Sonntagsfahrer – Jetzt auch montags

Gestern hatte ich eine/n Autofahrer/in vor mir, de/r/ss/en defensiver Fahrstil beinahe im Rückwärtsfahren gipfelte. Sowas unsicheres habe ich lange nicht mehr gesehen. Wobei das nicht stimmt. Als ich am Sonntag mit dem Auto fuhr, hatte ich ein ähnlich fahrendes Auto vor mir.

Vielleicht sollte man beim Autofahren bzgl. des Führerscheins (oder heißt es Fahrerlaubnis?) etwas ähnliches einführen, wie ich es mal bei Piloten gehört habe: Wer innerhalb eines Jahres eine bestimmte Zahl gefahrener Kilometer nicht zusammen bekommt, um einfach auch Fahrpraxis zu haben, gibt seinen Fahrerlaubnis (oder heißt es Führerschein?) zurück. Ggf. mit Fahrsicherheitsüberprüfung. Also, es wird die Fahrsicherheit überprüft.

Lustiges von den Nachbarn

Unsere Burg Stargarder Nachbarn sind ja auch ein lustiges Völkchen. Da regen sich die einen (zusammen mit den möglichen Besuchern) darüber auf, dass die Tourist-Info des Burgenstädtchens gerade auch in der Hauptsaison geschlossen ist. Der Grund ist wohl: Es gibt nur eine Mitarbeiterin und die hat ja auch mal Urlaub oder ist krank. Die Frage ist, wie löst man solche Probleme?

In Burg Stargard so: Zum Jahresende wird der Laden dicht gemacht und komplett geschlossen. Das erinnert mich an ein Auto: Wenn die Warnleuchte blinkt, wird sie abgeklemmt, eine Reparatur wäre zu teuer. Die Folgen sind in beiden Fällen vermutlich vergleichbar.

Warum nimmt man sich nicht an den Großen ein Vorbild? Der Post zum Beispiel. Konkret den Postagenturen. Irgend ein Laden in Burg Stargard, der das ganze Jahr über geöffnet hat, übernimmt gegen ein gewisses Salär von der Stadt die Dienste.

Gegen die Bürokratie zum Mindestlohn

Da las ich doch irgendwo, das Gastronomen sich über die Bürokratie rund um den eingeführten Mindestlohn beschweren. Immerhin gut war das Zitat, dass für die meisten von ihnen die Höhe des Mindestlohnes nicht das Problem ist, sondern nur die Bürokratie drumrum wie die Arbeitszeitdokumentation usw.

In dem Zusammenhang fällt mir mal eine vielleicht doch etwas naive Frage ein, vermutlich könnte ich mich auch irgendwo belesen: Gilt diese aufwändige Dokumentationspflicht nur für die Arbeitnehmer, die jetzt den gesetzlichen Mindestlohn bekommen?

In der Frage schwingt schon ein wenig die Lösung für das Problem mit. Eigentlich bräuchten doch die Arbeitgeber, die sich über die Bürokratie rund um den Mindestlohn so aufregen, doch ihren Arbeitnehmer nur einen vernünftigen, hinreichend über dem Mindestlohn liegenden Lohn zahlen, und schon ist die Bürokratie weg.

Auf den Inhalt kommt es an

Man soll ja nicht so viel rumpalavern, Inhalte zählen. In vielerlei Zusammenhängen wird das immer wieder deutlich, immerhin leben wir in einer Informationsgesellschaft. Und weil wir uns außerdem noch in einer globalisierten Welt bewegen, suchen wir keine Inhalte, sondern Content.

Dieser Content muss frisch sein, exklusiv, einmalig, wahr, … So wird er auch gern mit Schlagwörtern … ähm … Tags versehen. Da freut man sich dann, wenn man exclusiven content bekommt. Oder one-and-only. Und wenn er ganz frisch und exklusiv und investigativ und aufrüttelnd ist, dann ist es „Hot Content“.

Dann öffnet man das Ding, wo „Hot Content“ drauf steht und … es ist kalter Kaffee. Mal bildlich gesprochen. Wobei „bildlich“ das falsche Wort ist. Es war die pure Wirklichkeit. Wobei ich am kalten Zustand selber Schuld war, ursprünglich war das Kaffeegetränk wirklich hot. Schön, dass dann auf dem Deckel auch „Hot Content“ steht. Aber zur Aufklärung hat es nicht beigetragen. 😉

Eine Straße mit 251 Nullen

Was soll dem Leser die Überschrift sagen? Eine Straße, wo nur Deppen wohnen? Mitnichten! Ich bin heute durch eine Straße gefahren, deren Bezeichnung sage und schreibe 251 Nullen enthielt.

Meinte zumindest Ruth. Ihr kennt Ruth nicht? Doch, kennt ihr. Vielleicht nur unter einem anderen Namen. Ich meine die nette Dame, die der Navi-App auf meinem Händy entspringt. Und die meinte, ich soll auf die

B960000000000000000000000000000000000000000
0000000000000000000000000000000000000000000
0000000000000000000000000000000000000000000
0000000000000000000000000000000000000000000
0000000000000000000000000000000000000000000
000000000000000000000000000000000000000

abbiegen. Wobei Ruth es – ganz gelernte Mathematikerin – anders formuliert hatte. Sie meinte, ich solle auf die „B96 mal 10 hoch 251“ abbiegen.

Wie kommt sie auf diese Idee? Vermutlich interpretierte sie die Bezeichnung E251, die hinter der B96 stand, eben als Zehnerpotenz und nicht als Europastraße …

 

 

Parallele Äskulapstäbe in gefühlten Wirklichkeiten

Mein Radio erzählte mir, dass es morgen abend eine Diskussionsrunde mit den Hörern veranstalten möchte. Eins der zur Wahl stehenden Themen ist die medizinische Versorgung und die unterstellten Unterschiede in der Behandlung zwischen Kassen- und Privatpatienten.

Deshalb hier mein öffentliches Outing: Ich bin Kassenpatient. Und ich habe gesundheitlich die eine oder andere Baustelle. Das führt dazu, dass mich meine Hausärztin gelegentlich mal zu ihren fachlichen Kollegen schickt, die dann aus ihrer Sicht und mit ihren Möglichkeiten und Erfahrungen einen genaueren Blick auf und in mich werfen.

Am 19. Januar 2015 – also vor 16 Tagen – war ich bei meiner Hausärztin und sie schickte mich zu zwei Spezialisten. Am gleichen Tag holte ich mir die Termine. Heute – 04. Febraur 2015 – habe ich den zweiten Termin hinter mir gelassen. Dieser Termin kam übrigens nur auf besonderen Wunsch meiner Hausärztin zustande. Wenn es nach den Vorschlägen der terminvergebenden Schwester gegangen wäre, hätte ich schon viel früher zur Untersuchung erscheinen können.

Wir schließen also: Entweder, ich habe nicht die richtigen Krankheiten, um eine Zwei-Klassen-Medizin zu bemerken, oder die Neubrandenburger Ärzteszene hält sich nicht an die vorgegebenen Klischees. Natürlich weiß ich, dass meine „Stichprobe“ nicht repräsentativ ist, aber dann sind solche Pauschalaussagen wie die einer Zwei-Klassen-Medizin ebenso falsch.

Übrigens: Apropos lange Wartezeiten – auch im Wartezimmer. Die Untersuchung heute war etwas komplexer.

  1. Ankommen in der Praxis, Anmeldung
  2. Wartezimmer
  3. erstes Gespräch beim Doc
  4. gerätegestützte Untersuchung durch den Doc
  5. zweites, kurzes Gespräch mit dem Doc
  6. Wartezimmer
  7. Blutentnahme, Injizierung eines Hilfsstoffes
  8. Wartezimmer
  9. Messung der Hilfsstoffverteilung
  10. Wartezimmer
  11. drittes Gespräch beim Doc, Diagnose
  12. Verlassen der Praxis

Wer schon ein paar Erfahrungen als Patient gesammelt hat, wird abschätzen können, wobei ich mich am meisten aufgehalten habe. Genau: Punkt 1 und 9. Vom Betreten der Praxis bis zum ersten Mal Hinsetzen zum Warten vergingen mehr als 5 Minuten. Zwei Patienten standen vor mir am Empfang, und die Schwester telefonierte noch zweimal bzgl. Terminvergaben. Und vor dem Messgerät muss man wohl 5 Minuten still sitzen, inkl. Einrichtung des Gerätes und des Patienten vorher sowie der Bekleidung des Patienten hinterher dauerte das sicher 7 oder 8 Minuten. Alles andere war kürzer, inklusive der Watezeiten. Nach einer guten dreiviertel Stunde hatte ich die heiligen Hallen verlassen.

Synonyme Schönheit

Fashon Week, Versandhauskatalog, Catwalk, Laufsteg: Alles und noch viel mehr löste einen Gedanken aus, der auch mal niedergeschriebene werden sollte. Aber es wird wohl kein Streit ausbrechen, über Geschmack lässt sich wohl nicht streiten.

Wenn ich mir die Menschen(?) auf dem Laufsteg so ansehe, und auch sonst mit offenen Augen durch die Gegend laufe, fällt mir nur ein Satz ein. Der Satz „Du siehst aus wie ein Model.“ muss nicht unbedingt ein Kompliment sein.

Oder anders formuliert: Die Sätze „Du siehts aus wie ein Model.“ und „Du siehst ja mal richtig gut aus.“ sind KEINE Synonyme.

Denkfehler – Falsche Ursache

In der Philosophie – aber nicht nur dort – baut man gern Kausalitäten oder gar ganze Kausalitätsketten auf. Ursache -> Wirkung ist die Verknüpfung, die immer wieder hergestellt wird und als so allgemeingültig gilt, dass sie bis ins wirkliche Leben hinein wirkt. Wenn irgendetwas passiert, hat das diese oder jene Ursache. Punktum. Wer sich da etwas kundig machen möchte, kann es mit dem dazugehörigen Wikipedia-Artikel versuchen. Dort gibt es auch einen Absatz zur Kausalität in der Physik. Ich erinnere mich dunkel an mein Studium.

Physik und Philosophie waren in der Vergangenheit schon immer eng verbunden. VIele große Physiker waren durchaus auch anerkannte Philosophen. Nicht umsonst hat es die Physik als einzige der anderen Wissenschaften geschafft, ein eigenes Philosophiegebäude – die Metaphysik – aufzustellen. Mal ganz populistisch ausgedrückt. 😉 Gegenseitig befruchtet haben sich Philosophie und Physik ungezählte Male. So kann man sich durchaus fragen, wo das o.g. Kausalitätsprinzip erstmalig als Erkenntnis aufgetaucht ist.

Aber es ist auch nicht das einzige Denkmodell, das man aus der Physik in der Philosophie verwerten kann, es gibt da noch ein anderes, das ursprünglich aus der Elektrotechnik kommt. Hier ist es als „Rechte-Hand-Regel“ bekannt, die die Kraftwirkungsrichtung auf einen stromdurchflossenen Leiter in einem Magnetfeld beschreibt. Kennen gelernt habe ich diese Regel (es gibt sie auch als „Linke-Hand-Regel“)  als UVW-Regel, die dem philosophierenden Gedanken näher kommt. Die drei Buchstaben stehen für Ursache-Vermittlung-Wirkung. Heißt: Jede Wirkung hat neben einer Ursache auch eine vermittelnde Bedingung. Und hier liegt der Knackpunkt.

Viele der einfachen Kausalitäten sind eigentlich Zusammenhänge, die man eher mit der UVW-Regel beschreiben kann. Nur werden hier entweder Ursache und Vermittlung verwechselt bzw. eine Vermittlung irrtümlich für eine Ursache gehalten, wobei man dann die eigentliche Ursache entweder nicht kennt oder ignoriert. Daraus folgern dann Fehler im Umgang mit den Zusammenhängen. Ein einfaches Beispiel sei unser Umgang mit einer Erkältung. Husten, Schnupfen, dichte Nase, Kopfschmerzen, Fieber. Also nichts wie rein mit Hustenstiller, Fiebersenker, Kopfschmerzpille und Nasenspräy zum Abschwellen der Schleimhäute, Bingo! Uns gehts wieder gut – den Umständen entsprechend. Und eigentlich alles falsch gemacht. Was wir da behandelt haben, warten allenfalls die Symptome der Erkältung, nicht aber deren Ursache. Diese Ursache bekämpft der Körper übrigens ganz gut allein, wenn man ihn ließe. Mit einer Temperaturerhöhung versucht er, die Viren abzutöten, mit Husten und Niesen versucht er, die verseuchten Schleimhäute los zu werden. Dafür braucht er Flüssigkeit, die er sich holt, wo er sie kriegen kann, und schon kriegen wir Kopfschmerzen, wie bei einem Kater, auch ein Flüssigkeitsmangel. Mal salopp ausgedrückt.

So muss doch bei der Bewertung jedes Ereignisses ein wenig Hirnschmalz eingesetzt werden, um die wahren Ursachen zu erkennen und nicht die Vermittlungen für die falschen Ursachen zu halten. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Immer versuchen, hinter die (vermeintlichen) Ursachen zu schauen, ob man nicht doch noch die echten findet. Die Anwendung auf aktuelle Ereignisse überlasse ich mal Euch.

Multible Realitäten

Eigentlich gibt es nur eine Realität. Das wird man doch mal so abstrahieren dürfen. Vermutlich haben sich diverse Philosophen auch schon damit beschäftigt, so dass diese Erkenntnis feststeht: Es gibt eine Realität. Aber wie sagte schon Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl: „Die Wirklichkeit ist anders als die Realität.“ Aber das nur nebenbei.

Irgendwann, es ist schon eine ganze Weile her, betrat der Mensch die Bühne dieser Realität. Was grundsätzlich noch nichts daran änderte, dass es nur eine Realität gibt. Aber mit seiner zunehmenden Dauer der Anwesenheit erlernte der Mensch, diese Realität zu sehen und sich Gedanken darüber zu machen. Er macht sich – noch ganz ohne Smartphonefotoapparat – ein Bild von der Realität.

Der Mensch, nach eigenen Angaben die Krone der Schöpfung, bringt in seinem homozentrischen Weltbild irgendwann die Kleinen mang die Großen und verwechselt sein Bild von der Realität mit der Realität selbst. Das scheint aber eine typisch menschliche Eigenschaft zu sein. Ich bin, also ist es so, wie ich es sehe. Eine der Spitzen an Abwandlungen dieses Gedankens stellt ein Zitat aus dem 17./18 Jahrhundert dar: „L’État, c’est moi! (Der Staat bin ich!)“ Dem Sonnenkönig Ludwig dem XiV. wird es zugeschrieben. Er soll damit dem Absolutismus begründet haben. Beim homozentrischen Absolutismus des Menschen könnte man auch sagen: „Ich sehe, also ist es so.“

Eben nicht. Das Problem der Abbildungen, die sich der Mensch von der Realität macht, ist, dass jeder Mensch sich seine eigene fabriziert. Das macht er nicht bewusst, das ist einfach so. Subjektivismus könnte man sowas nennen. Das Blöde ist nur, dass sich eben diese Abbilder nicht nur von Mensch zu Mensch unterscheiden, sondern auch beim gleichen Menschen mindestens eine zeitabhängige Komponenten haben. Das liegt daran, dass die Projektionsfläche – das menschliche Gehirn – sich ständig weiterentwickelt und so aus der Abbildung immer andere Erkenntnisse bezieht. Ein Beispiel:

Wenn ich beim Schreiben dieses Artikels an meinen Monitoren vorbei durch das Fenster schaue, sehe ich in einiger Entfernung einen Baum. Einen großen Baum. Wobei ich hier schon wieder subjektiviere, er ist zwar der größte Baum in seinem näheren, sprich einsehbaren Umfeld, aber es gibt größere Bäume. Außerdem: Was ist ein Baum? Der Begriff kommt doch auch schon wieder aus einer homozentrischen Quelle und beinhaltet diverse Wertungen. Aber egal. Für mich steht da ein Baum. Jemand anderes, der auch in diese Richtung guckt, aber dessen Blick nicht durch eine Gardine und eine leichte Kurzsichtigkeit getrübt ist, sieht in dem Baum nicht nur einen Baum, sondern einen kurznadeligen Nadelbaum. Vermutlich eine Kiefer (Botanik war nie meine Stärke). Jemand, der sich mit Biologie u.ä. mehr auskennt, sieht in dem Baum Lebensraum für allerlei Fauna, vielleicht auch andere Flora, und der Besitzer des Hauses neben dem Baum ärgert sich über das Moos/die Algen auf dem Dach seines Hauses und die Dachschindel zerstörenden herrunterfallenden Äste. Es ist immer noch der gleiche Baum. Es ist immer noch die gleiche Realität, aber wie unterschiedlich ist das Abbild dieser.

Noch abstruser wird es, wenn man zwischen der hirneren Projektionsebene und der Realität noch eine Ebene dazwischen schaltet. Nehmen wir beispielhaft ein Foto, dass die obere Hälfte des Baumes zeigt. Ich sehe Zapfen, ich sehe Nadeln, also ist es für mich nicht nur ein Baum, sondern ein Nadelbaum. Ob er groß oder klein ist, weiß ich nicht, auch nicht, wo er steht. Ich sehe ja nur das Bild von dem Baum. Der Biologe aus dem vorherigen Beispiel sieht natürlich auch wieder die Fauna und Flora drumrum, weil er von ihr weiß. Und den Hausbesitzer ficht der Baum nicht an. Er weiß nur, dass er einen ähnlichen bei sich auch auf dem Grundstück hat und der den Wert desselben mindert. Dass es sein Baum ist, erkennt er nicht, da er ihn immer nur von unten sieht, das Foto hat aber eine waagerechte Sichtachse.

Ist also zwischen der Realität und der eigenen Projektionsfläche noch ein Medium dazwischen geschaltet, kommen zu den eigenen Subjektivitäten noch die des Mediums hinzu. Außerdem zeigen Medien unabhängig von ihrer Art immer nur einen Ausschnitt der von ihnen selbst subjektivierten Realität. Der beobachtende Mensch kann zwar einen Teil der durch die Ausschnittsbildung entfallenen Realität wiederherstellen, aber eben nur subjektiv. Es soll helfen, sich sein Bild aus mehreren Quellen zu bilden, dass diese voneinander unabhängig sein sollten, ist genauso klar wie schwierig herauszufinden. Und dann hat man noch so viele Quellen wie möglich. Und nicht nur zwei, wo die eine Hüh und die andere Hot sagt.

Wer sich in der Biologie des Sehens bzw. in der Technologie des MPEG-Videos auskennt, der weiß, dass selbst das Sehen nicht so funktioniert wie es augenscheinlich aussieht. Sowohl der Sehsinn als auch die MPEG-Komprimierung vermindern die Menge der zu übertragenen Informationen auf ein Minimum. Erst der Player auf dem Rechner oder unser Gehirn macht wieder einen Film, einen Ablauf bewegter Bilder daraus. Übertragen werden ab und an mal ein ganzes Bild, aber dann nur noch die Änderungen vom vorherigen Bild. Auf diese Weise gibt es Informationsverluste, die das Hirn wieder ausgleichen muss; dabei macht es Fehler. „Optische Täuschungen“ sind ein Beispiel, aber die Fehlerbildung ist eben nicht nur optisch, sondern umfassend und betrifft eben auch alle anderen Aspekte.

Der einfachste Algorithmus, um zu versuchen, aus unvollständigen Informationen vollständige zu machen (ein Versuch, der übrigens grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist), ist das Verallgemeinern oder Pauschalisieren. Lücken werden durch Allgemeinplätze gefüllt. Das scheint zu funktionieren, entstehen doch dann Abbilder der Realtität, die ins eigene Vorstellungsvermögen passen, aber mit der echten, einzigen Realität haben die dann wenig  zu tun. Das muss übrigens nicht nur durch das Zwischenschalten irgendwelcher Medien bedingt sein. Selbst, wenn man zwei Leute direkt nebeneinander an ein Ereignis stellt und sich hinterher davon berichten lässt, wird man unterschiedliche Abbilder bemerken. Isso.

Es liegt also nicht immer nur an dem Medien, wenn Menschen unterschiedlicher Meinung sind. Es wäre eine schöne Aufgabe, die Realität möglichst umfassend und aus allen Blickwinkeln abzubilden. Bei aller Vielfalt, aber so viele Medien kann es gar nicht geben. Es wird immer nur ein subjektiv veränderter Ausschnitt sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Medien trotz aller systemimmanenten Subjektivität wirklich nur die Realität versuchen abzubilden, und nicht auch noch versuchen, die Realität zu ändern. Die Ausschnittsauswahl hat schon Manipulationspotenzial genug, bewusst genutzt oder nur unbewusst bewirkt.

„Umfassend“ ist hier wohl ein wenig das Zauberwort. „Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.“ beschreibt die Gefahren schon recht gut.