Journalismus und die Aussage an sich

Zugegeben, meine Überschriften in den Blogs haben auf den ersten Blick mnachmal wenig mit dem zu tun, was dann drunter steht, aber meist habe ich mir noch etwas dabei gedacht. Irgendwo im Artikel findet sich dann doch noch die Verbindung. Aber manchmal – bei anderen – wird es doch schwierig.

Bei den Krautreportern steht (zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels noch nicht komplett, aber im RSS-Feed war er vollständig) ein Interview, dessen Überschrift eine dialektische Herausforderung darstellt und nicht durch den unterstellten Aussagemacher untersetzt ist.

„Wir müssen aufpassen, dass wir unser Gehirn kontrollieren und es nicht uns kontrolliert.“

Wer sind „wir“? Sind wir nicht das, was unser Gehirn aus uns macht? Oder besser: Sind wir nicht unser Gehirn? Oder ist mein Gehirn nicht ich?

Der Gedanke wird übrigens Albert Wenger unterstellt, seineszeichens deutscher Twitter-Investor und soooo dicht dran an der technologischen Entwicklung. Ich habe sein Interview intensiv überflogen, fand den Gedanken allerdings nicht.

Was der Aussage insofern nahe kam (Apfel-Birnen-Vergleichssyndrom), war folgender Satz:

Bei der psychologischen Freiheit stellen wir uns eine andere Frage: Wie viel Kontrolle haben wir über unser eigenes Gehirn?

Eine völlig andere Aussage, die sich nicht nur aus der veränderten grammatikalischen Form ergibt. Ob man etwas als Aussage oder als Frage formuliert, sollte die Botschaft dahinter nicht verändern. Aber die Frage hat eine andere Botschaft als die Aussage aus der Überschrift. Letztendlich ein Vergleich zwischen Paranoia und Manipulation, wenn man es „etwas“ überspitzt formulieren will.

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