Einige Zeit ist es hier im Blog recht ruhig geworden. Andere „Projekte“ fraßen die zur Verfügung stehende Zeit und die kleinen persönlichen Spitzfindigkiten, für die hier eigentlich die Bühne gebaut war, verblubberten kleinteilig über den gleichnamigen Twitterkanal. Nun liegen aber die anderen Altivitäten auf Eis (okay, Twitter geht schon wieder).

Und das kam so: Vor Jahren bereits stellte sich bei mir eine gewisse Symptomatik ein, der meine Hausärztin und ich das Label „Beobachtung“ aufklebten. Einmal war ich damit auch in einer chirugischen Sprechstunde, aber – sagen wir mal so – die Humorlevels von dem Professor und mir unterschieden sich stark und so baute sich kein Vertrauensverhältnis auf, was durch ein paar familiäre Schicksalsschläge – verbunden mit dem gleichen Haus – nicht besser wurde. So kam die ganz Angelegenheit eher auf die Verdrängen- oder Ignorieren-Liste. Zugegeben: ein etwas irrationales Verhalten, aber kein Mensch ist nur rational. Und wenn man unangenehmen Sachen erstmal erfolgreich aus dem Weg gehen kann, nutzt man das. Im Nachhinein keine gute Strategie.

Aus den Augen, aus dem Sinn …? Naja, nicht wirklich. Aus den Augen schon. Auf direktem Weg konnte (und wollte) ich sowieso nicht viel sehen. Und da ich ein kleines Problem mit Spiegeln und anderen bildgebenden Verfahren, solange sie sich auf mich richten, habe, sah ich auch mit Hilfsmitteln nichts. Aber ein paar Entwicklungen spürte ich schon. Aber die ließen sich irgendwie händeln und wirkliche Beschwerden gab es keine. Denn – da bin ich dann doch Mimimi und Schisser – wenn etwas Schmerzen verursachen würde, geht’s doch zum Fachmann.

Das habe ich vor vielen Jahren mit dem Thema „Zahnarzt“ durch. Dank einiger „Jugendsünden“ im Gebissbereich und irgendwann entfernungssüchtigen Weisheitszähnen trieb mich irgendwann doch der Schmerz zum Dentisten. Mehrfach. Wenn dann wieder alles in Ordnung war, lotterte aber schnell die Prophylaxe. Bis zum nächsten Schmerz. Aber das habe ich alles mittlerweile überwunden und bin (fast) vorbildlicher halbjährlicher Besucher meines Zahnarztes. Jahrelang „Rein-Rauf-Runter-Raus“ und zwischendurch Zahnsteinentfernung. Bis dann neulich ein krosses Brötchen und eine Jugendsünde zusammentrafen, aber das ist eine andere Geschichte.

Ein bis zu dem Zeitpunkt noch schöner Donnerstagabend fand mich letzte Woche zum Abendbrot auf dem Sofa wieder, vor mir drei, auf dem Heimweg von einem ereignisreichen Tag erworbene leckere Brötchen, etwas Kochschinkenaufschnitt, Butter und ein Päckchen Harzer Käses. All dies war schnell auf sechs Brötchenhälften verteilt und wurde genüsslich (erst auf etwas niedrigerem Niveau der Aufschnitt, danach mit mehr Genuss der Käse) vertilgt. Dies geschah vermutlich auch etwas unkonzentriert, voll auf dem Fokus des schnellen Geschmacksvergnügens und unter Ignoranz der körperlichen Signale, dass der eigentlich nach der 4. Brötchenhälfte eigentlich genug hatte … Das nachfolgende Völlegefühl, leider nicht wirklich unbekannt, wurde durch einen ruhigen Abend versucht zu mildern. Der nächste Gang auf’s Klo würde es schon richten. Tat er aber nicht.

Es wurde eine unruhige, quasi schlaflose Nacht, deren inhaltlicher Höhepunkt eine gemailte Krankmeldung an den Arbeitgeber war. Ein Tag Ruhe würde es schon richten; aber erstmal wurde es eher schlimmer als besser. Ohne tiefer in Details abtauchen zu wollen, erfolgten die Absage einer geburtstagsinduzierten Mittagseinladung für Sonnabend, inkl. der Umorganisition der in dem Zusammenhang von mir geplanten Fahrdienstleistungen für andere Verwandte, und des Sonntagmittagsessens mit Vattern. Zwischendurch besserte sich der Zustand ein wenig, so dass ich optimistisch an einen guten Wochenstart spätestens am Dienstag glaubte.

Die Nacht zum Sonntag und das Befinden danach ließen mich dann doch beim Notdienst anrufen und danach zum diensthabenen Hausarzt – etwas im dörflichen Umfeld gelegen – fahren. Die Atmosphäre im dortigen Untersuchungszimmer hätte jeden Eisberg vor Kälte erschauern lassen. Aber ich war recht schnell wieder draußen, in der Hand zwei Zettel und die dringende Empfehlung im Ohr: Fahren Sie ins Krankenhaus! Aber erstmal nach Hause, zwei drei Sachen eingepackt, kurz ausgeruht, … Allein dieser Vorgang dauerte mehrere Stunden, ich war so fertig. Schließlich raffte ich mich noch einmal auf, packte alles zusammen und rief ein Taxi. Während ich am später Vormittag beim Bereitschaftsarzt war, zog ich am frühen Sonntagabend ins Krankenhaus ein. Dort wurde ich gleich in der Anmeldung auf einen Transportrollstuhl platziert und nach Erledigung der Formalitäten ging’s ab in die Notaufnahme.

Das erste Mal im Krankenhaus #deMiKH

Natürlich bin ich nicht das erste Mal in einem Krankenhaus. Besuche von Verwandten und Freunden gehörten zu meinem bisherigen Leben genau so wie selbst zwei Übernachtungen zu Untersuchungszwecken. Aber jetzt auch mal selbst Anlass für (coronabedingt nicht stattfindende) Verwandten- und Freundesbesuche zu sein, ist für mich eine neue Situation. Da gehört das Erleben der Abläufe einer solchen Einrichtung mit den eigenen Sinnen genauso dazu wie das Aufschnappen der vielzähligen kleinen täglichen Geschichten und selbstverständlich auch die Entwicklung des eigenen Zustandes.

Im Rahmen der mir gebliebenen Möglichkeiten nahm ich die dortige Atmosphäre durchaus mit Begeisterung auf. Menschen, die täglich mit Krankheit, Leid, bis hin zum Tod zu tun haben, haben einen eigenen Humor und auch eine eigene Art, mit sich, ihresgleichen und anderen umzugehen. Nicht viel Platz für Mimimi und Jammern, hier wird jetzt geholfen, alles andere ergibt sich. Ich fand’s toll. In einer kurzen Ruhephase zwischen Ereignissen erlebte ich so bspw. eine kleine Diskussion über Pizzabeläge, aber nicht theoretisch. Nicht ganz sicher, ob es noch die Phase der Bestellung oder schon der Lieferung war, flogen die Gedanken auch zu den vielen kalt gewordenen Speisen in dem Bereich, die die Unstetigkeit im Tagwerk einer Notaufnahme so mit sich bringt. Oder ist das doch nur ein Klischee?

Währenddessen ging die Untersuchung weiter. Fragen wurden gestellt und beantwortet, Beschwerden gemildert, Ursachen versucht zu ergründen. Ein zwei böse Blicke habe ich auch abbekommen. Zu recht. Deswegen hier nochmal zu Protokoll: Ich bin mir einer Mitschuld durchaus bewusst. Man hätte vor Jahren schon eingreifen können, dann wäre nix passiert. Aber jetzt ist es wie es ist, und damit müssen wir arbeiten. Und damit ab auf Station und gute Nacht. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich die Chance erhielt, meiner sonstigen Sonntagabendgesellschaft abzusagen, aber irgendwann war auch das erledigt. Immerhin ist das erst der zweite oder dritte Ausfall überhaupt seit fast 24 Jahren und auch der heutige Sonntag verlief ohne Sendung.

Die Nacht zum Montag blieb ich zwar relativ beschwerdefrei, aber das muss in der Situation nichts heißen. Die erste Nacht in einem fremden Bett ist für mich sowieso immer recht wach, die Situation kam dazu, die fehlende Möglichkeit, gewohnte Einschlafpositionen einzunehmen und und und. Der sommerliche Morgen brachte frühes Licht und ein wenig Bewegung ins Zimmer. Das Montagsgeschäft eines Krankenhauses beginnt früh. Das Nachbarbett füllte sich mit einer geplanten OP und bei mir begannen die Untersuchungen, während sich literweise Tropfe und große Spritzen fein dosiert in mich entleerten. Recht junge Ärzte versuchten, Ursachen zu erkunden und daraufhin Behandlungen zu erstellen.

Grundsätzliches

Man kann zu Krankenhäusern eine Meinung haben, zur Arbeit der dortigen Angestellten auch, man kann auch zur „Schulmedizin“ und ihren Alternativen eine Meinung haben. Aber wenn man mit regelmäßig wiederkehrenden Schmerzen dort in einem Bett liegt, ergebe man sich positiv gestimmt in die Hände der Fachleute. Die machen das schon, und mit ein wenig Unterstützung durch den Patienten klappt das auch alles.

Das ist – zugegeben – vielleicht etwas blauäugig, aber es hilft. Und solange man sich der Blauäugigkeit bewusst ist, bleibt ein kleiner Wachhund ganz weit hinten wach und passt auf.

Wenn so ein Patient mit zwei medizinischen Spielplätzen gleichzeitig rumliegt, ist vermutlich die Diagnose nicht so einfach. Zum einen gab es ein gut sichtbares Krankheitsbild, an dem gearbeitet werden muss, dass aber „nur“ Nebenschauplatz war, weil es primär nicht direkt für die Beschwerden verantwortlich ist. Zum anderen müssen die Beschwerden ja auch irgendwo herkommen und das muss behandelt werden. Labordiagnostik (ich weiß nicht, wie viele Röhrchen Blut mir in diesen Tagen abgezogen wurden), sonstige Messwerte, sonstige Beobachtungen, Fragen, Antworten – alles verband sich zu einem Bild. Und immer auch die Abwägung. Man kann natürlich das komplette Portfolio verfügbarer Diagnostik heranrollen, aber es gibt auch immer wieder Verfahren, die im schlimmsten Fall mehr schaden als nutzen können. Interessant, sowas mal zu beobachten, blöd nur, wenn man selbst das Untersuchungsobjekt ist, und eine baldige Behandlung des doch recht unschönen Zustandes erhofft. So ging es in die zweite Nacht: symptomgedämpft, sonstige Werte überwacht und im wesentlichen im Normalbereich.

Man träumt in Krankenhausbetten schon komisches Zeug zusammen. Nicht unbedingt Albträume. Aber ich bin schon nicht der große Freund von Mystery-Serien im Fernsehen, da will ich sowas im Kopfkino auch nicht haben. Ob sowas nur an der permanenten Rückenlage oder auch an dem lag, was so alles in mich hineintropfte und -drückte … wer will es beschreiben? Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass das eine oder andere preisgekrönte Serienformat seinen kreativen Ursprung in vergleichbaren Situationen genommen haben könnte.

Hühnerfrikassee

Diese Speise gilt – warum auch immer – als Krankenhausessen schlechthin. Die erste richtige Mahlzeit, die ich während dieser Aktion im Krankenhaus einnahm, war ein Hühnerfrikassee. Es sollte sich im weiteren Verlauf zwar eher als diagnostisches Mittel denn als Nahrung erweisen. Aber, und das möchte ich unbedingt an dieser Stelle mal erwähnen, es war lecker. Lecker war auch das eine oder andere, was mir aufgetischt wurde, aber das werden ich dann vermutlich irgendwann in Kürze an geeigneterer Stelle auswerten.

Der Dienstagmorgen brachte einiges, unter anderem eine Chefarztvisite. Das sieht im Fernsehen auch meist etwas anders aus; aber es gibt durchaus Parallelen. Nebenschauplatz und Hauptbaustelle wurden sortiert, vermutlich hatte er eine Ursachenvermutung, und so wurde direkt ein großes diagnostisches Geschütz, dem selbst ich passende Erkenntnisgewinne zutraute, angewiesen. Beim Weg zum CT stellte es sich mal wieder heraus, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat, Krankenhausbetten mit Rädern zu versehen. Aber nicht nur das! Räder allein bringen es auch nicht. Die brauchen ja auch einen geeigneten Untergrund, und, wenn das Krankenhaus nicht ganz flach ist, auch Fahrstühle. Da Technik sich ständig weiter entwickelt, gibt’s zwischendurch auch mal kleine Übergangsprobleme, bevor dann alles wieder richtig schick wird. Wenn man bei solch einem Prozess helfen kann, freut man sich, und gerade für Belastungstest bin ich doch prädistiniert! Sowas wurde es zwar so direkt nicht und geplant war es auch nicht. Aber auf dem Weg zum CT blieben mein Bettchauffeur und ich mit den Rädern vom Bett im Spalt zwischen Fahrstuhlboden und Außenfußboden stecken. Ein Effekt – wie ich dann mitbekam – der bei „alten“ Betten häufiger vorkommt, nachdem der Fahrstuhl umgebaut/erneuert(?) wurde, bei „neuen“ Betten bisher eigentlich nicht, aber dies wäre ja nun ein neues Bett usw. usf. Mithilfe anderer Anwesender sollte mein Bett zwar befreit werden, aber ich willigte dann auch der Idee ein, schnell einen Techniker vorbeikommen zu lassen, der sich die Misere am konkreten Fall ansehen konnte. Gerade beschwerdefrei kann man ja gern helfen. Der Techniker kam, es wurde fotografiert, dann gab es ein Hauruck und … die untere Griffstange des Bettes löste sich vom großen Rest, der weiterhin fest steckte. Das wurde schnell gerichtet und der zweite Versuch brachte die Fortsetzung des Weges, eine Untersuchung durch’s CT und einen verschlungenen Rückweg. Der neue Bettchauffeur kannte die Ereignisse des Hinweges und mied die auslösenden Fahrstühle. Ein anderer, ausgewählter, war dann irgendwie blockiert und dann ging’s auf Schleichwegen zurück zur Station. Gut, dass es Fachleute gibt, die sich auskennen, egal, ob medizinisch oder – wie in dem Fall – logistisch.

Die Diagnostik brachte die Diagnose, die Diagnose die Behandlung, die Behandlung die OP und die OP natürlich die OP-Vorbereitung. Papiere, die unterschrieben werden wollten, Aufklärungen, die zumindest mit aufnehmendem Gesichtsausdruck angehört werden sollten, Sonden, die in den Körper wollten, und „Stoffe“, die ihn vorher zu verlassen hatten. Und es ist erstaunlich, was aus so einem Körper noch alles rauskommt. Wir befinden uns zeitlich gerade am Dienstagnachmittag, am davorliegenden Donnerstagabend hatte ich das letzte Mal etwas gegessen, was zumindest teilweise als Nahrung diente. Dazwischen nur Wasser und Tropfe. Und es ist nicht nur die Menge, auch der Zustand ist zweifelhaft. Aber dann war ich fertig für die OP und es begann das Warten. Eingeplant für den Abend war ich noch, nur wann, das ergab der Verlauf der vorhergehenden Operationen. zwischendurch erreichte mich immerhin noch die Information, dass ich nicht die letzte OP am Abend bin, was ich für meinen Nachfolger auch ein wenig bedauerte, wusste ich doch schon von ein paar zeitlichen Unwägbarkeiten meiner OP. Es würde ein langer Abend werden. Gegen halb 9 – wenn ich mich richtig erinnere – wurde es unruhig vor meiner Zimmertür.

Es geht los, die OP naht. Das Bett setzte sich in Bewegung und ich kam das erste Mal in den wohl sterilsten Bereich des Hauses. Mikrobiologisch kann ich es nicht einschätzen, unterstelle es aber mal. Innenarchitektonisch und designerisch stimmt es aber auch. Wenn Funktion vor Aussehen geht. Mich umfing konzentrierte Betriebsamkeit. Ich wurde auf den OP-Tisch(?) umgebettet und mit vorgewärmten Decken bedeckt. So kommt sich also der Schinken beim Strammen Max vor, wenn das Spiegelei ihn kröhnt… Im OP-Saal selbst wurde ich weiter vorbereitet, neue Eingänge geschaffen, ein paar sowohl beruhigende als auch aufklärende Worte gewechselt. Dann stieg langsam die Personenzahl und an das letzte, woran ich mich wirklich erinnere, war das Entfernen einer vermutlich überflüssig gewordener und/oder störenden Sonde, beruhigende Worte einer weiblichen Stimme und … dann hörte irgendwas piepsen und klingeln.

Ob es so gut ist, wenn man eine Kirche sieht, wenn man nach einer OP aufwacht? Zugegeben: direkt beim ersten Aufwachen sah ich sie nicht. Aber neben meinem Bett war ein Fenster, und als ich – Stunden später – etwas länger herausblickte, identifizierte ich ein sichtbares Gebäude als Gotteshaus. Das Piepsen und Klingeln setzte sich fort und kam auch schon bei der ersten Wahrnehmung aus einer Zeit nach der OP. Wie soll man nur in aller Ruhe richtig wach werden, wenn es um einen herum zart blubbert, piepst, pumpt, glockt, klickt, klackt, und das aus unterschiedlichen Entfernungen, man aber selbst nicht wirklich räumliche Vorstellungen zur Einordnung hat? Nunja, kommt Zeit, kommt Erkenntnis. Im Nachhinein hätte mich vielleicht die Frage bedrängen können, wohin mich die OP-Verlaufs-Lotterie eigentlich gebracht hat, Optionen hat es einige gegeben: Intensiv-Station, Aufwach-Station, …? Die Extremfälle waren es jedenfalls nicht, dafür war es entweder zu dunkel oder zu kalt.

Mit der Zeit erkundet man seine Freiheitsgrade, lernt bei den Geräuschen die Zuordnung, was sich auf einen selber bezieht, was aus der direkten Nachbarschaft oder von weiter weg kommt. Der nahende Sonnenaufgang hilft bei der optischen und zeitlichen Orientierung, letzteres über den Umweg, dass es hier eine Wanduhr gab, die zunehmend erkennbar beleuchtet wurde. Mit der Zeit wurde auch die Rückenlage bequemer, wer weiß, wie man da aufs Bett gelegt wurde? Und – auch wichtig: die Bewegung erzeugte keine Schmerzen. Mit dem zunehmenden Bewusstsein kam auch die Erkenntnis, dass man sich eigentlich nicht wirklich schlecht fühlt. Schmerzfrei, beschwerdefrei, sicher nicht quicklebendig und irgendwie auch „gebunden“: es gehen doch einige Kabel und Schläuche von einem weg bzw. kommen an. Flexüle sei Dank mag es auch einige Stoffe in der Blutbahn gegeben haben, die ein wenig beim Wohlbefinden mithalfen, bei der Schmerzfreiheit auf jeden Fall. Der Blasenkatheter brannte irgendwann auch nicht mehr, der kam wohl irgendwann während der OP mit zum zeitweiligen Inventar. So ein Ding ist irgendwie praktisch, aber vermutlich nichts für Kontrollfreaks. Wann da was passiert, ist der eigenen Kontrolle entzogen. Dafür kommt der quantitative Aspekt hinzu, den man besser kontrollieren kann, wenn man dann möchte. Meine wichtige Erkenntnis in dem Zusammenhang ist, dass Kräutertee – mein Hauptgetränk mit Geschmack der katheterbegleiteten Tage – beim Verlassen des Körpers sein Aussehen kaum verändert hat.

Ob ich die Sache mit dem Blasenkatheter überhaupt aufschreibe, da war ich nicht so ganz sicher. Aber dann erinnerte ich mich an die Visite am Dienstagmorgen. Wer schon mal mit unbekleideter unterer Körperhälfte im Fokus von 5 oder 7 Männern und Frauen stand, dem kann einiges andere jetzt auch egal sein.

So langsam schälte sich die Erkenntnis heraus, dass a) ich nicht allein im Zimmer lag und b) doch auch einiges an Technik anwesend war. Spätestens nach dem ersten Verlassen des Bettes blieb die sehr sichere Ahnung, dass so eine Intensivstation nicht aussieht. Es war schon eine Station mit intensiverer Überwachung und Pflege, aber ich folgerte mal, dass bei der OP doch auch einiges gut gegangen ist. Das bestätigte sich auch in den nächsten Stunden, die begleitet waren von zunehmenden Bewegungsmöglichkeiten, mit dem Beutelchen in der Hand rumstapfen, sich von sehr netten Menschen den Hintern abwischen lassen und anderen Ereignissen. Immerhin habe ich auch in der Situation die Fähigkeit nicht verloren, andere Menschen zu verblüffen. Es kommt wohl nicht oft vor, dass jemand so kurz nach solcher OP auf’s Klo will. Aber ich stellte für mich fest, dass einzig der Übergang vom waagerechten zum senkrechten Zustand und umgekehrt immer etwas unangenehm war; war der geschafft, ging’s.

Und dann kam der Schleim. In dem Fall in Form von Haferschleim als Nahrung. Für mich auch eine kulinarische Premiere. Den begleitetenden Naturjoghurt naturell kannte ich wenigstens schon, er war das leckerere von den beiden. Wobei: Haferschleim ist jetzt natürlich kein geschmacklicher Höhepunkt, aber es gibt ihn durchaus mit Geschmacksunterschieden. Auf Basis meiner drei Verkostungen würde ich mal unterstellen, dass die Höhe der Temperatur positiv auf den Geschmack wirkt, je heißer desto besser. Es war dann die vierte Mahlzeit nach der OP, die sowas wie Konsistenz erahnen ließ. Ein undefnierbares, aber sehr leckeres Süppchen machte den Anfang, Brot, Brötchen, Aufschnitt, Joghurt mit Geschmack kamen im Verlauf der Tage dazu, mittlerweile gab es auch sehr leckeren Brühreis (auf Basis einer Rinder- und keiner Geflügelbrühe, mit Gemüse). Den Sonntagmittag präsentierte dann das, was man prinzipiell eine „richtige“ Mahlzeit nennen könnte, dargeboten in seiner kantinösen Dreieinigkeit von Fleisch (mit Soße), Gemüse und Kartoffeln. Das Stück Putenbrust war gut und nicht trocken zubereitet, die Buttermöhren weich, aber nicht zerkocht und die Kartoffeln eben Kartoffeln. Es geht aufwärts.

Mittlerweile habe ich technisch etwas aufgerüstet, dieser Text ist schon mt einer Art Tastatur-Tablet-Kombination entstanden. Das wird vermutlich dazu führen, dass ich mich die nächsten Tage öfter hier mal melde. Die kulinarischen Aspekte wollen ja auch noch ausgewertet werden. Das dann im passenden Blog. Direkt auf dem Tablet oder dem Smartphone längere Texte eingeben macht ja auch keinen Spaß. Aber mit der USB-Tastatur … Man muss nur immer gut auf die Akkustände achten, damit alles gut zusammen funktioniert. Vielleicht kommen auch irgendwann noch Bilder dazu, aber mein erstes Datenvolumen habe ich schon beinahe aufgebraucht, der Monatswechsel ist noch etwas hin und ich weiß noch nicht, wie lange ich wohl noch hier bin. Das klärt sich aber die nächsten Tage.

Ein Gedanke zu „Status Sonntag, 19.07.2020

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