Durchsichtig und lächerlich

Törööö, der Wahlkampf ist eröffnet. Hier in der Gegend wählen wir am 26.09. für den zuständigen Landtag sowie – wie alle – für den Bundestag. Visionsstrotzende Reden und aussagekräftige Plakate  … wird es – wie immer – nicht geben. Im Wahlkampf geht es schließlich nicht darum, was der/die Bürger/in will, sondern nur darum, dass der/die Politiker/in gewählt wird. Das ist auf zwei Arten möglich.

Zum ersten mit der Erststimme: Hier hat man die Möglichkeit, aus einem kleinen Kreis ausgewählter regionaler Elite die/den Beste/n auszuwählen. Sowas nennt sich dann Direktkandidat/in und der/die Sieger/in vertritt den Wahlkreis im entsprechenden Parlament.

Die zweite Stimmabgabe erfolgt mit der Zweitstimme. Hier ist die Auswahl meist größer, wenn auch unspezifischer. Auf den ersten Blick stehen nur Parteien zur Wahl; die haben aber vorher schon ausgeklüngelt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ihre Mitglieder und Freunde ins Parlament einziehen können.

Nun haben Parteien als große, gewachsene Gebilde durchaus eine gewisse Vielfältigkeit auch in sich. So gibt es in der CDU Mitglieder, die sind linker als manches SPD-Mitglied und umgekehrt. Und an den Rändern bemerkt man, dass das politische Spektrum keine Linie sondern ein Kreis ist. Es soll Leute geben, die sind so weit links, dass sie rechts wieder raus kommen (und umgekehrt).

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Gerade auch an der Basis gibt es Leute, die durchaus sympathisch rüberkommen und sich das auch in der politischen Diskussion durchaus herüberkommt, aber wenn man dann das Führungspersonal der gleichen Partei in der medialen Ventilation verfolgt, fällt man doch vom Glauben ab und  hält – zumindest die Partei – für unwählbar. Das scheint den Basisarbeitern aber durchaus auch bewusst zu sein, der Führungsebene aber auch.

Wer mit ein bisschen Lebenserfahrung erinnert sich nicht an die Wahlplakate eines Helmut Kohls, auf denen neben dem Namen nur noch CDU stand? Keine Aussage, keine Vision, kein Versprechen, nichts. Und er hat die Wahl gewonnen, wenn ich mich richtig erinnere. In diesem Jahr sieht es aber so aus, als ob die Kandidat/inn/en den umgekehrten Weg gehen. Das SPD-freie Plakat von Ministerpräsidentin Schwesig ist aktenkundig, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie von der Bundes-SPD Abstand gewinnen wollte oder die kleinen SPD-Kandidat/inn/en in den Wahlkreisen schützte.

Eine weitere Kröhnung aus dem Bereich entnahm ich heute meinem Briefkasten. Mittlerweile lache ich nicht mehr darüber, aber der Flyer ist so absurd und handwerklich schlecht, da ist es gut, wenn man darüber lacht. Andere Reaktionen wären auch denkbar gewesen. Welchen Flyer ich meine? Den hier:

Wahlkampfflyer Bromberger (CDU)

Wer ihn kennt, oder allgemein halbwegs gut informiert ist, oder sich die Leute auf dem Flyer anguckt, der weiß, dass der Kandidat Mitglied der CDU ist. Bei den Ereignissen und Possen rund um den Spitzenkandidaten der Partei glaube ich gern, dass er nicht gern als in seinem Dunstkreis stehend bekannt werden will. Es stellt sich aber noch eine zweite Frage: Für welche Wahl tritt er an? Schauen wir mal auf die Rückseite.

Wahlkampfflyer Bromberger (CDU)Ah ja. Alles klar. Ähm … Vielleicht im klein gedruckten?

Postkarte von Wahlkampfflyer Bromberger (CDU)Ah! Es geht um die Landtagswahl. Immerhin. Aber diese „Postkarte“ für die 3 Wünsche ist auch sehr interessant. Wer sie wirklich nutzen will, wird sie auch frankieren müssen. Damit wäre ich aber vorsichtig, denn die große Frage ist, wohin man die Karte schicken soll. Auf dem gesamten Flyer fehlt die mögliche Anschrift. Das spitzt das Problem mit dem Flyer aber noch zu, denn auch für Flyer besteht eine Impressumspflicht. Wer möchte, kann dem Kandidaten ordentlich ans Bein pieseln … im übertragenen Sinn natürlich.

Was mich noch am meisten wundern. Im Team ist mindestens eine Person, die das eigentlich wissen müsste …

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