Strafe muss sein – aber ausgewogen

Sonntags nutzt man gern mal die Ruhe, um seine persönlichen Angelegenheiten zu erledigen, vor allem die unangenehmeren. Rechnungen bezahlen gehört beispielsweise dazu, und manchmal sind das welche, die man eigentlich nicht bestellt hat.

In den letzten Wochen war ich kein vorbildlicher Autofahrer. Wenn das ausnahmsweise passiert, dann knirscht man innerlich mit den Zähnen und bezahlt. Wenn sich aber zwei „Rechnungen“ angesammelt haben, wird man schon etwas reumütiger. Und man kann vergleichen.

Und Schlüsse ziehen. Aber manchmal widersprechen diese Schlüsse dem gesunden Menschenverstand. Frage: Welches Auto ist gefährlicher: ein stehendes oder ein fahrendes? Ohne viel darüber nachzudenken, wäre die Antwort: das fahrende.

Bei der Sanktionierung des Falschverhaltens wäre es also eigentlich logisch, falsches Fahren härter zu bestrafen als falsches Stehen. Der konkrete Fall zeigt – wer hätte es gedacht – genau das entgegengesetzte Bild. Mein stehendes Auto verursachte höhere Kosten als das fahrende. Hat dafür jemand ’ne Erklärung? Mir fällt zumindest keine logische ein.

Die genaue Kenntnis der Fälle vereinfacht die Auflösung übrigens auch nicht. Es sind beides Überschreitungen. Die billigere war eine Geschwindigkeitsüberschreitung, die teuere eine Parkzeitüberschreitung. Oder sind das die explodierenden Mieten, die sich bei letzterem ausgewirkt haben?

Schlecht recherchiert

Dass bei den Discountern in den Hausmarken Produkte stecken, die von so manchem Markenhersteller stammen, ist ja eigentlich ein alter Hut. So stellt zum Beispiel die Molkerei Bauer Joghurts her, die unter dem Edel-Namen Mövenpick verkauft werden… Achnee, dass hat ja mit Discountern nix zu tun. Sorry.

stern.de überrascht seine Leser mit der bisher so unbekannten Praxis. Unter der Überschrift „Diese Marken stecken hinter den Billigartikeln“ vergleicht die Internetseite 21 „Originale und ihre Aldi-Varianten„. Vielleicht einige Bilduntertitel:

„Die Verpackung der Eigenmarke Desira von Aldi sieht dem Original sehr ähnlich.“
„Die weichen … Joghurt Früchtchen sind auch optisch kaum vom Original, …, zu unterscheiden.“
„Die … Mini Schoko Küsse sind den … [Marke] Schoko Strolchen verdammt ähnlich.“
„Auch hier ist es gar nicht so einfach für Kunden einen Unterschied zu erschmecken. Die … [Aldi] Erdnuss Flips, und die Flips von … [Marke].“
„Auch Knabberkram von Aldi stammt aus den gleichen Produktionsstätten wie die Markenware.“

Die Frage ist nun, wo der eigentliche Nachrichtenwert liegt? Vor allem eine Bildungerschrift bringt erstaunliche Aufklärung: die letzte in meiner Aufzählung. Produkte, die es bei Aldui zu kaufen gibt, werden in den gleichen Produktionsstätten produziert wie Markenprodukte. Das sagt NICHTS, aber auch gar nichts über deren Inhaltsstoffe und Qualität aus. Zumal (siehe obiges Beispiel) selbst Markenhersteller bei namenlosen oder bei anderen Markenproduzenten fabrizieren lassen. Die Markentankstellen holen sich ihr Benzin auch alle aus der gleichen Raffinerie.

Das Hersteller auch für fremde Marken produzieren, ist gängige Praxis. Und wenn da auch ein paar Handelsmarken dabei sind, was soll’s? Aber das da überall das gleiche drin ist, sagt dieser Fakt nicht aus. Jede Marke hat ihr Charakter (oder sollte ihn haben) und damit die eigene Rezeptur. Und mit der werden die Produkte im Auftrag produziert.

Ein einfach zu prüfendes Beispiel sei ein Produkt ohne „Rezeptur“: Milch. Dem Leser dieses Blogs im nord(ost)deutschen Raum sei mal die Aufgabe mitgegeben, darauf zu achten, wo die Frischmilch, ESL-Milch, Bio-Milch und H-Milch in den Supermärkten und Discountern seiner Vorlieben herkommt. Irgendwo auf der Packung gibt es ein liegendes Oval, dass den Abfüller identifiziert: DE MV 006 EG. Nicht überall, aber doch weit verbreitet. Schöne Grüße nach Upahl. 😉

Die Sache mit dem Geld

Geld zu haben lohnt zur Zeit nicht. „Legt es in Alkohol an! Da gibts bis zu 40% und mehr!“, möchte man bankengeplagten Pekunärbesitzern zuraunen. Tagesgeld oder Festgeld sind als Möglichkeit aber eher sowas von out. Da freut man sich natürlich, wenn man Post von seiner Hausbank bekommt und auf dem zugeschickten Werbezettel bei dessen flüchtigem Anblick 2,9% erblickt. Aber wie sagt schon Kollege Volksmund immer so schön: Der erste Eindruck trügt.

Bei genauem Blick ins Papier stellte ich dann ernüchtert fest, dass da keine 2,9% Zinsen angeboten werden sondern mir Mitteilung gemacht wird, dass meine Kontoführungsgebühr um 2,90 € pro Monat steigt. Oder genauer 26,80 € im Jahr (unter Berücksichtigung einer bisher jährlich zu bezahlenden Leistung, die neu dann inklusive ist). Da dachte ich mir: ‚Das muss nicht sein.‘ und ging mit zwei Fragen zu meiner Hausbank.

  1. Ist das ernst gemeint?

  2. Was können wir tun, damit ich nicht von der Möglichkeit der fristlosen Kündigung gebrauch mache?

Die erste Frage wurde mit „Ja.“ und die zweite mit – kurzgefasst und auf das wesentliche reduziert – mit „Nichts.“ beantwortet. Mit einem „Schade.“ auf den Lippen verließ ich die Räumlichkeiten, um mich zu informieren.

Wenn man sich umschaut, kann man den Eindruck bekommen, dass man mit kostenlosen Girokonten nur so zugeschissen wird. Commerzbank, Postbank, DKB-Bank, Spardabank, ING-Diba und noch einige andere Anbieter mit mehr oder weniger bekannten Namen sind dabei. Meist gibt es zwar ein paar Bedingungen, aber wenn man die erfüllt … Bisher hatte ich ja bei meiner Hausbank auch ein kostenloses Konto. Das musste ich denen zwar unter Androhung von Kündigung aus dem Kreuz leiern, aber ich hatte es denn. Mit komplettem Banking von zu Hause aus. Aber jetzt kostet das eben 2,90 €/Monat mehr.

Und dann die Begründung für die Preiserhöhung!

Seit 11 Jahren halten wir die Preise … stabil. In diesem langen Zeitraum haben wir unsere Leistungen stets weiterentwickelt …

Ha! Um den Preis für das Konto stabil zu halten, musste ich alle Überweisungen usw. selbst eingeben. Ein Abgeben von Überweisungsträgern bei der Hausbank war nicht möglich bzw. sehr teuer.

Gleichzeitig sind die Kosten so deutlich gestiegen, dass wir unsere Girokontopakete … mit neuen Preisstrukturen ausstatten werden.

Ha! Ha! 26,80 € p.a. mehr für eine Leistung, die ich im wesentlichen selber erbringe. Der Hausbank ihr Rechenzentrum verwaltet meinen Kontostand und deren Geldautomaten versorgen mich mit Bargeld. Mehr machen die nicht.

Die neuen Grundpreise beinhalten fast alle Leistungen, die Sie bisher … in Anspruch genommen haben.

Leistungen, die ich in wesentlichen Teilen selber erbracht habe! Dateneingabe und Überprüfung der Überweisungen und Daueraufträge. Datenübertragung ins Rechenzentrum. Wenn ich nach der neuen Preisstruktur meine Überweisung am SB-Terminal SELBST eingebe, kostet das 2,- €! Wenn ich Kontoauszüge ausdrucken lasse am Kontoauszugsdrucker, kostet das 0,50 € (ab 2015). Lasse ich mir diese zuschicken, kostet das 0,68 €, hole ich sie am Schalter, sind es 1,- €. Unverschämt.

„Die Kosten sind gestiegen.“ Dazu muss man vielleicht wissen, dass diese Hausbank in den 1990er Jahren ein Produkt auf den Markt warf, dass damals durchaus eine gewisse Attraktivität hatte vor allem für Leute, die längerfristig denken. Ehrlich gesagt dachte ich damals nicht so, aber aus irgendwelchen Gründen habe ich auch so einen Vertrag.

„Prämiensparen flexibel“ nennt sich das Produkt. Da zahle ich seither jeden Monat was ein. Das Produkt wirft zwei Erträge ab: Sparzinsen und die namesgebenden Prämien. Erste sind den Launen der Zeit unterworfen und liegen derzeit auf dem Boden (irgendwas bei 0,1%). Die Prämien steigen aber Jahr für Jahr für Jahr. Wenn ich mir die Zahlen auf meinem entsprechenden Kontoauszug so ansehe, entspricht diese Prämie mittlerweile einer jährlichen Verzinsung von 2,5%. Tendenz steigend. Die Zinsen zu bekommen ist schwer heutzutage. Und diese Zinsen zu erwirtschaften ist ebenfalls schwer. Deswegen ist das einer der o.g. Kostenposten, die jetzt anderswo wieder reingeholt werden müssen, aber das schreiben sie natürlich nicht in ihre Mitteilungen.

Jetzt ging ich auch zu einer der Banken mit kostenlosem Girokonto und ließ mich beraten. Nächste Woche habe ich meinen Termin zur Kontoeröffnung. Danach werden Lastschriften und Daueraufträge umgearbeitet (macht die neue Bank) und dann das alte Girokonto gekündigt (macht auch die neue Bank). Tschau alte Hausbank, hallo neue Hausbank. Das Prämiensparen lasse ich natürlich bei der alten Bank. Ich bin ja nicht blöd.

Die Reste vom Norden

Oben gemachte Überschrift ist übrigens ein Zitat. Der Slogan zog sich mal durch die legendären Shows aus dem Schmidt-Theater, die der NDR dankenswerterweise übertrug, als sie noch uptodate waren. 😉 Wobei wir aber auch irgendwo schon beim Thema sind: Der NDR. Immer knallhart am recherchieren, investigativ, kritisch, nordisch korrekt. Wobei man eigentlich „korrrrrrekt“ schreiben müsste.

Aber dann passieren immer wieder diese „Kleinigkeiten“, die das Bild erschüttern. Immerhin ist die Anstalt nicht eine der kleinen, mit vielen Aktivitäten in einem Sendegebiet, das von den Niederlanden bis nach Polen reicht, von Dänemark bis an den Harz. Damit dürfte ihr der Titel „flächengrößte deutsche Anstalt“ sicher sein. Aber dann kann man sich ja auch nicht in jeder Ecke auskennen, vor allem, wenn man ein paar Webseiten eher nach dem Kopieren-Einfügen-Prinzip erstellt.

Auf der Gesamtansicht wird man dank Kleinheit der Schrift die Fehler nicht entdecken:

Seite NDR

Auf der Originalseite mit Stand vom 23.05.2013 (auf dem Bild verlinkt) ist es besser zu sehen.
Aber man kann ja auch mal die beiden interessanten Details herausklauben:

NB in S-H?

Nach der Postleitzahl würde ich mal sagen, liegt Neubrandenburg in Ostfriesland, genauer auf der Nordseeinsel Juist. Außerdem hat der große Tierbeobachter Brehm bei der Erstellung von Brehms Tierleben auch in Neubrandenburg in die Fauna geschaut, mit einem eigenen Aussichtsturm:

B(r)ehmshöhe

Der Blick über See und Stadt ist sicher überwältigend, aber mit Tiervater Brehm hat der Turm nix zu tun.

Natürlich kann man sich (siehe Überschrift der Webseite) noch darüber streiten, ob Neubrandenburg wirklich nur einen See hat, aber da wollen wir mal nicht so sein. Die „Recherche“ bei Wikipedia ist ja so ein bisschen verpönt, aber spätestens als Link-Quelle zu offizielleren Quellen sollte das Nachschlagewerk taugen.

Parallele Welten

Kennt ihr auch das Gefühl, dass es parallele Universen gibt, wenn ihr bei einem Ereignis dabei ward und später darüber in der Zeitung lest? Nungut, die Einschätzung einer Situation oder die Kritik an derselben kann von Betrachter zu Betrachter unterschiedlich sein, das ändert aber nicht die Situation selber. Ein aktuelles Beispiel.

Montag, 11. März 2013, nach der 20:15-Uhr-Tagesschau. Beim Durchzappen bleibe ich bei „Wer wird Millionär?“ hängen. Der Kandidat kommt irgendwie unsympathisch rüber, ich war auf die Reaktion und das Verhalten von Günther Jauch gespannt und blieb dran. Die Show hatte ich lange nicht mehr gesehen, und irgendwie fesselte sie mich dann doch etwas. Der Aufbau der Spannungsbögen war typisch WWM, aber doch immer wieder faszinierend. Jauch ist wirklich der optimale Moderator dieser Show. Am Ende gewinnt der Kandidat die 1 Millionen €. Das Zuschauen machte Spaß.

Das Thema geht natürlich durch die Medien, immerhin ist es schon eine ganze Weile her, dass einer bis zum Ende durchgehalten hat. Die anschließenden Jubelfeiern müssen aber doch ein paar Opfer gefordert haben, so dass am nächsten Tag das Erinnerungsvermögen gelitten hat. So schreibt WeltOnline über das Ereignis:

Sebastian Langrock (36) hat seine detaillierten Kenntnisse über das richtige Verhalten im Restaurant während seiner Zeit als Aushilfs-Ober gelernt. Am Montagabend haben sie ihn in der Quiz-Show „Wer wird Millionär?“ zum richtig reichen Mann gemacht, als er auf Günther Jauchs Millionen-Frage: „Wer sollte sich mit der ’20 nach 4′-Stellung auskennen?“ ebenso spontan wie korrekt mit „Kellner“ antwortete.

Die Autorin scheint die Sendung nicht gesehen zu haben. Sebastian Langrock erzählte in der Sendung, dass er dieses Wissen gerade NICHT seiner Tätigkeit in der Gastronomie verdankt, sondern einem Buch „nutzlosen Wissens“, dass er ca. eine Woche vor der Aufzeichnung der Show von einem Freund, der ihn auch in die Sendung begleitete, geschenkt bekommen hätte und es darin gelesen hat. Das Buch läge noch im Auto, mit dem die beiden angereist waren, „keine 50 Meter“ vom Ratepult entfernt.

Schlampig recherchiert, würde ich mal sagen.

Waren ist der Hafenstadtteil von Neubrandenburg

Von München aus sieht die Welt doch anders aus. Wer hätte es nicht gewusst. Und so bringt der in der Isarmetropole erscheine Focus in seiner Onlineausgabe eine interessante Meldung über die Bootsexplosionen im Warener Stadthafen.

Da hat man sich in der fränkischen Hauptstadt wohl ein bißchen vertan. 😉