UW, UVW oder doch LMAA?

… oder: Warum Ursache und Wirkung nicht immer zusammenpassen.

Dass jede Wirkung eine Ursache hat, ist ein altes philosophisches Gesetz. „Nichts geschieht ohne Grund“ ist der passende Aphorismus dazu. Auch umgekehrt gilt der Satz: Jede Ursache hat auch eine Wirkung. Ob die aber immer das ist, was man denkt, steht auf einem völlig anderen Papier. Aber der denkende Mensch versucht, Ursache-Wirkung (UW)-Verbindungen zu erstellen und zu verallgemeinern. Gerade auf Gebieten, wo er sich noch nicht so gut auskennt, scheitert er dabei zuweilen.

Nehmen wir ein kleines Gedankenexperiment vor: Auf einem Tisch stehen mehrere Glasschalen mit brennbaren Flüssigkeiten: Normalbenzin, Superbenzin, Feuerzeugbenzin, Diesel, Brennspiritus, Nagellackentferner. Wir nähern und vorsichtig (KINDER, BITTE NICHT NACHMACHEN!) mit einem brennenden Streichholz dieser Flüssigkeiten.

  • Brennspiritus: fängt Feuer
  • Nagellackentferner: fängt Feuer
  • Feuerzeugbenzin: fängt Feuer
  • Normalbenzin: fängt Feuer
  • Superbenzin: fängt Feuer
  • Diesel: fängt kein Feuer

Was lernen wir daraus? Brennendes Streichholz und brennende Flüssigkeit sind keine UW-Verbindung. Es muss da noch einen Aspekt geben.

Die Physik und die Philosophie haben sich schon immer gern gegenseitig befruchtet. Viele große Physiker waren auch gleichzeitig große Philosophen. Nach diesem Vorbild werfen wir einen Blick bei der Suche nach einem geeigneten Denk-Instrumentarium in die Elektrodynamik. Bei der Lorentz-Kraft gibt es eine Rechte-Hand-Regel. Ohne auf Details eingehen zu wollen, finden wir hier eine Erweiterung auf die UVW-Verbindung: Ursache – Vermittlung – Wirkung. Es gibt also zwei unterschiedliche Voraussetzungen, die zu einer Wirkung führen.

Im alltäglichen Leben wird in vielen Fällen die Ursache für bestimmte Wirkungen gar nicht erkannt und die Vermittlung als Ursache genommen. Dass das dann fehlerhafte Schlüsse über Wirkmechanismen liefert, liegt auf der Hand. Auch erklärt sich damit, dass die gleiche Ursache unterschiedliche Wirkungen hervorrufen kann, je nachdem, welche Umstände das Ereignis begleiten. In unserem Fall mit den Flüssigkeiten ist der brennende Streichholz also nur die Vermittlung. Die brennbaren Dämpfe darüber gibt es eben nicht beim Diesel, sondern nur bei den anderen Stoffen.

Beispiel ließen sich jetzt massiv anführen. Zum Beispiel: Stress verursacht Magengeschwüre. Oder: Kälte bewirkt Erkältungen. Beide Aussagen sind so eindeutig falsch. Bei beiden wird übrigens aus der Vermittlerfunktion von Stress bzw. Kälte fehlerhaft die Ursache. Die eigentlich richtige liegt in beiden Fällen (zufällig) bei Mikroben, ohne die es weder die Magengeschwüre (Heliobacter-Bakterien) noch die Erkältung (Erkältungsviren). Deren Wirken wird nur durch die Vermittler befördert, liegen beide nicht vor, kommt es auch nicht zu den Wirkungen.

So heißt es bei jedem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung immer genau zu prüfen, ob man diesen überhaupt genau erkannt hat.

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