Der Amtsweg des Horrors

Dienstag ist (S)am(t)stag.

Na, alle Wortkombinationen herausbekommen? Hier die beiden wichtigen:

  • Dienstag ist Samstag. Das kann in einem Urlaub schon mal passieren: Man bringt die Wochentage durcheinander. Hier aber ist es eher so gemeint, dass ein Urlaubstag etwas mit einem schönen Samstag gemein hat: Ausschlafen.
  • Dienstag ist Amtstag. Ich war auf dem Amt, genauer: im Rathaus. Mein Betriebsausweis als Personal der BRD lief aus, da gilt es, sich einen neuen zu bestellen.

Und wenn jetzt einer meint, beides geht nicht am gleichen Tag, der irrt. Aber wie bei vielem gilt auch hier: erst informieren, dann los rennen. Das entspannt ungemein. Vor allem, wenn man nicht tagtäglich auf dem Amt zu tun hat. Nebenher grübele ich gerade, wann ich das letzte Mal da war … Es war schon dieses Jahrtausend, aber es war noch recht jung.

Wenn der Tag herankommt, an dem man ins Rathaus muss, bauen sich lange gelernte Klischees auf und dahinter kommt die Angst. Wieviele Stunden werde ich wieder ans Bein binden? Was habe ich vergessen oder unterlassen? Warum bin ich falsch? Die Allmacht der Staatsbeamten (oder auch nur Stadtangestellten) flößt einem schon irgend ein Gefühl zwischen Respekt und Angst ein.

Aber hier ist es wie im wahren Leben: Information schützt vor Ängsten. Und eine gute Informationsquelle ist der Onlineservice der Stadt im Internet. Dieses „Neuland“ hat wohl auch ein paar Vorteile. So las ich mir das durch und vereinbarte auch gleich online einen Termin* beim Bürgerservice. Das schöne daran ist, dass man sich den im Rahmen der sichtbaren Verfügbarkeit auch aussuchen kann. Praktisch für Spätschläfer.

Daneben stand dann auch noch, was alles mitzubringen ist: Lichtbild, alter Ausweis und Geburtsurkunde. Das war prinzipiell einfach. Am einfachsten war das mit dem alten Ausweis. Das Lichtbild brauchte dann doch zwei Anläufe; meinen gewohnten (das letzte Mal vermutlich auch vor 10+x Jahren) Lichtbildner gab es nicht mehr. Etwas schwieriger – zumindest im Vorfeld – wurde die Sache mit der Geburtsurkunde, aber tief im Familienarchiv wurde ich da auch fündig. So war dann alles bereit und nichts sollte vergessen werden: Bild, Ausweis, Geburtsurkunde.

Braucht noch jemand 4 Lichtbilder von mir? Die habe ich mir machen lassen. Es war die kleinste Einheit, die man kaufen konnte. Und ich habe immer noch alle vier. Eins wurde zwar eingescannt, aber das bekommt man dann wieder zurück. Ich erinnere mich an einen Zeitpunkt vor über 20 Jahren, als ich mal einen Betriebsausweis mit Foto drauf bekam. Bei der Ausstellung musste ich mich vor eine weiße Wand setzen und dann wurde mit einer Art Webcam das Bild gemacht. Wäre das nicht auch was für’s Amt? So teuer sind doch passende Cams nicht mehr? Und weiße Wände gibt’s doch in den Büros genug. Oder gehen die im Amt davon aus, dass man nicht immer biometrisch gucken kann?

Geburtsurkunde, Lichtbild, Ausweis, Termin und Terminnummer lagen bereit. Nun konnte es los gehen. 13 Uhr musste ich im Rathaus sein. Eine gute Zeit, vor allem, wenn man sich vorher noch etwas stärken möchte. Man weiß ja nicht, wann man da wieder raus kommt. Das nähere Rathausumfeld hält einige Möglichkeiten der Speisenaufnahme bereit, so dass man sich gut wappnen kann. Ein ungezwungenes Essen wurde es aber nicht. Wenn man so wichtige Dokumente wie eine Geburtsurkunde mitführt, achtet man ständig darauf, ob sie denn auch noch da ist. Und die ganze Zeit mit der Hand in oder auf der Tasche agieren, ist gar nicht so einfach, wenn man als wohlerzogenes Mitglied der Gesellschaft mit Messer und Gabel speisen will.

Kurz vor 13 Uhr (man will ja pünktlich sein) betrat ich das Rathaus und platzierte mich, immer mit der Anzeigetafel im Blickfeld. Man will seinen Termin nicht verpassen. Die Nummern waren zwar schon größer als die eigene, aber das wird schon seine Richtigkeit haben. Nervosität macht sich ein wenig breit. Ist die Geburtsurkunde noch da? Die Bilder? Habe ich die richtige Zahl im Kopf? Die Urkunde? Der Ausweis?

Da! Plötzlich eine Änderung der Anzeige und die Zahl, die dort steht, ist mit der identisch, die ich auf meinem Zettel habe. Zimmernummer merken und los stiefeln. Und das in Slippern. Vor dem Raum nochmal prüfen: Ausweis, Geburtsurkunde, Bilder, alles da. Eine nette Frau im Büro, ein kurzes sachliches Gespräch,  ein Amts- und ein Bezahlvorgang – 13:15 Uhr war ich wieder an der frischen Luft, hatte noch alle Passbilder in der Tasche und die Geburtsurkunde nicht mal herausgenommen. Warum musste ich sie mitbringen?

Einiges an den Amtswegen wird der normale Bürger vermutlich nie verstehen, aber sie scheinen kürzer geworden zu sein. Und die Begleiter/-innen sind netter. Da kann man doch auch mal positives drüber schreiben. Das schlimmste wird dann vermutlich das Bild von mir auf dem neuen Ausweis sein, aber das ist ja meistens so. Für’s nächste Mal machen ich mir jetzt schon mal einen Knoten in den elektronischen Kalender, damit ich rechtzeitig an einen neuen Ausweis denke. Aber diesmal hatte ich noch Glück, die Frau in dem Büro war wirklich sehr nett …

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*) Letzte Woche funktionierte das mit dem Termin noch ohne Probleme. Als ich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes es nochmals probieren wollte, ging’s nicht. Man muss also auch etwas Glück haben. Ich vermute mal, dass es weit außerhalb der Amtszeiten einfacher ist. 😉

Sollte Politik wirklich auf’s Volk hören?

Da kann man schon mal drüber nachdenken. Sollte Politik wirklich aufs Volk hören? Oder auf Umfragen?

Beispiel Seehofer: Der Bayer an sich wollte keine Windräder im Freistaat. Also sorgte der Ministerpräsident dafür, dass die nicht kommen. Aber Energie braucht man schon in Bayern. So soll jetzt Strom aus Norddeutschland „importiert“ werden, aber effiziente Stromübertragungssysteme wollen sie auch nicht. Also wird teuer unterirdisch verkabelt und mögliche Nebenwirkungen ignoriert. Aber Energie brauchen man schon in Bayern. Die großen Überlandleitungen und die teure Erdverkabelung könnte man vermeidbar machen, aber dazu wäre eine dezentrale Energieerzeugung zum Beispiel mit Windrädern nötig, aber das will man auch nicht. Aber Energie will man schon in Bayern. Soweit das Beispiel.

Wenn Politik ihr Mäntelchen nach jedem Wind hängt, reicht ein Pups, um neue Richtungen einzuschlagen. Die Meinung der sogenannten Basis ist immer nur ein Ausschnitt, eine Teilmenge, und NIE aussagekräftig darüber, was die Gesamtheit denkt und fühlt. Wobei es „des Volkes Meinung“ per se nicht gibt. Dazu sind wir einfach zu viele Individuen in zu vielen Filterbubbles.

Da bekommt man immer wieder den Eindruck, dass Demokratie auf dem Irrtum basiert, dass es eine Schwarmintelligenz beim Menschen gäbe. Diesen Gedanken muss man sich mal langsam abschminken. Das ist einer der größten Irrtümer seit Frank Schätzing.

Politik sollte ihre Richtlinienkompetenz ausnutzen und Vorbild sein. Im Handeln und im Fordern. Dazu bedarf es allerdings Persönlichkeiten, die stark sind, meinungsfest, aber lernfähig, selbstkritisch und unabhängig. Sehe ich aber nirgends. Zumindest nicht in der Politik.

Dragon4corner – Die Geometrie der Macht, oder die Macht der Geometrie?

„Quantensprung“ war auch mal so ein falsches Wort. Wer erinnert sich nicht daran, als es als Synonym für große Veränderungen benutzt wurde, obwohl er – physikalisch gesehen – eher kleinstmögliche Veränderungen beschreibt. Es ist vermutlich nicht das erste, derartig falsch verstandene Wort. Und sicher auch nicht das letzte. „Super-GAU“ als eigentlich unmögliche Steigerung des Größten Anzunehmenden Unfalls war auch sowas. Oder einfach nur die Steigerung des Wortes sicher in sicherer. Entweder, Onlinebanking ist sicher oder nicht. Es kann nicht sicherer gemacht werden. Aber das nur nebenbei.

Manchmal fragt man sich, wieso man auf manche offensichtliche Selbstverständlichkeiten eigentlich nicht viel früher gekommen ist. Ein TV-Beitrag über Bundeskanzlerin Merkel brachte mich heute drauf, dass in einem wichtigen Zusammenhang mit ihr ein Wort falsch benutzt wird. Ich weiß nicht mehr, in welcher Klassenstufe das Thema in der Schule behandelt wird, aber Geometrie zieht sich ja durch zahlreiche Schuljahre durch. Fragt mich, ich hab das mal studiert. 😉

Kramen wir mal in tiefen Gedächtnisschichten und werfen eine ganze Reihe von zusammengehörenden Begriffen in den Raum: Viereck, Rechteck, Parallelogramm, Rhombus, Drachenviereck, Trapez und Quadrat. Ausgehend vom allgemeinen Viereck (vier Punkte, die durch vier Seiten verbunden sind) werden unter Hinzunahme von weiteren Bedingungen immer speziellere Figuren begrifflich definiert bis hin zum Quadrat mit den schärfsten Anforderungen (4 gleichlange Seiten und in jeder Ecke ein rechter Winkel). Beim Parallelogramm sind gegenüberliegende Seiten gleich lang, beim Trapez sind zwei gegenüberliegende Seiten parallel.

Jetzt ist es am Leser dieser Zeilen, aktiv zu werden. Strecke bitte mal beide Arme halbwegs parallel nach vorn aus, die Handflächen nach unten. Früher haben wir mal mit der Armstellung Kniebeugen gemacht. 😉 In der Armhaltung klappe beide Hände so weit es aus eigener Kraft geht nach oben und spreize die Daumen ab, so dass sich dessen Spitzen fast berühren. Für Menschen mit Rechts-Links-Schwäche ist nun eindeutig zu sehen, wo die linke Hand ist. Daumen und Zeigefinger bilden nur auf einer Seite ein L. Aber wir sehen noch etwas anderes. Der Daumen ist kürzer als der Zeigefinger. Gut, das weiß man auch so, aber ich wollte es nur noch mal verdeutlichen. Und irgendwie die Eselsbrücke mit der Links-Rechts-Schwäche unterbringen.

Nun gibt es – um zum ursprünglichen Thema zurück zukommen – die sogenannte Merkel-Raute. Das müssten eigentlich zwei gekreuzte Victory-Zeichen mit den Fingern sein (das # ist eine Raute), aber auch in der Geometrie gibt es die Raute. Zu meiner Schulzeit hieß das Ding noch Rhombus, aber dass Begriffe sich in historischen Zeiträumen mal ändern, ist auch nicht neu. Schauen wir in die Systematik der Vierecke, so finden wir den Rhombus aka die Raute als spezielles Parallelogramm, bei dem alle 4 Seiten gleich lang sind. Oder als Quadrat, dem die Bedingung mit den rechten Winkeln abhanden gekommen ist.

Vier gleich lange Seiten bei der Merkel-Raute? Daumen und Zeigefinger gleich lang? Entweder, das ist eine anatomische Fehlstellung – was bedauerlich für Frau Merkel wäre – oder einfach nur der falsche Begriff. Schauen wir also mal genau hin und fragen uns, was wir sehen: ein Viereck, bei dem jeweils 2 nebeneinander liegende Seiten (Daumen-Daumen und Zeigefinger-Zeigefinger) gleich lang sind. Suchen wir in der Systematik und finden die eigentlich passende geometrische Figur. Der Name spricht Bände, ist aber schon älter als die politische Raute.

Es ist das DRACHENVIERECK!!!

Da dum!

Mit steigender Hitze abwärts

Man kann nicht alles mit der großen Hitze, die gerade herrscht, erklären. Sie als Grund zu nehmen, ist aber in der Bewertung harmloser als mögliche wahre Gründe. Ignoranz, Unkenntnis, Recherchefaulheit und vieles andere mehr könnte einem da einfallen.

Aus den E-Mails eines Tages.

Ein Anschreiben zu einer Pressemitteilung:

„Es ist so weit: Vom … bis … 2016 findet die <Veranstaltungsname> rund um die Höhenburg Stargard in Brandenburg statt.“

Solche Äußerungen mögen wir als Lokalpatrioten sehr gern. Ende der Ironie.
Aber was will man – gaaaanz klischeeesk – schon erwarten. Der letzte Absatz der Pressemitteilung lautet:

„Veranstalter der <Veranstaltungsname> in Stargard ist <Agenturname> mit Hauptsitz in Lübeck.“

Da stellt sich doch die Frage, wo die Veranstaltung wirklich stattfindet: In irgendeinem ominösen brandenburgischen Stargard, im westpommerschen Stargard jenseits der polnischen Grenze oder vielleicht doch im kleinen, feinen Örtchen Burg Stargard unweit von Neubrandenburg. Letzteres ist wohl der Fall.

Aber höflich sind sie, die Agenturen. Spätestens bei der Verabschiedung:

„Über Ihr Erscheinen und einem kurzen Feedback würden wir uns sehr freuen.“

Wahlgedanken 2.0

Anfang des Monats habe ich – noch recht allgemein – über die zur Landtagswahl zur Wahl stehenden Parteien und Personen philosophiert. Da kannte ich meinen konkreten Wahlzettel noch nicht. Dank Strelitzius weiß ich nun, wo ich sie mir angucken kann: http://geoport-lk-mse.de/masterportal/wahlen/. Nun kann ich also mal genauer raufgucken und meine Schätzungen konkretisieren.

6 Direktkandidaten stehen für mich zur Wahl. Drei fallen schon mal aus, dass sind die grundsätzlichen. Von zweien weiß ich nix und was ich von vieren weiß, lässt mich zurückhaltend sein mit meinem Kreuzchen., also „wegen aktueller oder bisheriger Aktivitäten nicht wählbar“. Doppelzuordnungen sind mit dabei. Ich fürchte, ich werde sehr abstrakte Kriterien anlegen bei der Auswahl der Ankreuzstelle.

Was erstaunlich ist: Die Schweriner Volkszeitung hatte neulich mal eine Art abgespeckten Not-Wahl-O-Mat veröffentlicht. Die offizielle Version gibt es für die Landtagswahl in M-V mal wieder nicht, da sich zwei Parteien so sehr vom Volk verabschiedet haben, dass sie es nicht schaffen, ihre Pläne für die Zeit nach der Wahl auf ein verständliches Maß zu pauschalisieren. Die SVZ-Wahlhilfe steht zwar, wenn man in die Kommentare guckt, ein wenig unter Kritik, bei mir kam aber das heraus, was ich beinahe erwartet habe und was ich wahrscheinlich sowieso wählen werde.

17 Parteien stehen auch noch zur Wahl. Alte bekannte, alte unbekannte, neue Zusammenschlüsse, neue Parteien usw. Die Zahl der aus grundsätzlichen Erwägungen heraus unwählbaren liegt bei 9, von 11 lese ich den/die Namen, aber sehr viel mehr fällt mir dann dazu auch nicht ein. 8 fallen wegen aktuellen oder bisherigen Aktivitäten raus (auch hier sind mehrfache Zuordnungen mit dabei). Das selbst die Zahlen der letzten beiden Kategorien mehr als 17 ergibt, liegt einfach daran, dass man selbst von den unbekannten schon mal irgendeine Idiotie gehört hat.

Timing ist alles

Entschuldigt bitte, wenn ich Euch mal mit einer Trivialität belästige, aber ich war gerade beim Haareschneiden, so dass ich diese Geschichte nicht so bald meinem Frisör erzählen kann. So müsst ihr drunter leiden. 😉 Alles fing damit an, dass ich einen Sonnabend mit einem kleinen Wellness-Ausflug plante. Der Termin war gemacht und die Freude darauf meinerseits entsprechend groß, spürte ich doch aktuell eine kleine schmerzhafte Verspannung, die ich in gute Hände abgeben wollte. Der Plan war perfekt.

Naja, perfekt ist was anderes. Immerhin hatte die ganze Sache einen kleinen Haken: Am Sonnabend einen Wecker stellen zu müssen, wenn auch erst kurz vor neun, ist für einen Spätschläfer, der den ersten Tag des Wochenendes gern zum Ausschlafen nutzt, nicht so einfach. Aber der Grund heiligte die Strapaze und so startete der Tag mit etwas Sonne hinterm Fenster und einem gemütlichen Wannenbad. Das war doch so angenehm, dass die Zeit darüber recht schnell verging, immerhin wartete noch eine kleine Autofahrt auf mich, bevor die Hauptwellness ansetzte.

So war es dann rund um 12 Uhr, als ich das Ziel in das Navi-Programm meines Smartphones eingab. Ich kenne zwar die Route (wie sich später herausstellte, doch nicht so richtig), aber die errechnete Ankunftszeit zeigt doch immer gut an, ob ich mich eher beeilen muss oder doch ein wenig durch unsere schöne Landschaft cruisen kann. Dann vervollständigte ich die Bekleidung und verließ mit der Jacke in der einen Hand und zwei Beuteln Leergut in der anderen die Wohnung. Am Auto angekommen stellte ich dann fest, dass das Smartphone wahrscheinlich noch auf der Flurgarderobe lag … Na, so wichtig ist es ja nun auch nicht. Geht auch ohne.

Die Jacke kam auf die hintere Sitzbank, das Leergut in den Kofferraum. Der Rückweg sollte zum Einkaufen genutzt werden. Dann ging es los in Richtung Autobahn und dort war dann die Verwunderung groß. So voll habe ich die A20 hier in der Gegend noch nie gesehen. Offensichtlich war in den Urlaubshochburgen an der Ostsee gerade Bettenwechsel. Ich wusste mich zwar gut in der Zeit, aber es stand die Entscheidung an, ob ich eher ruhig auf der rechten Fahrspur vor mich hin fahre oder doch etwas zügiger auf der linken, immer bereit, den noch schnelleren Autos auszuweichen. Die zweite Variante schien mir die zeitlich sicherere, wusste ich ohne meine Navi-App ja nicht, wie gut ich in der Zeit lag.

So ging es zügig voran, immer die Augen auf dem umliegenden Verkehr gerichtet. Schert da einer aus, kommt von hinten ein PS-starker oder bremst eine lahme Ente die Überholspur aus. Man hat da richtig was zu tun. Es kam, wie es kommen musste: Schwups war die richtige Ausfahrt verpasst. Die nächste war aber nicht weit und so fuhr ich dann über eine urlaubsbedingt auch gut gefüllte Bundesstraße wieder zurück, bis ich den Parkplatz meiner Wahl relativ frühzeitig erreichte. 12:57 Uhr (die Zeit wird nochmal auftauchen) verließ ich das Auto und tauchte in die Wellnesswelt ein. Kurz überlegte ich, ob ich meine Jacke den letzten Weg mitnehme, entschloss mich aber, sie mit allem Inhalt – u.a. einem Handy – im Auto zu lassen.

Als ich mich einige Zeit später entspannt, entkrampft und gelassen meinem Auto näherte, ahnte ich noch nichts böses. Nur als ich die Tür öffnete, hörte ich gerade noch das Handy klingeln. Die Neugier ließ es mich aus der Jackentasche puhlen und leicht erschreckt aufs Display gucken. Die angezeigte Nummer hatte ich lange nicht mehr gesehen, aber ich kannte sie wohl. Es war kein Mensch, der mich anrief, sondern eine Maschine, die damit anzeigte, dass zwar kein GAU auf Arbeit passiert war, aber irgendwas kurz davor. Mit einer bestimmten Tastenkombination hätte man nähere Infos abrufen können, aber ich habe das schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich diese nicht im Kopf hatte. Was ist da los? Eine SMS an eine Kollegin brachte auch keine Klärung, sie war wie ich  außerhalb jeden Wirkungsbereiches. Und ich hatte mein Smartphone nicht dabei, um den aktuellen Betriebsstatus etwas detaillierter erfahren zu können.

Der Blick aufs Handydisplay brachte noch etwas erschreckendes zu Tage: Der Störungsanruf war nicht der erste. Und auch nicht der zweite. Zu dem Zeitpunkt war es der 49. und es sollten noch einige folgen, bis ich auf Gutglück Tastenkombinationen ausprobierte und offensichtlich eine wirksame erwischte: Zumindest die Anrufe hörten auf. Dann machte ich mich auf den zügigen Heimweg. Nach ca. 10-15 Minuten Fahrt bekam ich immerhin die Information, dass zumindest nach außen hin alles so lief, wie es sollte. So stellte sich nur noch die Frage, was der Auslöser der Alarmanrufe war. Aber das konnte ich von zu Hause aus machen, dazu musste ich nicht in die Firma. Und dann kann immer noch entschieden werden, ob und was zu tun ist. Auch das geplante Einkaufen ließ sich guten Gewissens auf dem Heimweg noch erledigen.

Ein Vorgang, der eigentlich bis 13 Uhr laufen sollte, ging bereits um 12:57 Uhr (ich hatte gesagt, dass die Zeit nochmal kommt) in eine Art Leerlauf. Immerhin passierte noch so viel nichts, dass die Reserve nicht ansprang, aber es passierte eben nicht genug, um die Alarmauslösung zu verhindern. Etwa 30 Sekunden nach Beginn dieses Zustandes gingen die Alarm-E-Mails raus, aber ohne Smartphone kriegt man das nicht mit. Und weitere 30 Sekunden später folgten die Anrufe. Da hatte ich mein Auto und damit das Handy bereits verlassen und war noch auf dem Weg über eine Lobby, eine Treppe und einen Flur zum Ziel meines Wellnessausfluges, den ich – unwissend der Situation – in aller Ruhe genießen konnte. Bei meinen Handy ging zwar gerade die Welt unter, aber ich lag auf einer weißen Pritsche, warme Öle überflossen mich und heiße Steine sorgten für Entspannung.

Hätte ich mein Auto nur 30 Sekunden später verlassen oder meine Jacke mit hinein genommen, es wäre vorbei gewesen mit dem geruhsamen Sonnabendnachmittag. So verfestigt sich die Weisheit, dass es im Leben doch immer mal wieder auf ein gutes Timing ankommt. Man ist doch recht glücklich, wenn es stimmt. Falsches Timing ist doch blöd.

P.S.: Und jetzt schreibe ich noch eine böse Beschwerde-E-Mail an jemanden, der vielleicht nicht verantwortlich, aber doch involviert ist an den fehlenden 3 Minuten.

Berlin wächst und wächst und wächst …

Unsere Hauptstadt wächst und wächst und das sogar über sich hinaus. Selbst der Autobahnring drumrum wird irgendwann – sehr Neubrandenburg-like – ein innerstädtischer Ringverkehr werden.

Stellt sich die Frage, woher ich diese Weisheit nehme? Ganz einfach. Neulich las ich mal einen Einleger eines Marken-Discounters der in der Werbebeilage eines Anzeigenblattes steckte. Dort fand ich Berlin in seiner vollen Größe. Ich habe das mal fotografiert:

Berlin wächst

Berlin, mit den Stadtteilen Neukölln, Wedding, Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedrichshein, Schöneberg, Mitte, Spandau … usw. Soweit, so gut. Aber gucken wir uns die dritte Spalte doch mal genauer an:

Berlin wächst

Friedrichshagen, Rostock, Friedrichshain, …, Mitte, Schwerin, Hohen Neuendorf, … Kreuzberg, Neubrandenburg, Marzahn, …

Berlin wächst und wächst. Sind die drei mecklenburgischen Städte eigentlich direkt eingemeindet oder nur Enklaven?

Wahlgedanken

Der Wahlzettel zur nächsten Wahl zerfällt in drei Teile: unbekanntes (der kleinste), grundsätzlich nicht wählbares (mindestens die Hälfte) und wegen aktueller oder bisheriger Aktivitäten nicht wählbares. 

Aber gewählt werden muss. Ich hoffe mal, dass sich noch was ergibt.

P.S.: Dass ich keine konkrete Wahl angegeben habe, hat seinen Grund: Der Gedanke beschäftigte mich schon mindestens bei den letzten beiden Wählen und wird es sicher auch bei den nächsten machen.

Lustige Newsletter vom Handynetzprovider

Wenn zwei zusammengehen und eine Familie … ähm … nein, eher eine Einheit bilden (sollen), gehts gern mal drunter und drüber. Wir wissen ja, dass Großprojekte in Deutschland zur Zeit immer wundervoll laufen. Warum nicht auch mal die Fusion  von zwei Funknetzbetreibern zu einem. E-Plus und O2 gingen ja bereits vor einiger Zeit organisatorisch und nach und nach auch technisch zusammen.

Noch ärgere ich mich nicht darüber, dass ich zum Beispiel mit meinem mobilen Router und mit meinem Datenstick seit einigen Tagen nur tröpfelnd Daten empfangen kann (2G wird angezeigt, auch 3G erzwingen geht, aber es tröpfelt trotzdem nur). Die beiden SIM-Karten laufen bei der schon immer O2-Tochter Fonic, also auch im Netz von O2. Heute stellte ich nun fest, dass bei meinem Smartphone (SIM von der ehemaligen E-Plus-Tochter Simyo und damit klassisch im E-Plus-Netz unterwegs) zwar HSPA+ und 42,2 Mbps steht, aber die Daten auch nur noch tröpfeln. (Guthaben bei allen 3 vorhanden, Surfvolumen ebenfalls).

Aber das soll eigentlich gar kein Thema sein, lässt aber vielleicht gerade meine Grundstimmung gegenüber O2 erahnen, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass ich mit Freunden E-Plus-Kunde der ersten Tage bin/war. Soweit zur Stimmungslage. In dieser Stimmung erhielt ich heute Abend dann ein E-Mail von meinem neuen Netzbetreiber. Zumindest las ich sie erst abends, das Absendedatum sagt nachmittags, gemütliche Kaffeezeit.

Betreff: Unser Dank für Ihre Treue. Ab jetzt sind Sie Silber-Kunde.

Da bin ich ja gerührt. Silber-Kunde. Wegen Treue. Treu wie Silber. Immerhin: Es gibt eine zweite Kinokarte umsonst, wenn eine Kinokarte kaufe. Donnerstags. In einem Kino, das über 100 km weit weg ist. Oder noch weiter. So einen Silberstatus muss man sich ja verdienen. Mit Treue.

Aber der Text geht wird ja noch besser. Nach einer einschleimenden Begrüßung („Lieber …“ – HALLO! Wir sind Geschäftspartner, da wird nicht mit „Lieber …“ angesprochen, sondern mit „Sehr geehrter Herr …“) wird erläutert, worum es eigentlich geht:

„Sie sind jetzt über 1 Jahr lang Kunde bei uns, und als Dank für Ihre Treue erhalten Sie den Silber-Status.“

Liebes O2, mein E-Plus-Vertrag wurde letzten Monat (20.06.) umgestellt. Ich bin also erst seit etwas über einem Monat Euer Kunde. Aber Stop! Nicht aufregen. Weiter lesen.

„Da E-Plus und o2 zusammengehören, zählen wir Ihre Zeit bei E-Plus natürlich mit.“

Achso, ja dann. Das könnte dann mit dem einsen Jahr hinkommen. Von März 1996 bis heute ist doch etwa eins Jahr, oder will jemand was anderes behaupten?

Irgendwie alles blamabel bis dort hinaus. Bringt mal euer Netz in Ordnung und verschont treue Kunden mit Kundenbindungsmaßnahmen. Ich gehöre zu denen, die ihr damit eher verscheucht als bindet.