Da gibt es einen Werbespot eines bekannten Vertragsvermittlungsportales (meist fälschlich als Vergleichsportal bezeichnet), dass mit folgendem Satz (ggf. nicht völlig exakt, aber sinnentsprechend widergegeben) endet:

„Jetzt Stromanbieter vergleichen und bis zu 500€ sparen.“

Interessanter Satz. Was will uns der Dichter damit sagen? 😉

Wobei die Frage anders gestellt werden sollte: Nicht, was uns der Dichter sagen will, ist interessant, sondern was er uns wirklich sagt.

Schauen wir also mal auf die sachlich enthaltende Aussage. Auf den ersten Blick scheint da ja eine zu sein. Immerhin kann ich wohl bei meiner Stromrechnung Geld sparen. Schaut man aber genauer hin, stellt man doch sehr schnell fest, dass sich diese Aussage schnell in heiße Luft auflöst. Und das, obwohl man mit Strom ja eigentlich nicht heizen sollte.

Dieser Satz klingt zwar irgendwie schön, hat aber keinerlei Aussage. Wenn’s hart auf hart kommt, könnte man hinterher sogar mehr bezahlen als vorher und der Satz stimmt in seiner Nichtaussage immer noch. Die 500€ in dem Satz sind entweder gewürfelt oder anhand von Verbraucherumfragen als ansprechendster Wert ermittelt worden. Vermute ich mal.

Leider weiß ich nicht mehr, woher ich einen ähnlichen, aber noch schärferen Satz habe, der mir durch den Hinterkopf schwebt. Aber es gab mal eine Steigerung, wer weiß, für welches Produkt? „Sparen Sie bis zu 500€ oder mehr.“ Hier hat die konkrete Zahl im Satz überhaupt keinen Sinn und kann durch jede andere ersetzt werden.

Wo wir gerade beim Strom sind. Folgt man der Werbung, taucht dort auch (mindestens) ein Stromanbieter auf, dessen Strom von entsprechenden Zählern besonders gern gezählt wird. Und es ist alles so einfach und unkompliziert. Und güüüüüüüüüüüüüüüüünstig. Erstaunlich, dass man den Anbieter nicht beim Vermittlungsportal findet. Vielleicht ist der „ab 47 €/Monat“-Tarif doch nicht sooo günstig?

Wenn man beide Webseiten vergleicht, fällt noch etwas auf: Beim Vermittlungsportal wird ca. der doppelte Stromverbrauch angenommen als beim Stromverkäufer. Letzter setzt beim Single-Haushalt 1000 kWh/a voraus, ersterer 2000 kWh/a. Ist ja nun auch kein Unterschied, der unter statistischen Schwankungen läuft. 😉

Manchmal guckt man ja nicht ungestraft Nachrichten. Thema: Offshore-Windparks und ihre Nichtanbindung ans Stromnetz. Weil die Erzeugung schneller wächst als die Möglichkeiten der Stromverteilung, bleiben Windparkbetreiber auf ihrem Strom sitzen und erwirtschaften Minus. Jetzt hat der Bundestag mit den schwarz-gelben Stimmen eine Strompreisumlage beschlossen, die das wirtschaftliche Risiko der Windanlagenbetreiber auch auf die Kunden mittels einer Strompreiserhöhung abwälzt.

Bundeswirtschaftsminiminister Philipp Rösler schlägt beinahe vor Freude über das Ergebnis Purzelbäume. Wer Atomkraftwerke nicht will und dafür Ökostrom den Vortritt lässt, der soll schließlich auch an den Mehrkosten bei der Investition der Technik beteiligt werden, erbrach er sich sinngemäß in eine bereitstehende Kamera.

Mit etwas gutem Willen kann man an dem Gedanken durchaus etwas charmantes finden. Wenn viele etwas wollen, werden sie auch an den Kosten beteiligt. ABER: Sehr geehrter Herr Rösler, hoffentlich denken Sie auch daran, dass die Risikoträger später auch zu den Gewinnempfängern werden! Nur dann ist das aktuelle Gesetz fair und gerecht.