Falsche „Freunde“

Manchmal bin ich doch recht verwundert darüber, was der eine oder andere „Freund“ so alles bei Facebook reinschreibt. Als ob es kein morgen gäbe. Und die Zeiten der „No Future“-Bewegung ist doch seit den 1980er Jahren vorbei. Vielleicht sollte mal jemand ein browserübergreifendes PlugIn für dieses (und andere) Soziale Netzwerk schreiben, dass den „Senden“- oder „Antworten“-Button mit der Anzeige ergänzt, dass diese Daten den Rest des Lebens im Netz stehen werden. Löschen unmöglich.

In einem leicht boulevardesken Artikel über das Thema Maximilian Schrems, einem Wiener Studenten, der die über ihn gespeicherten Daten von Facebook anforderte, sind einige hochinteressanten Gedanken vereinigt, leider scheint der Artikel online nicht verfügbar. Vom gleichen Autor gibt es aber einen anderen, ebenfalls sehr interessanten Artikel im Netz, der durchaus mal der Lektüre wert ist.Ein paar Links sind auch in dem Artikel, zum Beispiel, wie man seine Daten von Facebook erhalten kann. Dort ist man aber wohl zur Zeit ob der Nachfrage etwas überlastet …

„Ich habe nichts zu verbergen“, mag der eine oder andere denken, der sich über die Speicherwut sozialer Netzwerke nicht aufregen möchte. Das mag sein, aber nicht umsonst heißt es bei Verhaftungen in (amerikanischen) Filmen immer so schön: „Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden.“ Das gilt nicht nur vor Gericht, sondern auch für Daten im wahren Leben (kurz RL = Reallife), sie können alle auch gegen einen verwendet werden. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute sich durch unbedachte und längst vergessene Äußerungen/Abbildungen im Internet ihre Zukunft schon verbaut haben.

Was man gelegentlich mal machen sollte: sich bei den sozialen Netzwerken durch die Privatsphären-Einstellungen durchklicken und genau überlegen, ob dort jeder Haken und jede Option so gesetzt sind, wie man sich das vorstellt. Das sollte man regelmäßig machen, vor allem dann, wenn die Netzwerke Neuheiten ankündigen oder eingeführt haben. Damit ändern sich manchmal nicht nur die AGB, sondern auch die Privatsphäreneinstellungen von ganz allein …

Der Link: Eigene Daten anfordern

4 Gedanken zu „Falsche „Freunde““

  1. Da gebe ich Dir recht! Ich selbst, habe nicht mehr viel zu verlieren und ich bin auch nicht mit meinem richtigen Namen in facebook angemeldet. Irgendwann werden sie mich wohl trotzdem verhaften. 😉
    Es sei denn, wir leben in einer Demokratie! Da darf man seine Meinung kund geben.

    Jungen Leuten empfehle ich, vorbereiten auf das reale Leben und facebook nicht mit der eigenen Meinung zu überfluten. Besser ist es, einen Nick zu erfinden und dann einfach zu chatten. Da kann man auch alles loswerden.

    1. Falsch. Hättest Du die AGB von Facebook gelesen, würdest Du wissen, dass sie auf Realnamenpflicht bestehen. Ich sehe darin auch nichts verwerfliches, ist Facebook doch ein soziales Netzwerk zum Kennenlernen und Verknüpfen, ein Meinungsmedium sehe ich darin nicht. Das mag Facebook selbst anders sehen, in der täglichen Arbeit damit vermittelt sich mir aber dieser Eindruck.
      Wobei ich Meinungsäußerungen, die diesen Namen auch verdienen, die also von einer gewissen Sachlichkeit geprägt sind, grundsätzlich nicht als verwerflich ansehe. Nur das unsachliche, durch die (scheinbare) Anonymität initiierte Rumgemotze, die Kraftmeierei, ausgedrückt natürlich verbal, aber eben auch durch „Partybildchen“ und andere Schwanzvergleiche, gehören dort nicht hin; genauer: gehören nicht ins Internet. Das „networking“ bedeutet eben auch, dass man nicht nur mit allerlei Leuten „vernetzt“ ist, sondern auch, dass allerlei Daten miteinander verknüpft werden.
      Neulich sah ich mal einen Beitrag im Fernsehen, wie man mit einfachsten Mitteln ein Persönlichkeitsprofil über einen Menschen anlegen kann. Wenn man Google-Suchen, Facebook-Suchen, Bilderkennungssoftware und ein bißchen Intelligenz walten lässt, ist es erschreckend, wieviel von einem im Netz steht. Und irgendwo, dessen sollte man sich sicher sein, gibt es auch immer eine Verbindung zwischen einem frei erfundenen Nickname und dem realen Namen.

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