Falsche Frage – richtige Antwort

Mein spionierender Browser erfrischte mich heute mit einem Link auf einen interessanten Artikel bei Capital Online: Wie der Staat uns zu Aktien-Sparern machen könnte. Es stellt sich aber eher die Frage nach dem Warum.

Der Deutsche an sich ist vorsichtig und nur wenig auf dem Kapital- bzw. Aktienmarkt unterwegs. Wir sind sparkassengeschult und ziehen die sichere Geldanlage der risikobehafteten vor, auch wenn die Erträge ersterer nur ein Bruchteil letzterer ausmachen. Auch und gerade bei der Rentenversicherung gehen wir eher Nummer sicher. Da könnte man sagen: zu recht. Denn jede kapitalmarktbasierte Rentenversicherung kann all ihren Wert verlieren. Der Wert jeder Aktie kann plötzlich auf Null fallen. Das ist eine Tatsache.

Andererseits wird die umlagenfinanzierte Rentenversicherung immer mehr ausgehöhlt. Einfacher Grund: Mit ihr ist kein Geld zu verdienen. Und damit sind nicht die Renten gemeint, sondern die Einnahmen der Geldverwalter. Die gibt es nämlich in einer umlagenfinanzierten Rente nicht. Das System ist so einfach wie brilliant: Die Rente der aktuellen Rentner wird aus den Einnahmen der gerade Rentenversicherung zahlenden finanziert. Zugegeben: Wenn es immer weniger Einzahler gibt, werden auch die Auszahlungen immer geringer, aber systembedingt kommt aus dieser Rentenversicherung immer was raus. Und wenn jeder, der kann, einen bestimmten Prozentsatz aller seiner Einkommen einzahlt, kann so ein System auch gut laufen. Nur, dass es kaputt geredet und strukturiert wird.

Aber warum das Interesse, dass immer mehr Leute ihr Geld in Aktien anlegen? Zum einen verdienen daran auch andere beteiligte. Bank- und Depotgebühren müssen berappt werden. Zum anderen steigt dann die Nachfrage nach den Aktien. Und was passiert, wenn die Nachfrage steigt, die Zahl der verfügbaren Aktien aber nicht bzw. nicht im gleichen Maße? Genau! Die Preise gehen nach oben, in dem Fall also die Aktienkurse. Was vermutlich die jetzigen Besitzer freud, die die Wertpapiere günstig erstanden haben. Mal sehr salopp zusammen gefasst.

Wir lernen also: Es gibt zwei gute Gründe, warum die Finanzwirtschaft möchte, dass wir alle Aktien kaufen: 1. Verdienen sie an Gebühren u.ä. und 2. Verdienen sie an steigenden Kursen. Die aber genauso mal in den Keller gehen können, so dass die Aktien des Kleinsparers irgendwann den Namen Wertpapier zu unrecht tragen, da sie nix mehr Wert sind. Die Geldanlage in Fonds oder ähnlichem macht die Sache aber auch nicht besser. Im Gegenteil: Noch mehr Leute, die an den Geldanlagen verdienen wollen und wirklich sicherer ist es auch nicht. Auch Fondsgesellschaften sind schon den Bach runter gegangen. Und denkt daran: Aktien und Fonds mögen in der Vergangenheit interessante Wertzuwächse erreicht haben, das sagt aber NICHTS! über die Zukunft aus.

Stellt sich die Frage: Was also tun? Lotto spielen? Mit Aktien ist es wie mit Lotto spielen. Jeder hat die Chance, den Jackpot zu gewinnen, aber nicht alle.
Unter die Matraze? Da sorgen die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik schon dafür, dass das Geld immer weniger wert ist (Stichwort: Inflation).
Immobilien? Dann wären wir Nutznießer der steigenden Mieten und dürfen uns nicht über sie aufregen.
Also: Ausgeben und genießen. Und mit dem „sozialverträglichen Frühableben“ (Unwort des Jahres 1998) brauchen wir auch keine Angst vor der Altersarmut zu haben.

Gleichmacherei zu Ungunsten der Sicherheit?

Manchmal kommt man echt ins Grübeln, wenn man so äußerungen von Politiker/inne/n hört oder liest. Manchmal wünscht man diesen doch etwas mehr Zeit – vor allem, um über Äußerungen, die sie tätigen, vorher(!) auch mal nachzudenken. Oder sich kundig zu machen. Aber mancher Wortschwall scheint ohne kognitive Beeinflussung zu entstehen.

Themen-Beispiel: Messenger. In einer Pressemitteilung einer Infoplattform mit Schwerpunkt Kommunikation wird unter anderem folgendes verbreitet:

Auf dem Messenger-Markt tummeln sich viele Anbieter, aber nicht alle Nutzer verwenden auch dieselbe App. Facebook würde WhatsApp, den Facebook Messenger und Instagram gerne zusammenlegen, der dafür notwendige Austausch von Benutzerdaten ist aber datenschutzrechtlich sehr umstritten. Trotzdem fordern Politiker vermehrt, die Geschlossenheit der Messenger-Dienste aufzubrechen, sodass die Nutzer unabhängig von der verwendeten App untereinander Nachrichten austauschen können. „Es wäre zwar toll, mit dem eigenen, präferierten Messenger die Nutzer aller anderen Messenger-Dienste kontaktieren zu können“, sagt Alexander Kuch vom Onlineportal teltarif.de. „Das müsste aber technisch absolut sicher gelöst sein, damit die Messenger-Nutzer vor Spam-Nachrichten, Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen geschützt sind.“

Schade, dass Herr Kuch nicht mitventiliert, welche Politker das genau sind, oder macht er sich zum Sprachrohr und versteckt sich hinter nicht namentlich genannten Aktiven, um seine eigene ggf. irrige Meinung zu verblasen?

WhatsApp, Facebook-Messenger, Threema, Telegram, Signal, … und wen es da noch so alles gibt. Was allen Messengerdiensten gleichzeitig eigen ist, ist ihre Unterschiedlichkeit unter anderem in der Herangehensweise an Datenschutz und dem grad der Anonymheit seiner Nutzer. Einfaches Beispiel: Während WhatsApp doch etwas recht persönliches von einem möchte, nämlich die Handynummer, gibt sich Threema mit einem mehrstelligen Zahlen-Buchstaben-Kombination zufrieden, um seine Nutzer gegenseitig zu identifizieren. Auch die Art der Datenverschlüsselung und vieles andere mehr unterscheidet die Dienste.

Für einen gegenseitigen Nachrichtenaustausch müsste man sich auf diverse Schnittstellen einigen, um die Nachrichten, Bilder, Telefonate und Streams aus dem einem System ins andere zu bringen. Da fällt mir nur der Begriff „kleinster gemeinsamer Nenner“ ein, auf den es sich zu einigen gilt und der einen messengerübergreifenden Datenaustausch auch von Daten, die man nicht bewusst eintippt, ermöglicht. Datenschutz adé, Datensammelwut Tür und Tor geöffnet.

Ist es nicht gerade so, dass sich die Nutzenden bewusst für den einen oder anderen Messenger entscheiden, weil bestimmte Eigenschaften eines anderen – ob nun wirkliche oder unterstellte – für die eigenen Nutzungsgewohnheiten nicht in Frage kommen? Welchen Sinn soll also diese Zusammenschaltung der Dienste haben, als d/i/e/n Bürger/in noch gläserner zu machen?

Denk ich an Europa in der Nacht …

Am 26. Mai wird gewählt. Das ist keine Feststellung sondern eine Aufforderung. Aber das nur nebenbei. Für die Europawahl ging unlängst auch wieder ein Wahl-O-Mat online, den ich heute früh, quasi vor dem Aufstehen, mal für mich durchgespielt habe. Das „vor dem Aufstehen“ hat durchaus auch einen Sinn, wird die Beantwortung der Fragen noch nicht von allzuviel Denken beeinflusst und ist eher spontan und wenig zielgerichtet. Der Geist schläft noch.

38 Thesen können mit Zustimmung, Ablehnung oder neutral bewerten werden. Einige musste ich mit neutral anklicken, da ich entweder keine Meinung hatte, bzw. mich mit dem Thema noch gar nicht befasste. Aber die meisten wurden klar beschieden, wobei manchmal doch auf die anstehende doppelte Verneinung geachtet werden musste.

Und so habe ich jetzt eine Top40 der zur Wahl stehenden Parteien u.ä., die mich teilweise auch selbst ein wenig überrascht hat. Nicht in der Grundtendenz, aber in den Details. Von der Partei auf Platz 1 hatte ich beispielsweise vorher noch nie gehört. Mit 16 Parteien stimme ich zu mehr als 80% überein, der Spitzenreiter hat fast 90%. Allerdings liegt auch die kleinste Übereinstimmung bei über 20%, was mich ein wenig grübeln macht.

Was beim Blick auf die Liste auffällt, ist die große Zahl der Parteien, die sich i.w.S. mit Tierschutz befassen. Genauso überraschend: die Verteilung dieser Parteien in meiner Top40. Sie liegen auf den Plätzen 37, 26, 7, 6, 4, 3 und 2. Da könnte man eine gewisse innere Zerstrittenheit bei dem Thema unterstellen, dem Ziel vermutlich wenig dienend. Wobei ich die Parteien und nicht mich meine.

Dicht umkämpft ist der erste Platz, der nicht mehr in der TopTen enthalten ist. Auf Platz 11 tummeln sich prozentgleich 4 Parteien, und man darf Gemeinsamkeiten suchen: SPD, Die Linke, Die Partei und Die Frauen. Wobei es mit den Schnittmengen nicht sehr groß sein muss. Auf Platz 26 häufen sich die DKP, die LKR und die Partei für Tiere. Es ist nicht einfach, Herrn Lucke und die DKP unter einen Hut zu bekommen …

Der Wahl-O-Mat ist natürlich nur eine Orientierung und soll nicht das eigene Denken ersetzen. Wen ich wählen werde, steht nach wie vor nicht fest, aber gut zu wissen, dass meine Einstellungen zu den 38 Thesen nicht zu weit von den zwei oder drei Parteien entfernt liegen, die ich schon vorher in die nähere Auswahl genommen habe. Alle liegen im oberen Drittel der Top40.

Gedanken zur Zeit

Nachfolgender Kommentar entstand als Anmoderation einer meiner Radiosendungen. Normalerweise quatsche ich da ja ohne Script, aber wenn es richtig vernünftig werden soll, dann hilft die schriftliche Niederlage doch. Und wenn ich’s schon schriftlich habe, kann ich es auch gleich verbloggen.

Sorry, wenn ich heute mal etwas disharmonisch anfange, aber ab und an platzt einem schon mal der Kragen und dann hat sich einiges aufgestaut, was raus muss. Zumal gerade in der letzten Zeit der Grad der Idiotie in der Gesellschaft exponentiell nach oben geschnellt ist. Es gibt offensichtlich zu viele engagierte Menschen, die letztendlich nur an ihren eigenen Vorteil denken und sich dabei immer weiter von den Vorteilen für die Gesellschaft als ganzes entfernen. Nur die vernunftbegabte Mehrheit, die es hoffentlich noch gibt, schweigt oder ist zumindest so schwach, dass sie nicht gehört wird. Das wiegt besonders schwer, wenn entsprechende Hörbarkeitsverstärker keinen Arsch in der Hose haben und auch mal nicht dem vermeintlichen Mainstream folgen, sondern einen Standpunkt, den sie für vernünftig halten, auch verteidigen.

Zu viele Entscheider und die, die sich dafür halten, sitzen in ihrer Filterblase und glauben sich im Recht mit ihren Äußerungen, nur weil sie darin mit zu vielen Ja-Sagern umgeben sind. Die wahre Gesellschaft befindet sich außerhalb derartiger Kreise, die Wirklichkeit kommt nicht mit ihnen in Berührung, so dass auf einer fehlerhaften Basis falsche Schlüsse gezogen und falsche Entscheidungen gefällt werden. Und dann wird’s sehr schnell unmenschlich, unsolidarisch, unchristlich, wenn ich als Atheist das Wort mal gebrauchen darf. Die sogenannten christlichen Werte werden gerade auch von denen im Munde und auf den Fahnen geführt, die sie mit Füßen treten, nur für persönliche Vorteile. Das Grundproblem ist nur, dass es eine ernstzunehmende andere Variante nicht gibt, haben sie doch alle – historisch betrachtet (und da reichen 20 Jahre) – irgendeinen Dreck am Stecken.

Leider komme ich aus diesem Gedanken nicht mit einem positiven Ende heraus. Auch eine Lösung oder zumindest ein Ansatz dafür kommt nicht, was mich wurmt. Aber ich weiß eins: Es gibt Menschen, die ich bei diesen doch recht pauschalen Aussagen mit über den Kamm geschert habe, die es nicht verdient haben, die ordentliche Arbeit leisten. Sie sind (hoffentlich) sogar noch die Mehrheit, aber leider sehr leise …

P.S.: Bzgl. Mainstream hat Heiner Müller mal so schön gesagt: „Zehn Deutsche sind natürlich dümmer als fünf Deutsche.“
Passt auch als Zitat kontra Schwarmintelligenz.

P.S.II: Es war weder Tucholsky noch Ringelnatz, es war wohl Erich Kästner, der einmal reimte:
Freunde, nur Mut!
Lächelt und sprecht:
„Die Menschen sind gut.
Nur die Leute sind schlecht.“

Erste Auswirkungen DSGVO spürbar

Das Ende der Übergangsfrist zur Einführung der DSGVO zeigt erste Opfer. Blogs, die bei Blogger.com, blogspot.de/-.com gehostet sind, stehen plötzlich in einer Art „Privat-Modus“, so dass normale Lesewillige sie nicht mehr erreichen. Das zeigt übrigens auch mal wieder die Macht derartiger Anbieter und die Nachteile für nicht selbst gehöstete Blogs. Im konkreten Fall die Abhängigkeit von Google, die erwähnten Hoster gehören in das Googleversum.

Aber auch andere Plattformen ändern was, so dass sie nicht mehr in gewohntem Maße nutzbar sind, ohne Lösungen anzubieten, wie man eine Nutzung wieder ermöglichen könnte, die den alten Gewonhnheiten nahe kommen. Tumblr.com ist ein Beispiel. Die dortigen Blogs sind zwar noch einfach erreichbar, aber aus bisher noch nicht ersichtlichem Grund sind die RSS-Feeds nicht mehr durch Reader nutzbar, obwohl auch vorhanden.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das eine oder andere in den nächsten Tagen wieder normalisiert bzw. Lösungen angeboten werden. Oder es bestätigt sich doch die bereits ventilierte Meinung einiger Fachleute, dass die DSVGO die Freiheit im Internet einschränkt und Geist früherer Zeiten hinausjagt. Für sicherere Daten. Also für stimmigere, saubere Datensätze, aus denen unser Leben und unser Wesen abgeleitet werden kann, genauer, als wir es selber tun.

Völlig humorbefreit

Manchmal fragt man sich schon, wie humorbefreit manche Leute sein können. Aber vermutlich ist es mit dem Humor auch wie mit dem Geschmack: Jeder hat einen anderen und man kann nicht über ihn streiten. Auslöser für diese (küchen-)philosophischen Betrachtungen ist ein Kommentar der hiesigen Regionalzeitung. Ihr stellvertretender Chefredakteur hatte sich offenbar die Ausgabe des „Neo Magazin Royal“ (ZDFneo/ZDF) mit Jan Böhmermann angesehen, in der der Wahlsieger eines der hiesigen Wahlkreise einer satirischen Auseinandersetzung unterzogen wurde. Diese gefiel wohl nicht. Auch ein paar Leser-Kommentare sind beifallspendet dem Artikel des NK-Autors beigefügt.

Mittlerweile gibt es sogar einen zweiten NK-Autoren, der sich dem Thema (auf Anweisung?) angenommen hat und schlägt in die selbe Kerbe. Immerhin waren beide so zurückhaltend, das Wort „Staatsfunk“ in dem Zusammenhang zu vermeiden, es wäre auch schwierig geworden, es in den Kontext einzubauen, wobei es an einigen Stellen durchaus etwas zwischen den Zeilen durchschimmert.

Mal grundsätzlich: Wer sich ins öffentliche Leben bewegt wie Herr Amthor, muss mit Reaktionen rechnen. Und wer dabei einen eigenen Weg geht und damit aus der breiten Masse des Konformismus herausragt, muss ebenso mit Satire rechnen. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf den aktuellen Fall, das gab es schon immer. Jan Böhmermann steht da in einer langen Tradition einer Art von Polit-Comedy – selbst aus Zeiten, als es das Wort Comedy noch gar nicht gab, als sogenannte Parodisten in ihren Sketchen eher persönliche Eigenheiten aufgriffen als politische Inhalte.

Da waren die Darstellungen eines Willy Brandt durch Thomas Freitag noch witzig, die Kohl- und Strauß-Parodien zahlloser Künstler zwischen originell und schrecklich und selbst aktuelle Arbeiten beispielsweise eines Matthias Richling, der in seinen Parodien schon immer Eigenheiten der Parodierten einbaute, die diese nicht mal haben, verdienen eher einer sachlichen Kritik als das Aufmerksamkeit erheischende Mimimi der hiesigen NK-Autoren. Der unterstellte Grund für das Schweigen von Herrn Amthor im letzten Satz der Kommentarreaktionsauswertung bezieht sich vermutlich auch auf sie, nur, dass sie es dem Vorbild bietenden CDU-Politker nicht gleichtun.

Vielleicht sollte man sich mal Gedanken über die aktuelle Satire in ihrer Gesamtheit machen und vielleicht doch mal ein paar Schubladen mit Definitionen aufmachen (dem Klischee nach eine deutsche Grundtugend), um ein Bewertungsraster zu erhalten. Sicher sind die Grenzen zwischen Comedy, Satire, Kabarett, Cabaret, Kleinkunst, politischem Kabarett, Polit-Comedy, Witz u.a. Untergruppen fließend, und nicht jedes Mal lässt sich einem Protagonisten eine Kategorie fest zuordnen. Aber immerhin dürfte das bei den einzelnen Sketchen gelingen. Wenn man sich darüber tiefergehende Gedanken macht, stellt man schnell fest, dass das, was uns derzeit medial vorventiliert wird, irgendwas zwischen (Polit-)Comedy und Satire ist: leicht verdaulich und massentauglich. Echtes politisches Kabarett, zumindest mit tiefgreifender Analyse und ggf. mit Auswegweisung, aber trotzdem lustig, ist Mangelware.

Menschen, die durch ihre Eigenheiten unverwechselbar oder – vielleicht besser formuliert – erkennbarer sind, werden immer damit zu leben haben, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben und engagieren, an genau diesen Eigenheiten festgemacht zu werden. Wer dabei Bedeutung erlangt, bei dem reicht meist wenig, um ihn zu identifizieren: „Birne“, „Raute„, „… in 10 Minuten … „, „Bin ich schon drin?“, und ich möchte wetten, dass jedem Leser sofort die dazugehörigen Namen einfallen. Herr Amthor ist in der satirisch medialen Öffentlichkeit angekommen. Schauen wir mal, was er draus macht …

P.S.: Einen schönen Kommentar gibt es mittlerweile auch schon zum Kommentar.

 

Wahlstrategie

Je näher die Bundestagswahl kommt, desto obskurer, abstruser oder – besser formuliert – überdenkenswerter kommt mir das System vor. Wobei ich damit nicht das System der (parlamentarischen) Demokratie meine. Das kann man sicher auch mal auf seine Verbesserungsmöglichkeiten hin abklopfen, aber die Aufgabe ist noch komplexer und hier nicht Thema.

Dass ich den Wahlkampf an sich für überflüssig und falsch halte, habe ich bei Twitter schon mal ventiliert. Geldverschwendung, Wählermanipulation (im schlechten Wortsinne), demokratisch kontraproduktiv sind so ein paar Vokabeln, die mir in Blickrichtung auf die Politik so einfallen. Und die Journaille lässt sich leider in diesen Politikbetrieb (Oder ist Politiktheater besser formuliert?) einspannen. Und selbst Wissenschaftler(?) drängen mit eigentümlichen Äußerungen in die Öffentlichkeit.

Beispiel gefällig? Gern. Der Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis (kann man gern mal suchen, er hat zu vielen Themen eine Meinung), lässt sich bzgl. der Briefwahl und ihren Fristen wie folgt zitieren: „Bei mehr als 25 Prozent Briefwählern wird es problematisch. Was hier stattfindet, ist eine unzulässige Verkürzung des demokratischen Willensbildungsprozesses.“ Warum das? Weil dann der Wähler nicht mehr durch die Wahlwerbung „informiert“ werden kann?

Immerhin hat sich ein bekannter deutscher Politiker schon vor einiger Zeit auch zum Thema geäußert: „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“ Was lehrt uns also diese Äußerung von Franz Müntefering? Wahlkampf ist unnötig und irritiert nur. Echte politische Arbeit wird in der Zeit meistens sowieso nicht geleistet, alle sind im Wahlkampfmodus. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu.

Meine Wahlentscheidung (bei der Bundestagswahl zumindest bei der so wichtigen Zweitstimme) fälle ich dreieinhalb Jahre nach der letzten Wahl anhand der geleisteten (oder eben auch nicht) politischen Arbeit. Bei Landtagswahlen lasse ich mir viereinhalb Jahre Zeit (die werden ja auch nur alle 5 Jahre gewählt). Das Muster ist dann auch auf andere Wahlen übertragbar. Und so kann für mich die Briefwahl gern ein halbes Jahr vor der eigentlichen Wahl beginnen. Dann vergesse ich wenigstens nicht, was ich wählen werde.

Angenehmer Nebeneffekt: Ich kann beispielsweise alle Auftritte von Politikern im Fernsehen freundlich ignorieren. Warum sollte ich mir das ansehen? Meine Entscheidung ist gefallen. Ich koche mir ja auch nix zum Essen, wenn ich satt bin. Wählen gehe ich übrigens trotzdem am Wahlsonntag. Wann komme ich sonst schon mal in eine Turnhalle … ?

P.S.: Eine schöne Aufgabe für die Journaille in der Vorwahlzeit als Alternative zum Steigbügelhalten und Präsentationsleinwandbieten wäre in dem Zusammenhang eine Analyse, Systematisierung und Zusammenfassung der Arbeit der Politik. Welche Entscheidungen sind gefallen? Wem nützen diese? Wer hat also was davon? Usw., usf.

Es wird gewählt #Btw2017

Gestern hatte ich meine Wahlbenachrichtigungskarte im Briefkasten. Darin werde ich aufgefordert, mir mal wieder eine Turnhalle von innen anzusehen. Dazu komme ich ja sonst nicht so. 😉

Die Benachrichtung, dass man mal wieder was zu wählen hat, ist ja gut, aber irgendwie fehlt die Vorgabe, was man wählen soll. So muss man sich selber Gedanken machen. In dem Zusammenhang stelle ich leider für mich fest, dass meine „Wahlstrategie“ der letzten Jahre und Jahrzehnte mittlerweile nicht mehr aufgeht. Von der Partei, deren Ziele ich mochte, über die Partei, bei der die Übereinstimmung mit meiner Meinung am größten ist, bis hin zur Partei, die das kleinere Übel darstellte, führte der Weg.

Ob ich noch beim kleineren Übel bin oder jetzt doch darüber hinaus, bin ich mir nicht sicher. Ich habe mich jetzt auf drei grundsätzliche Gedanken zurückgezogen:

  • Ich wähle.
  • Ich wähle die Partei, die ich in den letzten Jahren am häufigsten gewählt habe, solange, bis mir mal eine richtig große Scheiße auffällt, die sie anrichten.
  • Wahlkampf meide ich.

Natürlich sollte man ab und an seine Entscheidung überprüfen. Eine gute Hilfe, um zumindest ein wesentliches Indiz dafür zu haben, ist der „Wahl-O-Mat„, näheres dazu dort. Meine Top 8 habe ich durch ein bisschen herumprobieren bekommen:

Die unteren beiden habe ich mal geschwärzt gegraut. Aus Gründen. Die nächsten Tage werde ich mich mal damit befassen, was das da oben für Parteien sind, mit denen ich sooo gut übereinstimme. Bei allem Respekt vor den Akteueren und ihrem Engagement für ihre Ziele, aber es gibt noch eine zweite Top8, wo ich mal die „üblichen Verdächtigen“ im Schwerpunkt habe.

Die gegrauten Parteien sind (die Reihenfolge ist hier jetzt zufällig): Die LINKE, die PARTEI, SPD und CDU/CSU. Wir wollen doch das Wahlgeheimnis wahren. 😉 Übrigens: Ich will nicht ergründen, warum es so ist, aber die Lage von „Die PARTEI“ in der Liste hat mich doch etwas verwundert. „Meine Wahl“ hat übrigens den gleichen Prozentwert. 😉

Wenn ich die nächsten Tage mal Zeit habe, werde ich eine komplette Liste aus dem Wahl-O-Maten herauskitzeln. Ich habe übrigens bei der Bewertung der Thesen nicht daran gedacht, welche Partei jetzt wie zu der jeweiligen Aussage stehen könnte, ich habe einfach spontan nach meiner Meinung die Klicks gesetzt.

Alle diese Betrachtungen betreffen natürlich nur die Zweitstimme bei der Bundestagswahl. Da dies aber die wichtigste Stimme für die Verteilung der Parteien im Parlament ist, sei die Ausführlichkeit der Betrachtung bitte zu entschuldigen. Meine Erststimme wird sich als Kompromiss zwischen „symphatische Nase“ und „wenigstens eine geringe Chance, den Wahlkreis zu gewinnen“ erweisen. Das lässt sich aber mit keinem Wahl-O-Maten ermitteln.

Politik? Versteh‘ ich nicht.

Wobei: Eigentlich verstehe ich sie schon, aber ich bin mir nicht sicher, welcher der beiden Zustände der bessere ist.

Aktueller Aufhänger: Es soll an der Parteienfinanzierung geschraubt werden. Der Tipp kam schließlich vom obersten deutschen Gericht, nachdem ein Partei-Verbot mal wieder gescheitert war. Nun soll also mittels einer Grundgesetzänderung der Geldhahn für unliebsame Parteien(?) zugedreht werden.

Es wird also wieder an den Symptomen rumgedoktert, anstatt die Ursachen zu bekämpfen. Und das Quasi-Unisono von Politik und Presse versucht die Idee als den großen Bringer zu verkaufen. Ok, mit Geld kann man in dieser Gesellschaft alles „regeln“. Vielleicht klappt’s ja, und die Partei verschwindet. Aber die Menschen sind ja noch da und haben ihre Anhänger.

Die Sportfreunde Stiller haben in ihrem Titel „Applaus, Applaus“ eine schöne Textstelle: „Will ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand, legst Du mir Helm und Hammer in die Hand.“ Wenn jemandem der Kopf weh tut, dann man es mit einer schönen Nackenmassage versuchen, es gibt auch ätherische Öle, die helfen. Die Pharmaindustrie hält eine riesiges Portfolie von Schmerzmitteln bereit, mit denen man sich auch noch vergnügen kann. Augenscheinlich kommen die Schmerzen aber daher, dass derjenige einfach nur mit dem Kopf durch die Wand will. Also nimmt man den Helm. Die Kopfschmerzen werden weniger, weg gehen sie aber damit trotzdem nicht.

Dabei ist die Lösung so einfach wie schwer zugleich. Und damit spiele ich nicht auf den Hammer aus dem Liedtext an, für den ich bei diesen Bildern leider nichts adäquates gefunden habe. Man kann sich aber ein wenig zur Seite bewegen, etwas an der Wand entlang tasten und dann die Tür nehmen, um ohne Kopfschmerzen den Raum zu verlassen.

Aber das Bild zeigt auch, wo das Problem liegt: Die Politik müsste die eingetretenen Pfade verlassen (wobei das Verweilen auf diesen das Problem erst befördert), sich bewegen, neue Lösungen suchen. Aber da ist beim präsenten Teil leider wenig zu sehen. Außer heißer Luft (manchmal auch nur ein laues Lüftchen) ist leider wenig zu sehen. Vielleicht sollten wir es auch mal mit einem neuen Politikertypus probieren, jemand, der zu seinem Wort steht; bei dem das Wort aber auch eine konkrete Aussage beinhaltet und von allein steht. 😉

Vielleicht sollte man es auch mal mit einer verallgemeinerten Regel versuchen, die momentan wohl nur für Bundespräsidenten gilt: Für die aktive Politik muss man mindestens 40 Jahre als sein und darf zusätzlich vorher nix mit Politik zu tun gehabt haben. Der Bundestag wird als echtes Abbild der Bevölkerung des ganzen Landes besetzt. Und man darf nicht mittels Politik seinen Lebensunterhalt bestreiten (oder: jeder Bundestagsabgeordnete spiegelt z.Zt. ca. 130’000 Bürgerinnen und Bürger wieder. Von jedem pro Jahr ein Euro … reicht. 😉

Zurück zum Ernst: Ursachen bekämpfen und nicht an den Symptomen herumdoktern, auch, wenn’s weh tut und sich die Politik nicht nur hinterfragen sondern auch ändern muss!

 

Lehrerausbildung in M-V

Wie ich dem Online-Angebot der SVZ entnahm, beschäftigte sich der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns u.a. mit der Lehrerausbildung. Die Bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion Simone Oldenburg sieht es als sehr kritisch an, dass etwa die Hälfte der Lehramtstudenten in M-V ihr Studium abbrechen. Sie befürchtet einen großen Lehrermangel deswegen.

Ob die Befürchtungen wirklich gerechtfertigt sind, kann ich nicht einschätzen. Was ich aus eigener Erfahrung weiß, ist, dass die Abbrecherquote vermutlich schon immer so hoch war. Und das gilt systemübergreifend. 😉 Als ich 1986 mein Lehrerstudium begann (damals hieß das Ziel noch Diplomlehrer), waren wir 20 Studenten in der Seminargruppe (so hieß das damals). Und auch wir hatten einen Teil unserer Vorlesungen zusammen mit den Fachdiplomanten, einen weiteren Teil nur zusammen mit Lehrerstudenten anderer Fachrichtungen und einen dritten studiumrichtungssübergreifend. Den hatten alle. 😉

20 Studenten zu Beginn des ersten Studienjahres. Im vierten waren wir noch 10 und wie viele den Abschluss gemacht haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da das in den Wendewirren ein wenig unterging. Einige führten – wie ich – ihr Studium halbwegs planmäßig zu Ende, um dann als Haupt- und Realschullehrer ins Leben entlassen zu werden. Andere hingen noch zwei oder drei Jahre dran, um sich dann Gymnasiallehrer nennen zu können. Man verlor sich aus den Augen, einige sprangen sicher auch ohne Abschluss ab.

Um es klar zu stellen: Sicher, dieses Studium fand nicht in Mecklenburg-Vorpommern statt, das gab es noch nicht. Aber es fand an einer der beiden im SVZ-Artikel erwähnten Universitäten des Landes statt: in Greifswald.

Und damit nicht genug: Ein Bekannter von mir versuchte sich in den 2000er Jahren auch an einem Studium an der heute mittlerweile namenlosen Universität Greifswald. Es war eine Ersti-Vorlesung eines beginnenden Wintersemesters, in der der Dekan seiner präferierten Fachrichtung im Hinblick auf den gut gefüllten Hörsaal sinngemäß meinte: Bis Weihnachten ist der Hörsaal nur noch halb voll.

Daarentegen meldt minder dan vijf procent van de vrouwen een consistent seksleven. Het gebrek aan steun voor de seksuele behoeften van mannen blijkt uit het feit dat de American Medical Association (AMA) nooit officieel het idee heeft gekocht dat mannen een lagere seksuele drang hebben dan vrouwen.

Es ist also nichts neues, dass die Hälfte der Lehramtsstudenten das Studium nicht überstehen. Das trotzdem etwas verändert werden muss, ist klar. Die Erzählungen über die Zustände während des Studiums meines Bekannten ließen den etwas klischeeüberlasteten Gedanken „Es war nicht alles schlecht.“ an mein Studium aufkommen. Wenn ich das mal auf heutige Zeiten transformieren würde, kämen acht Semester Ausbildung (zwei Fachrichtungen, Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Methodik) und zwei bis vier Praxissemester zusammen. Die ersten Semester wären eher fachlich angelegt, mit zunehmender Studiumsdauer kämen die lehramtspraktischen Seiten dazu. Fertig.