Papier hat scharfe Kanten, ist manchmal aber auch zweischneidig

Manchmal sind Medien schon eigenartig. Einerseits schreien sie Zeter und Mordio, wenn – aus ihrer Sicht – ein kleines ländliches Amtsgericht die Meinungs- und Pressefreiheit einzuschränken versucht. Über stilistische Fragen soll hier nicht diskutiert werden.

Andererseits schreien sie auch gleich Zeter und Mordio, wenn jemand sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt, zugegeben in etwas drastischen, unpassenden Worten. Aber, wie schon geschrieben, über stilistische Fragen soll hier nicht diskutiert werden.

Überall zu hause?

Stern-Online titelte unlängst: „Jetzt sind wir überall im Sonnensystem zuhause“ und meinte, dass mit dem Vorbeiflug von New Horizon begründen zu können.

Nur, weil wie bisher keinen Planeten jenseits der Pluto-Bahn kennen, der unsere Sonne umkreist, heißt das ja noch lange nicht, dass es da keinen mehr gibt.

Und bei den kleinen Freunden, den Planetoiden, waren wir auch noch nicht überall.

Langsam reicht’s – für was neues

Laut einem Artikel auf ZDNet wertet die „Internetbotschafterin der Bundesregierung“ Gesche Joost das Ergebnis einer Studie (ICILS) so aus, dass Schüler schon im Grundschulalter anfangen müssen, Programmieren zu lernen. Das ist sicher ein interessanter Gedanke, wird aber die Klassen wieder in zwei Teile differenzieren: den eher rational, algorythmisch und den ganzheitlich, emotional denken könnenden Schülern. Den Effekt kann man bereits jetzt wunderbar beobachten bei den Lernenden, die beispielsweise eher Mathematik oder eher Sozialkunde oder eher Sprachen begreifen.

Das ist aber noch nicht mal das bemerkenswerte, was aber den Gedanken durchaus induzieren könnte, spätestens nach der Orientierungsstufe das Programmieren in den Wahlpflichtbereich zu übernehmen. Dort können dann diejenigen, denen sowas liegt, besonders an die Art und Weise des Denkens bei der Programmierung herangeführt werden.

Verwerflich finde ich Joost’s Gedanken, das Programmieren lernen in die vorhandenen Fächer zu integrieren. Das ist ja eine Strategie, die auch schon bei anderen wichtigen Themen, wie zum Beispiel der Medienbildung, wunderbar geklappt hat. Nicht. Aber vielleicht findet sich genau hier ein interessanter Ansatz für die Problemlösung. Wenn man die Themen der Medienbildung und die der aktuellen Forderungen von Gesche Joost (Wie funktionieren die Medien, wie geht man mit ihnen um, wie wertet man deren Produkte, wie gestaltet man sie selber, wie programmiert man Webseiten, Apps, sonstiges? usw.) vereint, reichen die zur Vermittlung anstehenden Kenntnisse und Fertigkeiten locker aus, um damit ein Unterrichtsfach neu zu begründen und ins gesamte Schulsystem aufzunehmen.

Fastenzeit

In der heute beginnenden Fastenzeit gilt es, auf irgendetwas aus seinem Leben für die kommenden 7 Wochen zum Zwecke der Läuterung zu verzichten.

Die Initiative „SCHAU HIN!„, ansonsten durchaus sinnvoll, springt auf den Zug auf und schlägt ein „Medienfasten“ vor. Hier gibt es nähere Informationen zur Aktion.

Statt ständig nur ins Smartphone zu starren wird mal ein gewisser Abstand zum Netz empfohlen. „Eine Auszeit verschafft Kindern die Ruhe, Zeit und Aufmerksamkeit, eigene Fähigkeiten auszu­pro­bieren und aktiv ihre Freizeit zu gestalten.“

Gut, dass die Macher der Initiative echte Profis sind. Das Finden von alternativen Beschäftigungen wird dann doch den Eltern überlassen und nichts konkretes vorgeschlagen. Die üblichen Verdächtigen unter den sinnvollen Betätigungen sind da manchmal ein Austreiben des Teufels mit dem Belzebub.

So wird eben nicht empfohlen, statt im Smartphones mal ein gutes Buch zu lesen. Die Pointe wäre doch zu schön gewesen. Manchmal muss man in solchen Zeilen vielleicht auch mal auf’s Fasten verzichten.

Neuheiten begreifen

In der Frankfurter Rundschau (online) steht mit Datum vom 25. Juni (heute ist erst der 24.) ein Artikel über die „Digitalkanäle von ARD und ZDF“. Hier ist es nachzulesen. Unter der Überschrift „Digitalkanäle von ARD & ZDF: Mumm statt Mutlosigkeit“ stehen einige interessante Sachen aber auch einiger Blödsinn.

Nicht hochziehen will ich mich an dem Verstoß gegen die entsprechende DIN, dass das kaufmännische Und „&“ nur in Firmennamen und nicht in Aufzählungen zugelassen ist. Aber vielleicht sollte man dem Autor mal stecken, dass seit dem 30.04.2012 alle TV-Sender Digitalkanäle sind.

Vielleicht ist dieser Termin nur noch nicht lange genug her. Immerhin gibt es hinreichend viele Fachautoren, die für das hiesige regionale, öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm immer noch den seit dem 03. Dezember 2001 nicht mehr genutzten Namen „N3“ verwenden.

Dürfen die das?

Darf man eigentlich die Sonntagszeitung erst am Mittwoch lesen? Läuft das unter Pressefreiheit? Ich hoffe mal, hab’s zumindest mal so gemacht. Aber vermutlich wäre mir das folgende auch am Sonntag aufgefallen.

Darf man eigentlich ein Fest, in dessen Wettbewerb nur Videos zugelassen sind, als Medienfest bezeichnen (1. Buch VTB vom 27.02.2011, Seite 9). Wo bleiben denn die anderen Medien? Blogs, Webseiten, Podcasts, Wahrsager, Kartenleger, Zeitungen, Geisterbeschwörer, Radio, Bücher, Zeitschriften sind doch auch Medien …

Zielgruppe des Festes sind übrigens Jugendliche. Ob es wirklich sinnvoll ist, diese schon so früh mit Medien in Kontakt zu bringen, darf hinterfragt werden. Nach dem 2. Buch VTB, Seite 13 (gleiche Zeitung, 4 Seiten später) wird in der Suchtwoche vom 2. bis 6. Mai unter anderem der Themenschwerpunkt Medienabhängigkeit behandelt.

Zusammenhänge gibts … 😉

Geschwindigkeit ist (k)eine Hexerei

Manchmal fragt man sich, welches Informationsmedium das schnellste ist. Das (Nachrichten-)Fernsehen mit seinen Liveübertragungen zeigt sich rasant, aber wenn man den technischen und organisatorischen Aufwand berücksichtigt und die Zeit, die benötigt wird, um von einem ungeplanten Ereignis live zu berichten, fällt dieses Medium in der Rangliste ein wenig ab.

Das Medium Internet kann mit seinen vielfältigen Formen eigentlich gar nicht als EIN Medium betrachtet werden, spätestens bei Live-Videoübertragungen hat es das gleiche Handikap wie das Fernsehen, aber mit Textinformationen á la Twitter und Digitalbildern ist es auch sehr schnell.

Am schnellsten bisher war das Radio, weil man dort im einfachsten Fall nur eines des Sprechens mächtigen Menschen und eines Telefons bedarf, um live vom Ort des Geschehens zu berichten. Ein Trick übrigens, den sich das Nachrichtenfernsehen gelegentlich auch ausleiht, da aber nicht besonders gut rüberkommt (so ohne Livebilder).

Den aktuellen Geschwindigkeitsrekord in der Informationsübertragung stellte aber die Tagespresse auf. Am Abend des gestrigen Donnerstages (30.04.2009) entnahm ich meinem Briefkasten ein Druckerzeugnis, in dem unter der Überschrift „1. Mai“ und damit bezüglich des heutigen Tages stand: „Am Reitbahnsee beispielsweise wurde auch fröhlich gefeiert.“ Ich wünsche es der Feier nicht, aber wo ist der unangekündigte wolkenbruchartige Gewitterschauer, der alles wegzuspülen droht, wenn man es mal braucht. Oder jemand, der den Stöpsel aus dem Reitbahnsee zieht?

Nichts ist so alt, wie die Milch vom letzten Jahr

Da staunt der Laie, der Fachmann wundert sich und der Blogger ist ein wenig stolz. Die Medien werden heute (taz schon gestern) von einer Milchnachricht überschwemmt. Ein großer Skandal! Es gibt keine frische Milch mehr bei vielen Supermärkten und Discountern.

Ein großes Einschießen auf das Thema bei der taz, einem taz-Kommentar, der Süddeutschen, der Welt und vielen anderen.  Auch der Rundfunk und sicherlich auch das Fernsehen berichten.

Hochinteressant in dem Zusammenhang ist der taz-Kommentar und dessen Titel, vor allem, wenn man ihn mit einem hiesigen Blog-Eintrag vom 22.12.2008(!) vergleicht und einen Gedankenstrich sowie ein umstrittenes Apostroph ignoriert.