Unter dieser Überschrift kommentierte ich unlängst einen Beitrag unserer hiesigen Lokalzeitung zum Thema „mehr deutsche Musik im Radio“. Da das dortige Diskussionswerk eher etwas unterentwickelt ist, gebe ich meine Gedanken auch hier zur Diskussion frei. Thema des Artikels war eine Anzeige bei der Schweriner Staatsanwaltschaft gegen leitende Personen des NDR-Landesfunkhauses M-V, die die Bürgerinitiative „Für mehr deutsche Musik im Radio“ erstattet hat, um mehr deutsche Musik aller Coleur ins Tagesprogramm von NDR 1 Radio MV zu hieven.

Wenn „von den älteren Menschen nur eine ‚ganz geringe Anzahl die englische Sprache‘ beherrsche“, ist das doch bei 99% aller Musik eher ein Segen denn ein Fluch. Mein Englisch ist bestenfalls rudimentär zu nennen und im Zusammenhang mit Musik bin ich darüber auch sehr glücklich. Unterstelle ich den englischen Texten eine vergleichbare geistige Tiefe wie vielen deutschen, möchte ich diese Texte nicht verstehen. Und genau deswegen mag ich die englische Sprache als Stilmittel in der Musik. Deutsche Texte verstehe ich und das lenkt mich ab, nervt mich und erzwingt ein Abschalten.

Wobei sich diese Äußerung nicht nur auf Herz-Schmerz-Schlager bezieht, sondern auch auf die pseudolyrische deutsche Popmusik. In einem Radioprogramm, das gemeinhin als Nebenbeimedium eine angenehme und ggf. informative Geräuschkulisse erzeugt, sind also verständliche Texte eine Störung. Anders sieht das bei Veranstaltungen, Konzerten, auch Fernseh- und Radiosendungen aus, denen ich wegen der Musik und deren Inhalten beiwohne. Deswegen würde ich aber noch lange nicht aus dem Erfolg zum Beispiel der NDR Sommertour mit deutschen Schlager- und Popgranden oder auch anderer entsprechender Veranstaltungen schließen, dass diese Musik auch mehr im Radio gespielt werden sollte. Das sind die berühmten Äpfel und Birnen, die da miteinander vergleichen werden.

Außerdem könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es sich für die Künstler/-innen höchstens indirekt lohnt, mit ihren Titeln im Radio zu laufen. Geld wird mit Auftritten und dem Verkauf von Tonträgern verdient, das Radio sorgt bestenfalls für eine gewisse nützliche Bekanntheit. Und außerdem spielt das Radio sowieso musikalisch nur den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, um möglichst breite Massen zu erreichen. Unauffällig dahinplätschernd, damit es die oben erwähnte angenehme Geräuschkulisse ergibt. Aus der ragen dann nur noch die Moderationen als Kontrapunkte hervor. Aber irgendwann bekommen die Macher das auch noch mit …

Oben gemachte Überschrift ist übrigens ein Zitat. Der Slogan zog sich mal durch die legendären Shows aus dem Schmidt-Theater, die der NDR dankenswerterweise übertrug, als sie noch uptodate waren. 😉 Wobei wir aber auch irgendwo schon beim Thema sind: Der NDR. Immer knallhart am recherchieren, investigativ, kritisch, nordisch korrekt. Wobei man eigentlich „korrrrrrekt“ schreiben müsste.

Aber dann passieren immer wieder diese „Kleinigkeiten“, die das Bild erschüttern. Immerhin ist die Anstalt nicht eine der kleinen, mit vielen Aktivitäten in einem Sendegebiet, das von den Niederlanden bis nach Polen reicht, von Dänemark bis an den Harz. Damit dürfte ihr der Titel „flächengrößte deutsche Anstalt“ sicher sein. Aber dann kann man sich ja auch nicht in jeder Ecke auskennen, vor allem, wenn man ein paar Webseiten eher nach dem Kopieren-Einfügen-Prinzip erstellt.

Auf der Gesamtansicht wird man dank Kleinheit der Schrift die Fehler nicht entdecken:

Seite NDR

Auf der Originalseite mit Stand vom 23.05.2013 (auf dem Bild verlinkt) ist es besser zu sehen.
Aber man kann ja auch mal die beiden interessanten Details herausklauben:

NB in S-H?

Nach der Postleitzahl würde ich mal sagen, liegt Neubrandenburg in Ostfriesland, genauer auf der Nordseeinsel Juist. Außerdem hat der große Tierbeobachter Brehm bei der Erstellung von Brehms Tierleben auch in Neubrandenburg in die Fauna geschaut, mit einem eigenen Aussichtsturm:

B(r)ehmshöhe

Der Blick über See und Stadt ist sicher überwältigend, aber mit Tiervater Brehm hat der Turm nix zu tun.

Natürlich kann man sich (siehe Überschrift der Webseite) noch darüber streiten, ob Neubrandenburg wirklich nur einen See hat, aber da wollen wir mal nicht so sein. Die „Recherche“ bei Wikipedia ist ja so ein bisschen verpönt, aber spätestens als Link-Quelle zu offizielleren Quellen sollte das Nachschlagewerk taugen.

Obwohl es eigentlich zu viel Geld in Deutschland gibt – die aktuelle Krise ist auch eine Überflusskrise, so komisch das klingt -, wird es auch irgendwie immer knapper. So ist es durchaus einzusehen, dass zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei ihren TV-Produktionen zusammenarbeiten. Eine lange, in der letzten Zeit wieder immer mehr auflebende Kooperation gibt es zwischen dem NDR und dem WDR.

Schaut man ins Radioprogramm, so findet man viele Beispiele: das Nachtprogramm von NDR2 und WDR2, mindestens drei Nachrichtenmagazine in den Infoprogrammen usw. usf. Auch im Fernsehbereich wird sichtbar gemeinsame Sache betrieben, zum Beispiel bei der Sendung „Von und zu lecker“, zur Zeit mittwochs um 21 Uhr auf beiden Kanälen.

Bei der Sendung geht es darum, dass sich adlige Landfrauen im Wettbewerb gegenseitig bekochen; nebenbei gibt es etwas Home-Story für die Zuschauer, viel ländliche Idylle und leckeres Essen. So weit, so gut. Das ergäbe noch keinen Eintrag in diesem Blog. Die Ausstrahlung der Sendung wirft eine Frage auf: die nach den Unterschieden und dem Grund dafür.

Obwohl oder weil diese Sendung bei den beiden beteiligten Sendern gleichzeitig ausgestrahlt wird, fallen die beiden Unterschiede vielleicht nicht gleich auf. Ok, der eine läuft unter Pillepalle: Natürlich hat NDR und WDR jeweils ihr eigenes Logo eingeblendet. Aber es gibt noch einen Unterschied, der die Frage nach dem Sinn aufwirft.

Bei derartigen Sendungen gibt es – wie bei vielen anderen auch – einen „Off-Sprecher“ bzw. eine „Off-Sprecherin“. Das ist die nette Stimme, die vor der Kamera keine Rolle spielt, aber inhaltlich den roten Faden webt, an dem sich die Handlung entlanghangelt. „Von und zu lecker“ hat sogar beides: einen Sprecher und eine Sprecherin. Das ist auch noch nicht verwunderlich, gibt es dafür auch zahlreiche Beispiele. Meist haben die Sprecher dann unterschiedliche Aufgaben. Aber hier? Wer sich die Sendung nur auf einem der beiden Sender anschaut, bemerkt nur einen Sprecher. Beim WDR eine weibliche Stimme, beim NDR eine männliche. Da stellt sich dann aber die Frage nach dem „Wozu?“. Zumal beide, den Eindruck gewann ich durch Stichproben, praktisch das gleiche sagen.

Prolog

Erinnerungen sind manchmal eine Lust, manchmal eine Last. Und ebenso manchmal hat man den Eindruck, es kommt alles irgendwie mal wieder, oder: das hatten wir alles schon einmal. Leser/-innen dieses Blogs, die sich schon etwas jenseits der 30 (zumindest kalendarisch) befinden und die schon immer irgendwo in Neufünfland gewohnt haben, werden sich an die großen Samstagabendshows im DDR-Fernsehen erinnern. Nationale und internationale Musik zur besten Sendezeit, das war was fürs Auge und fürs Ohr.

 

Ok, Fernsehen gab es, zumindest, was den Ton anging, nur in Mono. Die Technik war noch nicht so weit. Aber Radio war schon jahrelang in stereo, und so kam jemand auf die glorreiche Idee, die Musikshows parallel in beiden Medien zu verbreiten. Ähnlich wie bei den Videotextuntertitelungen heute wurde durch eine Texteinblendung darauf hingewiesen („Stereoton auf Radio DDR 1“ o. ä.). Und so war – zumindest für damalige Verhältnisse – der Genuss vollkommen, waren doch in den Wohnzimmern Fernsehgerät und Radioanlage meist sowieso kopositioniert. Irgendwann lernte das Fernsehen dann, Stereoton zu übertragen, da erübrigte sich die Parallelausstrahlung im Radio und wurde auch gelassen.

Radio geht ins Ohr, Fernsehen ins Auge.
Robert Lemke

Jedes Medium hat seine Eigenarten und Besonderheiten, seine spezifische Form und Nutzung, die sich nicht so einfach auf ein jeweils anderes Medium überführen lassen. Die Abfilmung eines regelmäßig umgeblätterten Harry-Potter-Romans zum am Fernseher oder im Kino selber lesen wird vermutlich nicht ganz so erfolgreich sein wie die entsprechende cineastische Umsetzung des Stoffs, der unter anderem davon lebt, viele Aspekte aus dem Buch wegzulassen. Andererseits würde der Ton der Fußballkonferenz im Radio als TV-Begleitton völlig genervte Zuschauer hinterlassen. Man muss nicht alles erzählen, was der Zuschauer sowieso sieht. Die Unterschiede zwischen der Betrachtung eines Films im Kino und auf dem Fernseher oder das Vorlesen einer Zeitung im Radio im Vergleich zum selbst Lesen mögen die bei weitem nicht vollständig illustrierenden Beispiele ergänzen.

Radio ist Kino im Kopf, Fernsehen ist Kino im Kasten.

Irgendwer hat mal sinngemäß gesagt: Fernsehen? Wenn man die Augen zu macht, ist es wie Radio. Als Fernsehkritik ist das gleichwertig mit der Äußerung, dass man beim Betrachten mancher Fernsehsendungen seine eingeschlafenen Füße beneidet. Etwa 80% aller Sinneswahrnehmungen nimmt der Mensch über die Augen auf. So ist das Fernsehen mit seinen Bildern hervorragend dafür geeignet, den Menschen zu erreichen. Beim Radio bildet der Hörer die Bilder selbst in seinem Kopf, die Aufarbeitung der Informationen erfolgt nach völlig anderen Regeln. Aber trotzdem gibt es immer wieder Versuche, beides crossmedial miteinander zu verbinden, koste es, was es wolle.

Seien es die erschreckenden Bilder von Fukushima, die beeindruckenden Bilder demonstrierender Menschenmassen oder einfach nur die Wetterkarte – all das verpufft bei der Übertragung einer Fernsehsendung im Radio. NDR 1 Radio MV, NDR info (also gleich zwei Sender im Land!), hr-iNFO, SWR cont.ra und Antenne Saar (laut: Programminfo) tun sich diesen zweifelhaften Luxus der Tagesschau an, der den Sinn des Mediums Radio konterkariert. Wobei nicht nur die alleinige Existenz der Radiofernsehsendung den Radiohörer stört. Als Fremdkörper kann man die Tagesschau im Radio allein am Klang erkennen. Wenn zum Beispiel NDR 1 Radio MV die Sendung überträgt, hat dieser Programmabschnitt einen völlig anderen Sound als das übrige Programm.

Da leistet es sich eine Senderfamilie wie der NDR, für jedes seiner Radioprogramme eigene Nachrichten zu produzieren, die auf das sie umgebende Programm abgestimmt sind (was positiv zu bewerten ist), und dann jeden Abend um 20 Uhr dieser Patzer. Man stelle sich mal die Nachrichten von NDR info bei N-Joy vor. Oder umgekehrt. Undenkbar.

Epilog

Natürlich hat auch der Beitrag eines Weblog seine spezielle Form, genau wie ein Podcast oder ein Video bei Youtube. Ich möchte mit einem Zitat entsprechenden Reaktionen vorbeugen, dass von Cicero über Goethe bis Marlene Dietrich verschiedenen Menschen unterstellt wurde: „Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich mich kürzer gefasst.“

Crossmedial ist das Wort der Stunde. Oder auch trimedial. Die Bedeutung sei dahin gestellt, aber manchmal äußert es sich darin, dass ein Medienmensch nicht nur in einem Medium arbeiten sondern für mehrere. Nehmen wir als bedauernswertes Beispiel Bettina Tietjen. Das bedauernswerte ist natürlich nicht, dass sie in mehreren Medien arbeitet, aber dazu später.

Neben den auf der verlinkten Seite angegebenen Sendungen im Fernsehen macht sie auch noch Radio. „Tietjen talkt“ jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr bei NDR 2. Und wen sie da nicht schon alles als Gäste hatte. Man wundert sich manchmal, wer sich da so alles am Sonntagvormittag, der ja gern auch mal zum Ausschlafen genutzt wird, hinter ein Mikrofon klemmt.

Dem kundigen Hörer, der auch auf Kleinigkeiten achtet, wird aber bei dieser Sendung ein Geheimnis offenbar, das bisher vor der Öffentlichkeit verborgen wurde. Selbst beim Fernsehen kann man es übersehen, hilft vielleicht die üppige Frisur von Bettina Tietjen, den „kleinen Mann im Ohr“ erfolgreich zu verdecken. Da sie hier meist moderierend, also frei formulierend, auftritt, reichen immer nur Stichworte. Den Rest plaudert sie charmant zur Not auch gegen die Wand.

Das große Geheimnis: Sie kann nicht lesen. Das fällt bei Moderationen auf Stichwort nicht weiter auf, zumal sie vermutlich mit einem Coach entsprechende Sendungen sehr gut vorbereitet. Bei der Sendung „Tietjen talkt“ gibt es aber einen kleinen Bestandteil, da scheitert das System BT: Die Verkehrsmeldungen. Wer genau hinhört, wird schnell feststellen, dass diese in der Sendung durch einen anderen Moderator/-in gelesen werden.

Der Tipp: Alfa-Telefon!

Eigentlich sollte man nur darüber einen Blogbeitrag schreiben, worüber man auch Bescheid weiß. Hier bilden wir mal die erste Ausnahme, habe ich doch die bisherigen Etappen zum Ereignis aktiv ignoriert, soweit es ging.

Das Ereignis ist selber aber auch eher eine Ausnahme: Deutschland richtet das Finale des Eurovision Song Contest aus. Dafür hat unser Land bisher kein Abo erhalten, das letzte Mal, dass dieser Wettbewerb gewonnen wurde, ist schon etwas her, so dass wir den Sieg auch eher als Ausnahme bezeichnen dürfen.

Allerdings kommt man, wenn man in Norddeutschland wohnt, nicht einfach an diesem Brimborium vorbei, ist doch der NDR der bei der ARD dafür verantwortliche Sender. So verwundert es nicht, wenn es auch und gerade in seinen Sendern ein wenig gepusht wird. Dem Vorentscheid bin ich ja noch geschickt ausgewichen, aber im Autoradio wurde dann doch der Siegertitel gefeiert. Wie ich dem einschlägigen Internetangebot entnehme, heißt er „Taken By A Stranger“.

Auf der angegebenen Seite ist auch ein Mitschnitt aus der Show mit dem Lied zu sehen. Das erinnert mich doch arg an die Zeit kurz nach dem letzten ESC, auf dem Lena so triumphal gewann. Große mahnende Stimmen wurden laut, die die Frage stellten, wer denn des Spektakel bezahlen soll? Ist es Gebührengeldverschwendung? Und vieles andere mehr.

Die Fragen sind wohl erhört worden, denn beim aktuellen ESC-Beitrag Deutschlands darf man sicher sein, dass die Fragen nach dem fehlenden Geld für die Ausrichtung des nächstjährigen Eurovision Song Contestes nicht in Deutschland gestellt werden. Sowas musikalisch dünnes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Eine vordere Platzierung beim Wettbewerb bleibt also die Ausnahme.

Gute Bratkartoffeln zuzubereiten, ist eine Kunst, die gar nicht so einfach ist. Zumal es vermutlich mindestens genauso viele Bratkartoffelrezepte gibt wie Hausfrauen/-männer und Profiköche/-innen zusammen. Die Zahl wird vermutlich nur übertroffen von den Rezepten für russisch-ukrainischen Borschtsch oder Thüringer Klöße. Aber diese Gedanken bringen uns nicht zum Thema, deswegen probieren wir es mal sachlich.

Am Montag, den 5.07.2010, wurde im NDRfernsehen die Sendung „Markt am Meer“ unter anderem mit dem Beitrag „ARGE stellt sich stur“ ausgestrahlt. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Kolumne ist er noch genau unter dem Namen in der Mediathek des NDR zu finden (die Frage ist, wie lange noch). Mit einem Lächeln wie ein Honigkuchenpferd, das sagen will: „Was sind wir wieder gut!“, anmoderiert, ging es ging es um einen jungen Mann, der nach einer abgeschlossenen ersten Ausbildung (Verkäufer) nun keine Beihilfe für eine zweite Ausbildung (Koch) von der ARGE bekommt, da dies laut geltendem Recht nicht vorgesehen ist. Aus diesem Grund müsste der Azubi die bereits begonnende Ausbildung abbrechen, obwohl sie sich zu einem festen Job entwickelt hätte: der Chef des Ausbildungsbetriebes hätte ihn als ausgebildeten Koch sehr gern übernommen.

Sicher keine einfache Situation. Ich freue mich für den jungen Mann, dass durch die Recherchen des NDRfernsehens eine seit 2 Jahren geltende Ausnahmeregelung gefunden wurde, die das Anliegen zu einer Geschichte mit gutem Ende entwickelte. (Nach solchen Sätzen kommt immer ein großes Aber …) Aber: Die theatralische Dramatik, der zwegatsche immer-wieder-Nachfragen-und-damit-Druck-ausüben-Stil, der ARGE-Chef, der nach 2 Tagen immer noch in der gleichen Position vor der Kamera steht, der triefende Großmut des NDR und seiner Markt-Redaktion, dieses „Wie sind das Beste (am Norden)“ … Das ist tiefstes Bildzeitungsniveau. Ich wünsche der Redaktion, dass sich kurzfristig hunderte von Azubis, Arbeitssuchenden u.a. melden, die aus irgendeinem individuellen Grund mit der ARGE oder einer anderen Stelle nicht zurechtkommen und die dann alle enttäuscht werden, weil sich der groß(mütig/artig)e NDR nicht um sie kümmern kann.

„Eine Geschichte, bei der eigentlich fast alles stimmt.“ Dieser Gedanke stammt aus der Anmoderation. Da fragt man sich, was an der ganzen Geschichte gelogen war. Ich tippe mal auf die Aussage, die der Reporter vor Ort am Ende formulierte und die in Servicemagazinen wie diesem landauf landab in der einen oder anderen Form inflationär, aber schwer nachweisbar immer wieder geäußert wird: Wir schauen später nochmal vorbei. Im konkreten Fall steht also nach der abgeschlossenen Ausbildung und der anschließenden Übernahme durch das Restaurant in ein festes Angestelltenverhältnis in 2 bis 3 Jahren ein neuer Beitrag über den jungen Mann an. Und seine berühmten Bratkartoffeln sollen dann auch verkostet werden.

[podcast]http://rugblog.de/wp-content/uploads/2010/07/2745.mp3[/podcast]

Im NDRfernsehen lief Montagabend (14.09.2009, 23:00 Uhr) ein hochinteressanter Beitrag unter dem Titel „Rettet die Glühbirne: Vom Unsinn der Energiesparlampe“. Wer an einen Mitschnitt kommt, die Mediathek erfolgreicher als ich durchforstet oder irgendwo eine Wiederholung findet, dem sei sie sehr empfohlen zu sehen. Ein paar Punkte aus dem Gedächtnisprotokol:

  • So sauber, wie man denkt, ist die Energiesparlampe nicht.
  • Sie enthält giftiges Quecksilber (andere Quecksilberprodukte – z. Bsp. Fieberthermometer – sind EU-weit bereits verboten).
  • Die Gesamtenergiebilanz ist nicht geklärt. Herstellung, Transport, Entsorgung usw. sind entschieden (energie-)aufwendiger als bei einer Glühlampe.
  • Die Lichtausbeute und Haltbarkeit bleiben meistens hinter den Versprechungen zurück.

Es ist unbestritten, dass Energie eingespart werden muss, um etwas für die Umwelt zu tun. Die Energiesparlampe scheint die denkbar schlechteste Variante dafür zu sein. Der Verbot der Glühlampe scheint nur eine Konjunkturförderung für die entsprechenden Hersteller (meist in Fernost) zu sein.

P.S.: EinsExtra, der Digitalkanal aus dem Hause ARD zeigt die Sendung noch am

  • Freitag, 25.09., 22:02 Uhr
  • Sonnabend, 26.09., 01:15 Uhr
  • Sonnabend, 26.09., 05:09 Uhr

Update: Hier gibt es einen Link auf die Sendung.

Heute ist ja wieder der große Feiertag der Radiosender: Die ag.ma gibt die aktuellen Hörerzahlen heraus. Und jeder pickt sich das raus, was für ihn am besten ist. Beispiele? Gern.

Pressemitteilung NDR: „NDR 1 Radio MV ist sowohl bei der Tagesreichweite (30,1 Prozent) als auch beim Marktanteil (29,4 Prozent) klarer Marktführer im Land. Täglich hören 522.000 Menschen zu (MA 2008 I: 433.000). NDR 2 kann in Mecklenburg-Vorpommern auf eine Tagesreichweite von 9,2 Prozent blicken, N-JOY auf eine Tagesreichweite von 9,1 Prozent.“

Laut aktuellem Zahlenmaterial hat NDR 1 Radio MV eine Tagesreichweite von 30,1% in Mecklenburg-Vorpommern. Das sind aber keine 522’000 Zuhörer sondern nur 462’000. Wo sind die 60’000 fehlenden Hörer geblieben? Einfache Antwort: An der Stelle hat der NDR die Hörer aus den anderen Bundesländern mitgezählt. In dem Satz seiner Pressemitteilung steht ja auch kein Landesbezug. Nur im Satz davor und danach…

So ergeben sich 3 Hitlisten für Mecklenburg-Vorpommern:

Die Marktanteile auf Landesbasis:
1. Ostseewelle 29,4%
2. NDR 1 Radio MV 28,0%
3. Antenne Mecklenburg-Vorpommern 20,1%
4. NDR2 7,0%
5. N-Joy 4,7%
6. NDRinfo 1,4%
7. NDRkultur  0,9%

Wenn man die Tagesreichweiten der Landesprogramme bundesweit betrachtet, kommt man auf diese Liste:

1. NDR1 Radio MV mit 522000 Hörern
2. Ostsewelle mit 479000 Hörern
3. Antenne Mecklenburg-Vorpommern mit 395000 Hörern

Die gleiche Top3 auf landesbasis:

1. NDR1 Radio MV mit 462’000 Hörer, entspricht 30,1%
2. Ostseewelle mit 414’000 Hörer, entspricht 27,0%
3. Antenne Mecklenburg-Vorpommern mit 361’000 Hörern, entspricht 23,5%

Ups … Wieso steht in der Top7 bei NDR2 ein Marktanteil von 7,0%, in der NDR-Pressemitteilung aber 9,2%. Die Basis der Zahlen in der Pressemitteilung sind Berechnungen aus den Tagesreichweiten und nicht die Marktanteile. Wenn man die 141’000 NDR2-Hörer ins Verhältnis setzt zu den 1’534’000 Einwohnern ab 10 Jahren, kommt man auf 9,2%. (Bei N-Joy funktioniert das Zahlenspiel auch). Und weil 9,2% besser klingt als 7,0%, nimmt man eben die Tagesreichweite und nicht den Marktanteil. Oder umgekehrt.

Ich habe auch mal versucht, eine Statiskik zu finden, in der Antenne Mecklenburg-Vorpommern Spitzenreiter ist, aber ich fand keine. 😉 N-JOY findet sich mal auf dem 2. Platz bei den 10- bis 19-jährigen.

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Tagesreichweite und Marktanteil? Der Marktanteil eines Senders gibt an, wie groß der prozentuale Anteil der Hördauer des Senders an der Hördauer aller Sender ist. Zur Tagesreichweite zählen alle Personen, die im Tagesablauf während mindestens 15 Minuten einen Sender gehört haben. Alles klar?

Gern genommen bei Wahlen sind ja auch die Listen der Gewinner und Verlierer. Die Zahlen sind wieder die Tagesreichweiten auf Landesbasis, vergleichen mit der Mediaanalyse vor einem halben Jahr.

1. NDR Kultur +33,3%
2. NDR1 Radio MV +18,5%
3. NDR Info +10,5%
4. N-Joy +1,5%
5. NDR2 -10,2%
6. Ostseewelle -11,5%
7. Antenne Mecklenburg-Vorpommern -16,0%

Wenn wir diese Liste umdrehen, hätten wir eine, in der Antenne Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze steht: Die Top7 der Verlierer der Mediaanalyse.

(Zahlen und Daten von reichweiten.de)