpunkt.

Viele der einfachen Kausalitäten sind eigentlich Zusammenhänge, die man eher mit der UVW-Regel beschreiben kann. Nur werden hier entweder Ursache und Vermittlung verwechselt bzw. eine Vermittlung irrtümlich für eine Ursache gehalten, wobei man dann die eigentliche Ursache entweder nicht kennt oder ignoriert. Daraus folgern dann Fehler im Umgang mit den Zusammenhängen. Ein einfaches Beispiel sei unser Umgang mit einer Erkältung. Husten, Schnupfen, dichte Nase, Kopfschmerzen, Fieber. Also nichts wie rein mit Hustenstiller, Fiebersenker, Kopfschmerzpille und Nasenspräy zum Abschwellen der Schleimhäute, Bingo! Uns gehts wieder gut – den Umständen entsprechend. Und eigentlich alles falsch gemacht. Was wir da behandelt haben, warten allenfalls die Symptome der Erkältung, nicht aber deren Ursache. Diese Ursache bekämpft der Körper übrigens ganz gut allein, wenn man ihn ließe. Mit einer Temperaturerhöhung versucht er, die Viren abzutöten, mit Husten und Niesen versucht er, die verseuchten Schleimhäute los zu werden. Dafür braucht er Flüssigkeit, die er sich holt, wo er sie kriegen kann, und schon kriegen wir Kopfschmerzen, wie bei einem Kater, auch ein Flüssigkeitsmangel. Mal salopp ausgedrückt.

So muss doch bei der Bewertung jedes Ereignisses ein wenig Hirnschmalz eingesetzt werden, um die wahren Ursachen zu erkennen und nicht die Vermittlungen für die falschen Ursachen zu halten. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Immer versuchen, hinter die (vermeintlichen) Ursachen zu schauen, ob man nicht doch noch die echten findet. Die Anwendung auf aktuelle Ereignisse überlasse ich mal Euch.

Multible Realitäten

Eigentlich gibt es nur eine Realität. Das wird man doch mal so abstrahieren dürfen. Vermutlich haben sich diverse Philosophen auch schon damit beschäftigt, so dass diese Erkenntnis feststeht: Es gibt eine Realität. Aber wie sagte schon Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl: “Die Wirklichkeit ist anders als die Realität.” Aber das nur nebenbei.

Irgendwann, es ist schon eine ganze Weile her, betrat der Mensch die Bühne dieser Realität. Was grundsätzlich noch nichts daran änderte, dass es nur eine Realität gibt. Aber mit seiner zunehmenden Dauer der Anwesenheit erlernte der Mensch, diese Realität zu sehen und sich Gedanken darüber zu machen. Er macht sich – noch ganz ohne Smartphonefotoapparat – ein Bild von der Realität.

Der Mensch, nach eigenen Angaben die Krone der Schöpfung, bringt in seinem homozentrischen Weltbild irgendwann die Kleinen mang die Großen und verwechselt sein Bild von der Realität mit der Realität selbst. Das scheint aber eine typisch menschliche Eigenschaft zu sein. Ich bin, also ist es so, wie ich es sehe. Eine der Spitzen an Abwandlungen dieses Gedankens stellt ein Zitat aus dem 17./18 Jahrhundert dar: “L’État, c’est moi! (Der Staat bin ich!)” Dem Sonnenkönig Ludwig dem XiV. wird es zugeschrieben. Er soll damit dem Absolutismus begründet haben. Beim homozentrischen Absolutismus des Menschen könnte man auch sagen: “Ich sehe, also ist es so.”

Eben nicht. Das Problem der Abbildungen, die sich der Mensch von der Realität macht, ist, dass jeder Mensch sich seine eigene fabriziert. Das macht er nicht bewusst, das ist einfach so. Subjektivismus könnte man sowas nennen. Das Blöde ist nur, dass sich eben diese Abbilder nicht nur von Mensch zu Mensch unterscheiden, sondern auch beim gleichen Menschen mindestens eine zeitabhängige Komponenten haben. Das liegt daran, dass die Projektionsfläche – das menschliche Gehirn – sich ständig weiterentwickelt und so aus der Abbildung immer andere Erkenntnisse bezieht. Ein Beispiel:

Wenn ich beim Schreiben dieses Artikels an meinen Monitoren vorbei durch das Fenster schaue, sehe ich in einiger Entfernung einen Baum. Einen großen Baum. Wobei ich hier schon wieder subjektiviere, er ist zwar der größte Baum in seinem näheren, sprich einsehbaren Umfeld, aber es gibt größere Bäume. Außerdem: Was ist ein Baum? Der Begriff kommt doch auch schon wieder aus einer homozentrischen Quelle und beinhaltet diverse Wertungen. Aber egal. Für mich steht da ein Baum. Jemand anderes, der auch in diese Richtung guckt, aber dessen Blick nicht durch eine Gardine und eine leichte Kurzsichtigkeit getrübt ist, sieht in dem Baum nicht nur einen Baum, sondern einen kurznadeligen Nadelbaum. Vermutlich eine Kiefer (Botanik war nie meine Stärke). Jemand, der sich mit Biologie u.ä. mehr auskennt, sieht in dem Baum Lebensraum für allerlei Fauna, vielleicht auch andere Flora, und der Besitzer des Hauses neben dem Baum ärgert sich über das Moos/die Algen auf dem Dach seines Hauses und die Dachschindel zerstörenden herrunterfallenden Äste. Es ist immer noch der gleiche Baum. Es ist immer noch die gleiche Realität, aber wie unterschiedlich ist das Abbild dieser.

Noch abstruser wird es, wenn man zwischen der hirneren Projektionsebene und der Realität noch eine Ebene dazwischen schaltet. Nehmen wir beispielhaft ein Foto, dass die obere Hälfte des Baumes zeigt. Ich sehe Zapfen, ich sehe Nadeln, also ist es für mich nicht nur ein Baum, sondern ein Nadelbaum. Ob er groß oder klein ist, weiß ich nicht, auch nicht, wo er steht. Ich sehe ja nur das Bild von dem Baum. Der Biologe aus dem vorherigen Beispiel sieht natürlich auch wieder die Fauna und Flora drumrum, weil er von ihr weiß. Und den Hausbesitzer ficht der Baum nicht an. Er weiß nur, dass er einen ähnlichen bei sich auch auf dem Grundstück hat und der den Wert desselben mindert. Dass es sein Baum ist, erkennt er nicht, da er ihn immer nur von unten sieht, das Foto hat aber eine waagerechte Sichtachse.

Ist also zwischen der Realität und der eigenen Projektionsfläche noch ein Medium dazwischen geschaltet, kommen zu den eigenen Subjektivitäten noch die des Mediums hinzu. Außerdem zeigen Medien unabhängig von ihrer Art immer nur einen Ausschnitt der von ihnen selbst subjektivierten Realität. Der beobachtende Mensch kann zwar einen Teil der durch die Ausschnittsbildung entfallenen Realität wiederherstellen, aber eben nur subjektiv. Es soll helfen, sich sein Bild aus mehreren Quellen zu bilden, dass diese voneinander unabhängig sein sollten, ist genauso klar wie schwierig herauszufinden. Und dann hat man noch so viele Quellen wie möglich. Und nicht nur zwei, wo die eine Hüh und die andere Hot sagt.

Wer sich in der Biologie des Sehens bzw. in der Technologie des MPEG-Videos auskennt, der weiß, dass selbst das Sehen nicht so funktioniert wie es augenscheinlich aussieht. Sowohl der Sehsinn als auch die MPEG-Komprimierung vermindern die Menge der zu übertragenen Informationen auf ein Minimum. Erst der Player auf dem Rechner oder unser Gehirn macht wieder einen Film, einen Ablauf bewegter Bilder daraus. Übertragen werden ab und an mal ein ganzes Bild, aber dann nur noch die Änderungen vom vorherigen Bild. Auf diese Weise gibt es Informationsverluste, die das Hirn wieder ausgleichen muss; dabei macht es Fehler. “Optische Täuschungen” sind ein Beispiel, aber die Fehlerbildung ist eben nicht nur optisch, sondern umfassend und betrifft eben auch alle anderen Aspekte.

Der einfachste Algorithmus, um zu versuchen, aus unvollständigen Informationen vollständige zu machen (ein Versuch, der übrigens grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist), ist das Verallgemeinern oder Pauschalisieren. Lücken werden durch Allgemeinplätze gefüllt. Das scheint zu funktionieren, entstehen doch dann Abbilder der Realtität, die ins eigene Vorstellungsvermögen passen, aber mit der echten, einzigen Realität haben die dann wenig  zu tun. Das muss übrigens nicht nur durch das Zwischenschalten irgendwelcher Medien bedingt sein. Selbst, wenn man zwei Leute direkt nebeneinander an ein Ereignis stellt und sich hinterher davon berichten lässt, wird man unterschiedliche Abbilder bemerken. Isso.

Es liegt also nicht immer nur an dem Medien, wenn Menschen unterschiedlicher Meinung sind. Es wäre eine schöne Aufgabe, die Realität möglichst umfassend und aus allen Blickwinkeln abzubilden. Bei aller Vielfalt, aber so viele Medien kann es gar nicht geben. Es wird immer nur ein subjektiv veränderter Ausschnitt sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Medien trotz aller systemimmanenten Subjektivität wirklich nur die Realität versuchen abzubilden, und nicht auch noch versuchen, die Realität zu ändern. Die Ausschnittsauswahl hat schon Manipulationspotenzial genug, bewusst genutzt oder nur unbewusst bewirkt.

“Umfassend” ist hier wohl ein wenig das Zauberwort. “Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.” beschreibt die Gefahren schon recht gut.

 

Schlecht recherchiert

Dass bei den Discountern in den Hausmarken Produkte stecken, die von so manchem Markenhersteller stammen, ist ja eigentlich ein alter Hut. So stellt zum Beispiel die Molkerei Bauer Joghurts her, die unter dem Edel-Namen Mövenpick verkauft werden… Achnee, dass hat ja mit Discountern nix zu tun. Sorry.

stern.de überrascht seine Leser mit der bisher so unbekannten Praxis. Unter der Überschrift “Diese Marken stecken hinter den Billigartikeln” vergleicht die Internetseite 21 “Originale und ihre Aldi-Varianten“. Vielleicht einige Bilduntertitel:

“Die Verpackung der Eigenmarke Desira von Aldi sieht dem Original sehr ähnlich.”
“Die weichen … Joghurt Früchtchen sind auch optisch kaum vom Original, …, zu unterscheiden.”
“Die … Mini Schoko Küsse sind den … [Marke] Schoko Strolchen verdammt ähnlich.”
“Auch hier ist es gar nicht so einfach für Kunden einen Unterschied zu erschmecken. Die … [Aldi] Erdnuss Flips, und die Flips von … [Marke].”
“Auch Knabberkram von Aldi stammt aus den gleichen Produktionsstätten wie die Markenware.”

Die Frage ist nun, wo der eigentliche Nachrichtenwert liegt? Vor allem eine Bildungerschrift bringt erstaunliche Aufklärung: die letzte in meiner Aufzählung. Produkte, die es bei Aldui zu kaufen gibt, werden in den gleichen Produktionsstätten produziert wie Markenprodukte. Das sagt NICHTS, aber auch gar nichts über deren Inhaltsstoffe und Qualität aus. Zumal (siehe obiges Beispiel) selbst Markenhersteller bei namenlosen oder bei anderen Markenproduzenten fabrizieren lassen. Die Markentankstellen holen sich ihr Benzin auch alle aus der gleichen Raffinerie.

Das Hersteller auch für fremde Marken produzieren, ist gängige Praxis. Und wenn da auch ein paar Handelsmarken dabei sind, was soll’s? Aber das da überall das gleiche drin ist, sagt dieser Fakt nicht aus. Jede Marke hat ihr Charakter (oder sollte ihn haben) und damit die eigene Rezeptur. Und mit der werden die Produkte im Auftrag produziert.

Ein einfach zu prüfendes Beispiel sei ein Produkt ohne “Rezeptur”: Milch. Dem Leser dieses Blogs im nord(ost)deutschen Raum sei mal die Aufgabe mitgegeben, darauf zu achten, wo die Frischmilch, ESL-Milch, Bio-Milch und H-Milch in den Supermärkten und Discountern seiner Vorlieben herkommt. Irgendwo auf der Packung gibt es ein liegendes Oval, dass den Abfüller identifiziert: DE MV 006 EG. Nicht überall, aber doch weit verbreitet. Schöne Grüße nach Upahl. ;-)

35, 30, 15, 10, 5, 5

Neubrandenburg wählt. Es ist zwar noch ein paar Tage hin, aber die ersten Auswirkungen des Wahlkampfes sind schon zu spüren. Zumal ja auch sooo viel Zeit nicht mehr ist. Am 01. März wählen wir einen neuen Oberbürgermeister. Und wenn es keiner auf Anhieb schafft, machen wir das am 15. März gleich nochmal, nur die Auswahl ist dann kleiner. So ist das bei einer Stichwahl: 2 aus 6.

Im ersten Wahlgang stehen 6 Kandidaten zur Auswahl. Die Presse hat ja schon mit einer gewissen Ausführlichkeit darüber  geschrieben (wertungsfrei alphabetisch sortiert):

  • Torsten Koplin (Die Linke)
  • Diana Kuhk (SPD)
  • Michael Nötzel (parteilos)
  • Manfred Pawlowski (FDP)
  • Michael Stieber (SPD)
  • Silvio Witt (parteilos)

Da gilt es wohl mal, den Zahlen aus der Überschrift den entsprechenden Bewerbern zuzuordnen. Alles bitte aus Sicht vom 18.01.2015 mit einer gefühlten Spanne von +/- 5%.

Manfred Pawlowski (FDP): 5%
Manfred wer? Sicherlich gibt es einen Reihe Wähler, die ihn kennen. Die seiner Partei nahestehenden werden ihn wohl wählen. Könnte also auch noch weniger werden.

Michael Nötzel (parteilos): 5%
Unkonventionelle Denkweisen sind noch kein abendfüllendes Programm (wobei so ein “Abend” 7 Jahre dauert). Für einen politischen Gestaltungs-Job sicher besser geeignet, aber, bei allem Respekt: Ein Oberbürgermeister ist ein Verwaltungschef. Das schränkt kreative Gestaltung ein. Zumal die Stadtvertretung alle Ideen absegnen muss. Und, das, was Geld kostet, bedarf die Zustimmung von Herrn Caffier.

Michael Stieber (SPD): 10%
Es ist zu befürchten, dass hier die Partei das größte Verhinderungspotenzial hat. Es gilt zu hoffen, dass Michael Stieber wenigstens in seiner eigenen Partei genug Wahlgänger hat, die für ihn stimmen. Das ist auch nicht bei jedem Kandidaten so.

Diana Kuhk (CDU): 35%
Ihr erster Faux pas wird bis zur Wahl vergessen sein, wenn er nicht wieder aufgefrischt wird. Ansonsten würden wir mit ihr auf jeden Fall die bestaussehenste Wahl treffen. Auch resolute Durchsetzungskraft wird unterstellt. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht zu viele Sozialpädagogen zur Wahl gehen, von diesem Berufsstand sind wohl eher keine Stimmen zu erwarten.

Tosten Koplin (Die Linke): 30%
Rote Hochburg Neubrandenburg. Wobei es zu befürchten ist, dass selbst aus der Partei nicht alle Stimmen für ihn abgegeben werden. So lauten jedenfalls Gerüchte. Wobei, so ein Verwaltungsjob wäre schon was passendes.

Silvio Witt (parteilos): 15%
Neubrandenburg ist nicht Reykjavík. Silvio Witt ist nicht Jón Gnarr. Und er ist auch nicht Hans-Joachim Schröder. Wobei das durchaus positiv bewertet werden kann. Immerhin spielt Silvio Witt seine Rollen selbst und schreibt sich auch seine Texte.
Schade ist, dass zur Stichwahl nur zwei Kandidaten antreten. Bei dreien hätte Silvio Witt durchaus eine Chance, nur, dass er so schon in der Vorrunde rausfliegt. Die Frage ist auch, ob ihm als kreativen Kopf die Arbeit als Oberbürgermeister wirklich gefallen würde.

Am 1. März wird gewählt. Gegen 19 Uhr wird spätestens klar sein, wer in die Entscheidungsrunde geht. Mal sehen, was die Wochen davor noch für Erkenntnisse bringen. Der Wahlkampf möge beginnen.

Über 5 Ecken kennt man die ganze Welt

Wie sagte schon der vielzitierte Kollege Volksmund so schön: “Gleich und gleich gesellt sich gern.” Damit hat er ja auch durchaus recht, auch wenn “Gegensätze zieh’n sich an.” durchaus auch eine populäre Floskel ist. Widersprüche inklusive. Aber lasst uns bei ersterem Spruch bleiben und ihn zu einem philosophischen Ansatz machen. Der Volksmund ist schließlich ein großer Philosoph, mit der Weisheit von Jahrhunderten.

Nicht ganz so alt, höchstens ein paar Jahre, ist der Begriff “Filter-Bubble”, eine offensichtlich deutsch-englische Koproduktion. Filterblase könnte man auch sagen. Auch dieser Begriff, ursprünglich aus der Informationsverarbeitung, kann man mittlerweile in einen philosophischen Kontext stellen und damit aufs “normale Leben” verallgemeinern. Schnell stellt sich heraus, dass eigentlich jeder in seiner “Filterblase” lebt, ein Effekt, der zunehmend Bedeutung zu bekommen scheint.

Zur Erläuterung kommen wir auf den Volksmund zurück und stellen schnell fest, dass sich das gesellige Gleiche nicht nur auf die Wahl von Lebenspartnern bezieht, sondern auf eigentlich den gesamten persönlichen Dunstkreis. Mit welchen Menschen gestalten wir unser Leben, pflegen Kontakte und verbringen wertvolle Freizeit miteinander? Es sind genau die, mit denen wir irgendwas gemeinsam haben, gemeinsame Interessen, gemeinsame Meinungen (oder eine gemeinsame Ader, über die Meinungen zu streiten), gemeinsame Abhängigkeiten usw. Dabei müssen die Übereinstimmungen nicht allumfassend sein, es reichen bestimmte Teilaspekte, schließlich ist man ja auch nicht umfassend zusammen. ;-)

Grob verallgemeinert: Man umgibt sich mit Gleichgesinnten. Wobei der Begriff sehr umfassend zu nehmen ist. So typisch norddeutsche Hanseaten und bayerische Bergbauern wird man selten in der gleichen Filterblase finden. Offensive Christen und aktive Atheisten (wenn sie nicht andere gemeinsame Berührungspunkte haben) trifft dieses Schicksal meist ebenso. Zugegeben, ein wenig Klischee ist schon dabei, aber es soll ja nur die gedankliche Richtung illustrieren.

Die Filterblasen, so flexibel sie manchmal gestrickt sind, zeugen innen doch von einer gewissen Homogenität und meist dann auch von einer gewissen Abgeschlossenheit. Kommt man neu in die Umgebung solch einer Blase und würde auch gern hinein schlüpfen, muss man erst ein der Einlasskontrolle vorbei. Neue Menschen in einer Filterblase bringen neues mit, da muss erst geprüft werden, ob das was bringt, damit die Gemütlichkeit in der Blase nicht gestört wird. Man ist ja gern unter seinesgleichen, da fühlt man sich verstanden, akzeptiert und geachtet. Vereine sind beispielsweise entsprechende gesellschaftliche Ausdrücke, auch Parteien, Freundeskreise, selbst Religionsgruppen u. v. a. m.

Man kann aber auch andere Beispiele heranziehen. In großen amerikanischen Metropolen gibt es “China-Towns”, Stadtteile, die chinesischer sind als manche Stadt in China. Selbst die französische Hauptstadt Paris hat ein Chinatown, aber auch ein tamilisch-indisches Viertel. Und in Düsseldorf gibt es eine Japantown mit einem der größten Buddhistischen Zentren außerhalb Japans. So können auch ganze Stadtteile zu einer Filterbubble werden …

Ach ja, die Überschrift. Irgendwie das Gegenteil von Filterblasen. Aber die Aussage stimmt, wenn man es mal mathematisch betrachtet. Wenn man sich mal überlegt, wie viele Leute man kennt, und sei es auch nur auf dem Level “man grüßt sich, hat aber den Namen schon vergessen”. Oder irgendwelche Freunde von entfernten Verwandten, die man einmal bei einem runden Jubiläum getroffen hat und dann nie wieder. Zählt man die alle zusammen, auf was für eine Zahl kommt man (im Durchschnitt)? Fachleute beziffern diese mit ca. 1000 Menschen. Diese 1000 Menschen kennen aber auch wieder jeder 1000 Menschen (ok, es gibt Überschneidungen, aber was soll’s?!). So sind wir schon bei einer Million. Noch eine Ebene weiter ist auch schon die Milliarde erreicht, und noch eine Ecke weiter die Billion. So viele sind wir aber nicht, von knapp 8 Milliarden geht man wohl aus. Hat einer die Ecken mitgezählt? 1 -> 1000 -> 1’000’000 -> 1’000’000’000 -> 1’000’000’000’000. 5 Ecken.

Stolz wie Bolle

Sky macht Werbung. Sky macht Werbung für Werbung bei Sky. Sky muss den Werbeagenturen erklären, wie Werbung bei Sky funktioniert und wirkt. Da muss der Chef an, der Vermarktungschef.

Wer Sky abonniert, verändert seinen TV-Konsum dramatisch.

Martin Michel (Sky Vermarkter) in horizont.net

Das ist aber nicht seine einzige Weisheit. Seiner Meinung nach geht, wer Sky abonniert, dem Free-to-Air-Markt verloren. Interessanter Gedanke. Und doch sehr selbstbewusst.

Als ehemaliger Kunde, der zusammen mit dem Namen “Premiere” die gegenseitigen Verbindlichkeiten beendete, möchte ich doch arg heftig widersprechen. Solange ich bei Sky nicht auch die Inhalte finde, die ich vom Free-TV geboten bekommen und die mich interessieren, wäre ich dem Free-to-Air-Markt nicht verloren gegangen.

Aber ich habe kein Sky, irgendwie auch aus Zeitmangel. Aber wenn ich die Angebote mit meiner Erinnerung von Premiere vergleiche, fallen mir schon ein paar Sachen auf, die mir fehlen. Und die von mir genutzen Free-TV-Angebote fehlen schon mal vom Grundsatz her …

Widerspruch in sich

Eine deutsche Wurstküche macht Werbung für vegetarisches Essen. Was sich wie ein Widerspruch in sich anhört nennt sich “Vegetarischer Schinkenspicker”. Horizont schreibt hier darüber und zeigt da auch den aktuellen Werbespot.

Meine Freundin ist Vegetarierin; und neulich hat sie mir erzählt, dass sie mal Lust auf unseren … Schinkenspicker hätte.

Warum ist sie den dann nicht? Man darf die sinnliche Intelligenz des menschlichen Körpers nicht unterschätzen. Ist der nicht durch irgendwelche äußeren Einflüsse gestört, zeigt er durch sein Jieper-Verhalten, wenn ihm bestimmte Nährstoffe fehlen. Genau dann hat man nämlich Lust auf Lebensmittel, die diese Stoffe enthalten.

Was jetzt an besagter Wurst so wertvoll sein soll, wage ich nicht einzuschätzen. Aber wenn besagte Freundin einen solchen Jieper auf ein Fleischprodukt hat, sollte sie mal darüber nachdenken, was sie ihrem Körper mit der vegetarischen Ernährung zumutet.

Und ob die beworbene Nahrungsmittelsimulation da die Lösung ist …?

Langsam reicht’s – für was neues

Laut einem Artikel auf ZDNet wertet die “Internetbotschafterin der Bundesregierung” Gesche Joost das Ergebnis einer Studie (ICILS) so aus, dass Schüler schon im Grundschulalter anfangen müssen, Programmieren zu lernen. Das ist sicher ein interessanter Gedanke, wird aber die Klassen wieder in zwei Teile differenzieren: den eher rational, algorythmisch und den ganzheitlich, emotional denken könnenden Schülern. Den Effekt kann man bereits jetzt wunderbar beobachten bei den Lernenden, die beispielsweise eher Mathematik oder eher Sozialkunde oder eher Sprachen begreifen.

Das ist aber noch nicht mal das bemerkenswerte, was aber den Gedanken durchaus induzieren könnte, spätestens nach der Orientierungsstufe das Programmieren in den Wahlpflichtbereich zu übernehmen. Dort können dann diejenigen, denen sowas liegt, besonders an die Art und Weise des Denkens bei der Programmierung herangeführt werden.

Verwerflich finde ich Joost’s Gedanken, das Programmieren lernen in die vorhandenen Fächer zu integrieren. Das ist ja eine Strategie, die auch schon bei anderen wichtigen Themen, wie zum Beispiel der Medienbildung, wunderbar geklappt hat. Nicht. Aber vielleicht findet sich genau hier ein interessanter Ansatz für die Problemlösung. Wenn man die Themen der Medienbildung und die der aktuellen Forderungen von Gesche Joost (Wie funktionieren die Medien, wie geht man mit ihnen um, wie wertet man deren Produkte, wie gestaltet man sie selber, wie programmiert man Webseiten, Apps, sonstiges? usw.) vereint, reichen die zur Vermittlung anstehenden Kenntnisse und Fertigkeiten locker aus, um damit ein Unterrichtsfach neu zu begründen und ins gesamte Schulsystem aufzunehmen.

Rekursives Menschenrecht

Der Artikel 5 unserer aktuellen Verfassung namens Grundgesetz befasst sich mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und und zementiert sie fest in unserer Gesellschaft. Watt’n Glück.

Dabei geht es darum, das jeder seine und nicht jeder eine Meinung frei äußern kann. Sobald also zwei Leute aufeinander treffen, kann es auch zwei Meinungen geben, die sich diametral gegenüber stehen.

A hat also eine Meinung und B auch, aber eine andere. Wenn A seine eigene äußert, kann B seine dagegen stellen, wogegen dann aber wieder A seine stellt und B dann wieder seine. Usw. Usf.

Zur Beachtung: Keine Meinung sollte so fest sein, als dass sie sich nicht auch durch gute Argumente bewegen lässt. Dieses “bewegen” nennt man auch “denken”.

Voltaire soll einmal gesagt haben: “Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”

Zuviele sollten aber auch nicht einer Meinung sein. Dazu meinte Heiner Müller einmal: “Zehn Deutsche sind natürlich dümmer als fünf Deutsche.”

Womit sich der Begriff “Schwarmintelligenz” als allgemeinum für den Menschen verbietet. Es mag bewusst herbeigeführte Zustände geben, wo das nicht so ist, aber im unbewussten System ohne Energiezufuhr gilt eben der 2. Satz der Thermodynamik, nachdem sich das Maß des Chaos von allein immer nur vergrößert.

Und wer letztendlich Recht hat, das muss der Beobachter aus seinem Blickwinkel unter Berücksichtigung der Folgen entscheiden. Wer in diesem Moment Recht hat, ist jetzt nicht zu entscheiden.

Frei nach H. G.: “Was soll das?

Manchmal kann man ja nur mit den Ohren schlackern, wenn man über das nachdenkt, was man so hört. Wofür so alles Geld ausgegeben wird, darf dann auch mal hinterfragt werden. Oder will man das gar nicht? Ist es besser so, wenn es so läuft, wie es läuft?

Alles fing mit einem Anruf an, und weil es dabei um ein Praktikum ging, landete das Gespräch bei mir. Ein medial nicht unbeleckter Mensch, aus was für einer Situation auch immer kommend, wurde in so einer Art Wiedereingliederung im Auftrage bzw. in Zusammenarbeit mit der hiesigen Arbeitsagentur durch einen Verein betreut. Davon gibt es ja einige. Meine “Firma” hat schon einige Erfahrungen mit derartigen Praktika. Salopp ausgedrückt geht es darum, mit dem vorher länger nicht im Berufsleben gestandenen Praktikanten/der Praktikantin an den geregelten Tagesablauf eines Arbeitnehmers heranzuführen und ihn/sie auch mit den Anforderungen eines Jobs wieder in Verbindung zubringen. So weit, so gut.

Die durch die Vereine betreuten Menschen sind angehalten, sich auch das eine oder andere Praktikum zu organisieren, damit sie ins Berufsleben reinschnuppern können. Und vielleicht ergibt sich ja auch ein Jobangebot, wenn die Sterne ganz besonders günstig stehen. Suchen oder finden sie keinen Praktikumsplatz, übernehmen die Vereine die Aufgabe, deren Werktagen eine Struktur zu geben. Dann wird ausgiebig Kaffee getrunken, gebastelt, Sport getrieben und sich gegenseitig Quark ins Gesicht geschmiert, was thematisch irgendwie unter Hygiene und Kosmetik fiel. Und wir reden immer noch von Erwachsenen … Vielleicht ist dieses Betreuungsprogramm auch nur dazu da, die Leute in die Praktika zu treiben.

Aber irgendwie glauben kann ich diese These auch nicht. Kaum hatte der oben erwähnte potenzielle Praktikant meine “Firma” als Praktikumsstelle gefunden, wurde ihm durch den Verein dieses untersagt. Komisch. Nun gehörte dieser Mensch offenbar zur Generation “irgendwas mit Medien” und hatte auf dem Gebiet einschlägige Erfahrungen, durfte dann aber bei einem der sicher nicht so zahlreich in der Region vorkommenden Medienunternehmen nicht sein Praktikum absolvieren. Statt dessen sollte er übrigens in einem Baumarkt, einer Einrichtung, ohne die zahlreiche Bürger sicher nicht auskommen, ein Praktikum absolvieren; er selbst hatte in seinem Leben aber einen großen Bogen darum gemacht. Das war nicht seine Welt.

Die Sache schien irgendwie abgeschlossen zu sein. Doch plötzlich noch ein Anruf: Der Verein hat einem Praktikum in meiner “Firma” doch zugestimmt; wenn auch nur unter einer Bedingung: Der Unterschrift unter einer Art Einstellungsverpflichtung. Was nichts anderes hieß: Wir sollten VOR dem Beginn des Praktikums eine Art Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass wir den Praktikanten im Anschluss an sein Praktikum als Mitarbeiter übernehmen? WER UNTERSCHREIBT DENN SOWAS? Welches lebensfremde Hirn denkt sich sowas aus?