Wer will das eigentlich?

Unter dieser Überschrift kommentierte ich unlängst einen Beitrag unserer hiesigen Lokalzeitung zum Thema „mehr deutsche Musik im Radio“. Da das dortige Diskussionswerk eher etwas unterentwickelt ist, gebe ich meine Gedanken auch hier zur Diskussion frei. Thema des Artikels war eine Anzeige bei der Schweriner Staatsanwaltschaft gegen leitende Personen des NDR-Landesfunkhauses M-V, die die Bürgerinitiative „Für mehr deutsche Musik im Radio“ erstattet hat, um mehr deutsche Musik aller Coleur ins Tagesprogramm von NDR 1 Radio MV zu hieven.

Wenn „von den älteren Menschen nur eine ‚ganz geringe Anzahl die englische Sprache‘ beherrsche“, ist das doch bei 99% aller Musik eher ein Segen denn ein Fluch. Mein Englisch ist bestenfalls rudimentär zu nennen und im Zusammenhang mit Musik bin ich darüber auch sehr glücklich. Unterstelle ich den englischen Texten eine vergleichbare geistige Tiefe wie vielen deutschen, möchte ich diese Texte nicht verstehen. Und genau deswegen mag ich die englische Sprache als Stilmittel in der Musik. Deutsche Texte verstehe ich und das lenkt mich ab, nervt mich und erzwingt ein Abschalten.

Wobei sich diese Äußerung nicht nur auf Herz-Schmerz-Schlager bezieht, sondern auch auf die pseudolyrische deutsche Popmusik. In einem Radioprogramm, das gemeinhin als Nebenbeimedium eine angenehme und ggf. informative Geräuschkulisse erzeugt, sind also verständliche Texte eine Störung. Anders sieht das bei Veranstaltungen, Konzerten, auch Fernseh- und Radiosendungen aus, denen ich wegen der Musik und deren Inhalten beiwohne. Deswegen würde ich aber noch lange nicht aus dem Erfolg zum Beispiel der NDR Sommertour mit deutschen Schlager- und Popgranden oder auch anderer entsprechender Veranstaltungen schließen, dass diese Musik auch mehr im Radio gespielt werden sollte. Das sind die berühmten Äpfel und Birnen, die da miteinander vergleichen werden.

Außerdem könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es sich für die Künstler/-innen höchstens indirekt lohnt, mit ihren Titeln im Radio zu laufen. Geld wird mit Auftritten und dem Verkauf von Tonträgern verdient, das Radio sorgt bestenfalls für eine gewisse nützliche Bekanntheit. Und außerdem spielt das Radio sowieso musikalisch nur den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, um möglichst breite Massen zu erreichen. Unauffällig dahinplätschernd, damit es die oben erwähnte angenehme Geräuschkulisse ergibt. Aus der ragen dann nur noch die Moderationen als Kontrapunkte hervor. Aber irgendwann bekommen die Macher das auch noch mit …