Gedanken zur Zeit

Nachfolgender Kommentar entstand als Anmoderation einer meiner Radiosendungen. Normalerweise quatsche ich da ja ohne Script, aber wenn es richtig vernünftig werden soll, dann hilft die schriftliche Niederlage doch. Und wenn ich’s schon schriftlich habe, kann ich es auch gleich verbloggen.

Sorry, wenn ich heute mal etwas disharmonisch anfange, aber ab und an platzt einem schon mal der Kragen und dann hat sich einiges aufgestaut, was raus muss. Zumal gerade in der letzten Zeit der Grad der Idiotie in der Gesellschaft exponentiell nach oben geschnellt ist. Es gibt offensichtlich zu viele engagierte Menschen, die letztendlich nur an ihren eigenen Vorteil denken und sich dabei immer weiter von den Vorteilen für die Gesellschaft als ganzes entfernen. Nur die vernunftbegabte Mehrheit, die es hoffentlich noch gibt, schweigt oder ist zumindest so schwach, dass sie nicht gehört wird. Das wiegt besonders schwer, wenn entsprechende Hörbarkeitsverstärker keinen Arsch in der Hose haben und auch mal nicht dem vermeintlichen Mainstream folgen, sondern einen Standpunkt, den sie für vernünftig halten, auch verteidigen.

Zu viele Entscheider und die, die sich dafür halten, sitzen in ihrer Filterblase und glauben sich im Recht mit ihren Äußerungen, nur weil sie darin mit zu vielen Ja-Sagern umgeben sind. Die wahre Gesellschaft befindet sich außerhalb derartiger Kreise, die Wirklichkeit kommt nicht mit ihnen in Berührung, so dass auf einer fehlerhaften Basis falsche Schlüsse gezogen und falsche Entscheidungen gefällt werden. Und dann wird’s sehr schnell unmenschlich, unsolidarisch, unchristlich, wenn ich als Atheist das Wort mal gebrauchen darf. Die sogenannten christlichen Werte werden gerade auch von denen im Munde und auf den Fahnen geführt, die sie mit Füßen treten, nur für persönliche Vorteile. Das Grundproblem ist nur, dass es eine ernstzunehmende andere Variante nicht gibt, haben sie doch alle – historisch betrachtet (und da reichen 20 Jahre) – irgendeinen Dreck am Stecken.

Leider komme ich aus diesem Gedanken nicht mit einem positiven Ende heraus. Auch eine Lösung oder zumindest ein Ansatz dafür kommt nicht, was mich wurmt. Aber ich weiß eins: Es gibt Menschen, die ich bei diesen doch recht pauschalen Aussagen mit über den Kamm geschert habe, die es nicht verdient haben, die ordentliche Arbeit leisten. Sie sind (hoffentlich) sogar noch die Mehrheit, aber leider sehr leise …

P.S.: Bzgl. Mainstream hat Heiner Müller mal so schön gesagt: „Zehn Deutsche sind natürlich dümmer als fünf Deutsche.“
Passt auch als Zitat kontra Schwarmintelligenz.

P.S.II: Es war weder Tucholsky noch Ringelnatz, es war wohl Erich Kästner, der einmal reimte:
Freunde, nur Mut!
Lächelt und sprecht:
„Die Menschen sind gut.
Nur die Leute sind schlecht.“

Otto in unlustig

Eigentlich finde ich ja Otto immer noch ganz witzig. Aber das bezieht sich auf den ostfriesischen Menschen. Es gibt da auch was in Hamburg. Schon länger. Und immer noch. Noch.

Mal eine Zahl:135426. Das ist keine Bestellnummer sondern die Zusammenfassung des Vorgangs: Eine Bestellung, 3 Produktkategorien, 5 Produkte, 4 Lieferungen an 2 Abholorte innerhalb von 6 Tagen.

Es mag Gründe geben, warum sowas passiert. Ich hoffe aber, dass es nicht normal ist. Jedenfalls werde ich sowas nicht mehr auslösen. Andere Läden haben auch schöne Produkte.

 

Lost in Space* – ÖPNV in MV

Die Wege des ÖPNV sind untergründlich.
(Ein Freund, dem ich vorab von diesem Blogartikel erzählte)

Beruflich bin ich ab und zu mal in Greifswald. Von Neubrandenburg aus sind das etwa 60 km. Oder auch etwas mehr, kommt immer drauf an, wo man langfährt. Bzw. langfahren lässt. Mein Arbeitgeber orientiert stark darauf, bei Dienstreisen den Öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Also habe ich zwei Varianten. Grundsätzlich.

Immerhin haben sowohl Neubrandenburg als auch Greifswald einen Bahnhof, der von der Deutschen Bahn AG bedient wird. Der Nachteil ist, dass es kein direktes Gleis zwischen den Orten gibt. Mit etwas gutem Willen könnte man eine Stichstrecke in die richtige Richtung erkennen, allerdings fehlt seit den 1940/1950er Jahren die Verbindung zwischen Friedland und Anklam, aber selbst die Stichstrecke wird für Personenvekehr nicht mehr genutzt. Also bleiben nur die beiden Umwege entweder über Stralsund oder über Pasewalk, was die Reisezeit unwesentlich verlängert (mindestens verdoppelt).

Erinnerlich meiner eigenen Studienzeit in Greifswald fallen mir die damals doch recht guten Busverbindungen zwischen den Städten ein. Dazu gibt es weiter unten ausführlichere Informationen, die Mischformen möchte ich deswegen mal erwähnend vorziehen. Wenn man beispielsweise auf der Webseite der Deutschen Bahn nach einer Verbindung sucht, findet man auch welche, die der Ideallinie näher kommen. So kann man mit dem Zug bis nach Grimmen fahren und von dort mit dem Bus weiter. Bei tieferer Recherche findet sich sicher auch noch eine Variante über Demmin nach dem gleichen Prinzip. Zwei Stunden Reisezeit muss man dann aber einplanen. Wenn alles klappt. Das gilt übrigens auch für die reinen Zugverbindungen.

Schön ist, dass man auf der Bahn-Seite auch die direkten Busverbindungen der regionalen Anbieter findet. Nicht alle, aber sinnvolle. Wenn man bei den regionalen Busanbietern sucht … *schreiendhysterischerLachanfall*
Sorry, ich fang den Satz nochmal neu an: Wenn man den regionalen Busanbieter sucht, stellt man fest, dass eine MVVG unter anderem für Neubrandenburg zuständig ist. Entgegen ihres Names „Mecklenburg-Vorpommersche-Verkehrsgesellschaft mbH“ ist sie NICHT für das ganze Land zuständig, sondern nur für die Bereiche rund um Waren/Röbel/Malchow, Neubrandenburg/Demmin/Malchin und Neubrandenburg/Neustrelitz/Friedland. Kein Greifswald. Auch nicht auf den per PDF-Dateien verbreiteten Fahrplänen. Aber einen interessanten Link gab es doch … Dazu später.

Wenn man das Problem von der anderen Seite her aufzäumt, wird es übrigens auch nicht besser. Die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald fand ich erst im Rahmen der Nachrecherche zu diesem Artikel. Als ich erstmalig nach einer Busverbindung suchte, kam ich zu dem Schluss, Greifswald hat keinen Regionalbusanbieter. Zumindest nicht so direkt. Auf der Webseite der Anklamer Verkehrsgesellschaft, zuständig auch für Greifswald, findet man dann endlich einen Fahrplan, wo auch Greifswald vorkommt. Nur kein Neubrandenburg in den Fahrplänen. Aber einen interessanten Link gibts hier auch.

Folgen wir doch mal dem Link und finden die VMV mbH, die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH. Die ist immerhin für’s ganze Land zuständig. Zwar findet sich auf deren Webseite unter dem Stichwort Fahrplan 2018 kein Fahrplan, aber es gibt auch eine Fahrplanauskunft. Wenn man in die dortige Suchmaske Start- und Endhaltestelle eingibt, beginnt die Lotterie der Verbindungen. Grundsätzliches Plus: Es werden nicht nur Busverbindungen angezeigt. Grundsätzliches Minus: Bei manchen vorgeschlagenen Routen bin ich mir nicht sicher, ob man eher das harrypottersche DurchdieWandaneinenanderenOrtkommen bräuchte oder das startreksche Beamen zum gleichen Zwecke.

Aber fangen wir positiv an. Auf bahn.de gibt es einen Bus um 7:40 Uhr von NB nach HGW. Den gibt es auch bei der VMV.

Ab und zu muss ich auch mal nach Malchin. Da wäre vielleicht folgende Linienführung interessant (ich habe übrigen keine gewünschten Zwischenstationen eingegeben):

Die nachfolgende Linie führt auch über Demmin, aber dafür braucht man offensichtlich oben genannte besondere Fähigkeiten.

Um das mal zu übersetzen: Man fährt zuerst Richtung Burg Stargard, um in dessen Ortsteil Lindenhof auszusteigen. Hoffentlich steht dort dann auch ein Haltestellenhäuschen. Die Frage ist nur, gegen welche der Wände man springen muss, um in einem ähnlichen Häuschen in dem Örtchen Lindenhof bei Demmin (ca. 41 km Luftlinie entfernt) herauszukommen. Oder gibt es eine Beamzelle?

Geht es noch abstruser? Wenn ich schon so frage: JAAAA!

Hier ist etwas Fahrplan- und Kartenkunde nötig, vor allem für den ersten Abschnitt. Der erste Bus fährt wirklich Richtung Strasburg, allerdings gibt es dort kein zweites Mirow an der Strecke. Wäre ja auch blöd, weil es dann das gleiche Prinzip wie bei Lindenhof wäre (das wir übrigens bei den beiden, ca. 84 km auseinander liegenden Drosedows anwenden). Aber in Woldegk, an der beschriebenen Strecke gelegen, gibt es einen Edeka-Markt … Offensichtlich sind sich diese Supermärkte nicht nur einander ähnlich sondern auch noch via Raumkrümmung o.ä. miteinander verbunden. Wie sonst sollte man in 7 Minuten vom Woldegker in den Mirower Edeka-Markt kommen? Nun liegen sowohl Mirow als auch Woldgk, wenn man von Neubrandenburg nach Greifswald möchte, nicht unbedingt auf dem Weg. Was man allerdings südlich der Müritz soll (schöne Gegend übrigens), wenn man eigentlich an den Greifswalder Bodden möchte, werden nur die Programmierer des Webtools bzw. der App wissen.

Apropos App. Die hat einen „Mailen-Sie-uns-Ihre-Fragen-und-Anregungen“-Button (der anders heißt, aber den gleichen Sinn hat). Ich habe versucht, die VMV mbH auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Die E-Mail kam wegen Unzustellbarkeit zurück.

Hintergründe über den Zustand des Öffentlichen Personennahverkehrs, Schwerpunkt Bus, im Land Mecklenburg-Vorpommern kenne ich nicht. Sicherlich spielt das Zusammenspiel der Dreiheiligkeit Nutzungszahlen, Kostenersparnissen und Angebotsumfang eine wesentliche Rolle. Die aktuellen Momentaufnahmen, vor allem, was die Informationspolitik über Fahrpläne und Verbindungen betrifft, sind unterhalb jedes vernünftigen Niveaus. Ich habe für meine Fahrt nach Greifswald übrigens trotzdem die Straße genutzt. Etwas über eine Stunde habe ich braucht. Allerdings nicht von Busbahnhof zu Busbahnhof, sondern von Haustür zu zielnahem Parkplatz. Mit dem Auto.

P.S.: Weitere Alternativen: Wenn ich unbedingt Bus fahren möchte, könnte ich natürlich auch einen Fernbus nehmen. Was die Dauer der Fahrt betrifft, sind diese Busse übrigens unschlagbar. Mit ihren Fahrzeiten katapultieren sie sich aber sogar ins Aus des Nachbarstadions.

___

*) Verloren in Mecklenburg-Vorpommern

Das ist mir zu fix

Fix hat – wem es noch nicht aufgefallen ist – (mindestens) zwei Bedeutungen. Fixpreis, Fixstern, Fixangebot, … deuten darauf hin, dass es etwas festes, feststehendes bezeichnet. Wobei die Forschung sich ja auch weiter entwickelt. Fixsterne beispielsweise sind gar nicht so fix, wie sie ursprünglich mal angesehen wurden, sondern teilweise recht fix unterwegs. Hier haben wir dann die zweite Bedeutung: schnell.

Die Zeit brachte es, dass ich mir einen neuen PC zulegen musste. Neben seinen alten Macken entwickelte mein Rechner immer neue Eigenheiten, und als er seine Kommunikationsfähigkeit spontan einbüßte, wurde der Schlussstrich gezogen. Ein neues Gerät wurde bestellt, eingebaut und ist mittlerweile einige Wochen in Betrieb. Seither langweile ich meine Umgebung mit der Begeisterung über den neuen Mitbewohner.

Ein Blick zurück: Kam ich früher abends nach Hause, ging mein erster Gang meist direkt an den Rechner (alt). Erstmal anschalten. Danach gab es dann ein leckeres Abendbrot und nebenher infomierte ich mich televisionär über das Weltgeschehen. Kam ich dann zum Rechner zurück, war der hochgefahren und zur Arbeit bereit. Diesen Algorithmus musste ich nach dem Neuerwerb umarbeiten. Jetzt schalte ich ihn erst an, wenn ich auch wirklich mit der Beschäftigung anfange. Die Zeit des bequemen Hinsetzens reicht aus, um die Zeit zwischen dem Anschalten und der anmeldenden Passwortabfrage zu überbrücken. Und dann gehts auch gleich los.

Dabei sei eine kleine Zwischenbemerkung erlaubt: Ich weiß nicht, was die vielen kritschen Stimmen, die mit der Oberfläche von Windows 10 ein Problem haben, eigentlich haben. So groß fand ich die Umstellung nicht (ich komme von Windows 7) und finde sehr viele Ähnlichkeiten. Bei den Einstellungsmöglichkeiten muss man manchmal etwa suchen, aber dafür gibt es eine Suchfunktion und bisher habe ich spätestens darüber alles gefunden. Zugegeben, auch das Startmenü ist etwas lang und damit unübersichtlich. Aber wenn man ein wenig mitdenkt und die Möglichkeiten des Systems nutzt, braucht man das Startmenü eigentlich recht selten.

Aber nicht nur das Starten des PCs geht fix, auch das Runterfahren ist gewöhnungsbedüftig zügig. Da mein Rechner am Schreibtisch und der Schreibtisch im Schlafzimmer steht, war es mit dem alten immer ganz praktisch, wenn man das Ausschalten mit dem Zubettgehen verband. Die Zeit, bis die Monitore wirklich deaktiviert wurden, reichte meist aus, um das Fenster zu schließen, den Wecker zu kontrollieren, das Rollo herabzulassen und die tönende Einschlafhilfe in Betrieb zu nehmen. Dann wurde noch die Bettdecke aufs Bett gelegt und ich mich zwischen diese und das Laken geschoben. Danach wurde es dunkel.

Jetzt reicht das „Restlicht“ der Monitore, nachdem ich auf Herunterfahren geklickt habe, gerade noch dazu, um den Schreibtischstuhl zu verlassen. Danach tapse ich dann durch die Finsternis, wenn nicht noch von irgendwo her ein Lichtschein die Gütigkeit hat, mich an den harten Bettkanten vorbeizuleiten. So hat der technische Fortschritt nicht nur Vorteile und greift doch immer wieder in den Lebensalgorithmus ein.

Gut so. Sonst wäre es ja auch langweilig.

Lehrerausbildung in M-V

Wie ich dem Online-Angebot der SVZ entnahm, beschäftigte sich der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns u.a. mit der Lehrerausbildung. Die Bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion Simone Oldenburg sieht es als sehr kritisch an, dass etwa die Hälfte der Lehramtstudenten in M-V ihr Studium abbrechen. Sie befürchtet einen großen Lehrermangel deswegen.

Ob die Befürchtungen wirklich gerechtfertigt sind, kann ich nicht einschätzen. Was ich aus eigener Erfahrung weiß, ist, dass die Abbrecherquote vermutlich schon immer so hoch war. Und das gilt systemübergreifend. 😉 Als ich 1986 mein Lehrerstudium begann (damals hieß das Ziel noch Diplomlehrer), waren wir 20 Studenten in der Seminargruppe (so hieß das damals). Und auch wir hatten einen Teil unserer Vorlesungen zusammen mit den Fachdiplomanten, einen weiteren Teil nur zusammen mit Lehrerstudenten anderer Fachrichtungen und einen dritten studiumrichtungssübergreifend. Den hatten alle. 😉

20 Studenten zu Beginn des ersten Studienjahres. Im vierten waren wir noch 10 und wie viele den Abschluss gemacht haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da das in den Wendewirren ein wenig unterging. Einige führten – wie ich – ihr Studium halbwegs planmäßig zu Ende, um dann als Haupt- und Realschullehrer ins Leben entlassen zu werden. Andere hingen noch zwei oder drei Jahre dran, um sich dann Gymnasiallehrer nennen zu können. Man verlor sich aus den Augen, einige sprangen sicher auch ohne Abschluss ab.

Um es klar zu stellen: Sicher, dieses Studium fand nicht in Mecklenburg-Vorpommern statt, das gab es noch nicht. Aber es fand an einer der beiden im SVZ-Artikel erwähnten Universitäten des Landes statt: in Greifswald.

Und damit nicht genug: Ein Bekannter von mir versuchte sich in den 2000er Jahren auch an einem Studium an der heute mittlerweile namenlosen Universität Greifswald. Es war eine Ersti-Vorlesung eines beginnenden Wintersemesters, in der der Dekan seiner präferierten Fachrichtung im Hinblick auf den gut gefüllten Hörsaal sinngemäß meinte: Bis Weihnachten ist der Hörsaal nur noch halb voll.

Es ist also nichts neues, dass die Hälfte der Lehramtsstudenten das Studium nicht überstehen. Das trotzdem etwas verändert werden muss, ist klar. Die Erzählungen über die Zustände während des Studiums meines Bekannten ließen den etwas klischeeüberlasteten Gedanken „Es war nicht alles schlecht.“ an mein Studium aufkommen. Wenn ich das mal auf heutige Zeiten transformieren würde, kämen acht Semester Ausbildung (zwei Fachrichtungen, Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Methodik) und zwei bis vier Praxissemester zusammen. Die ersten Semester wären eher fachlich angelegt, mit zunehmender Studiumsdauer kämen die lehramtspraktischen Seiten dazu. Fertig.

Der Amtsweg des Horrors

Dienstag ist (S)am(t)stag.

Na, alle Wortkombinationen herausbekommen? Hier die beiden wichtigen:

  • Dienstag ist Samstag. Das kann in einem Urlaub schon mal passieren: Man bringt die Wochentage durcheinander. Hier aber ist es eher so gemeint, dass ein Urlaubstag etwas mit einem schönen Samstag gemein hat: Ausschlafen.
  • Dienstag ist Amtstag. Ich war auf dem Amt, genauer: im Rathaus. Mein Betriebsausweis als Personal der BRD lief aus, da gilt es, sich einen neuen zu bestellen.

Und wenn jetzt einer meint, beides geht nicht am gleichen Tag, der irrt. Aber wie bei vielem gilt auch hier: erst informieren, dann los rennen. Das entspannt ungemein. Vor allem, wenn man nicht tagtäglich auf dem Amt zu tun hat. Nebenher grübele ich gerade, wann ich das letzte Mal da war … Es war schon dieses Jahrtausend, aber es war noch recht jung.

Wenn der Tag herankommt, an dem man ins Rathaus muss, bauen sich lange gelernte Klischees auf und dahinter kommt die Angst. Wieviele Stunden werde ich wieder ans Bein binden? Was habe ich vergessen oder unterlassen? Warum bin ich falsch? Die Allmacht der Staatsbeamten (oder auch nur Stadtangestellten) flößt einem schon irgend ein Gefühl zwischen Respekt und Angst ein.

Aber hier ist es wie im wahren Leben: Information schützt vor Ängsten. Und eine gute Informationsquelle ist der Onlineservice der Stadt im Internet. Dieses „Neuland“ hat wohl auch ein paar Vorteile. So las ich mir das durch und vereinbarte auch gleich online einen Termin* beim Bürgerservice. Das schöne daran ist, dass man sich den im Rahmen der sichtbaren Verfügbarkeit auch aussuchen kann. Praktisch für Spätschläfer.

Daneben stand dann auch noch, was alles mitzubringen ist: Lichtbild, alter Ausweis und Geburtsurkunde. Das war prinzipiell einfach. Am einfachsten war das mit dem alten Ausweis. Das Lichtbild brauchte dann doch zwei Anläufe; meinen gewohnten (das letzte Mal vermutlich auch vor 10+x Jahren) Lichtbildner gab es nicht mehr. Etwas schwieriger – zumindest im Vorfeld – wurde die Sache mit der Geburtsurkunde, aber tief im Familienarchiv wurde ich da auch fündig. So war dann alles bereit und nichts sollte vergessen werden: Bild, Ausweis, Geburtsurkunde.

Braucht noch jemand 4 Lichtbilder von mir? Die habe ich mir machen lassen. Es war die kleinste Einheit, die man kaufen konnte. Und ich habe immer noch alle vier. Eins wurde zwar eingescannt, aber das bekommt man dann wieder zurück. Ich erinnere mich an einen Zeitpunkt vor über 20 Jahren, als ich mal einen Betriebsausweis mit Foto drauf bekam. Bei der Ausstellung musste ich mich vor eine weiße Wand setzen und dann wurde mit einer Art Webcam das Bild gemacht. Wäre das nicht auch was für’s Amt? So teuer sind doch passende Cams nicht mehr? Und weiße Wände gibt’s doch in den Büros genug. Oder gehen die im Amt davon aus, dass man nicht immer biometrisch gucken kann?

Geburtsurkunde, Lichtbild, Ausweis, Termin und Terminnummer lagen bereit. Nun konnte es los gehen. 13 Uhr musste ich im Rathaus sein. Eine gute Zeit, vor allem, wenn man sich vorher noch etwas stärken möchte. Man weiß ja nicht, wann man da wieder raus kommt. Das nähere Rathausumfeld hält einige Möglichkeiten der Speisenaufnahme bereit, so dass man sich gut wappnen kann. Ein ungezwungenes Essen wurde es aber nicht. Wenn man so wichtige Dokumente wie eine Geburtsurkunde mitführt, achtet man ständig darauf, ob sie denn auch noch da ist. Und die ganze Zeit mit der Hand in oder auf der Tasche agieren, ist gar nicht so einfach, wenn man als wohlerzogenes Mitglied der Gesellschaft mit Messer und Gabel speisen will.

Kurz vor 13 Uhr (man will ja pünktlich sein) betrat ich das Rathaus und platzierte mich, immer mit der Anzeigetafel im Blickfeld. Man will seinen Termin nicht verpassen. Die Nummern waren zwar schon größer als die eigene, aber das wird schon seine Richtigkeit haben. Nervosität macht sich ein wenig breit. Ist die Geburtsurkunde noch da? Die Bilder? Habe ich die richtige Zahl im Kopf? Die Urkunde? Der Ausweis?

Da! Plötzlich eine Änderung der Anzeige und die Zahl, die dort steht, ist mit der identisch, die ich auf meinem Zettel habe. Zimmernummer merken und los stiefeln. Und das in Slippern. Vor dem Raum nochmal prüfen: Ausweis, Geburtsurkunde, Bilder, alles da. Eine nette Frau im Büro, ein kurzes sachliches Gespräch,  ein Amts- und ein Bezahlvorgang – 13:15 Uhr war ich wieder an der frischen Luft, hatte noch alle Passbilder in der Tasche und die Geburtsurkunde nicht mal herausgenommen. Warum musste ich sie mitbringen?

Einiges an den Amtswegen wird der normale Bürger vermutlich nie verstehen, aber sie scheinen kürzer geworden zu sein. Und die Begleiter/-innen sind netter. Da kann man doch auch mal positives drüber schreiben. Das schlimmste wird dann vermutlich das Bild von mir auf dem neuen Ausweis sein, aber das ist ja meistens so. Für’s nächste Mal machen ich mir jetzt schon mal einen Knoten in den elektronischen Kalender, damit ich rechtzeitig an einen neuen Ausweis denke. Aber diesmal hatte ich noch Glück, die Frau in dem Büro war wirklich sehr nett …

________________

*) Letzte Woche funktionierte das mit dem Termin noch ohne Probleme. Als ich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes es nochmals probieren wollte, ging’s nicht. Man muss also auch etwas Glück haben. Ich vermute mal, dass es weit außerhalb der Amtszeiten einfacher ist. 😉

Timing ist alles

Entschuldigt bitte, wenn ich Euch mal mit einer Trivialität belästige, aber ich war gerade beim Haareschneiden, so dass ich diese Geschichte nicht so bald meinem Frisör erzählen kann. So müsst ihr drunter leiden. 😉 Alles fing damit an, dass ich einen Sonnabend mit einem kleinen Wellness-Ausflug plante. Der Termin war gemacht und die Freude darauf meinerseits entsprechend groß, spürte ich doch aktuell eine kleine schmerzhafte Verspannung, die ich in gute Hände abgeben wollte. Der Plan war perfekt.

Naja, perfekt ist was anderes. Immerhin hatte die ganze Sache einen kleinen Haken: Am Sonnabend einen Wecker stellen zu müssen, wenn auch erst kurz vor neun, ist für einen Spätschläfer, der den ersten Tag des Wochenendes gern zum Ausschlafen nutzt, nicht so einfach. Aber der Grund heiligte die Strapaze und so startete der Tag mit etwas Sonne hinterm Fenster und einem gemütlichen Wannenbad. Das war doch so angenehm, dass die Zeit darüber recht schnell verging, immerhin wartete noch eine kleine Autofahrt auf mich, bevor die Hauptwellness ansetzte.

So war es dann rund um 12 Uhr, als ich das Ziel in das Navi-Programm meines Smartphones eingab. Ich kenne zwar die Route (wie sich später herausstellte, doch nicht so richtig), aber die errechnete Ankunftszeit zeigt doch immer gut an, ob ich mich eher beeilen muss oder doch ein wenig durch unsere schöne Landschaft cruisen kann. Dann vervollständigte ich die Bekleidung und verließ mit der Jacke in der einen Hand und zwei Beuteln Leergut in der anderen die Wohnung. Am Auto angekommen stellte ich dann fest, dass das Smartphone wahrscheinlich noch auf der Flurgarderobe lag … Na, so wichtig ist es ja nun auch nicht. Geht auch ohne.

Die Jacke kam auf die hintere Sitzbank, das Leergut in den Kofferraum. Der Rückweg sollte zum Einkaufen genutzt werden. Dann ging es los in Richtung Autobahn und dort war dann die Verwunderung groß. So voll habe ich die A20 hier in der Gegend noch nie gesehen. Offensichtlich war in den Urlaubshochburgen an der Ostsee gerade Bettenwechsel. Ich wusste mich zwar gut in der Zeit, aber es stand die Entscheidung an, ob ich eher ruhig auf der rechten Fahrspur vor mich hin fahre oder doch etwas zügiger auf der linken, immer bereit, den noch schnelleren Autos auszuweichen. Die zweite Variante schien mir die zeitlich sicherere, wusste ich ohne meine Navi-App ja nicht, wie gut ich in der Zeit lag.

So ging es zügig voran, immer die Augen auf dem umliegenden Verkehr gerichtet. Schert da einer aus, kommt von hinten ein PS-starker oder bremst eine lahme Ente die Überholspur aus. Man hat da richtig was zu tun. Es kam, wie es kommen musste: Schwups war die richtige Ausfahrt verpasst. Die nächste war aber nicht weit und so fuhr ich dann über eine urlaubsbedingt auch gut gefüllte Bundesstraße wieder zurück, bis ich den Parkplatz meiner Wahl relativ frühzeitig erreichte. 12:57 Uhr (die Zeit wird nochmal auftauchen) verließ ich das Auto und tauchte in die Wellnesswelt ein. Kurz überlegte ich, ob ich meine Jacke den letzten Weg mitnehme, entschloss mich aber, sie mit allem Inhalt – u.a. einem Handy – im Auto zu lassen.

Als ich mich einige Zeit später entspannt, entkrampft und gelassen meinem Auto näherte, ahnte ich noch nichts böses. Nur als ich die Tür öffnete, hörte ich gerade noch das Handy klingeln. Die Neugier ließ es mich aus der Jackentasche puhlen und leicht erschreckt aufs Display gucken. Die angezeigte Nummer hatte ich lange nicht mehr gesehen, aber ich kannte sie wohl. Es war kein Mensch, der mich anrief, sondern eine Maschine, die damit anzeigte, dass zwar kein GAU auf Arbeit passiert war, aber irgendwas kurz davor. Mit einer bestimmten Tastenkombination hätte man nähere Infos abrufen können, aber ich habe das schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich diese nicht im Kopf hatte. Was ist da los? Eine SMS an eine Kollegin brachte auch keine Klärung, sie war wie ich  außerhalb jeden Wirkungsbereiches. Und ich hatte mein Smartphone nicht dabei, um den aktuellen Betriebsstatus etwas detaillierter erfahren zu können.

Der Blick aufs Handydisplay brachte noch etwas erschreckendes zu Tage: Der Störungsanruf war nicht der erste. Und auch nicht der zweite. Zu dem Zeitpunkt war es der 49. und es sollten noch einige folgen, bis ich auf Gutglück Tastenkombinationen ausprobierte und offensichtlich eine wirksame erwischte: Zumindest die Anrufe hörten auf. Dann machte ich mich auf den zügigen Heimweg. Nach ca. 10-15 Minuten Fahrt bekam ich immerhin die Information, dass zumindest nach außen hin alles so lief, wie es sollte. So stellte sich nur noch die Frage, was der Auslöser der Alarmanrufe war. Aber das konnte ich von zu Hause aus machen, dazu musste ich nicht in die Firma. Und dann kann immer noch entschieden werden, ob und was zu tun ist. Auch das geplante Einkaufen ließ sich guten Gewissens auf dem Heimweg noch erledigen.

Ein Vorgang, der eigentlich bis 13 Uhr laufen sollte, ging bereits um 12:57 Uhr (ich hatte gesagt, dass die Zeit nochmal kommt) in eine Art Leerlauf. Immerhin passierte noch so viel nichts, dass die Reserve nicht ansprang, aber es passierte eben nicht genug, um die Alarmauslösung zu verhindern. Etwa 30 Sekunden nach Beginn dieses Zustandes gingen die Alarm-E-Mails raus, aber ohne Smartphone kriegt man das nicht mit. Und weitere 30 Sekunden später folgten die Anrufe. Da hatte ich mein Auto und damit das Handy bereits verlassen und war noch auf dem Weg über eine Lobby, eine Treppe und einen Flur zum Ziel meines Wellnessausfluges, den ich – unwissend der Situation – in aller Ruhe genießen konnte. Bei meinen Handy ging zwar gerade die Welt unter, aber ich lag auf einer weißen Pritsche, warme Öle überflossen mich und heiße Steine sorgten für Entspannung.

Hätte ich mein Auto nur 30 Sekunden später verlassen oder meine Jacke mit hinein genommen, es wäre vorbei gewesen mit dem geruhsamen Sonnabendnachmittag. So verfestigt sich die Weisheit, dass es im Leben doch immer mal wieder auf ein gutes Timing ankommt. Man ist doch recht glücklich, wenn es stimmt. Falsches Timing ist doch blöd.

P.S.: Und jetzt schreibe ich noch eine böse Beschwerde-E-Mail an jemanden, der vielleicht nicht verantwortlich, aber doch involviert ist an den fehlenden 3 Minuten.

Es blüht schon wieder

Aus gegebenem Anlass gibt es heute mal eine kleine Bildstrecke zwischendurch, die irgendwo einer alten Tradition folgt, aber nicht so regelmäßig passiert, wie es für Traditionen sinnvoll wäre. Aber es liegt nicht nur an mir, der Anlass kommt von außen. Diesmal ist es übrigens mein Balkonkaktus, der plötzlich einen Ausleger bildete, der mittlerweile blüht. Der ganze Vorgang zog sich ziemlich genau über einen Monat hinweg – vom ersten bis zum letzten Bild.

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Entwicklung einer Kaktusblüte

Zum Ende hin musste ich den Blütenarm etwas anbinden, nicht, dass durch das ausladende Gewicht irgendwann der Balkonkasten abstützt. 😉

Ironie im Internet funktioniert nicht (immer)

Wobei ich die Aussage in der Überschrift gleich wieder korrigieren muss. Schriftliche Ironie im Internet funktioniert nicht. Meine These in dem Zusammenhang ist, dass in der Schriftsprache noch nichts gefunden wurde, was der Mimik/Gestik in allen Nuancen entspricht. Sicher gibt es Smileys, aber die sind in dem Zusammenhang eher Holzhammer als wirklicher Ersatz für diesen Blick, dieses leichte Zucken im Augenwinkel, das Ironie dem direkten Gegenüber zumindest zu erkennen hilft. Natürlich kann man auch mangelnde Intelligenz unterstellen, wenn jemand Ironie – gemeinhin die feine – nicht erkennt. Aber der Fehler könnte dann auch auf Seiten des Autors liegen. Es ist also mitnichten ein gutes Argument.

So ist es doch als bedauerlich festzustellen, dass der eine oder andere ironische Text nicht als solcher erkannt, sondern wortwörtlich ernst genommen wird. Die eine oder andere Erfahrung durfte ich in dem Zusammenhang auch schon machen, was mich einerseits auch amüsierte, anderseits aber auch eine (möglicherweise) interessante Diskussion im Ansatz ersterben ließ. Aber wenn man nach einem ironischen Kommentar geblockt wird, misslingt selbst eine Klarstellung schon im Ansatz. Das aber nur so nebenbei.

Satire in einem Text zu erkennen, ist meist einfacher, Ironie hat eher die Tendenz unterzugehen. Sicher mag es eine Hilfe sein, wenn man als Autor dafür bekannt ist, ironisch zu kommentieren. Da ist der Leser dann schon etwas geeicht und erwartungsfroh und unterstellt manchmal mehr Ironie als eigentlich da ist. Aber was machen da nur Schreiber, die mal ironisch und mal nicht ironisch ihrer Tätigkeit nachgehen? Schwierig. Ein Beispiel? Gern.

Neulich las ich einen Text, der sich über die wetterbedingte Männermode etwas ausließ. Unter der Überschrift „Almost Fourty – Wenn das Outfit zu heiß wird“ wird mit allen Klischees gespielt, die es in dem Zusammenhang nur gibt. Im Stil einer Stilikone fordert der Autor die Vernichtung aller Kurzarm-Hemden, greift das Socken-und-Sandalen-geht-gar-nicht-Diktat auf und verbannt auch kurze Hosen in den Bereich des modisch Unmöglichen. Dabei wird auf’s beste fabuliert:

Socken und Sandalen – weltweit als absolutes Tabu erkannt – erfreuen sich überraschenderweise nach wie vor großer Beliebtheit, aber das ist nicht die einzige Möglichkeit anderen Leuten die Netzhaut zu verätzen.

Ist das nicht herrlich!? Ironie pur, die schon gefährlich dicht an eine Satire heranreicht. Aber genau hier zeigt sich die ironische Qualität des Autors, eben nicht den Schritt zu gehen, das Fehlen von Socken in den Sandalen auch gleich auf die Unterwäsche unter den Hosen auszudehnen. Nur dann wäre das „weltweite Tabu“ wirklich konsequent weiter gedacht.

Ähnlich übrigens wird auch beim Begründen abzulehnender Kurzärmligkeit ironisch überhöht. Das ist echt feine Kunst:

Denn … wirklich niemand (darf) kurzärmelige Hemden in der Öffentlichkeit tragen. Wenn einem wirklich so warm ist … kann man die Ärmel eines Hemdes einfach nach oben rollen.

Da wird der Autor doch fast wieder satirisch, weiß man doch, dass dieses aufgerollte in den meisten Fällen einfach nur ungeschickt und peinlich aussieht und gern als Bizepssimulanz missbraucht wird. Aber in der heutigen, auf Oberflächlichkeiten geeichten Zeit wird jeder Trick genutzt, um da ein paar Pluspünktchen einzufangen.

Alles in allem finden wir in „Almost Fourty – Wenn das Outfit zu heiß wird“ auf heldth.com ein schönes Beispiel für einen ironischen Text, der mit den gängigen Meinungsklischees spielt und durch eine entsprechende Überhöhung ad absurdum führt. Er ist ein guter Beleg dafür, dass man auch ohne die Holzhammer á la Smileys oder Hashtags auskommt, und trotzdem einen schönen, amüsant zu lesenden Text hinbekommt, der herrlich ironisch ist, aber so, wie er da steht, durchaus auch ernst genommen werden könnte. Meine Gratulation!

Notfall Handy

Wenn man Positronen zu viel Sauerstoff gibt, kommt eben manchmal Blödsinn bei raus. Da bin ich mal gespannt, wie das endgültig ausgeht.

Als Mobiltelefonierer bin ich Positron-Kunde der (beinahe) ersten Stunde. Seit dem 1. Quartal 1996 bin ich dabei, auch wenn damals die Mobilfunkversorgung an der Stadtgrenze versiegte. Wenn man aber eine Verbindung hatte, war die Sprachqualität top, besser als meine Erfahrungen mit allen anderen damaligen Netzen. Anrufer einer umgeleiteten Festnetznummer erkannten nicht, ob ich mich im Büro oder unterwegs befand. Ich war immer sehr zufrieden mit Positron, bis auf ein Ereignis, dass ich aber mitverschuldet hatte und das dazu führte, dass ich eine Weile nicht die Positron-Netzkennung auf meinem Handy hatte, sondern sie in die eines Elektrons änderte. Aber das nur nebenbei.

Seit 2014 bekommt das Positron nun ordentlich Sauerstoff, man versucht beide zu vereinen und dabei das Positron komplett aus den Namen, Marken und Verträgen zu verbannen. That’s Life. Aber nun kommen die fremden Menschen mit dem Sauerstoff und wollen mich hinüberlocken. Sie belästigen mein Handy und fordern mich postalisch zum Rückruf auf. Immerhin gibt es wenigstens dafür eine Portokasse. Für das Zusenden eines Angebotes oder Vertragsentwurfes gibt es die nicht, wie ich beim Rückruf erfuhr.

Mit dem Inhalt meines Positron-Vertrages bin ich eigentlich glücklich. Man könnte ihn vielleicht optimieren, aber ich vermute, viel besser zugeschnitten auf meine Bedürfnisse geht’s schon nicht mehr. Nun bieten die Sauerstoffler vergleichbares. Identische Leistungen gibt es natürlich nicht. Das wäre ja auch zu einfach. Irgendwo schimmert immer das Wort „Flatrate“ durch, wobei ich das dazu sinnvolle passende Telefonierverhalten nicht habe. Eine Datenflat brauche ich auch nicht, nicht umsonst spreche ich hier die ganze Zeit von Handy und nicht von Smartphone.

Erreichbarkeit, ab und an ein Rückruf, ab und an eine SMS und die zum Handy gehörige Festnetznummer, mehr habe ich nicht, mehr nutze ich nicht, mehr will ich nicht. Das offizielle, am Telefon gemachte Angebot, ist 30% teurer als das, was ich jetzt zahle. Das angepasste ist aber immer noch 20% teurer. Und ob wirklich alle Leistungen in der Form mit dabei sind, wie ich sie gern hätte, bleibt dahin gestellt.

Manchmal ist es doch erstaunlich, wie Nicht-Einzigartig ich bin. Das betrifft vor allem Eigenschaften, die ich mit Call-Center-Mitarbeitern gemeinsam habe. Der eine hat fast genau das gleiche Telefonierverhalten wie ich, der andere geht genauso selten wie ich ins Kino. Ey! Call-Center-Coacher! Auf diese simulierte Art eine Beziehung zwischen Agent und Kunden aufzubauen nervt! Ich will Zahlen, Daten, Verträge und keine gefühlsduseligen Vertretergespräche. Punkt.

Mein Positron-Vertrag läuft noch eine Weile. Ihr habt also noch eine Chance, mich zu bekommen bzw. zu behalten. Oder ihr kündigt mich. Ginge natürlich auch. Denkt aber daran, dass das dann für immer wäre. Und ich habe nicht nur ein Vertragsverhältnis mit Euch. Die würde ich dann alle mitnehmen zu einer von den beiden Alternativen. Oder zu einem Service-Provider (brrr *schüttel*).