Mein Leben mit G.P. und L. (ein Fortsetzungsroman), 4. Episode

Sie sind schon praktisch, diese kleinen Helferlein, die als „Apps“ auf dem Smartphone vorhanden sind, wenn man es das erste mal anschaltet. Meine eigenen Erfahrungen liegen da nur im Android-Universum, iOS-Nutzende mögen meine Gedanken darüber bitte selbst versuchen, in Analogien zu übersetzen. Ich bin sicher, die gibt es.

Da gibt es den vorinstallierten Kalender, die Notizzettel-App, die Cloud, die man zusammen mit der Mailadresse bekommt. Ist schon praktisch und bequem, damit kriegt man uns leicht. An manchen Sachen kommt man auch nicht wirklich vorbei, da sie zwingend für den Betrieb des Smartphones notwendig scheinen bzw. gemacht wurden. Die Anmeldedaten für das Betriebssystem, dass gleich eine Mailadresse zur Folge hat, und den Webspace in der Cloud, ggf. gleich noch mit einem einfachen Office, dass man auch vom Browser auf einem Rechner aus nutzen kann. Mailprogramm gibt’s natürlich auch dazu. Und wenn man das alles schon mal hat, dann kann man es auch nutzen. Ist ja so schön praktisch und bequem …

Ja, ich nutze noch ein paar Dienst von Google (die stehen ja hinter Android-Handys). Aber es wird immer weniger. Letztes Wochenende habe ich bspw. genutzt, um Google Notes komplett leerzuräumen und auch mein Google Drive, dass ich nur noch über die Weboberfläche bediene, ist weiter geschrumpft. Dokumente haben ihren Weg entweder in meine Nextcloud oder lokal auf den Rechner resp. auf mein heimisches NAS gefunden. Auch die Notizzettel sind in der Nextcloud gelandet, dafür gibt es eine Nextcloud- und eine Handy-App. Super. Mein privater Kalender liegt auch in der Nextcloud und freut sich über Zugriffe von meinem Linux-Thunderbird und meinen beiden Smartphones, dem Klo-Tablet, …

Ohje, er hat zwei Smartphones, höre ich möglicherweise Lesende jetzt denken. Ja, und ich stehe dazu. Das zweite ist erst seit kurzer Zeit bei mir und der nächste Schritt in die datenfreundliche Zukunft. Außerdem, und damit ist die vielzitierte Katze aus dem Sack, heißt das neue G.P. Das Kürzel kommt von Google Pixel. Und wenn jetzt einer denkt: Er palavert die ganze Zeit von Datenschutz und Digitaler Souveränität und Unabhängigkeit und kauft dann ein Google-Handy. Das klingt wie ein Widerspruch in sich und mir ist das durchaus bewusst. Kundige Mitlesende ahnen natürlich längst, wo der Weg hinführt: Es ist ein wenig ein Witz der (Technologie-)Geschichte, dass es ausgerechnet ein Google-Handy braucht, um mittels Betriebssystemaustauschs ein datensicheres Smartphone zu erhalten. Die Hardware ist die einzige, die bestimmte Eigenschaften aufweist, die das zum einen ermöglicht und zum anderen sicher macht. Man muss sich eben nur die Mühe machen, um das installierte „Android“-System rauszuschmeißen und dann „GrapheneOS“ drüber zu bügeln. Wobei, dass „rausschmeißen“ darf man, glaub ich, nicht wörtlich nehmen, es versteckt sich sicher noch irgendwo auf dem Gerät, aber es läuft eben nicht, sondern GrapheneOS. Mittels einer Anleitung und der entsprechenden Webseite habe ich das „Drüberbügeln“ hinbekommen und bin ganz stolz auf mich. Ich habe zwar noch ein paar Fragen, aber im Grunde läuft’s und auch ich nutze es auch schon aktiv. Schwerpunkt ist im Moment nur, die Apps eine nach der anderen vom alten Smartphone aufs neue zu transferieren. Oder auf sie zu verzichten.

Bei der App-Auswahl bin ich im Moment noch ziemlich konsequent und habe auf G.P. noch nie den Playstore benutzt. Ich habe vor, dabei auch zu bleiben. Der GrapheneOS App Store ist eher übersichtlich im Angebot, aber es gibt ja neben dem direkten Download von Apps auch noch F-Droid. Lustigerweise kann man F-Droid (als alternativen AppStore) vom Playstore installieren. Das habe ich auf dem alten Smartphone schon vor Jahren gemacht (und nutze ihn auch dort schon). Man bekommt die Installationsdatei aber auch direkt von der Webseite von F-Droid herunterladen und dann installieren. Funktioniert super. Die Nextclouds-Apps (Kalender, Notizen u.a.) gibt es da genauso wie einiges andere. Aber eben auch nicht alles. Was mich ein wenig verwunderte, war, dass es die Signal-App dort nicht gibt. Aber für die gibt es auch eine Webseite und etwas versteckt eine Installationsdatei zum Downloaden … 😉 Da mein Router zu Hause als eine VPN-Funktion WireGuard anbietet, suchte ich natürlich auch eine App, F-Droid hatte da leider auch wieder nix, aber auf der Webseite von WireGuard wurde ich wieder fündig. Also auch gelöst.

Apropos WireGuard im Router zu Hause. Beim Thema VPN muss man wohl ein wenig differenzieren, da die Kontexte, was darunter verstanden wird, doch unterschiedlich sein können. Grundsätzlich (ich versuch’s wieder mit eigenen Worten) stellt man mit VPN eine verschlüsselte Verbindung zwischen A und B her. Oft ist A der eigene Rechner und B irgendein Server eines Anbieters irgendwo auf der Welt, und man hat seinen Standort und so einiges weiteres verschleiert. Bei WireGuard, so wie ich es nutze, ist A mein Handy und B mein Router zu Hause. Da kann man sich natürlich fragen, was das soll, aber der Grund ist einfach. Zum einen könnte ich über den verschlüsselten Weg von meinem Handy auch von unterwegs auf mein heimisches NAS zugreifen, zum anderen löst es ein anderes Problem. Stichwort „öffentliches WLAN“. Wer das nutzt, sollte eigentlich immer auch VPN an Bord haben (und natürlich auch bei der Nutzung eingeschaltet). Man weiß schließlich nie, wer da ggf. den Datenverkehr mitschneidet. Da ist so eine Verschlüsselung übers öffentliche WLAN schon ganz praktisch.

Übrigens ist nicht alles eitel Sonnenschein. Zum einen regnet es gerade draußen, als ich diese Worte niederschreibe, zum anderen ist auch die Sonne längst untergegangen. Aber auch G.P. hat seine Fehler. Das lasse ich jetzt aber mal als Cliffhanger so stehen.

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