Wo 9 die Mehrheit von 562’000 ist

Zwei Gedanken ganz unterschiedlichen Ansatzes sollen am Beginn stehen. Sie können eigentlich fast unterschiedlicher nicht sein, da sie aber die gleichen Auslöser haben, passen sie auch zusammen. Der eine ist der immer wieder gen zitierte Spruch: „Ist es nicht erstaunlich, dass immer genau soviel passiert, dass die Seiten in der Zeitung voll werden.“ Der andere kommt aus dem Grundgesetz: Demokratie heißt laut Artikel 5 GG u.a. auch: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern …“. Jeder kann also seine Meinung frei von sich geben. Kann. Muss aber nicht. Das ist ein wichtiger Punkt in der Demokratie.

Es passiert natürlich an einem Tag mehr, als in eine Zeitung passen würde. Da wird nach Wichtigkeit, Aktualität und Relevanz sortiert. Die Regel dafür sollte recht einfach sein: Je wichtiger, aktueller und relevanter ein Thema, desto mehr Platz nimmt es ein. Wenn man diesen Gedanken im Hinterkopf habend die Lokalzeitung vom Dienstag, den 5. Januar liest, schient in der Region um Neubrandenburg am Montag davor sehr wenig los gewesen zu sein. Wie erklärt es sich sonst, dass dem Anliegen einer der belanglosesten Bürgerinitiativen so viel Raum wie auf Seite 15 eingeräumt wird.

Wenn sich eine Ideengruppe aus 9 Hanseln zusammen findet und die Idee hat, sich „für ein besseres NDR1 – Radio MV“ einzusetzen, dann ist das ihr gutes Recht. Allerdings liegt die Definition, was in dem Zusammenhang besser ist, immer im Auge des Betrachters. Unter der irrsinnigen Annahme, dass die Anregungen der Leute umgesetzt werden würden, wird der ein, von der – zielmäßig gewollten – breiten Masse, nicht mehr gehörtes Programm (außer vielleicht von den 9 Leuten selber).

Wie kann man sich eigentlich „Bürgerinitiative“ nennen und dann nicht an der Allgemeinheit orientierte Ziele verfolgen? Herr Buchholz wird sicherlich anerkennen, dass die von ihm vorgeschlagenen Musikrichtungen nicht mehrheits- oder massentauglich sind. Sicherlich mag es im Sendegebiet mehr als ihn und seine 8 Mitstreiter geben, die Operette, Klassik, Seemannslieder, Volksmusik, klassische Schlager u.ä. mögen und gern hören. Die Mehrheit würde ein nur daraus bestehendes Programm aber nicht hören. Ein versuchtes Konsensprogramm, dass die momentane Mischung von NDR1 Radio MV mit den geforderten Elementen ergänzt, ist für die breite Masse aber ebenso unhörbar.

Das Internet ist ein so schöner weiter Raum. Da kann sich wirklich jeder verwirklichen und seine Meinung frei äußern. Gelesen und gesehen wird es dann auch von den Leuten, die es interessiert, die anderen können weiter gehen. So ist ist das World Wide Web angefüllt von Radiosendern, die den Bedürfnissen Herrn Buchholz‘ entsprechen dürften, regionale Informationen sind ebenso vertreten. Zum Hören der Sender ist es noch nicht mal erforderlich, dass der PC laufen muss. Auch im (digitalen) Kabelnetz gibt es passende Angebote. Nur wird sich Herr Buchholz daran gewöhnen müssen, dass er nicht mehr alles aus einer Hand bekommt. Zielgruppenorientiere Spartenprogramme haben die Medienlandschaft übernommen.

„Wenn NDR1 Radio MV in punkto Hörerbeliebtheit regelmäßig ganz weit vorn liegt, dann liegt das nicht an der Musik …“ Wie kommt Herr Buchholz zu dieser Aussage? Kann er sie statistisch belastbar belegen? Nein! Mit derlei Argumenten agiert er auf unseriösem B**D-Niveau. Ob man ihn überhaupt ernst nehmen kann, ist genauso wenig bewiesen. „Eigentlich bin ich Erzfeind des Senders. Ich höre ihn aber von morgens bis abends, weil ich ihn kennen muss, um gegen ihn zu argumentieren.“ zitiert die Neubrandenburger Zeitung Buchholz. Das klingt nach „Ich weiß, dass ich von Rizinusöl Durchfall bekomme, aber ich trinke es trotzdem jeden Tag, damit ich dafür kämpfen kann, dass man es verbietet.“ oder „Ich ramme mir jeden Tag ein Messer ins Herz. Ich weiß, dass es weh tut und dass man davon sterben kann, aber ich mache es so lange, bis Messer verboten werden.“

Lieber Herr Buchholz,

  • Radiogeräte haben eine Umschalttaste, vielleicht probieren Sie diese mal aus.
  • Benennen Sie Ihre Gruppe bitte in „Interessengemeinschaft“ oder dergleichen um. Sie sind keine Bürgerinitiative, da sie sich nicht an den allgemeinen Interessen der Bürger orientieren.
  • Es gibt hinreichend viele Senioren, die die Mischung auf NDR1 Radio MV gut finden, die dank der Übersättigung mit Schlager und Volksmusik im Fernsehen diese im Radio nicht mehr hören können, weil ihnen die Heile-Welt-Schnulzen aus den Ohren quellen. Wenn heute Mittvierziger das NDR-Jugendprogramm N-Joy hören, dann sind auch die 70er jünger als Sie denken.
  • Lassen Sie bitte die Webseite Ihrer Interessengemeinschaft überarbeiten. Diese scheint zum einen einen Stand von 2006 oder früher zu haben und ist nicht normgerecht programmiert (HTML u.ä.), so dass es zu massiven Darstellungsproblemen kommt.
  • Wenn Sie schon für ein Ziel eintreten, dann seien Sie bitte konsequent. Sie waren am 19.11.2008 in einer Radio-Sendung zu Gast, in der Sie zum gleichen Thema sprachen. Der Witz dieser Sendung bestand darin, dass darin kein einiges deutschsprachiges Lied oder etwas anderes von Ihnen gefordertes zu hören war, obwohl Sie die echte und direkte Möglichkeit gehabt hätten, entsprechenden Einfluss auf die Sendungsmacher zu nehmen.

Dieser Blogbeitrag gehört sicherlich nicht zu meinen besten. Schade, dass andere hiesige Blogs das Thema nicht aufgegriffen haben, ich hätte lieber darüber diskutiert als einen Artikel zu schreiben. Aber meine Aufregung habe ich mir von der Seele geschrieben. So hat das hier wenigstens therapeutische Zwecke erfüllt. 😉

3 Gedanken zu „Wo 9 die Mehrheit von 562’000 ist“

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