Wahlwerbung 2026 – emotional

Es ist doch schön, wenn man noch mal so richtig emotional werden kann. Beim Thema Wahlwerbung ist es meist keine positive Emotion, was in der Natur der Sache liegt. Ich erlebe mich erschreckend schnell auf 180 – aber wie kann man auch einen solchen Blödsinn auf ein Wahlplakat schreiben. Bei den Namen, die auch drauf stehen, wundert es mich allerdings auch wieder nicht. Schrecklich.

Aber beginnen wir mit einer Offenlegung: Meine Wahlentscheidung steht, meinetwegen könnten wir uns den ganzen Wahlkampf sparen. Zugegeben: Unumstößlich ist meine Entscheidung nicht, deswegen meide ich aktuelle politische Informationen und Wahlkampfauftritte, die Gefahr, dass ich von meiner Entscheidung weg getrieben werde, ist latent vorhanden. Die Auswahl traf ich eher aus grundsätzlichen Erwägungen und nicht auf Basis irgendwelcher Aktualitäten, weswegen ich mich davon auch fern halte.

Da gibt es also eine Gruppe von Menschen, die offenbar die Steuern abschaffen will. Zumindest habe ich ihren Spruch genau so verstanden. Wenn man nicht weiter drüber nachdenkt und dabei seinen Gehaltszettel oder die Steuerbescheinigung in der Hand hält, vielleicht eine berechtigte Forderung. Setzt man aber doch mal ein bisschen Hirn ein, merkt man schnell, wie schwachsinnig diese Forderung ist.

Steuern abschaffen heißt eben auch, alles, was aus Steuern bezahlt wird, abschaffen oder anderweitig direkt vom Bürger finanzieren. Die nachfolgende Liste ist definitiv unvollständig:

  • Rentenzahlungen stammen z.T. aus Steuermittel, also gibt’s mehr Altersarmut
  • Straßen privat finanzieren, Maut für alle
  • Grenzschutz und Bundeswehr weg
  • Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte weg
  • Abgeordnetendiäten und Aufwandsentschädigungen weg
  • Bildung, Kultur
  • Wissenschaft
  • Ausbildung zum großen Teil
  • Feuerwehr weg
  • Öffentliche Verwaltung weg
  • Öffentliche Ordnung weg

Alles finanziert durch Raubzüge???

2 Kommentare zu „Wahlwerbung 2026 – emotional“

  1. Danke, diesen Beitrag habe ich erst heute endeckt. Ich finde es immer schön, das immer gefordert wird unsere Leistungsträgern zu fördern. Leistung muss sich lohnen!
    Und dieser Ansicht stimme ich voll und ganz zu und habe es auch schon viele male in den Leserbriefrubriken der „Die Zeit“ vertreten:
    Es ist die Anständigkeit der kleinen Leute, dass unser ganzes Politgefüge funktioniert. Die Männer von der Müllabfuhr holen pünktlich unseren Wohlstandsmüll ab, der Zugbegleiter der Bahn läßt sich anpöbeln, die große Herde Putzfrauen liegen auf den Knien und sorgen dafür, dass nicht alles im Schmutz untergeht. Der Kellner bringt dem frechen Gast die Suppe, ohne vorher hineinzuspucken, der Briefträger schleppt Pakete und stellt Drucksachen zu, von denen er weiß, die landen im Müll. Die Hälte könnte er ja auch wegwerfen. Der Automatismus deer Kleinen-Leute-Arbeit sorgt dafür, dass dieses Weltwirrsal ohne Störungen läuft.
    Sie sind unsere wirklichen Leistungsträger Von der Gnade der kleinen Leute leben wir. Sie dienen in blinder, unbeirrbaren Verläßlichkeit Gerechten wie Ungerechten. Ohne sie wäre unser Leben kalt und leer.

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