Notfall Handy

Wenn man Positronen zu viel Sauerstoff gibt, kommt eben manchmal Blödsinn bei raus. Da bin ich mal gespannt, wie das endgültig ausgeht.

Als Mobiltelefonierer bin ich Positron-Kunde der (beinahe) ersten Stunde. Seit dem 1. Quartal 1996 bin ich dabei, auch wenn damals die Mobilfunkversorgung an der Stadtgrenze versiegte. Wenn man aber eine Verbindung hatte, war die Sprachqualität top, besser als meine Erfahrungen mit allen anderen damaligen Netzen. Anrufer einer umgeleiteten Festnetznummer erkannten nicht, ob ich mich im Büro oder unterwegs befand. Ich war immer sehr zufrieden mit Positron, bis auf ein Ereignis, dass ich aber mitverschuldet hatte und das dazu führte, dass ich eine Weile nicht die Positron-Netzkennung auf meinem Handy hatte, sondern sie in die eines Elektrons änderte. Aber das nur nebenbei.

Seit 2014 bekommt das Positron nun ordentlich Sauerstoff, man versucht beide zu vereinen und dabei das Positron komplett aus den Namen, Marken und Verträgen zu verbannen. That’s Life. Aber nun kommen die fremden Menschen mit dem Sauerstoff und wollen mich hinüberlocken. Sie belästigen mein Handy und fordern mich postalisch zum Rückruf auf. Immerhin gibt es wenigstens dafür eine Portokasse. Für das Zusenden eines Angebotes oder Vertragsentwurfes gibt es die nicht, wie ich beim Rückruf erfuhr.

Mit dem Inhalt meines Positron-Vertrages bin ich eigentlich glücklich. Man könnte ihn vielleicht optimieren, aber ich vermute, viel besser zugeschnitten auf meine Bedürfnisse geht’s schon nicht mehr. Nun bieten die Sauerstoffler vergleichbares. Identische Leistungen gibt es natürlich nicht. Das wäre ja auch zu einfach. Irgendwo schimmert immer das Wort „Flatrate“ durch, wobei ich das dazu sinnvolle passende Telefonierverhalten nicht habe. Eine Datenflat brauche ich auch nicht, nicht umsonst spreche ich hier die ganze Zeit von Handy und nicht von Smartphone.

Erreichbarkeit, ab und an ein Rückruf, ab und an eine SMS und die zum Handy gehörige Festnetznummer, mehr habe ich nicht, mehr nutze ich nicht, mehr will ich nicht. Das offizielle, am Telefon gemachte Angebot, ist 30% teurer als das, was ich jetzt zahle. Das angepasste ist aber immer noch 20% teurer. Und ob wirklich alle Leistungen in der Form mit dabei sind, wie ich sie gern hätte, bleibt dahin gestellt.

Manchmal ist es doch erstaunlich, wie Nicht-Einzigartig ich bin. Das betrifft vor allem Eigenschaften, die ich mit Call-Center-Mitarbeitern gemeinsam habe. Der eine hat fast genau das gleiche Telefonierverhalten wie ich, der andere geht genauso selten wie ich ins Kino. Ey! Call-Center-Coacher! Auf diese simulierte Art eine Beziehung zwischen Agent und Kunden aufzubauen nervt! Ich will Zahlen, Daten, Verträge und keine gefühlsduseligen Vertretergespräche. Punkt.

Mein Positron-Vertrag läuft noch eine Weile. Ihr habt also noch eine Chance, mich zu bekommen bzw. zu behalten. Oder ihr kündigt mich. Ginge natürlich auch. Denkt aber daran, dass das dann für immer wäre. Und ich habe nicht nur ein Vertragsverhältnis mit Euch. Die würde ich dann alle mitnehmen zu einer von den beiden Alternativen. Oder zu einem Service-Provider (brrr *schüttel*).

Komische Zeiten

Da bekommt man dieser Tage – wir schreiben eine knappe Woche vor Ostern und wenige Stunden nach Frühlingsanfang (astronomisch) – von einem Versender, der sogenanntes Essen anbietet, einen Oster-Advents-Kalender und wundert sich noch ein wenig, schon überrascht eine der gerade ganz gern gesehenen Serien mit ihrer Weihnachts-Episode …

Sowas passiert doch eigentlich sonst nur im Sommer …

Der Frühling kommt: die Journalie idiotisiert

Frühling ist eine gefährliche Jahreszeit: der Spargel schießt, die Bäume schlagen aus, der Rasen wird gesprengt und was es nicht sonst noch alles für Floskeln gibt. Wenn die Sonne den Äquator von Süden kommend überschreitet und der Tag genauso lang ist wie die Nacht, ist Frühlingsanfang. Soweit die Theorie (und die Wahrheit).

In unseren Medien, vermutlich gespeist von den Meteorologen, ist das aber anders. Ganz anders. Zumal die Wetterkundler so ziemlich die einzigen sind, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Frühlingsanfang auf den 01. März legen. Und die Schreiber- und Sprecherlinge in den Medien steigen auch voll drauf ein und verblöden ihre Nutzer mit entsprechend komischen Ansagen.

So durfte ich in diversen Medien gestern lesen, dass in der kommenden Woche der Frühling kommt. Ein sich offensichtlich seiner Idiotie bewusster und deswegen nicht namentlich erwähnter „Experte“ des Deutschen Wetterdienstes DWD – immerhin eine staatliche Einrichtung – sagt: „Zum Wochenende kommt etwas Fahrt in die Wetterküche mit der Hoffnung auf ein Frühlingserwachen.“

Für’s Protokoll: Wir haben noch knapp 2 Wochen Winter (ab Datum der Veröffentlichung dieses Beitrages). Der Frühling beginnt am 20. März 2016 und nicht einen Tag früher oder später. Das kann man den Meteorologen an ihrem Ehrentag, dem 23. März, gern mal ins Stammbuch schreiben. Vernünftige Prognosen machen und rechtzeitig vor Gefahren warnen, dass sollen sie machen. Für Blödsinn sind hierzulande (Vorsicht: Klischeebemerkung!) die Politiker zuständig.

Zur Ergänzung: Sprachökonomie ist eine schöne Sache, spart sie doch Zeit in der Kommunikation. Im Idealfall fallen damit ausufernde Floskeln und sprachliche Schnörkel weg. Das ist solange gut, solange der Sinn nicht entstellt wird und im schlimmsten Fall noch mit einer Wertung untersetzt ist, die falsche Botschaften mitschwingen lässt. Immer gern genommenes Beispiel (auch hier schon im Blog) ist der Vergleich der aktuellen Temperatur mit dem langjährigen Mittel. Warum kann man nicht sagen: Die aktuellen Temperaturen liegen über resp. unter dem langjährigen Mittel? Sicher: „Es ist für die Jahreszeit zu warm resp. zu kalt.“ ist einfacher in der Formulierung, aber mit der damit verbundenen Wertung wird unterschwellig die Unnormalität der Werte unterstellt, was schwachsinnig ist.

Das gleiche gilt übrigens für den aktuellen Anlass dieses Beitrages. Wir erwarten vielleicht frühlingshaftes Wetter. ABER NICHT DEN FRÜHLING! Der kommt in diesem Jahr erst am 20. März. Punkt.

Übrigens: Früher war alles besser und das Wetter auch? Da hilft ein Blick in alte Volkslieder, zum Beispiel „Der Mai ist gekommen“ oder Goethes Osterspaziergang aus Faust I. Lesen und sich Gedanken darüber machen, über welche Zeitpunkte da für das Ende des Winters philosophiert wird: Ostern (Ende März – Ende April) oder Mai.

Autofahrer-Pranger-Wunsch

Irgendwer muss mir mal erklären, wie das Autofahrer machen, die mehr als ich im Straßenverkehr unterwegs sind, und die anderen Teilnehmer auch erleben. Mit meinen knapp 10’000 km im Jahr gehöre ich ja eher zu den Wenigfahrern, wobei ich aber im Schnitt an 6 Tagen der Woche unterwegs bin.

Aber was ich da zum Teil erlebe, stecke ich irgendwie immer weniger einfach so weg. Vor allem: Jedes Vorkommnis für sich ist eine Kleinigkeit, ein Trivialismus. Aber die Menge, die macht’s. Vermutlich ist es in Neubrandenburg und Umgebung, meinem Hauptlebensgebiet, einfacher, die Autofahrer aufzuzählen, die sich im wesentlichen an die Regeln des Straßenverkehrs halten, als die, die das nicht tun.

Wobei ich da nicht nur StVO-Verstöße oder ähnliche ahndungsfähige Delikte meine, sondern auch einfache Unfähigkeiten mit einbeziehe. An manchen Tagen bekomme ich da die Phantasie, eine Art Pranger zu installieren, wo die Kfz-Kennzeichen aller kleinen und großen Sünderlein aufgeschrieben stehen, inkl. Vergehen und Spott und Hohn. Webseite, Twitteraccount, Facebookseite, Radiosendung, Youtube-Channel für die Videos und Instagram für die Beweisfotos. Die Vorstellungskraft ist groß.

Was mich so alles aufregt? Hier ein paar wenige Highlights ohne Wertung durch die Reihenfolge:

  • Blödparker (blockiert mit einem Auto sinnloserweise zwei Parkplätze)
  • Falschparker (zum Beispiel in Fußgängerzonen und auf Grünflächen)
  • Geschwindigkeitsüberschreiter (Es gibt da eine Stelle, wo ein Stück Straße mit 30 km/h durch ein Stück mit 40 km/h abgelöst wird. Kurz nach dem Übergang bremsen die meisten, statt eigentlich zu beschleunigen. In der 40er-Zone steht ein Blitzer.)
  • Bummler (vor allem sonntags)
  • Fahrer offensichtlich zu großer Autos (Da war das Image wieder größer als das Fahrkönnen.)
  • Einbahnstraßenmissachter (zum Beispiel: alle(!) Wege in der Tiefgarage unter dem Marktplatz sind Einbahnstraßen, die Schilder scheinen einige zu ignorieren oder nicht zu sehen).
  • Blinkmuffel (Fahrspurwechsel ohne Blinken, Abbiegen ohne Blinken, wo es mehrere Fahrtrichtungen gibt)
  • Spurwechsel bei durchgezogenen Linien, am besten noch ohne Blinken
  • Reißverschlussverfahrenanalphabeten (Das Reißverschlussverfahren ist gefühlt ein Widerspruch zum „vorausschauenden Fahren“, aber es tut der Flüssigkeit des Straßenverkehrs gut, wenn bis an das Ende der verschwindenden Spur gefahren wird und dann einer rechts, einer links sich zu einer neuen Kolonne verbinden. Ein Einordnen 50-200 m vor der Stelle und das Hineindrängeln in Sicherheitsabstände hat nichts mit vorausschauendem Fahren zu tun.)
  • Sonntagsfahrer mit Hut (oder Dutt). Zum Autofahren gehört eine gewisse Routine und Erfahrung. Damit kennt man sich, sein Verhalten und das Auto und seine Ausmaße. Nur ab und an mal sonntags (oder an ausgewählten Wochentagen) zu fahren, hilft nicht. Und extragroße Bögen zu fahren, nur um irgendwelche kleinen Ecken zu kommen, sieht nicht nur albern aus.
  • Frauenparkplatzignorierer. In der Marktplatztiefgarage gibt es Frauenparkplätze. Das wird manche verwundern, aber sie sind sogar beschriftet. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Die Liste ist sicher unvollständig, aber mehr fiel mir spontan nicht ein …

Früher regten mich auch tiefergelegte Autos auf, die nur mit 5 bis 10 km/h durch die Innenstadt fuhren, weil die Fahrer Angst hatten, dass das Auto aufsetzt. Aber wer sein Auto in einen derart verkehrsuntüchtigen Zustand versetzt, darf nur belächelt werden. Aber ich habe schon lange keinen mehr erlebt, was aber an der Jahreszeit liegen könnte.

An wen bei Google kann ich mal ’ne Rechnung schicken?

Liebes Google,

leider habe ich eine E-Mail-Adresse bei Euch, bei der Ihr Euch nicht zum ersten Mal blöd anstellt, wenn ich mich einloggen will. Immer wollt ihr einen ominösen Sicherheitscode, den ich nur mittels Smartphone empfangen kann (was übrigens nicht funktioniert).

Auch der zweite Weg über das Smartphone erweist sich als irreführend, da die von Euch angegebenen Menüpunkte nicht existieren und ich mich erst durch alle anderen Punkte durchklicken muss, um die passende Stelle zu finden.

Das ganze dauert natürlich eine Weile. Zeit, die ich Dir eigentlich nicht schenken will. Es wäre also mal eine schöne Idee, wenn Du mir, liebes Google, mal eine Adresse übermitteln könntest, an die ich eine Rechnung für die verbrauchte Zeit schicken kann.

Bei einem Stundensatz von 100 Euro, den ich mir wert bin, würde ich für die Viertelstunde 25 Euro berechnen. Dabei berechne ich nicht die Zeit, die das Smartphone zum Aufladen brauchte, um genutzt zu werden. So großzügig bin ich.

Ansonsten drohe ich mal schon prophylaktisch mit Liebes- und vor allem auch mit Datenentzug. Ich gehöre noch zur Generation, die auch ohne Smartphone leben kann. Und durch meine Webhosting-Aktivitäten habe ich mittlerweile so viele E-Mail-Adressen, ich kann die bei Google auch gern stilllegen.

In den letzten Jahren habt ihr sowieso schon eine Reihe von Diensten eingestellt, die ich mal nutzte, ihr seid schon fast überflüssig. Also denkt daran, wenn ihr mir das nächste Mal eine hysterische Sicherheitsnachricht schickt.

Schöne Grüße

DirkNB

Chroniken einer Bestellung

Manchmal liebe ich ja dieses Internetshopping und die daran hängende Logistik.

Mittwoch abend hatte ich eine Idee. Ich fand sie gut. Also ab ins Internet und bestellt. Es war was individuelles, wurde also extra für mich hergestellt. Ich hatte mehrere Versandoptionen: Express, Normal, Langsam und irgendwas viertes gab es auch noch. Daneben standen dann auch noch Daten, wann die Lieferung eintreffen könnte. Da mir kommender Mittwoch als ein sinnvolles Ziel erschien, nahm ich den normalen Versand, weil da der 20.01. als mögliches Eintreffdatum angezeigt wurde.

Nach dem Abschicken der Bestellung erreichte mich eine Bestellbestätigung noch am gleichen Abend. So weit, so normal. Also:

  • Mittwoch abend: Bestellung
  • Mittwoch abend (etwas später): Bestellbestätigung
  • Donnerstag, tagsüber: E-Mail eines Logistikunternehmens „Wir sind beauftragt, Ihnen ein Paket zu schicken, es ist aber noch nicht da.“ Absenderfirma unbekannt (und ungleich der Firma, wo ich was bestellt hatte).
  • Donnerstag, abends: E-Mail eines Logistikunternehmens: „So, jetzt ist das Paket da. Wir liefern voraussichtlich morgen.“
  • Donnerstag, abends (später): E-Mail von beauftragter Firma: „Wir haben mal Ihren Auftrag ausgeführt und geben die Bestellung in den Versand. Ankunft voraussichtlich kommenden Mittwoch.“
  • Freitag, früh (08:58 Uhr): E-Mail von beauftragter Firma: „Wir haben das Paket verschickt.“
  • Freitag vormittag (10:28 Uhr): E-Mail von Logistik-Unternehmen: „Ihr Paket wurde zugestellt.“

Toll, in anderthalb Stunden (von „verschickt“ bis „zugestellt“) einmal quer durch Deutschland. Das schafft mancher Pizzadienst innerhalb Neubrandenburgs nicht. 😉

Fuchs und Hase arbeiten zusammen – Na, gute Nacht!

Wenn ich von Peta lese oder höre, kommt mir regelmäßig der letzte Grünkernbratling hoch. Wenn man solche Schlagzeilen liest, ist das wohl nachvollziehbar: „Vegane Lebensmittel – Peta verhandelt mit Wiesenhof“. Das muss man sich mal mit Genuss auf der Zunge zergehen lassen. Vor allem, wenn man sich erinnert, das Peta-Aktivisten gern mal die Fleischerzeuger von Wiesenhof in Nacht-und-Nebel-Einsätzen ins Licht der Öffentlichkeit zerrten und unmögliche Haltungsbedingungen der Tiere völlig zu Recht anprangerten.

Nun stellt der Fleischkonzern (wie andere auch) auch vegetarische und vegane Produkte her. Etwa 5% seiner erzeugten Produkte fällt in den Bereich. Und Peta will da vor lauter Freude ein Label raufpappen. Hurra! Und will – warum auch immer – bei der Vermarktung der Produkte vor allem auch im Social-Media-Bereich helfen. Selbst diesbezügliche Pressemitteilungen aus dem Hause des Geflügelschlachters klingen wie in der Peta-Pressestelle formuliert. Bäh.

Und nun kommt’s: Veggie-Produkte, egal von welchem Hersteller (andere Wurstpressen sind ja auf den Trend auch schon aufgesprungen) sind immer hochverarbeitet und haben mit einer naturnahen oder regionalen Ernährung nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Belege sind hier die meist ellenlangen Zutatenlisten. Aber wie meint ein Peta-Manager dazu sinngemäß: Lieber soll sich der Mensch diese Sche.. ähm … *hüstel* … ähm … diesen Kram reinziehen als weiter auf tierische Produkte setzen. Tiefreundlich, aber Menschen verachtend? Es sollte sich mittlerweile auch in den Kreisen herumsprechen, das Vegetarismus oder Veganismus NICHTS mit Tierschutz zu tun hat.

(ausgelöst durch einen Artikel der taz).

Wo leben wir hier eigentlich?

Damit eine Gesellschaft vernünftig funktioniert, gibt sie sich Regeln, nach denen sie sich organisiert und mit denen das Miteinander der Gesellschaftsmitglieder in geordneten Bahnen verläuft. Und wenn sich alle dran halten, dann haben wir ein entspanntes, ruhiges und unter Umständen leicht langweiliges, aber sicheres Zusammenleben. Soweit die Theorie.

Heute sind die Gesellschaften meist in Staaten organisiert, die sich ein derartiges Regelwerk aus Gesetzen und Ordnungen geben. In Deutschland vereinigt sich viel im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), aber beispielsweise auch in der StVO (Straßenverkehrsordnung), diversen Haus- und Stadtordnungen und vielem anderen mehr. Verstöße gegen die Regeln werden geahndet, seien es die niederschwelligen Ordnungswidrigkeiten oder die härteren Gesetzesverstöße. Letztere werden, kriegt man den Verursacher, teils mehr, teils weniger nachvollziehbar im Strafmaß, regelmäßig geahndet.

Aber wie ist das mit Ordnungswidrigkeiten? Gibt es die überhaupt noch? Im Sinne: Werden die überhaupt noch verfolgt und bestraft? Okay, eine Ordnungswidrigkeit ist meist weniger gesellschaftsrelevant als eine Straftat, aber wo ist die Grenze? Wann wird das Begehen einer Ordnungswidrigkeit zu einer solchen Selbstverständlichkeit, dass auch Gesetzesverstöße als selbstverständlich hingenommen werden?

Irgendwer hat mal geschrieben: Wenn Regeln zu 100% befolgt werden, werden sie zur Zwangsjacke, rund 10% Verstöße sind völlig normal, aber irgendwann hebt sich eine Regel von allein auf, wenn sich immer mehr nicht dran halten. Einfaches Beispiel ist in diesem Zusammenhang die StVO. Bewegt man sich nach all ihren Regeln über die Straßen, wird man nicht nur zu einem Verkehrshindernis, sondern erkennt noch, wie wenig sich der durchschnittliche Autofahrer dran hält. Und dabei meine ich nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Abbiegen ohne Blinken, Spurwechsel ohne Blinken, Spurwechsel bei durchgezogenen Linien, defekte Bremslichter und Scheinwerfer, Telefonieren und anderweitiges elektronisches Kommunizieren bei der Fahrt, sonstige Nebentätigkeiten, permanentes Linksfahren, Unfähigkeiten beim Reißverschlussverfahren, Fahren und Parken in Fußgängerzonen, das Einfahren in eine Kreuzung, obwohl da noch Autos stehen, usw. usf. Wer verhält sich schon immer regelkonform? Oder der §30(1) StVO: „…Unnützes Hin- und Herfahren ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten, wenn Andere dadurch belästigt werden.“ Damit wird ein Cruisen durch die Stadt eigentlich verboten.

Im Straßenverkehr, bei aller großen Zahl der Beteiligten, ist der Autofahrer doch irgendwie allein. Tritt mensch aber in einer Gruppe auf, werden gesellschaftliche Konventionen gleich dutzendweise missachtet. Ruhestörung, Abbrennen von Feuerwerken außerhalb der genehmigten Zeiten, primitives anarchisches Verhalten, Rückfälle ins gesellschaftliche Mittelalter. All das hat mit dem, was es ursprünglich mal sein sollte, nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Solche Veranstaltungen sind der gelebte Beweis für die Nichtexistenz von sowas wie „Schwarmintelligenz“.

Wie wäre es mal mit einer berühmten Krimifrage: „Was machten Sie am 13. Juli 2014 nach 21 Uhr?“ Ich könnte es beantworten: Ich habe vor dem Fernseher gesessen oder gelegen und habe mich köstlich amüsiert. Das TV-Gerät zeigte das Programm von Juwelo TV (Schmuckverkaufssender), wobei mich das eigentliche Anliegen des Senders herzlich wenig interessierte. Einzig die Art der Moderation war extrem unterhaltsam, weil den Machern des Programms durchaus bewusst war, dass ihnen in dem Moment kaum jemand zusah. Zeitgleich fand das Finale der Fußballweltmeisterschaft statt, was mich wiederum aber auch sowas von gar nicht interessierte. Mir geht auch das Gefühl des Fan-seins ab, so dass ich beispielsweise Äußerungen von echten Fans über „ihre“ Mannschaft und das Verbundensein nicht wirklich nachfühlen kann. Noch weniger verstehe ich das Verhalten von extremen Fäns, die Verwendung von Bengalos und anderen Feuerwerken im Stadion und anderswo, die Gewaltausbrüche beim Aufeinandertreffen von Fängruppen unterschiedlicher Vereine usw.

Geht unsere Gesellschaft langsam aber sicher den Bach runter? Bewegen wir uns in größeren Gruppen wieder auf dem Niveau von Orang-Utans im Balzkampf? Wo sind die Fans, die sich über Tore freuen, ggf. auch die der gegnerischen Mannschaft, wenn sie gut heraus gespielt waren, und bei einem Sieg fröhlich nach Hause gehen? Stattdessen werden nach abgesagten Geburtstagsfeiern Straßen drangsaliert und halbe Wohngebiete in den Ausnahmezustand versetzt und die Ordnungshüter lassen gewähren (wobei ich hoffe, dass die nachträgliche Aufarbeitung noch zu einigen Anzeigen und den daraus resultierenden Folgen führen). Das alles ist mit der Begründung „Fan“ nicht zu erklären und zu entschuldigen, aber das will sowieso niemand. Das ist keine „Fankultur“, das sieht eher wie Mob aus. Aber ich kann mich ja darauf rausreden, dass ich es nicht verstehe. Ich will es auch nicht verstehen, weil es eine Entwicklung zu Radikalisierung und zu mehr (machoistischer) Gewalt zeigt, zu viel fehlgeleiteter Energie, die anderweitig gesellschaftlich nicht abgefordert wird, und das alles in einer Größenordnung, dass ich Angst für die und vor der Zukunft bekomme.

Die Webseite der Kaffeemaschine

Auf dem Deckel meines Kaffeebechers stand „Caution – Contents Hot!“ und bezog sich damit auf den Inhalt des Gefäßes.

Wenn ich mir vorstelle, das Kaffeegetränk käme aus so einem Automaten, der mehrere Heißgetränke auf Knopfdruck anbietet, spricht das zwar nicht unbedingt für meine Geschmack.

Aber ist dieser Automat nicht dann ein Content Management System?

Morgenstund‘ hat Nebel im Baum

Es gibt so Anlässe, die bringen das Leben so ein bisschen durcheinander. Für die einen ist es nur der Tagesablauf, für andere kann es auch mehr sein. Im aktuellen Fall kam aus meiner Sicht nur der Tagesablauf etwas durcheinander, aber man kann es positiv nehmen.

Ein Interessierter betrachtet ein Bild eines Malers, auf dem unter anderem eine rote Sonne über einem Horizont zu sehen ist. Neugierig fragte er den Fachmann, ob das wohl ein Sonnenauf- oder -untergang wäre. Der Experte weiß: „Das muss ein Sonnenuntergang sein. Der Maler steht nie vor dem Mittag auf.“

Nun bin ich kein Maler. Aber es kommt doch eher selten vor, dass ich Sonnenaufgänge erlebe. Einzige Chance ist eigentlich, wenn ich rund um Sommeranfang Urlaub habe, dann könnte ich, bevor ich zu Bett gehe, noch einen Sonnenaufgang erleben. 😉 Das wahre Leben zwingt einem aber doch einen Rhythmus auf, der das zu anderen Zeiten doch unmöglich macht.

Aber ab und an heißt es, mal früh aufzustehen und doch ein wenig Muße zu haben, um sein Umfeld zu erkennen und ggf. aufzunehmen. Und es gibt dann Situationen, wo man doch bedauert, nicht den Fotoapparat eingepackt zu haben.

Schloss Bredenfelde am Morgen

Diese Zufahrt führt zum abgebildeten Gebäude. Alle drei Bilder dieses Triptychon sind quasi vom selben Standort entstanden, inkludieren aber eine Drehung um ca. 90°, genauer von zwei Mal 45°.  Es handelt sich um das Schloss Bredenfelde (bei Stavenhagen, das muss man aus gegebenen Anlass dazu sagen).

Was da zwischen den Koniferen hindurch schimmert, ist eine liebliche Wiese mit genauso lieblichem Brunnen, natürlich zur frühen Stunde noch nicht in Betrieb.

Schloss Bredenfelde - Garten

Stellt sich ggf. noch die Frage, was mich dazu brachte, an einem Sonnabend soooo früh aufzustehen. Der Grund wird Leute, die mich kennen durchaus verwundern: es war ein Frühstück. Allen anderen sei erklärt, dass ich nicht so der Frühstücker bin. Aber wer später schläft und aufsteht, kann ja auch gleich mit dem Mittag anfangen. 😉 Die Bilder entstanden aber noch vor(!) dem Frühstück. Ich hatte meine feinen Sachen ins Auto gebracht. Der müßige Rückweg brachte die Ernüchterung des fehlenden Fotografierapparates und die Herausforderung fürs Handy. Das ist übrigens nicht gescheitert. Es war wirklich etwas neblig …

Nach dem Frühstück fuhr ich nach Hause und der Rest des Tages wurde ein klassischer entspannter Samstag; die angenehme Pflicht wurde am Vortag geleistet, die mich letztendlich dazu verleitete, diesen Morgen in der erfrischenden Luft unserer schönen Landschaft zu verbringen. Trauzeuge ist man ja nicht jeden Tag. Und es war eine schöne Hochzeit und ein rauschendes Fest. Mein Dank geht an alle Beteiligten.