Unterstellte Geschmacksverirrung

Gerade sah ich mal wieder Fernsehwerbung. Es kam auch Süßstoffcolawerbung.

Für wie geschmacksabgestumpft halten Werber bzw. Getränkehersteller eigentlich ihre Zielgruppe?

Die tun so, als ob man Coke und Coke Zero nicht am Geschmack unterscheiden könnte. Lächerlich!

Süßstoff schmeckt einfach nicht wie Zucker. Und ist Bäääh!

Vegetarisch kochen für Gäste

Keine Angst, ich falle nicht vom Glauben ab. Aber unter der o. g. Überschrift veröffentlichte unlängst ein Werbeblättchen* einen Expertentipp der Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Kathleen Peterka, in Personalunion auch noch Redakteurin für das Druckwerk. Folgenden Gedanken kann man sich ja mal auf der Zunge zergehen lassen:

… mit der vegetarischen Genießerküche. Längst hat sie sich vom „Essen von Beilagen“ emanzipiert. Aromatische Küche ist angesagt. Die Gerichte sind durch … Dämpfen und Dünsten fettarm und durch den Einsatz von vielen Gewürzen auch gut verträglich.

Diese herausragenden Eigenschaften gehen natürlich der normalen Küche ab. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an fade Rindergulasch, an fetttriefende Saltimbocca oder unverträgliche Hühnersuppen. Kochtechniken wie Dämpfen und Dünsten sind in der normalen Küche verboten. Wussten Sie das nicht? Auch die Verwendung von Kräutern und Gewürzen ist allein der vegetarischen Küche vorbehalten.

Aber es werden noch weitere Kochweisheiten unters Volk gebracht, die vorher auch noch kein Mensch kannte:

Ein Menü lebt von den Gegensätzen … Auf eine cremige Suppe kein „suppiges“ Gericht wie Ragout folgen lassen. Eher etwas „zum Beißen“ wie überbackenes Gemüse oder ein knackiges Wokgericht.

Ein deutschsprachiger Satz lebt von den Verben. Auf ein Subjekt folgt das Prädikat und das Objekt. Fängt man mit dem Objekt an, folgen Prädikat und Subjekt in der Reihenfolge. Nur bei Nebensätzen steht das gebeugte Verb am Ende, aber es ist in jedem Fall vorhanden. Wenn, dann verzichtet man mal auf das Objekt.

Böse Zungen behaupten, Vegetarismus, vor allem in seinen schärferen Formen,  wäre eine Essstörung. Sicher ist das Weglassen von Verben weniger gesellschaftlich relevant wie das Weglassen von Fleisch. Zu einem vollwertigen Deutsch gehören die Tu-Wörter aber dazu.

*) Tip der Woche (17.12.2012)

Holz taugt nicht nur zum Grillen

Da ist man bei den regionalen Holzmedien – wie wir Vertreter der elektronischen Medien die papiergebundene Presse gern nennen – auf eine richtig gute Idee gekommen. 8 Wochen lang will sich ein Vertreter der schreibenden Zunft nur von dem ernähren, was in der Region, genauer: im Kreis Mecklenburgische Seenplatte, alles produziert wird. Vom Ansatz her stelle ich mir die Aufgabe relativ leicht vor.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Agrarland, und die Landwirtschaft dient in erster Linie dazu, den Menschen zu ernähren. So sollte es zumindest sein. Die Versorgung mit Getreide (und daraus folgendem Backwerk), Milch, Käse, Fisch, Fleisch dürfte kein Problem darstellen, gibt es doch Erzeuger, Verarbeiter und Weiterverarbeiter zu hauf. Die Obst- und Gemüseversorgung, regional eher kleinteilig aufgestellt, ist da vermutlich eher ein Problem. Dabei ist der Erwerb als Endverbraucher einfacher als das Finden des jeweiligen Hofladens.

Natürlich heißt es doch auf einiges verzichten, dessen Grundlagen nicht im Landkreis liegen. Aber das ist vielleicht mal eine gute Idee, wenn mehr auf hiesiges umgestellt wird. Tee, Kaffee, Kakao u.a. wachsen nicht in der Seenplatte. Aber immerhin wird im Land auch ein Mineralwasser abgefüllt, so dass die Getränkegrundversorgung sichergestellt ist.

Was ich bei ganzen Sache nur nicht verstehe, ist die Teilnahme des ZLT – Zentrums für Lebensmitteltechnologie. Nun ist dessen Chef auch ein guter Koch (wenn man die Glutamatorgien mal ignoriert, Stichwort Soljanka mit Silvio Witt), und jemand in der Funktion wird sicher gebraucht, um die hiesigen Produkte sinnvoll und abwechslungsreich zu verarbeiten, aber ansonsten wird eher nur eine LebensmittelSUCHtechnologie benötigt.

Das Dreieck Erzeuger-Handel-Verbraucher ist herausgefordert, ich vermute die Hauptschwierigkeit im allgemeinen darin, dass eine der Verbindungen zwischen den dreien nicht mitspielt. Und ich hoffe, dass am Ende der 8 Wochen eine schöne Übersicht als Ergebnis erscheint, wo man sich in der Region mit regionalen Lebensmitteln versorgen kann.

Interview zum Start von herdnerd.de

DirkNB: Am 01. März startet der neue Blog herdnerd.de, muss das denn sein?
Herdnerd: Nein. Aber ich hatte Lust drauf, und die Idee fand ich nicht schlecht. Mal sehen, wie tragfähig sie ist.

DirkNB: Bei dem Namen, der Kombination von Herd und Nerd, befasst sich der Blog mit …?
Herdnerd: … unserer Nahrung und ihre Abarten aus der Sicht eines ambitionierten Amateurs, wobei das eine eher sehr wohlwollende Übersetzung des Begriffs „Nerd“ ist. „Fachidiot“ wäre auch eine Variante, trifft aber genausowenig ins Schwarze.

DirkNB: Es geht also ums Essen. Dafür gibt es unter anderem auch schon diesen Blog hier. Wird es da nicht viele Dopplungen geben?
Herdnerd: Es wird Beiträge geben, die vom Herdnerd für RundumGenuss geschrieben werden und umgekehrt. Aber beide haben auch ihre Spezialstrecken. Während der Herdnerd Themen durchaus auch mal kritischer anpackt, wird sich RundumGenuss nicht nur ums Essen, sondern auch um die schönen Seiten des Lebens drehen, wobei diese sehr weit definiert sind.

DirkNB: Worin unterscheidet sich herdnerd.de von anderen vergleichbaren Blogs?
Herdnerd: Es geht monothematisch ums Essen und Trinken, und es geht um die große Vielfalt und den Wahnsinn bei der Nahrungsaufnahme durch den Menschen. Dabei wird es auch viele kurze Beiträge geben, fast im Twitterstil, allerdings ohne die Beschränkungen des Microblogging. Dazu werden auch viele Essensbilder kommen, die aber eher dokumentarischen als fotografischen Wert haben.
Was das Themenspektrum betrifft, ist der allgemein gültige Tipp: Einfach mal reinschauen und überraschen lassen. Und sicherheitshalber gleich den Newsfeed abonnieren, damit man keine Überraschung verpasst. Diese kann übrigens beidseitig sein: beim Leser und beim Autor.

DirkNB: Aber Twitter ist auch mit dabei. Die Updates werden über @dirknb veröffentlicht. Ich danke für das Selbstgespräch Interview.

Damastmesser und Schmiederosen

Damastmesser sind, was Schneidwerkzeuge in der Küche angeht, die Rolls-Royce unter den Messern: bei entsprechender Pflege langlebig, super scharf und eine Freude für jeden Hobby- und Profikoch, der so etwas mal in der Hand führen durfte oder sein eigen nennt. Entsprechend ausgeprägt ist der Preis. Bei den echten Handarbeitsmessern liegt der gern schon mal im vierstelligen Bereich.

Der ferne Osten ist die Region, die mit der Herstellung solcher Messer verbunden wird. Das ist aber nur bedingt richtig. Östlich Neubrandenburgs, gar nicht so weit weg, versucht sich ein Schmied auch an der Herstellung dieser Messer und bietet sie teilweise zu einem Bruchteil des Preises der fernöstlichen Originale an. Nicht, weil die Qualität nicht stimmt, sondern, weil es in der Region vermutlich nicht den Markt dafür gibt, zumindest nicht in der Breite.

Wer bei ihm – übrigens ein alter Schulfreund von mir, deswegen komme ich auf das Thema – ein Messer erwerben möchte, kann sich (bei einer entsprechenden Wartezeit) sogar die Art des Damastes aussuchen. Als er mir das erzählte, fielen einige Begriffe wie Rosendamast, Torsionsdamast, wilder Damast und andere (hoffentlich habe ich sie richtig aufgeschnappt). Ich will mal so sagen: Auf Wunsch ist einiges möglich.

Zur Zeit werden die Messer, und das ist das einzige kleine Manko, nur mit einer gewissen Grundschärfe verkauft. Trotz einiger Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, eine Messerschleiferei zu finden, die in der Lage ist, diese Messer nach allen Regeln der Kunst zu schleifen.

Wer also ein derartiges handgeschmiedetes Messer erwerben möchte bzw. eine Schleiferei kennt, die dem Material seine Spitzenschärfe verleihen kann, der kann sich gern an mich wenden; ich stelle dann den Kontakt her. Er schmiedet übrigens auch allerlei anderes, durchaus auch kunstvoll. Wenn ich mal bei ihm bin, werde ich hoffentlich den Fotoapparat nicht vergessen haben und einige Bilder machen.

Dies ist eine Vorabveröffentlichung des Herdnerdes. Mehr ab 1. März unter herdnerd.de

Alles Wurst

Manchmal liebe ich ja die Presse, vor allem, wenn sie schöne, sachlich fundierte und möglichst investigative Artikel enthält. Ein Schuss Aufklärung bzw. Bildung kann ja auch nicht schaden, vor allem, wenn das auch noch unabhängig irgendwelcher Geldgeber passiert.

So fand sich in Welt und Berliner Morgenpost unter dem Label „Ernährung“ ein Artikel mit der Überschrift: „So wollen Forscher die Fettbombe Wurst entschärfen“. Der Anrisstext sagt, worum es geht: „Magere Zeiten für die deutsche Wurst: Lebensmitteltechniker wollen Mortadella, Wiener und Salami vom Fett befreit. Ob das die Käufer schlanker macht?“

Dazu zwei Gedanken: Mittlerweile hat die Forschung gezeigt, dass das Fett in der Ernährung nicht wesentlich an der Fettlebigkeit der Bevölkerung schuld ist. Vieles deutet eher auf die Bewegungsarmut und die Kohlenhydrate hin. Außerdem ist Fett ein wichtiger Geschmacksträger, dessen Entzug also aromatisch ausgeglichen werden muss. Da möchte ich mir nicht vorstellen, was stattdessen in die Wurst reingerührt wird.

Zum anderen haben die Deutschen natürlich eine große Wursttradition und -vielfalt. Gleich nach der Brotvielfalt ist das abwechslungsreiche Wurstsortiment ein Markenzeichen Deutschlands, nirgendwo sonst weltweit kann man aus mehr Sorten wählen. Aber hier zeigte der Autor mit traumwandlerischer Sicherheit, dass man sich wunderbar vergreifen kann: Mortadella und Salami sind nun keine Wurstsorten, die für die deutsche Esskultur stehen, werden sie doch eher in Italien verortet. Und selbst bei der „Wiener“ (auch als „Franfurter“ bekannt) streiten sich die jeweiligen Lokalpatrioten noch, ob sie wirklich aus Frankfurt/Main oder doch aus Wien kommen.

Rotwein, Fisch und ein unkonzentrierter Moderator

Manchmal hat man es als Moderator einer Radiosendung nicht leicht, und genau das fällt dann auch den Hörern auf. In der letzten Sendung schwamm ich etwas durch das Thema „Ist Rotwein mit Fisch kombinierbar“. Das ist auch Arne aufgefallen, er schrieb:

Sehr geehrte Moderator!

Sie arbeiten im Radio und ich finde die ganzem Ähms und Äs können sie sich sparen auch wenn sie damit die zeit sinnlos füllen. das rotwein und fisch nicht zusammen passen, hätte man auch mit zwei sätzen begründen können!

MFG,

Vermutlich hätte man das, es wäre sicher besser gewesen. Aber ganz so einfach ist es nunmal nicht. Die Ähms und Äs bitte ich nachträglich zu entschuldigen, ich war wohl in der Vorbereitung etwas abgelenkt. Oder ich habe mich zu stark an einem bekannten und erfolgreichen Fernseh-Moderator orientiert, dessen Ähms und Äs wohl zu seinem Markenzeichen gehör(t)en. Und erfolgreich ist Raabs Stefan doch.

Rotwein und Fisch können übrigens sehr wohl zueinander passen. Wie schrieb die Webseite Gourmet Report über das Thema so schön:

„Die Daumenregel, dass Rotwein zu rotem Fleisch und Weißwein zu hellem Fleisch sowie Fisch getrunken wird, war lange Zeit ein Dogma, das jedoch längst durchbrochen wurde“, meint der Weinexperte Michael Pronay vom A-La-Carte-Magazin. „Heutzutage wird alles getrunken, wie es einem persönlich beliebt.“ In Frankreich und in den mediterranen Ländern gebe es einige Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichte, die in dunkler Rotweinsauce zubereitet werden und zu denen üblicherweise auch Rotwein getrunken wird.

Was lernen wir daraus?

  • Ab der nächsten Sendung wird sich wieder besser vorbereitet.
  • Während der Sendung wird konzentriert gearbeitet und nicht so viel abgelenkt.
  • Rotwein passt doch zu Fisch, vor allem, wenn er damit zubereitet wird.
  • Hurra, ich habe einen Hörer mehr, Arne kannte ich noch nicht. 😉

Für Geld machen manche Leute alles

Gemütlich auf dem Sofa liegen und anderen beim Arbeiten zusehen, das ist genau das richtige für den Sonntagabend. Im konkreten Fall arbeitete u.a. Fernsehkoch Martin Baudrexel in der Vox-Sendung „Die Küchenchefs“ in einer Gaststätte in Duisburg. Nachdem die Promiköche einige Gerichte probierten – natürlich fielen alle durch – kam es zur Definition der Aufgabe. Besonderer Schwerpunkt lag im Entsorgen der Convenience-Produkte und geschmacksverstärkenden und -gleichschaltenden Zutaten. Fertigsoßen, Tütensuppen und dergleichen landeten um Müll (wo sie ja auch hingehören).

Dann kam die Werbung … und Martin Baudrexel machte Werbung für eins der sinnlosesten Convenience-Produkte, die es gibt. So hat sich der Ruf des Kochs und das Anschauen der Sendung für die Zukunft erledigt.

Neubrandenburger Spezialitäten

Jede Region hat ja so ihre kulinarischen Spezialitäten: Weißwurscht und Leberkäs in Bayern, Handkäs mit Musik in Hessen, Bouletten in Berlin, Tee bei den Ostfriesen, Labskaus im Hamburger Raum …

In Neubrandenburg scheint es auch eine solche Sache, recht ungewöhnlich, zu geben. So gefunden in einer Anzeige des AK vom vergangenen Mittwoch, bezogen auf eine Oktoberfestfeierlichkeit eines Oststädter Supermarktes:

 

Was ist die Spezialität?

Was ist die Spezialität?

Na, gefunden? Ich meine den Glühwein vom Grill.