Heisenberg und die Philosophie

Aus der Physik wissen wir, dass jeder Messvorgang das Messergebnis selbst beeinflusst. Moderne Messmethoden lassen diesen Effekt immer geringer ausfallen, Messtechniker haben im Verlauf der letzten Jahrhunderte schon bedeutendes geschaffen. Auch die Art zu messen kann Messergebnisse verändern.

Ein paar Beispiele sollen die Aussage illustrieren. Wenn man die Temperatur einer Flüssigkeit messen möchte, hält man ein Thermometer rein und liest das dann ab. Um hier aber zu einer Anzeige zu kommen, muss dazu das Thermometer oder zumindest der Messfühler als solcher auch erst mal auf die Temperatur der Flüssigkeit gebracht werden, was diese verändert. Ein kaltes Thermometer in einer heißen Flüssigkeit kühlt diese ab.

Wird die Geschwindigkeit, zum Beispiel eines Autos gemessen, dann wird meist irgendwo am Getriebe ein Messwert abgegriffen, was zumindest prinzipiell einen Teil der Antriebsenergie abzweigt, die dann im Tachometer zu einer Anzeige führt, aber dem Fortkommen des Fahrzeuges nicht mehr zur Verfügung steht. Zugegeben, der Effekt ist gering und spielt im wahren Leben meist keine Rolle, im Gegensatz zu von außen erfolgenden Geschwindigkeitsmessungen: Hier senkt sich meist spätestens kurz vor oder nach der Messung die Geschwindigkeit auf das erlaubte, um dann wieder auf das gewohnte angehoben zu werden.

In der Mikrophysik spielen die beschriebenen Effekte eine sehr viel größere Rolle. Hier gibt es eine Aussage bzw. Formel dazu, die bestimmt, welchen Einfluss eine Messung auf das zu messende haben kann: die Heisenbergsche Unschärferelation. Sie zeigt uns, dass beispielsweise Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens nie gleichzeitig beliebig genau bestimmt werden und dass da auch der beste Messtechniker nichts gegen machen kann.

Wenn man möchte, lässt sich der Grundgedanke auch verphilosophieren. Die wichtigste “Messmethode” hier ist die Frage. Wird sie gestellt, ändert sich jedes Mal die Situation zwischen Fragendem und Befragtem. Das kann natürlich sinnvoll sein, aber genauso gut kontraproduktiv. Nicht umsonst wird der Journalist, der einem Politiker mal eine falsche Frage gestellt hat, künftig von diesem gemieden. Manchmal möchte man vor wichtigen Fragen einen Pflock ins Zeitkontinuum hauen, eine Frage stellen und wenn das misslang, wieder zum Pflock zurück kehren und dann alles so weiterlaufen lassen, als ob die Frage nie gestellt worden wäre.

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