Die spinnen, die Fans

Irgendwer hat mal gesagt: Ein Fan ist wie jemand, der nur Pflaumen einer bestimmten Sorte ist, auch wenn sie madig sind.

Während der Halbzeitpause des EM-Spiels Deutschland-Italien (1:2) beendete Moderator Ingo Zamperoni, seines Zeichens Halbitaliener, die Sendung mit den Worten:

Beenden möchte ich diese Tagesthemen aus gegebenem und auch persönlichem Anlass mit Worten des italienischen Dichterfürsten Dante: „Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens“. Ich weiß jetzt nicht, was mein Gesicht Ihnen verrät, aber seien Sie versichert, dass ich innerlich ziemlich zerrissen bin. Möge der bessere gewinnen.

Pointiert, humorvoll und wohl doch auch mutig. Warum eigentlich mutig? Der deutsche Fanmob, wie ich gerade hier las, tobt! Wie kann im DEUTSCHEN Fernsehen in einer DEUTSCHEN Nachrichtensendung ein DEUTSCH sprechender Moderator bei einem Spielstand von 0:2 gegen die DEUTSCHE Nationalelf  so etwas sagen???

Wer den verlinkten Artikel gelesen hat, las von wüsten Mails, Anrufen, erfreulicherweise aber auch von Bestätigung und Anerkennung. Trotzdem die Frage: Wie kann man sich als Fanmob über so etwas aufregen? Ist das wirklich der kleine Rassist, der in vielen steckt? Oder ist das alles nicht einfach nur bodenlose Blödheit?

Vor allem ist es erstaunlich, an was für trivialen Kleinigkeiten sich manche Menschen hochziehen …

Das Wort „Volkszorn“ taucht in dem Zusammenhang auf, neudeutsch könnte man es mit „Shitstorm“ vergleichen. Immer daran denken: Das Schwein ist der, der die Scheiße zum Sturm macht, nicht der, der der Auslöser ist.

Fußball für Weicheier

Zugegeben, Fußball gehört nicht zu meinen Interessengebieten. Aber wenn der eine oder andere Name fällt, kann ich das durchaus mit diesem Sport verbinden. Poldi, Borowski, Kahn, Bierhoff, Assauer, Lahm, Lehmann, Ballack, Löw, Ronaldo, Kuranyi, haben irgendwas damit zu tun. 😉

Bisher dachte ich ja, Fußball wäre was für ganze Kerle. Aber schon einige Ereignisse in der Vergangenheit haben an diesem Image gekratzt. Aber was in den letzten Tagen so über unsere Nationalmannschaft zu hören, zu lesen und zu sehen war, spottet (bei allem ernsten und traurigen Hintergrund) jeder Beschreibung.

Da stirbt unter tragischen Umständen ein Arbeitskollege und Freund, und sie sind tagelang nicht in der Lage, ihrer beruflichen Betätigung nachzugehen. Als normaler Mensch kann man das nicht nachvollziehen. Während unsereiner nur bei Todesfällen von Verwandten ersten Grades einen(!) Tag frei bekommt und für Freunde und Kollegen Urlaub nehmen und ansonsten normal weiterarbeiten muss, hängen die Fußballer tagelang ab.

Bei allem Respekt vor dem Toten, dieses Verhalten und der gesamte Medienhype ist definitiv nicht nachvollziehbar. Nur gut, dass ich kein Fußballfan bin.

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