Wirtschaft verstehen

Einzelhandel, Discounter, Supermärkte, Direktverkauf, Großhandel, B2B, PoS, Warenhäuser, Shoppingmalls, Einkaufscenter, Skonto, Rabatte, Preisnachlässe, Sonderangebote, Paketpreise, … Wer davon schon mal zwei oder drei Begriffe gehört hat, der kennt sich aus in der Ökonomie und kann mir vielleicht erklären, was folgendes Verhalten zu bedeuten hat.

Die Geschichte beginnt am Sonntagabend. Bei der Lektüre des im Briefkasten gefundenen Papiers fällt mir unter anderem eine Werbebroschüre eines Marken-Discounters in die Hände. Gewohnheitsmäßig blättere ich sie durch und finde darin eine Spezialität, die ich immer mal wieder gern nasche. Da sie kein gängiges Produkt zu sein schein – man findet sie nicht ständig in den Sortimenten diverser Handelshäuser – freue ich mich auf den Erwerb mit anschließendem Genuss.

Dass ich jetzt vor Vorfreude die Nacht nicht schlafen konnte, kann ich nicht sagen. Sowas passiert eher, wenn ich die schokoladierten Kaffeebohnen in zu großer Zahl vor dem Zubettgehen knabbere. Aber noch hatte ich sie nicht. Montag nach Feierabend fahre ich also zum Laden; die nach der vergeblichen Suche erfolgte Nachfrage beim Personal erbrachte die genauso höfliche wie bedauernde Auskunft, dass sie Bohnen bei der Lieferung nicht mit dabei waren. Am Mittwoch ereilte mich dejavüesk die gleiche Situation, nur die beteiligten Personen waren wie ausgewechselt.

Was soll das? Hat der Discounter eine Vereinbarung mit der Treibstoffindustrie und hebt so den Benzinverbrauch? Oder war es doch die Schuhindustrie? Oder haben die Logistiker des Unternehmens ihre Hausaufgaben nicht gemacht? Oder war die Einkaufsabteilung einfach nur unfähig? Fragen über Fragen und keine Antworten.

Update (13.08.): Heute war ich mal in einer anderen Filiale der gleichen Kette. Das Ergebnis war das gleiche. Es stellt sich also wirklich die Frage, was die Discounter damit bezwecken, Angebote zu machen und die damit geweckten Kundenwünsche dann nicht zu befriedigen.

11 Gedanken zu „Wirtschaft verstehen“

    1. Der Preis ist ja nicht alles, aber 2,95 € für 150 g beim Kaffeeröster gegenüber 1,99 € für 250 g beim Discounter. Da überlegt man schon. Außerdem wurde ich schon ein paar mal mit abgepackten Schokoladenprodukten aus dem Hause beschenkt, sie haben immer irgendwie alt geschmeckt.

    1. Um mal den Cineasten heraushängen zu lassen, möchte ich mit einem Filmzitat antworten. Es stammt wohl aus dem ersten Otto-Film: „Da waren sie wieder, meine 3 Probleme.“
      – Keine Schoko-Kaffeebohnen.
      – Keine Lust mehr, ihnen nachzulaufen.
      – Genau der Discounter ist es aber, der sie im Angebot, aber nicht im Laden hat.

    1. Wer war das doch noch gleich, der über sich gesagt hat: „Der Staat bin ich.“? Ich erinnere mich nur noch, dass es ein Franzose war. Vermutlich also einer der drei Napoleons oder der 16 Ludwigs …

    1. Genau das Zitat meinte ich. Dank an Katharina und Uwe.

      „Staatsdiener“ – welch wunderschönes Wort. Leider mittlerweile recht ungebräuchlich. Der Herr dazu ist der, der die Rechnungen bezahlt. Nun zahlt der Bürger an sich genug Steuern, aber ist damit nur Herr über die Gesamtheit der Dienerschaft. Solche Pauschalmacht wirkt in einer so individualisierte Gesellschaft wie unserer nicht in dem Maße, wie man es sich wünscht. So ist der Herr über den Staatsdiener der, der die Rechnungen eines konkreten Dieners bezahlt. Und wenn sich dann mehrere dieser Herren – manche haben auch mehrere Diener – einig sind, dann macht die Dienerschaft das, was diese Herren wollen und nicht das, was die Pauschalrechnungsbezahler (also wir) wünschen.

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