Wenn (eigentlich) selbstverständliches gefeiert wird

Ein Radioprogramm zu gestalten und damit eine möglichst breite Hörermasse anzusprechen, ist eine Wissenschaft für sich. Wobei der Begriff „Wissenschaft“ in dem Zusammenhang eher etwas unpassend ist. Der Hörer als Gesamtheit ist doch sehr komplex, so dass sich eine echte statistische Auswertung seiner Wünsche gar nicht so einfach ist. Eigentlich unmöglich. Außerdem sind sie einem sehr dynamischen Wandlungsprozess unterworfen. Sollte man wirklich mal zu einem Zeitpunkt X ganz genau wissen, was gehört werden möchte, ist das einige Zeit später schon wieder völlig falsch.

Sogenannte Berater ziehen von Radiostation zu Radiostation, um diese – so hat es den Anschein – durchzuformatieren und oftmals zu einer ununterscheidbaren Masse werden zu lassen. Welche Philosophie dahinter steckt, und ob diese wirklich die einzig wahre ist, darf bezweifelt werden. Immerhin kennt der berühmte Volksmund das Weistum: „allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“. Es gibt wohl auch noch eine Erweiterung: „Wer es versucht, wird es sich mit allen verscherzen.“

Vor diesem Dilemma stehen Musikredaktionen von Radiosendern, die eine möglichst große Hörerzahl erreichen wollen, immer. Neben diversen Zwischenformen gibt es dafür eigentlich zwei wesentliche Strategien: zum einen die allen Hörerwünschen entsprechende Vielfalt oder zum anderen ein „kleinster gemeinsamer Nenner“. Beide Wege haben ihre Nachteile. Treibt man es mit der Vielfalt zu bunt, könnte die Zahl der Hörer, die man mit bestimmten Musiken vertreibt, größer sein als der Zugewinn durch die Erfüllung der Hörerwünsche. Andererseits ist der kleinste gemeinsame Nenner die Musik, die keinen stört, und die keinen Hörer vertreibt, aber eben auch nicht wirklich zu Begeisterungsstürmen hinreißt, wenn man sie hört.

Am Orte meines hauptsächlichen Aufenthaltes buhlen 5 Radiostationen um möglichst breite Hörerbindung. Und alle scheinen – im Rahmen ihrer doch etwas unterschiedlichen Zielgruppendefinierung – sich eher des Konzeptes des „kleinsten gemeinsamen Nenners“ (zumindest in den Haupthörzeiten) zu bedienen. Entsprechend hat vor allem eines der Programme ein wenig mit enttäuschten Hörern zu kämpfen, die bestimmte Musikfarben arg vermissen. Wenn man sich deren in einer Bürgerinitiative vereinigten Meinung anhört, kommt man zu dem Schluss, dass diese zwar laute, aber doch kleine Minderheit (2000 zu 500’000) eine programmliche eierlegende Wollmilchsau verlangen. Natürlich ist es schön zu fordern, dass sich in einem regionalen Radioprogramm auch regionale Künstler wiederspiegeln, ich fürchte aber, dass da eher an Willi Freibier, De Plattfööt oder Jo&Josephine gedacht wird. Dass mit der gleichen Intention auch Feine Sahne Fischfilet, SmallC oder die Hardrock-Band „Lebenslaenglich“ zur besten Frühstücks- oder Kaffeezeit über den Sender gehen würden, dürfte nicht wirklich auf viel Gegenliebe stoßen.

Leider ist das Hörerverhalten nur sehr schwer messbar. Alle halbe Jahre wird per Telefonumfrage nach den Lieblingssendern gefragt – mal salopp ausgedrückt. Da sind die Kollegen vom Fernsehen besser dran. Sie bekommen eine minutengenaue Abrechnung der Zuschauerzahlen. Insofern ist schwer überprüfbar, wann der Hörer wirklich abschaltet oder sich einen anderen Sender sucht; ob es wirklich an der Musikauswahl liegt oder manchmal doch eher an den wortreichen Moderationen. Aber ein halb- oder einjähriger Testlauf mit einer anderen oder zumindest weiter gefassten Musikfarbe auf die Gefahr hin, auch noch den letzten gutwilligen Hörer zu vertreiben, will ja auch keiner machen. Aber es gibt ja zumindest kleine Lichtblicke.

Einer der hiesigen Radiosender bietet eine regelmäßige Musikwunschstunde an. Sie liegt etwas außerhalb (oder randnah) der weiten Primetime, aber immerhin gibt es sie. Was mich immer ein wenig wundert, wenn ich sie höre, dass da meist auch genau die Musik gespielt wird, die auch schon tagsüber im Programm zu hören war. Hat sich nun der Sender seine Hörer schon so erzogen, dass sie sich genau diese Musik auch wünschen oder werden allzu extrem abweichende Musikwünsche von vornherein aussortiert? Eigentlich nachvollziehbar.

Einen ganz anderen Weg geht das Programm „Bayern 3“. Richtig groß zu einem fast echten Event aufgeblasen darf sich am 24.02. der Hörer alles wünschen. Alles. ALLES! Wie es in einer Pressemitteilung und der damit ausgelösten medialen Ventilation so schön heißt: „Vom „Pokémon“-Titelsong bis Marianne Rosenberg, von „Last Christmas“ bis Tomte. Ohne Rücksicht auf Verluste! Egal ob Rihanna oder der Radetzky-Marsch, Justin Bieber oder die Flippers, Robin Schulz oder Chopin, Pink oder Polka: an diesem Tag ist bei BAYERN 3 wirklich alles möglich.“ Interessante Idee, wenn der Hörer die Musikredaktion übernimmt, zumindest den Teil der Grundauswahl. Solange sowas wirklich „nur“ Eventcharakter hat, vertreibt man sicher auch nicht gar zu viele Hörer. Das hat diese Idee mit einigen Musikgenres gemeinsamt. Als Event erträglich, als ständiger Begleiter unmöglich.

Aber es ist schon erstaunlich, welch Hype um eine solche Aktion gemacht wird, wenn man bedenkt, dass die Sender eigentlich immer das spielen sollten, was sich die Hörer wünschen. Wobei, einen kleinen Unterschied zwischen den Situationen gibt es schon: Beim Event werden Wünsche einzelner berücksichtigt, im Tagesgeschäft soll die breite Masse abgebildet werden. In jedem Titel, immer.

Leere Versprechungen

Da hatten mal ein paar Leute eine gute Idee: Anstatt, dass jeder Radiosender seine eigene App ins Netz stellt, damit seine Hörer sich mit den ganzen Lieblingssender-Apps die Smartphones vollmüllen, lasst uns doch eine App machen, mit denen man alle Radiosender hören kann.

Ta taaaa. Seit gestern gibt es sie jetzt fürs WindowsPhone, iOS und Andoid ist schon länger verfügbar: die Radioplayer-App. Unter Radioplayer.de ist auch eine Webversion verfügbar. Und eine Aussage auf der Startseite: „Alle deutschen Sender in einer App.“ Da sind wohl einige über ihren eigenen Schatten gesprungen: öffentlich-rechtliche und private Veranstalter unter einer Decke … ähm … *hüstl* … in einer App.

Aber auf zwei Beinen kann man nicht stehen. Zumindest nicht sicher. Geometrie und Tischlereiwesen lehren: ein Stuhl/Tisch mit drei Beinen steht immer sicher. Selbst schief. Stellt sich die Frage: Wo befindet sich im Radioplayer die 3. Säule deutscher Radiovielfalt: Bürgerfunk, NKLs, Offene Kanäle und ähnliches. Das sind auch (Radio-)Sender, die fehlen.

Qualitätsmedien

Manchmal darf man doch ins Grübeln kommen, ob bestimmte Medien noch zu den Qualitätsmedien gehören oder nicht. Denn wenn wir etwas lesen wollen, dann sind es Fakten, Fakten, Fakten, und stimmen sollen sie auch noch.

Focus Online listet in einem Artikel die wichtigsten Webradiosender, nach Bundesland sortiert, auf. Da freue ich mich, dass unter Mecklenburg-Vorpommern doch eine ganze Reihe Sender Platz finden und NB-Radiotreff 88,0 schon in der zweiten Zeile steht – noch vor dem On Air-Platzhirsch Ostseewelle. 😉

Lustig ist an der Liste nur, dass neben N-Joy, NDR 1 Radio MV, NDR 2 und NDR Info auch noch der NDR Hörfunk aufgelistet ist. Doppelt hält besser. Und wenn schon NDR, dann natürlich auch das Nordwestradio. Im Nordosten. Nordwestradio ist ein Gemeinschaftsprogramm von NDR und Radio Bremen und Bremen ist – wie wir alle wissen – eine große Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Letztendlich ist die ganze Meldung eigentlich eine Nichtmeldung. In der Webradio-Liste findet sich kein einziges Webradio, sondern nur die üblichen öffentlich-rechtlichen und privaten Radioveranstalter, die man vom normalen Radio her kennt. Und die Überschrift verspricht dann auch noch, dass man im Artikel was darüber erfährt, wie man Radiosender streamen kann. Erzählt wird dann aber (eigentlich auch nicht), wie man streamende Radiosender empfangen kann.

Horch, nur wen?

Die Mediaanalyse, die Währung für die Radiosender, was die „Einschaltquote“ betrifft, ist mal wieder heraus gekommen. Das tut sie im Schnitt alle halbe Jahre. Da ein direkter Vergleich mit der letzten Mediaanalyse aus div. Gründen nicht so einfach ist, gucken wir mal auf die prozentualen Tagesreichweiten, da dürfte ein Vergleich so halbwegs statthaft sein.

Die Top 1+ (also alles mehr als 1%) in Mecklenburg-Vorpommern:

  1. Ostseewelle Hitradio Mecklenburg-Vorpommern 33,7% (-)
  2. NDR 1 Radio MV 28,3% (-)
  3. Antenne MV 20,6% (+)
  4. NDR 2 11,9% (-)
  5. N-Joy 9,8% (-)
  6. NDR info 1,6% (-)
  7. Deutschlandradio Kultur 1,0% (-)
  8. NDR 1 Welle Nord (aus Schleswig-Ytong) 1,0% (-)
  9. Deutschlandfunk 1,0% (+)
  10. NDR kultur 1,0% (-)
  11. Radio Hamburg 1,0% (+)

Erstaunlich, dass nicht mal alle Sender, die in M-V senden, in dieser Liste sind. Klassik Radio wäre auf Platz 17 und Radio Teddy auf Platz 28. Die Offenen Kanäle tauchen in der Statistik nicht auf, werden also vermutlich nicht erfasst.

Aber da gibt es gibt andere Datenquellen, zum Beispiel die Funkanalyse Ostdeutschland. Die aktuellste Ausgabe ist die von 2013. Wenn man dort den weitesten Hörerkreis (= alle Personen, die angeben, diesen Sender innerhalb der letzten 2 Wochen vor dem Zeitpunkt der Befragung gehört zu haben) als Basis für eine Statistik nimmt und die Zahlen der aktuellen Mediaanalyse mit hinein mischt, kommt man auf folgende Liste (nur Sender, die in NB und Umgebung einfach über Antenne hörbar sind):

  1. NDR 1 Radio MV (62%)
  2. Ostseewelle Hitradio Mecklenburg-Vorpommern (61%)
  3. Antenne MV (58%)
  4. NB-Radiotreff 88,0 + radio 98eins + Studio Malchin (47%)
  5. NDR 2 (40%)
  6. N-Joy (28%)
  7. NDR info (12%)
  8. Deutschlandfunk (8%)
  9. NDR kultur (7%)
  10. Deutschlandradio Kultur (6%)

Nimmt man nach M-V einstrahlende Sender noch mit hinzu, ändert sind ein wenig was ab Platz 8 und tiefer. Ich gebe zu, die Einordnung der OKs ist statistisch gesehen nicht ganz sauber, da sie nicht im ganzen Land empfangbar sind. Wenn man die Zahlenbasis aber als „weitester Hörerkreis in den jeweiligen Sendegebieten in Mecklenburg-Vorpommern“ definiert, könnte man es fast als korrekt empfinden, dann würden aber sicher auch LOHRO, Radio TEDDY und Klassik Radio in der Statistik auftauchen.

(Quellen: Funkanalyse Ostdeutschland 2013, reichweiten.de, eigene Erinnerungen)

Warum Streamingdienste nie lineare Medien ersetzen (sollten)

Streamingdienste, und hier kann man eigentlich alle über einen Kamm scheren, egal, ob sie Bewegtbild und Ton oder nur Ton übertragen, sind irgendwie der neue heiße Scheiß, den wir uns gerade so reinpfeifen. Filme, Serien, Lieder, Hörbücher und vieles andere mehr auf Abruf und dann, wann ich das will. So ähnlich muss das Paradies sein.

Nicht alles, was man mit einem TV-Gerät empfangen kann, ist Fernsehen. Und nicht alles, was man in Kopfhörern und Boxen hört, ist Radio. Streamingdienste sind Streamingdienste und haben mit den klasssichen elektronischen Medien nur das Ausgabegerät gemeinsam. Immerhin bezeichne ich ein klassisches Röhrenradio auch nicht als Heizung, nur, weil es zur Raumtemperatur einen gewissen Anteil leistet.

Radio und Fernsehen sind schließlich auch nicht nur eine mehr oder weniger geplante Aneinanderreihung von Beiträgen, es steckt mehr dahinter als pure Algorithmen und Automatismen. Und sie zeigen nicht nur die Sachen, die einem gefallen. Was in dem Zusammenhang als großes Plus zu verstehen ist.

In einer Studie las ich mal einen interessanten Gedanken. Leider ist sie im Internet nicht verfügbar und an ein gedrucktes Exemplar komme ich vermutlich erst in Wochenfrist. Die Quelle war meiner Erinnerung nach recht etabliert, der Anlass zwar auch mit elektronischen Medien befasst, aber in einem anderen Kontext. Entsprechend umgedacht und popularisiert: Wenn man sich seine Medieninhalte selber zusammenstellen kann, verkapselt man sich zunehmend in seiner eigenen Filterblase und sieht nur noch Themen, die ins eigene Weltbild passen.

Ähnlich zu sehen sind auch Bestrebungen von Suchmaschinen, ihre Suchergebnisse mittels diverser erfasster persönlicher Daten des Suchenden immer besser auf die Bedürfnisse anzupassen. Was auf den ersten Blick sehr praktisch klinkt, heißt bei weiteren Blicken, dass man den Teil des Internets irgendwann nicht mehr sieht, der auch Informationen enthält, aber nicht ins persönliche Suchschema passt. Wer immer nur Katzenvideos guckt, ist irgendwann im wahren Leben doch überrascht, dass es Katzen gibt, die beim Pinkeln am Baum das Bein heben oder Nüsse irgendwo verstecken …

Streamingdienste fördern also die selektive Wahrnehmung, lineare bieten hier einen passenden Ausgleich und sind deswegen entsprechend wertvoll. Nur hier findet man auch Aspekte außerhalb der eigenen Filterblase, weil es einem „aufgezwungen“ wird. So lernt man immer mal wieder auch was neues kennen. 😉

Wenn das Wildschein mit dem Heli in die Bibo einbricht, geht einem das auf die Nüsse

In Vorbereitung der Sendung „Freitag nach eins“ entsteht auch schon ein erster Überblick über mögliche Themen im nächsten „RundumGenuss„, der bis zur Sendung am Sonntag nur noch aktualisiert und ergänzt wird. Schauen wir doch mal, was denn so in der Woche passiert ist und was angesprochen werden könnte.

Mal wieder im Fokus sogenannte Helikopter-Eltern. Ich finde den Begriff so schön und erheitere mich an dem Bild, wenn man das mal wörtlich nimmt. Da umschwirren also die Eltern das Kind, um es zu behüten, Lotsen winken Landungen ein und wenn mehrere Heranwachsende mit derartigen Eltern zusammenkommen, gibt es auch schon mal ein Hubschrauberabsturz. („Zu viel Behütung schadet“ – Warnung vor Helikopter Eltern: Sie verfolgen die Kinder ins Klassenzimmer von: www.focus.de)

Auch lustig: Malaysia: Wildschwein in Universität sorgt für Chaos (von: www.welt.de) – Da wird doch mal richtig zwischen den literarischen Werken „aufgeräumt“ …

Interessant fand ich einen Bericht über eine neue Software, die in der Österreichischen Polizei getestet wird (Polizei testet Einbruchsvorhersage per Software von: futurezone.at) – Da kann man mal etwas dran rumdenken und irgendwann haben wir dann eine entsprechende Ergänzung der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, die nicht mit der Zusammenfassung endet, sondern mit der Einbruchsvorhersage für die nächsten Tage.

Salzwasser, Mineralwasser und Süßwasser standen auch im Mittelpunkt der letzten Tage. Und Nüsse: Nüsse naschen hilft bei düsterer Stimmung im Winter (von: web.de). Das stimmt aber auch nur bedingt: Wenn ich ein paar Erdnüsse gegessen habe, ärgere ich mich immer über die heruntergefallenen Schalenstücke. Wobei jetzt der Besserwisser in mir hochkommt und meint: Erdnüsse sind keine Nüsse sondern Hülsenfrüchte. Das könnte den Effekt erklären. 😉

Viel Spaß bei der Sendung: Sonntag um 21 Uhr auf NB-Radiotreff 88,0.

 

 

 

 

Schlecht recherchiert

Gerade auf der Seite 1 sollte man die besten Artikel einer Zeitung vermuten. Oder zumindest die am besten recherchierten, weil kunden- und leserlockenden. Aber dann … „Neue Radiosender bleiben im Landesosten ein Wunschtraum“ titelt unsere Heimatpresse dieser Tage und beschreibt die im Vergleich zu Berlin und anderen Radiohochburgen eher schmale Programmversorgung in der Region. Aber dann der Faux pas …

In der Mecklenburgischen Seenplatte und in weiten Teilen Vorpommerns bleibt es … bei Magerkost: Wer in Auto oder Garten andere Programme als einen von fünf NDR- und zwei Privatsendern, Deutschlandradio Kultur oder Deutschlandfunk hören will, geht leer aus. (NK, 10.09.2014, Seite 1)

„Hier irrte Goethe!“* möchte man dem Autor entgegenwerfen. Fischland, Darß und Zingst (Teile von Vorpommern) werden mit einem lokalen Radioprogramm aus Kühlungsborn versorgt. In Stralsund und Umgebung (auch Vorpommern) kann man sich private klassische Musik auf die Ohren legen.

Und dann gibts da noch das Dreigespann NB-Radiotreff 88,0radio 98einsStudio Malchin. Mit den drei Sendern werden weite Räume der Seenplatte und Vorpommerns abgedeckt. Lt. Angaben der Firma Mediabroadcast werden ca. 315’000 Menschen technisch erreicht, das ist ein Fünftel aller Einwohner des Landes M-V und sicher die Hälfte in der angesprochenen Region. Das sollte man nicht übersehen. In einem breiten Streifen wird der Bereich von Woldegk über Neubrandenburg, Stavenhagen, Malchin, Teterow bis fast zur Autobahn 19 sowie Vorpommern fast von Stralsund über Greifswald, Grimmen und Loitz bis zur B111.

Und das schöne: Dies sind Offene Kanäle, wo man hingehen und das Radioprogramm mitgestalten kann, inklusive Musikauswahl.

P.S.: Achja, bevor das Argument „Wer hört denn den Sender?“ kommt: Laut „Funkanalyse Ostdeutschland 2013“ (INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung, Berlin) hat NB-Radiotreff 88,0 in seinem Sendegebiet einen Weitesten Hörerkreis (WHK = Hörer in den letzten 2 Wochen) von 47%. Hochgerechnet auf alle drei Sendegebiete sind das auch knapp 150’000 Leute.

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*) eine in der Literaturgeschichte gängige Floskel

Kontraproduktive Playlisten

Welchen Grad die Zusammenarbeit von Musikindustrie und beispielsweise Radiosendern hat, wage ich mal nicht einzuschätzen. Im Idealfall sollte es ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Die Industrie will Stücke verkaufen, die Sender spielen es, um es bekannt zu machen, der Kunde kauft. Und der Sender muss sich die Stücke nicht mal kaufen, sondern bekommt sie von der Industrie kostenfrei geliefert – „bemustert“ heißt das wohl.

So weit, so gut. Aber, liebe Musikindustrie, ihr sollte mal ein wenig drauf achten, was die Radiosender dann mit diesen Titeln machen und ggf. eure Vorgaben dazu anpassen. Ihr vertretet die Urheber, habt die Rechte von ihm bekommen und verhökert sie weiter. Ihr seid es, die die Regeln vorgeben können. Und das solltet ihr dringend tun, sonst werden Eure Geschäfte immer weiter einbrechen.

Privat höre ich pro Werktag ca. zwei Stunden Radio, meist eine von diesen Pop- und Servicewellen. Ich mag die Musik der 80er und bei der aktuellen sind auch ein paar schöne Stücke dabei. Bei neuen höre ich auch gern mal genauer hin. Auf Anhieb gefällt mir meist kaum eins. Aber schon beim zweiten oder dritten Mal hören kann sich das ändern und ich überlege mir, ob ich den Titel käuflich erwerbe. Ziel fast erreicht, würde ich sagen, liebe Musikindustrie.

Als Mecklenburger ist man ja manchmal etwas langsam und meist werde ich unterwegs daran erinnert, einen bestimmten Titel zu kaufen, weil ich ihn dort höre. Aber dann wird es aufgeschoben auf den nächsten WLAN-Empfang oder den Abend oder so. Ok, bis dahin habe ich es dann doch wieder vergessen oder etwas kam dazwischen. Irgendwas ist ja immer. Aber das Radio erinnert ja zuverlässig. Immer wieder. Und wieder. Und nochmal. Und wieder. Bis ich denn Titel binnen ein oder zwei Wochen so oft gehört habe, dass er mir auf den Geist geht und ich in wieder von meiner Kaufliste nehme.

Tja, ich würde sagen: „Wie beim Autorennen: Kurz vor dem Ziel mit dem Wagen überschlagen, weil hinten zu viel geschoben wurde. Totalschaden.“ Der Umsatz ging flöten. Hätte ich den Titel weniger oft im Radio gehört, hätte ich ihn sicher gekauft. Aber so! Wozu? Nehmt mal ein bißchen Einfluss auf die Musikredaktionen, aktuelle, verkaufsträchtige Titel nicht zu oft zu spielen. Warum sollte man sie kaufen, wenn sie andauernd im Radio gespielt werden?

Blick hinter die Kulissen

Sonntag für Sonntag geht bei NB-Radiotreff 88,0 – und damit auch bei radio 98eins und Studio Malchin – die Radiosendung „RundumGenuss“ über den Äther, mit anfänglich noch wechselndem Sendeplatz, jetzt aber schon recht lange um 21 Uhr. Nach den gut 16 Jahren, die die Sendung schon läuft, hat sich mittlerweile eine gewisse Routine eingeschlichen. Einige Aspekte gehen inzwischen mit entschieden geringerem Aufwand von der Hand, als man denken mag.

Wichtig ist eine gut strukturierte Basis, auf der alles aufbaut. Wollte man so etwas von jetzt auf gleich von Null aus aus dem Boden stampfen, würde das sicher einen ganz schön großen Aufwand bedeuten. Ist es aber (mit ein wenig Lenkung und Zielrichtung) gewachsen, muss die Grundlage nur noch gut gepflegt werden; das geht sogar so weit, dass eine weitere Sendung („Freitag nach eins„) faktisch kaum einen erhöhten Mehraufwand bedeutet.

So eine Sendung besteht praktisch aus zwei Teilen: Musik und Inhalten. Beide sind über eine Struktur, ein Gerippe oder – ganz offiziell – ein Konzept miteinander verbunden. Die Basis für den Inhalt bildet ein sogenannter Feedreader, in dem alle mit der Zeit gesammelten News- oder auch RSS-Feeds versammelt sind und täglich ausgewertet wird. Hierin verbraucht sich die meiste Zeit für die Vorbereitung der Sendung(en), da die Quellensammlung doch schon etwas umfangreicher ist. Die interessanten Links werden nach Sendung und Rubrik sortiert und gleich in eine kleine Datenbank eingegeben, aus der sich dann auch die Themenübersichten auf den Webseiten speisen. Welche Themen aus dieser Vorauswahl dann in der Sendung Platz finden, entscheidet sich spontan bei der Sendungsproduktion (RundumGenuss) oder bei der Schlussredaktion am Vorabend (Freitag nach eins).

Der Grundstock für die Musikauswahl wird durch drei Ordner (plus einem Weihnachtsordner) gebildet, in denen sich die gekauften, digitalisierten und vorsortierten Titel für die Sendungen befinden. Es gibt zwei Ordner für den Sonntagabend (Softpop und die jazzigen Nummern getrennt) und einen für den Freitag. Per Player auf dem Rechner, der auf Zufallswiedergabe steht, werden dann für die Sendungen die Titel ausgewählt. Es wird natürlich nicht jeder angespielte Titel genommen, aber letztendlich kommen aus den ersten beiden Ordnern jeweils mind. 45 Minuten (ergibt mind. 90 Minuten Musik für RundumGenuss) und aus dem letztgenannten 50 Minuten Musik zusammen. Ist die Musik ausgewählt, wird sie aus den Ursprungsordnern entfernt, damit sie nicht in einer der nächsten Sendungen nochmal vorkommt, und anderswo zwischengespeichert. So ist Vielfalt garantiert. Mit den herausgesuchten Titeln wird dann noch die Reihenfolge des Abspielens festgelegt. Teils gibt es hier auch Automatismen, die aber nicht wirklich relevant sind. Oder ist irgendwem schon mal aufgefallen, dass bei RundumGenuss immer der fünfte Titel der längste in der ganzen Sendung ist? Bei Freitag nach eins ist es übrigens der vierte.

Die Musikmischung ist damit vollendet, die (potenziellen) Themen für die Sendung(en) ausgewählt. Die Grundabläufe stehen auch, dann gilt es also nur noch, alles zusammen zu führen. Das ist aber klassische Studioarbeit, wie man sie sich gemeinhin vorstellt. Es zeigt aber auch, dass bei jeder Sendung die meiste Arbeit eben nicht im Studio, sondern vorher stattfindet. Setzt man sich dann hinter das Mikrofon, greift man nur noch auf die vorbereiteten Sachen zurück und kann sich voll auf den Spaß bei der Sendung konzentrieren. Und es macht Spaß. Das ist sicher.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Studien, sind sie richtig gut gemacht, ergeben meist recht interessante Ergebnisse, wenn denn das Thema eine gewisse Attraktivität besitzt. Hirnrissig wird es allerdings, wenn dabei dann Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Futurezone.at veröffentlichte einen Artikel über eine Studie der Uni Leipzig. Die sich in den Titel ergossene Quintessenz lautet: „Youtube ersetzt bei Jugendlichen das Radio„. Ein, wie ich finde, schwachsinniges Ergebnis (bzw. dessen Interpretation).

Als kochaffiner Blogger würde ich als Vergleichsschlagzeile „Mixer ersetzt bei Jungköchen das Messer“. Klingt auf den ersten Blick auch logisch. Etwas mit dem Mixer zu zerkleinern geht meist schneller und besser als mit dem Messer, vor allem, wenn man noch nicht geübt dabei ist.

Und nun stellen wir uns alle mal vor, wie die Jungköche mit ihren Mixern ein Brötchen halbieren, es mit Butter bestreichen, ein paar Scheiben Gurke darauf verlegen und alles mit etwas Fleur del sel bestreuen. Das wird schwierig.