Der schlimme, schlimme (T)Euro

Wer kennt sie nicht, die Wehklagen über die Verteuerung seit der Einführung des €uro? Alles ist teurer geworden, und die Einführung des €uros ist natürlich schuld. Wir wollen die D-Mark wieder haben, die war so schön stabil. Beim Durchzappen blieb ich neulich kurz beim MDR hängen, da wurde auch mal wieder auf den Klischees geritten. Preiserhöhungen seit der €uro-Einführung von 23 bis 287% wurden festgestellt. Der letztere Wert kommt übrigens vom neuen Personalausweis, der so teuer ist im Vergleich zum alten.

Die meisten Preiserhöhungen lagen im breiten Bereich rund um 30%. Aber liegt das wirklich am €uro und dessen Einführung? Klare Antwort eigentlich aller, die ein wenig Rechnen können: Nein! Mitnichten. Schauen wir erstmal in die Statistik und auf die Inflationsrate:

Wenn man sich jetzt mal eine durchschnittliche Inflation in den letzten D-Mark-Jahren versucht abzulesen, kommt man gut auf 2,5%/Jahr. Damit rechnen wir mal hoch.

2001: 100,00 DM
2002: 102,50 DM
2003: 105,06 DM
2004: 107,69 DM
2005: 110,38 DM
2006: 113,14 DM
2007: 115,97 DM
2008: 118,87 DM
2009: 121,84 DM
2010: 124,89 DM
2011: 128,01 DM

Heißt: Ein Warenkorb, der 2001 100 DM gekostet hätte, würde heute 128 DM kosten, also eine Verteuerung auf Basis einer „normalen“ Inflation von 28% in 11 Jahren. Ein Vergleich mit Preisen von vor 11 Jahren ohne Berücksichtigung dieser Korrektur ist als Beleg für einen €uro-Einfluss auf die Preisbildung unstatthaft.

Ein interessanter Gedanke ist in dem MDR-Umschau-Beitrag aber dann doch enthalten: Die Reallohnentwicklung in Deutschland in den letzten Jahren. Daran ist zwar ebenfalls nicht der €uro und seine Einführung ursächlich Schuld, eine Schweinerei ist es aber trotzdem.

Ein Gedanke zu „Der schlimme, schlimme (T)Euro“

  1. 30% sind schon eine ganze Menge! Manche Waren haben ihren Preis mittlerweile verdoppelt und Andere wurden billiger. Die Lohnentwicklung in Deutschland ist allerdings nicht in diesem Maß gestiegen und die Renten wurden gekürzt! Die Krankenkassenbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge stiegen deutlich. Wobei die bevorstehende Reform der Pflegeversicherung die Beiträge noch steigen lassen wird. Bei Einführung des Euros wurden Kunden ganz schön abgezockt, vor allem im Gastronomiebereich. Das allerdings hat der Kunde nicht hingenommen und die Gastronomie mußte die Preise zurücknehmen.

    Ich rechne manchmal noch heute in DM um und erschrecke dann über den Preis. Tatsächlich habe ich schon für einen Liter Benzin über 3 DM bezahlt. Das sind auf jeden Fall mehr als eine 30%ige Erhöhung. Auch Energiekosten und Wohnungsnebenkosten haben sich wohl mehr als 30% erhöht.

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