Geistlose Bemerkung vom 30.01.2012

Das Web 2.0 ist bald Geschichte. Die Revolution der „digitalen Maoisten“ geht vorbei – die Frage ist nur, wie groß die Schäden sind.
Ansgar Heveling, deutscher Politiker, CDU, *03.07.1972

Recht hat er, der Politiker aus Korschenbroich. Das Web 2.0 ist wirklich bald Geschichte, spätestens, wenn es vollständig durch das Web 3.0, wie immer das auch aussehen mag, abgelöst wird. Der Schaden, der durch die rückwärts gewandten Verantwortungsträger dabei verursacht wird, wird sicher groß sein, möge er sich nur auf sie selber beziehen.

Vor einiger Zeit trafen sich ein gutes Dutzend Leute aus beinahe ganz Deutschland auf einem Bauernhof hier in der Gegend. Ich war einer davon. Sie unterhalten sich über Hinz und Kunz, kommen vom Hundertsten ins Tausendsten und wieder zurück. Eine kurze Episode der Gespräche befasste sich mit dem Themenkomplex Computer und Internet. Von großen Teilen der Runde wurde die geäußerte Meinung geteilt, dass das eher was für die Jugendlichen sei, damit bräuchte man sich nicht mehr zu befassen. Die Pointe der Geschichte: Diese Veranstaltung war ein Klassentreffen, alle Beteiligten waren in meinem Alter. Und ich kann ohne Computer nicht mehr leben. 😉

Die Generation WuV („Wir um Vierzig“), zu der erschreckenderweise ich genauso gehöre wie Herr Heveling, scheint eine gespaltene Meinung zu diesem neumodischen Kram zu haben. Kommt „Werterhaltung“ – ich nehme das mal als Übersetzung von Konservatismus – hinzu, wirds gefährlich. Auf der einen Seite das frische, progressive, auf der anderen Seite Herr Heveling. Aber das schöne ist, dass das immer die Seite ist, die auf die Dauer verliert. Bis dahin wird sich weiter entwickelt; das geht ja auch nicht anders.

Die Entwicklung der Menschheit und der Gesellschaft ist ein stetiger Prozess, Werterhaltungsforderungen auf die Dauer nur launige Anekdoten auf dem Weg zur Zukunft. Man stelle sich nur einmal vor, Konservertismus hätte in der Geschichte mal irgendwann Erfolg gehabt: Wir säßen immer noch in der Höhle mit unserer Steinaxt, da die Bronze und die danach benannte Zeit nie angebrochen wäre. Mit dem Beginn (oder eben auch nicht) der Eisenzeit stand der Konservative vor dem gleichen Dilemma. Und was würde uns heute so alles fehlen ohne Eisen?

Oder schauen wir noch weiter zurück, damals zu Zeiten der Einzeller. Wenn sich da so eine Amöbe gesagt hätte: „Zweite Zelle? Brauch ich nicht!“ schwämmen wir alle noch in der Ursuppe (wie Dieter Nuhr in einem anderen Zusammenhang mal sagte).

Quellen zum selber Meinung bauen:
Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren! Der Original-Kommentar von Ansgar Heveling
Ansgar Heveling bei Wikipedia
Ansgar Heveling – CDU-Politiker sagt dem Netz den Kampf an aus sueddeutsche.de
Posse um CDU-Politiker Heveling – Wie böse ist das Internet? gleicher Ort

 

4 Gedanken zu „Geistlose Bemerkung vom 30.01.2012“

  1. Fortschritt ist immer gut! Man muß ja nicht alles gut finden aber meinen PC möchte ich auch nicht hergeben. Ich kenne noch die Zeit der Schreibmaschine und Briefe schreiben. Nein, da gefallen mir mails schon wesentlich besser!

    Ich denke, es kommt auch auf die Einstellung an. Mit Vierzig sollte man sich aber schnell auf ein Leben mit PC einstellen. Das ist doch kein Alter! Es gibt sogar Achtzigjährige die einen PC haben und ihn benutzen. Letztens konnte ich auch einen Vierzigjährigen überzeugen und mittlerweile ist er begeistert.

    1. Meine Mutter, über 70, überlegt auch schon länger, sich PC und Internet zuzulegen. Momentan scheitert es an der nur knapp bemessenen freien Zeit. Aber, wenn das Leben mal etwas ruhiger wird, dann gehts los.

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