Wir machen dicht! Und bohren dann Löcher rein…

Wir lernen: „Nicht jede Idee, die spontan nach einer guten Idee aussieht, ist letztendlich auch eine.“ Ab und an sollte man die darauf beruhenden Aktivitäten einer Überprüfung unterziehen und auf Sinnvolligkeit abklopfen. Das Beispiel heute ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Bezogen auf Häuser kann man die salopp zusammenfassen in „Dämmen, Isolieren, Abdichten“.

Dass das aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, zeigt die Wirklichkeit. Die Praxis war ja schon immer ein Kriterium für die Wirksamkeit von Theorien. Und in dieser, also der Praxis, stellt sich nun heraus, dass sich durch die Isolation und Abdichtung in den Räumen die Schadstoffgehalte in der Luft sehr schnell und besser erhöhen. Früher führten die undichten Fenster zu einem regelmäßigen Luftaustausch, was die Schadstoffwerte niedrig hielt. Außerdem gab es früher sowieso weniger (künstliche) Schadstoffe. 😉

Regelmäßig Fenster aufreißen bringt übrigens nichts, wenn man das Gesamte betrachtet, da hierdurch zwar die Schadstoffe wieder auf ein erträgliches Maß gesenkt werden, dafür wird aber die Energieeinsparverordnung ad absurdum geführt, weil dann u.U. mehr Energie verbraucht wird als vor deren Einführung bzw. Umsetzung. Aber wozu gibt es eigentlich Lüftungsanlagen, die diesen Makel nicht haben, weil sie die zugeführte Luft mit Hilfe der Abluft vorwärmen?

Hurra! Ein Wirtschaftszweig freut sich. Der Einbau solcher Lüftungsanlagen kostet natürlich auch wieder Geld, selbst beim Hausneubau. Außerdem ist mit Folgekosten zu rechnen, die u.U. wieder höher sein können als die Einsparungen durch Dämmung u.ä. (was wohl, wie ich neulich irgendwo aufschnappte, manchmal schon allein für die Dämmung gilt: Dämmkosten auf Miete umgelegt, Miete steigt, Heiznebenkosten sinken, wenn die aber weniger sinken als die Steigerung durch die Dämmkosten …)

Die (Be-)Lüftungsanlagen erschließen dann aber gleich neue Geschäftsfelder, in denen Leute beschäftigt werden können und die Gewinne abwerfen. Einerseits müssen die Anlagen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Immerhin wird Außenluft angesogen, die mit ihren ganzen Bestandteilen Filter füllt und ggf. in den angenehm warmen Milieus auch Krankheitserreger u.ä. vermehren könnte. Jährliche Wartungs- und Überprüfungstermine sind doch da sicher Pflicht (die Rauchwarner machen es vor).

Die zentrale Belüftung eines Hauses macht aber auch noch andere Wertschöpfungsketten denkbar. Man denke an Raumparfüms, die jetzt zentral für das ganze Haus eingesetzt werden können. Entsprechende Hersteller sollten die Produzenten von Belüftungsanlagen schon mal bedrängen, passende Schnittstellen zu ihren Druckduftamphoren mit einzubauen. Oder vielleicht noch eine Idee für die Abfüller dieser Gasdruckbehälter für die Wasseraufsprudler. In diese Kartuschen passt ja auch eine gute Menge Luft rein.

Wie wäre es für die Hausparty mal mit einer Druckgaspatrone „Berliner Luft“, Originalabfüllung aus der Hauptstadt, in den Regionalvariationen Kreuzberg, Marzahn oder Regierungsviertel. Oder „Mecklenburger Landluft“ in den Spezialrichtungen „Rapsfeld“, „Frisch gejaucht“ oder „Grillabend“. Und für die speziellen Genießer: „Hamburger Fischmarkt“, „Sportlerumkleide“ oder „Chillige Studenten-WG“, der irre Duft nach frischen Gras mit einer Nuance alter, übervoller Spüle und feuchten Pizzakartons.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wie auch beim Erhaltungswillen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Mittlerweile gibt es doch so viele Indizien, dass eine sinnvolle Überarbeitung denkbar und notwendig erscheint. Aber sicher wird das bis zur Wahl nichts mehr. Welche Wahl ich damit auch immer meine.

(entstanden mit freundlicher Anregung durch einen welt.de-Artikel)