Erste Auswirkungen DSGVO spürbar

Das Ende der Übergangsfrist zur Einführung der DSGVO zeigt erste Opfer. Blogs, die bei Blogger.com, blogspot.de/-.com gehostet sind, stehen plötzlich in einer Art „Privat-Modus“, so dass normale Lesewillige sie nicht mehr erreichen. Das zeigt übrigens auch mal wieder die Macht derartiger Anbieter und die Nachteile für nicht selbst gehöstete Blogs. Im konkreten Fall die Abhängigkeit von Google, die erwähnten Hoster gehören in das Googleversum.

Aber auch andere Plattformen ändern was, so dass sie nicht mehr in gewohntem Maße nutzbar sind, ohne Lösungen anzubieten, wie man eine Nutzung wieder ermöglichen könnte, die den alten Gewonhnheiten nahe kommen. Tumblr.com ist ein Beispiel. Die dortigen Blogs sind zwar noch einfach erreichbar, aber aus bisher noch nicht ersichtlichem Grund sind die RSS-Feeds nicht mehr durch Reader nutzbar, obwohl auch vorhanden.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das eine oder andere in den nächsten Tagen wieder normalisiert bzw. Lösungen angeboten werden. Oder es bestätigt sich doch die bereits ventilierte Meinung einiger Fachleute, dass die DSVGO die Freiheit im Internet einschränkt und Geist früherer Zeiten hinausjagt. Für sicherere Daten. Also für stimmigere, saubere Datensätze, aus denen unser Leben und unser Wesen abgeleitet werden kann, genauer, als wir es selber tun.

Völlig humorbefreit

Manchmal fragt man sich schon, wie humorbefreit manche Leute sein können. Aber vermutlich ist es mit dem Humor auch wie mit dem Geschmack: Jeder hat einen anderen und man kann nicht über ihn streiten. Auslöser für diese (küchen-)philosophischen Betrachtungen ist ein Kommentar der hiesigen Regionalzeitung. Ihr stellvertretender Chefredakteur hatte sich offenbar die Ausgabe des „Neo Magazin Royal“ (ZDFneo/ZDF) mit Jan Böhmermann angesehen, in der der Wahlsieger eines der hiesigen Wahlkreise einer satirischen Auseinandersetzung unterzogen wurde. Diese gefiel wohl nicht. Auch ein paar Leser-Kommentare sind beifallspendet dem Artikel des NK-Autors beigefügt.

Mittlerweile gibt es sogar einen zweiten NK-Autoren, der sich dem Thema (auf Anweisung?) angenommen hat und schlägt in die selbe Kerbe. Immerhin waren beide so zurückhaltend, das Wort „Staatsfunk“ in dem Zusammenhang zu vermeiden, es wäre auch schwierig geworden, es in den Kontext einzubauen, wobei es an einigen Stellen durchaus etwas zwischen den Zeilen durchschimmert.

Mal grundsätzlich: Wer sich ins öffentliche Leben bewegt wie Herr Amthor, muss mit Reaktionen rechnen. Und wer dabei einen eigenen Weg geht und damit aus der breiten Masse des Konformismus herausragt, muss ebenso mit Satire rechnen. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf den aktuellen Fall, das gab es schon immer. Jan Böhmermann steht da in einer langen Tradition einer Art von Polit-Comedy – selbst aus Zeiten, als es das Wort Comedy noch gar nicht gab, als sogenannte Parodisten in ihren Sketchen eher persönliche Eigenheiten aufgriffen als politische Inhalte.

Da waren die Darstellungen eines Willy Brandt durch Thomas Freitag noch witzig, die Kohl- und Strauß-Parodien zahlloser Künstler zwischen originell und schrecklich und selbst aktuelle Arbeiten beispielsweise eines Matthias Richling, der in seinen Parodien schon immer Eigenheiten der Parodierten einbaute, die diese nicht mal haben, verdienen eher einer sachlichen Kritik als das Aufmerksamkeit erheischende Mimimi der hiesigen NK-Autoren. Der unterstellte Grund für das Schweigen von Herrn Amthor im letzten Satz der Kommentarreaktionsauswertung bezieht sich vermutlich auch auf sie, nur, dass sie es dem Vorbild bietenden CDU-Politker nicht gleichtun.

Vielleicht sollte man sich mal Gedanken über die aktuelle Satire in ihrer Gesamtheit machen und vielleicht doch mal ein paar Schubladen mit Definitionen aufmachen (dem Klischee nach eine deutsche Grundtugend), um ein Bewertungsraster zu erhalten. Sicher sind die Grenzen zwischen Comedy, Satire, Kabarett, Cabaret, Kleinkunst, politischem Kabarett, Polit-Comedy, Witz u.a. Untergruppen fließend, und nicht jedes Mal lässt sich einem Protagonisten eine Kategorie fest zuordnen. Aber immerhin dürfte das bei den einzelnen Sketchen gelingen. Wenn man sich darüber tiefergehende Gedanken macht, stellt man schnell fest, dass das, was uns derzeit medial vorventiliert wird, irgendwas zwischen (Polit-)Comedy und Satire ist: leicht verdaulich und massentauglich. Echtes politisches Kabarett, zumindest mit tiefgreifender Analyse und ggf. mit Auswegweisung, aber trotzdem lustig, ist Mangelware.

Menschen, die durch ihre Eigenheiten unverwechselbar oder – vielleicht besser formuliert – erkennbarer sind, werden immer damit zu leben haben, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben und engagieren, an genau diesen Eigenheiten festgemacht zu werden. Wer dabei Bedeutung erlangt, bei dem reicht meist wenig, um ihn zu identifizieren: „Birne“, „Raute„, „… in 10 Minuten … „, „Bin ich schon drin?“, und ich möchte wetten, dass jedem Leser sofort die dazugehörigen Namen einfallen. Herr Amthor ist in der satirisch medialen Öffentlichkeit angekommen. Schauen wir mal, was er draus macht …

P.S.: Einen schönen Kommentar gibt es mittlerweile auch schon zum Kommentar.

 

Wahlstrategie

Je näher die Bundestagswahl kommt, desto obskurer, abstruser oder – besser formuliert – überdenkenswerter kommt mir das System vor. Wobei ich damit nicht das System der (parlamentarischen) Demokratie meine. Das kann man sicher auch mal auf seine Verbesserungsmöglichkeiten hin abklopfen, aber die Aufgabe ist noch komplexer und hier nicht Thema.

Dass ich den Wahlkampf an sich für überflüssig und falsch halte, habe ich bei Twitter schon mal ventiliert. Geldverschwendung, Wählermanipulation (im schlechten Wortsinne), demokratisch kontraproduktiv sind so ein paar Vokabeln, die mir in Blickrichtung auf die Politik so einfallen. Und die Journaille lässt sich leider in diesen Politikbetrieb (Oder ist Politiktheater besser formuliert?) einspannen. Und selbst Wissenschaftler(?) drängen mit eigentümlichen Äußerungen in die Öffentlichkeit.

Beispiel gefällig? Gern. Der Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis (kann man gern mal suchen, er hat zu vielen Themen eine Meinung), lässt sich bzgl. der Briefwahl und ihren Fristen wie folgt zitieren: „Bei mehr als 25 Prozent Briefwählern wird es problematisch. Was hier stattfindet, ist eine unzulässige Verkürzung des demokratischen Willensbildungsprozesses.“ Warum das? Weil dann der Wähler nicht mehr durch die Wahlwerbung „informiert“ werden kann?

Immerhin hat sich ein bekannter deutscher Politiker schon vor einiger Zeit auch zum Thema geäußert: „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“ Was lehrt uns also diese Äußerung von Franz Müntefering? Wahlkampf ist unnötig und irritiert nur. Echte politische Arbeit wird in der Zeit meistens sowieso nicht geleistet, alle sind im Wahlkampfmodus. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu.

Meine Wahlentscheidung (bei der Bundestagswahl zumindest bei der so wichtigen Zweitstimme) fälle ich dreieinhalb Jahre nach der letzten Wahl anhand der geleisteten (oder eben auch nicht) politischen Arbeit. Bei Landtagswahlen lasse ich mir viereinhalb Jahre Zeit (die werden ja auch nur alle 5 Jahre gewählt). Das Muster ist dann auch auf andere Wahlen übertragbar. Und so kann für mich die Briefwahl gern ein halbes Jahr vor der eigentlichen Wahl beginnen. Dann vergesse ich wenigstens nicht, was ich wählen werde.

Angenehmer Nebeneffekt: Ich kann beispielsweise alle Auftritte von Politikern im Fernsehen freundlich ignorieren. Warum sollte ich mir das ansehen? Meine Entscheidung ist gefallen. Ich koche mir ja auch nix zum Essen, wenn ich satt bin. Wählen gehe ich übrigens trotzdem am Wahlsonntag. Wann komme ich sonst schon mal in eine Turnhalle … ?

P.S.: Eine schöne Aufgabe für die Journaille in der Vorwahlzeit als Alternative zum Steigbügelhalten und Präsentationsleinwandbieten wäre in dem Zusammenhang eine Analyse, Systematisierung und Zusammenfassung der Arbeit der Politik. Welche Entscheidungen sind gefallen? Wem nützen diese? Wer hat also was davon? Usw., usf.

Es wird gewählt #Btw2017

Gestern hatte ich meine Wahlbenachrichtigungskarte im Briefkasten. Darin werde ich aufgefordert, mir mal wieder eine Turnhalle von innen anzusehen. Dazu komme ich ja sonst nicht so. 😉

Die Benachrichtung, dass man mal wieder was zu wählen hat, ist ja gut, aber irgendwie fehlt die Vorgabe, was man wählen soll. So muss man sich selber Gedanken machen. In dem Zusammenhang stelle ich leider für mich fest, dass meine „Wahlstrategie“ der letzten Jahre und Jahrzehnte mittlerweile nicht mehr aufgeht. Von der Partei, deren Ziele ich mochte, über die Partei, bei der die Übereinstimmung mit meiner Meinung am größten ist, bis hin zur Partei, die das kleinere Übel darstellte, führte der Weg.

Ob ich noch beim kleineren Übel bin oder jetzt doch darüber hinaus, bin ich mir nicht sicher. Ich habe mich jetzt auf drei grundsätzliche Gedanken zurückgezogen:

  • Ich wähle.
  • Ich wähle die Partei, die ich in den letzten Jahren am häufigsten gewählt habe, solange, bis mir mal eine richtig große Scheiße auffällt, die sie anrichten.
  • Wahlkampf meide ich.

Natürlich sollte man ab und an seine Entscheidung überprüfen. Eine gute Hilfe, um zumindest ein wesentliches Indiz dafür zu haben, ist der „Wahl-O-Mat„, näheres dazu dort. Meine Top 8 habe ich durch ein bisschen herumprobieren bekommen:

Die unteren beiden habe ich mal geschwärzt gegraut. Aus Gründen. Die nächsten Tage werde ich mich mal damit befassen, was das da oben für Parteien sind, mit denen ich sooo gut übereinstimme. Bei allem Respekt vor den Akteueren und ihrem Engagement für ihre Ziele, aber es gibt noch eine zweite Top8, wo ich mal die „üblichen Verdächtigen“ im Schwerpunkt habe.

Die gegrauten Parteien sind (die Reihenfolge ist hier jetzt zufällig): Die LINKE, die PARTEI, SPD und CDU/CSU. Wir wollen doch das Wahlgeheimnis wahren. 😉 Übrigens: Ich will nicht ergründen, warum es so ist, aber die Lage von „Die PARTEI“ in der Liste hat mich doch etwas verwundert. „Meine Wahl“ hat übrigens den gleichen Prozentwert. 😉

Wenn ich die nächsten Tage mal Zeit habe, werde ich eine komplette Liste aus dem Wahl-O-Maten herauskitzeln. Ich habe übrigens bei der Bewertung der Thesen nicht daran gedacht, welche Partei jetzt wie zu der jeweiligen Aussage stehen könnte, ich habe einfach spontan nach meiner Meinung die Klicks gesetzt.

Alle diese Betrachtungen betreffen natürlich nur die Zweitstimme bei der Bundestagswahl. Da dies aber die wichtigste Stimme für die Verteilung der Parteien im Parlament ist, sei die Ausführlichkeit der Betrachtung bitte zu entschuldigen. Meine Erststimme wird sich als Kompromiss zwischen „symphatische Nase“ und „wenigstens eine geringe Chance, den Wahlkreis zu gewinnen“ erweisen. Das lässt sich aber mit keinem Wahl-O-Maten ermitteln.

Politik? Versteh‘ ich nicht.

Wobei: Eigentlich verstehe ich sie schon, aber ich bin mir nicht sicher, welcher der beiden Zustände der bessere ist.

Aktueller Aufhänger: Es soll an der Parteienfinanzierung geschraubt werden. Der Tipp kam schließlich vom obersten deutschen Gericht, nachdem ein Partei-Verbot mal wieder gescheitert war. Nun soll also mittels einer Grundgesetzänderung der Geldhahn für unliebsame Parteien(?) zugedreht werden.

Es wird also wieder an den Symptomen rumgedoktert, anstatt die Ursachen zu bekämpfen. Und das Quasi-Unisono von Politik und Presse versucht die Idee als den großen Bringer zu verkaufen. Ok, mit Geld kann man in dieser Gesellschaft alles „regeln“. Vielleicht klappt’s ja, und die Partei verschwindet. Aber die Menschen sind ja noch da und haben ihre Anhänger.

Die Sportfreunde Stiller haben in ihrem Titel „Applaus, Applaus“ eine schöne Textstelle: „Will ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand, legst Du mir Helm und Hammer in die Hand.“ Wenn jemandem der Kopf weh tut, dann man es mit einer schönen Nackenmassage versuchen, es gibt auch ätherische Öle, die helfen. Die Pharmaindustrie hält eine riesiges Portfolie von Schmerzmitteln bereit, mit denen man sich auch noch vergnügen kann. Augenscheinlich kommen die Schmerzen aber daher, dass derjenige einfach nur mit dem Kopf durch die Wand will. Also nimmt man den Helm. Die Kopfschmerzen werden weniger, weg gehen sie aber damit trotzdem nicht.

Dabei ist die Lösung so einfach wie schwer zugleich. Und damit spiele ich nicht auf den Hammer aus dem Liedtext an, für den ich bei diesen Bildern leider nichts adäquates gefunden habe. Man kann sich aber ein wenig zur Seite bewegen, etwas an der Wand entlang tasten und dann die Tür nehmen, um ohne Kopfschmerzen den Raum zu verlassen.

Aber das Bild zeigt auch, wo das Problem liegt: Die Politik müsste die eingetretenen Pfade verlassen (wobei das Verweilen auf diesen das Problem erst befördert), sich bewegen, neue Lösungen suchen. Aber da ist beim präsenten Teil leider wenig zu sehen. Außer heißer Luft (manchmal auch nur ein laues Lüftchen) ist leider wenig zu sehen. Vielleicht sollten wir es auch mal mit einem neuen Politikertypus probieren, jemand, der zu seinem Wort steht; bei dem das Wort aber auch eine konkrete Aussage beinhaltet und von allein steht. 😉

Vielleicht sollte man es auch mal mit einer verallgemeinerten Regel versuchen, die momentan wohl nur für Bundespräsidenten gilt: Für die aktive Politik muss man mindestens 40 Jahre als sein und darf zusätzlich vorher nix mit Politik zu tun gehabt haben. Der Bundestag wird als echtes Abbild der Bevölkerung des ganzen Landes besetzt. Und man darf nicht mittels Politik seinen Lebensunterhalt bestreiten (oder: jeder Bundestagsabgeordnete spiegelt z.Zt. ca. 130’000 Bürgerinnen und Bürger wieder. Von jedem pro Jahr ein Euro … reicht. 😉

Zurück zum Ernst: Ursachen bekämpfen und nicht an den Symptomen herumdoktern, auch, wenn’s weh tut und sich die Politik nicht nur hinterfragen sondern auch ändern muss!

 

Lehrerausbildung in M-V

Wie ich dem Online-Angebot der SVZ entnahm, beschäftigte sich der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns u.a. mit der Lehrerausbildung. Die Bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion Simone Oldenburg sieht es als sehr kritisch an, dass etwa die Hälfte der Lehramtstudenten in M-V ihr Studium abbrechen. Sie befürchtet einen großen Lehrermangel deswegen.

Ob die Befürchtungen wirklich gerechtfertigt sind, kann ich nicht einschätzen. Was ich aus eigener Erfahrung weiß, ist, dass die Abbrecherquote vermutlich schon immer so hoch war. Und das gilt systemübergreifend. 😉 Als ich 1986 mein Lehrerstudium begann (damals hieß das Ziel noch Diplomlehrer), waren wir 20 Studenten in der Seminargruppe (so hieß das damals). Und auch wir hatten einen Teil unserer Vorlesungen zusammen mit den Fachdiplomanten, einen weiteren Teil nur zusammen mit Lehrerstudenten anderer Fachrichtungen und einen dritten studiumrichtungssübergreifend. Den hatten alle. 😉

20 Studenten zu Beginn des ersten Studienjahres. Im vierten waren wir noch 10 und wie viele den Abschluss gemacht haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da das in den Wendewirren ein wenig unterging. Einige führten – wie ich – ihr Studium halbwegs planmäßig zu Ende, um dann als Haupt- und Realschullehrer ins Leben entlassen zu werden. Andere hingen noch zwei oder drei Jahre dran, um sich dann Gymnasiallehrer nennen zu können. Man verlor sich aus den Augen, einige sprangen sicher auch ohne Abschluss ab.

Um es klar zu stellen: Sicher, dieses Studium fand nicht in Mecklenburg-Vorpommern statt, das gab es noch nicht. Aber es fand an einer der beiden im SVZ-Artikel erwähnten Universitäten des Landes statt: in Greifswald.

Und damit nicht genug: Ein Bekannter von mir versuchte sich in den 2000er Jahren auch an einem Studium an der heute mittlerweile namenlosen Universität Greifswald. Es war eine Ersti-Vorlesung eines beginnenden Wintersemesters, in der der Dekan seiner präferierten Fachrichtung im Hinblick auf den gut gefüllten Hörsaal sinngemäß meinte: Bis Weihnachten ist der Hörsaal nur noch halb voll.

Es ist also nichts neues, dass die Hälfte der Lehramtsstudenten das Studium nicht überstehen. Das trotzdem etwas verändert werden muss, ist klar. Die Erzählungen über die Zustände während des Studiums meines Bekannten ließen den etwas klischeeüberlasteten Gedanken „Es war nicht alles schlecht.“ an mein Studium aufkommen. Wenn ich das mal auf heutige Zeiten transformieren würde, kämen acht Semester Ausbildung (zwei Fachrichtungen, Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Methodik) und zwei bis vier Praxissemester zusammen. Die ersten Semester wären eher fachlich angelegt, mit zunehmender Studiumsdauer kämen die lehramtspraktischen Seiten dazu. Fertig.

Sollte Politik wirklich auf’s Volk hören?

Da kann man schon mal drüber nachdenken. Sollte Politik wirklich aufs Volk hören? Oder auf Umfragen?

Beispiel Seehofer: Der Bayer an sich wollte keine Windräder im Freistaat. Also sorgte der Ministerpräsident dafür, dass die nicht kommen. Aber Energie braucht man schon in Bayern. So soll jetzt Strom aus Norddeutschland „importiert“ werden, aber effiziente Stromübertragungssysteme wollen sie auch nicht. Also wird teuer unterirdisch verkabelt und mögliche Nebenwirkungen ignoriert. Aber Energie brauchen man schon in Bayern. Die großen Überlandleitungen und die teure Erdverkabelung könnte man vermeidbar machen, aber dazu wäre eine dezentrale Energieerzeugung zum Beispiel mit Windrädern nötig, aber das will man auch nicht. Aber Energie will man schon in Bayern. Soweit das Beispiel.

Wenn Politik ihr Mäntelchen nach jedem Wind hängt, reicht ein Pups, um neue Richtungen einzuschlagen. Die Meinung der sogenannten Basis ist immer nur ein Ausschnitt, eine Teilmenge, und NIE aussagekräftig darüber, was die Gesamtheit denkt und fühlt. Wobei es „des Volkes Meinung“ per se nicht gibt. Dazu sind wir einfach zu viele Individuen in zu vielen Filterbubbles.

Da bekommt man immer wieder den Eindruck, dass Demokratie auf dem Irrtum basiert, dass es eine Schwarmintelligenz beim Menschen gäbe. Diesen Gedanken muss man sich mal langsam abschminken. Das ist einer der größten Irrtümer seit Frank Schätzing.

Politik sollte ihre Richtlinienkompetenz ausnutzen und Vorbild sein. Im Handeln und im Fordern. Dazu bedarf es allerdings Persönlichkeiten, die stark sind, meinungsfest, aber lernfähig, selbstkritisch und unabhängig. Sehe ich aber nirgends. Zumindest nicht in der Politik.

Dragon4corner – Die Geometrie der Macht, oder die Macht der Geometrie?

„Quantensprung“ war auch mal so ein falsches Wort. Wer erinnert sich nicht daran, als es als Synonym für große Veränderungen benutzt wurde, obwohl er – physikalisch gesehen – eher kleinstmögliche Veränderungen beschreibt. Es ist vermutlich nicht das erste, derartig falsch verstandene Wort. Und sicher auch nicht das letzte. „Super-GAU“ als eigentlich unmögliche Steigerung des Größten Anzunehmenden Unfalls war auch sowas. Oder einfach nur die Steigerung des Wortes sicher in sicherer. Entweder, Onlinebanking ist sicher oder nicht. Es kann nicht sicherer gemacht werden. Aber das nur nebenbei.

Manchmal fragt man sich, wieso man auf manche offensichtliche Selbstverständlichkeiten eigentlich nicht viel früher gekommen ist. Ein TV-Beitrag über Bundeskanzlerin Merkel brachte mich heute drauf, dass in einem wichtigen Zusammenhang mit ihr ein Wort falsch benutzt wird. Ich weiß nicht mehr, in welcher Klassenstufe das Thema in der Schule behandelt wird, aber Geometrie zieht sich ja durch zahlreiche Schuljahre durch. Fragt mich, ich hab das mal studiert. 😉

Kramen wir mal in tiefen Gedächtnisschichten und werfen eine ganze Reihe von zusammengehörenden Begriffen in den Raum: Viereck, Rechteck, Parallelogramm, Rhombus, Drachenviereck, Trapez und Quadrat. Ausgehend vom allgemeinen Viereck (vier Punkte, die durch vier Seiten verbunden sind) werden unter Hinzunahme von weiteren Bedingungen immer speziellere Figuren begrifflich definiert bis hin zum Quadrat mit den schärfsten Anforderungen (4 gleichlange Seiten und in jeder Ecke ein rechter Winkel). Beim Parallelogramm sind gegenüberliegende Seiten gleich lang, beim Trapez sind zwei gegenüberliegende Seiten parallel.

Jetzt ist es am Leser dieser Zeilen, aktiv zu werden. Strecke bitte mal beide Arme halbwegs parallel nach vorn aus, die Handflächen nach unten. Früher haben wir mal mit der Armstellung Kniebeugen gemacht. 😉 In der Armhaltung klappe beide Hände so weit es aus eigener Kraft geht nach oben und spreize die Daumen ab, so dass sich dessen Spitzen fast berühren. Für Menschen mit Rechts-Links-Schwäche ist nun eindeutig zu sehen, wo die linke Hand ist. Daumen und Zeigefinger bilden nur auf einer Seite ein L. Aber wir sehen noch etwas anderes. Der Daumen ist kürzer als der Zeigefinger. Gut, das weiß man auch so, aber ich wollte es nur noch mal verdeutlichen. Und irgendwie die Eselsbrücke mit der Links-Rechts-Schwäche unterbringen.

Nun gibt es – um zum ursprünglichen Thema zurück zukommen – die sogenannte Merkel-Raute. Das müssten eigentlich zwei gekreuzte Victory-Zeichen mit den Fingern sein (das # ist eine Raute), aber auch in der Geometrie gibt es die Raute. Zu meiner Schulzeit hieß das Ding noch Rhombus, aber dass Begriffe sich in historischen Zeiträumen mal ändern, ist auch nicht neu. Schauen wir in die Systematik der Vierecke, so finden wir den Rhombus aka die Raute als spezielles Parallelogramm, bei dem alle 4 Seiten gleich lang sind. Oder als Quadrat, dem die Bedingung mit den rechten Winkeln abhanden gekommen ist.

Vier gleich lange Seiten bei der Merkel-Raute? Daumen und Zeigefinger gleich lang? Entweder, das ist eine anatomische Fehlstellung – was bedauerlich für Frau Merkel wäre – oder einfach nur der falsche Begriff. Schauen wir also mal genau hin und fragen uns, was wir sehen: ein Viereck, bei dem jeweils 2 nebeneinander liegende Seiten (Daumen-Daumen und Zeigefinger-Zeigefinger) gleich lang sind. Suchen wir in der Systematik und finden die eigentlich passende geometrische Figur. Der Name spricht Bände, ist aber schon älter als die politische Raute.

Es ist das DRACHENVIERECK!!!

Da dum!

Wahlgedanken 2.0

Anfang des Monats habe ich – noch recht allgemein – über die zur Landtagswahl zur Wahl stehenden Parteien und Personen philosophiert. Da kannte ich meinen konkreten Wahlzettel noch nicht. Dank Strelitzius weiß ich nun, wo ich sie mir angucken kann: http://geoport-lk-mse.de/masterportal/wahlen/. Nun kann ich also mal genauer raufgucken und meine Schätzungen konkretisieren.

6 Direktkandidaten stehen für mich zur Wahl. Drei fallen schon mal aus, dass sind die grundsätzlichen. Von zweien weiß ich nix und was ich von vieren weiß, lässt mich zurückhaltend sein mit meinem Kreuzchen., also „wegen aktueller oder bisheriger Aktivitäten nicht wählbar“. Doppelzuordnungen sind mit dabei. Ich fürchte, ich werde sehr abstrakte Kriterien anlegen bei der Auswahl der Ankreuzstelle.

Was erstaunlich ist: Die Schweriner Volkszeitung hatte neulich mal eine Art abgespeckten Not-Wahl-O-Mat veröffentlicht. Die offizielle Version gibt es für die Landtagswahl in M-V mal wieder nicht, da sich zwei Parteien so sehr vom Volk verabschiedet haben, dass sie es nicht schaffen, ihre Pläne für die Zeit nach der Wahl auf ein verständliches Maß zu pauschalisieren. Die SVZ-Wahlhilfe steht zwar, wenn man in die Kommentare guckt, ein wenig unter Kritik, bei mir kam aber das heraus, was ich beinahe erwartet habe und was ich wahrscheinlich sowieso wählen werde.

17 Parteien stehen auch noch zur Wahl. Alte bekannte, alte unbekannte, neue Zusammenschlüsse, neue Parteien usw. Die Zahl der aus grundsätzlichen Erwägungen heraus unwählbaren liegt bei 9, von 11 lese ich den/die Namen, aber sehr viel mehr fällt mir dann dazu auch nicht ein. 8 fallen wegen aktuellen oder bisherigen Aktivitäten raus (auch hier sind mehrfache Zuordnungen mit dabei). Das selbst die Zahlen der letzten beiden Kategorien mehr als 17 ergibt, liegt einfach daran, dass man selbst von den unbekannten schon mal irgendeine Idiotie gehört hat.

Wir machen dicht! Und bohren dann Löcher rein…

Wir lernen: „Nicht jede Idee, die spontan nach einer guten Idee aussieht, ist letztendlich auch eine.“ Ab und an sollte man die darauf beruhenden Aktivitäten einer Überprüfung unterziehen und auf Sinnvolligkeit abklopfen. Das Beispiel heute ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Bezogen auf Häuser kann man die salopp zusammenfassen in „Dämmen, Isolieren, Abdichten“.

Dass das aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, zeigt die Wirklichkeit. Die Praxis war ja schon immer ein Kriterium für die Wirksamkeit von Theorien. Und in dieser, also der Praxis, stellt sich nun heraus, dass sich durch die Isolation und Abdichtung in den Räumen die Schadstoffgehalte in der Luft sehr schnell und besser erhöhen. Früher führten die undichten Fenster zu einem regelmäßigen Luftaustausch, was die Schadstoffwerte niedrig hielt. Außerdem gab es früher sowieso weniger (künstliche) Schadstoffe. 😉

Regelmäßig Fenster aufreißen bringt übrigens nichts, wenn man das Gesamte betrachtet, da hierdurch zwar die Schadstoffe wieder auf ein erträgliches Maß gesenkt werden, dafür wird aber die Energieeinsparverordnung ad absurdum geführt, weil dann u.U. mehr Energie verbraucht wird als vor deren Einführung bzw. Umsetzung. Aber wozu gibt es eigentlich Lüftungsanlagen, die diesen Makel nicht haben, weil sie die zugeführte Luft mit Hilfe der Abluft vorwärmen?

Hurra! Ein Wirtschaftszweig freut sich. Der Einbau solcher Lüftungsanlagen kostet natürlich auch wieder Geld, selbst beim Hausneubau. Außerdem ist mit Folgekosten zu rechnen, die u.U. wieder höher sein können als die Einsparungen durch Dämmung u.ä. (was wohl, wie ich neulich irgendwo aufschnappte, manchmal schon allein für die Dämmung gilt: Dämmkosten auf Miete umgelegt, Miete steigt, Heiznebenkosten sinken, wenn die aber weniger sinken als die Steigerung durch die Dämmkosten …)

Die (Be-)Lüftungsanlagen erschließen dann aber gleich neue Geschäftsfelder, in denen Leute beschäftigt werden können und die Gewinne abwerfen. Einerseits müssen die Anlagen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Immerhin wird Außenluft angesogen, die mit ihren ganzen Bestandteilen Filter füllt und ggf. in den angenehm warmen Milieus auch Krankheitserreger u.ä. vermehren könnte. Jährliche Wartungs- und Überprüfungstermine sind doch da sicher Pflicht (die Rauchwarner machen es vor).

Die zentrale Belüftung eines Hauses macht aber auch noch andere Wertschöpfungsketten denkbar. Man denke an Raumparfüms, die jetzt zentral für das ganze Haus eingesetzt werden können. Entsprechende Hersteller sollten die Produzenten von Belüftungsanlagen schon mal bedrängen, passende Schnittstellen zu ihren Druckduftamphoren mit einzubauen. Oder vielleicht noch eine Idee für die Abfüller dieser Gasdruckbehälter für die Wasseraufsprudler. In diese Kartuschen passt ja auch eine gute Menge Luft rein.

Wie wäre es für die Hausparty mal mit einer Druckgaspatrone „Berliner Luft“, Originalabfüllung aus der Hauptstadt, in den Regionalvariationen Kreuzberg, Marzahn oder Regierungsviertel. Oder „Mecklenburger Landluft“ in den Spezialrichtungen „Rapsfeld“, „Frisch gejaucht“ oder „Grillabend“. Und für die speziellen Genießer: „Hamburger Fischmarkt“, „Sportlerumkleide“ oder „Chillige Studenten-WG“, der irre Duft nach frischen Gras mit einer Nuance alter, übervoller Spüle und feuchten Pizzakartons.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wie auch beim Erhaltungswillen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Mittlerweile gibt es doch so viele Indizien, dass eine sinnvolle Überarbeitung denkbar und notwendig erscheint. Aber sicher wird das bis zur Wahl nichts mehr. Welche Wahl ich damit auch immer meine.

(entstanden mit freundlicher Anregung durch einen welt.de-Artikel)