Manchmal kommt man echt ins Grübeln, wenn man so äußerungen von Politiker/inne/n hört oder liest. Manchmal wünscht man diesen doch etwas mehr Zeit – vor allem, um über Äußerungen, die sie tätigen, vorher(!) auch mal nachzudenken. Oder sich kundig zu machen. Aber mancher Wortschwall scheint ohne kognitive Beeinflussung zu entstehen.

Themen-Beispiel: Messenger. In einer Pressemitteilung einer Infoplattform mit Schwerpunkt Kommunikation wird unter anderem folgendes verbreitet:

Auf dem Messenger-Markt tummeln sich viele Anbieter, aber nicht alle Nutzer verwenden auch dieselbe App. Facebook würde WhatsApp, den Facebook Messenger und Instagram gerne zusammenlegen, der dafür notwendige Austausch von Benutzerdaten ist aber datenschutzrechtlich sehr umstritten. Trotzdem fordern Politiker vermehrt, die Geschlossenheit der Messenger-Dienste aufzubrechen, sodass die Nutzer unabhängig von der verwendeten App untereinander Nachrichten austauschen können. „Es wäre zwar toll, mit dem eigenen, präferierten Messenger die Nutzer aller anderen Messenger-Dienste kontaktieren zu können“, sagt Alexander Kuch vom Onlineportal teltarif.de. „Das müsste aber technisch absolut sicher gelöst sein, damit die Messenger-Nutzer vor Spam-Nachrichten, Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen geschützt sind.“

Schade, dass Herr Kuch nicht mitventiliert, welche Politker das genau sind, oder macht er sich zum Sprachrohr und versteckt sich hinter nicht namentlich genannten Aktiven, um seine eigene ggf. irrige Meinung zu verblasen?

WhatsApp, Facebook-Messenger, Threema, Telegram, Signal, … und wen es da noch so alles gibt. Was allen Messengerdiensten gleichzeitig eigen ist, ist ihre Unterschiedlichkeit unter anderem in der Herangehensweise an Datenschutz und dem grad der Anonymheit seiner Nutzer. Einfaches Beispiel: Während WhatsApp doch etwas recht persönliches von einem möchte, nämlich die Handynummer, gibt sich Threema mit einem mehrstelligen Zahlen-Buchstaben-Kombination zufrieden, um seine Nutzer gegenseitig zu identifizieren. Auch die Art der Datenverschlüsselung und vieles andere mehr unterscheidet die Dienste.

Für einen gegenseitigen Nachrichtenaustausch müsste man sich auf diverse Schnittstellen einigen, um die Nachrichten, Bilder, Telefonate und Streams aus dem einem System ins andere zu bringen. Da fällt mir nur der Begriff „kleinster gemeinsamer Nenner“ ein, auf den es sich zu einigen gilt und der einen messengerübergreifenden Datenaustausch auch von Daten, die man nicht bewusst eintippt, ermöglicht. Datenschutz adé, Datensammelwut Tür und Tor geöffnet.

Ist es nicht gerade so, dass sich die Nutzenden bewusst für den einen oder anderen Messenger entscheiden, weil bestimmte Eigenschaften eines anderen – ob nun wirkliche oder unterstellte – für die eigenen Nutzungsgewohnheiten nicht in Frage kommen? Welchen Sinn soll also diese Zusammenschaltung der Dienste haben, als d/i/e/n Bürger/in noch gläserner zu machen?

Wobei: Eigentlich verstehe ich sie schon, aber ich bin mir nicht sicher, welcher der beiden Zustände der bessere ist.

Aktueller Aufhänger: Es soll an der Parteienfinanzierung geschraubt werden. Der Tipp kam schließlich vom obersten deutschen Gericht, nachdem ein Partei-Verbot mal wieder gescheitert war. Nun soll also mittels einer Grundgesetzänderung der Geldhahn für unliebsame Parteien(?) zugedreht werden.

Es wird also wieder an den Symptomen rumgedoktert, anstatt die Ursachen zu bekämpfen. Und das Quasi-Unisono von Politik und Presse versucht die Idee als den großen Bringer zu verkaufen. Ok, mit Geld kann man in dieser Gesellschaft alles „regeln“. Vielleicht klappt’s ja, und die Partei verschwindet. Aber die Menschen sind ja noch da und haben ihre Anhänger.

Die Sportfreunde Stiller haben in ihrem Titel „Applaus, Applaus“ eine schöne Textstelle: „Will ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand, legst Du mir Helm und Hammer in die Hand.“ Wenn jemandem der Kopf weh tut, dann man es mit einer schönen Nackenmassage versuchen, es gibt auch ätherische Öle, die helfen. Die Pharmaindustrie hält eine riesiges Portfolie von Schmerzmitteln bereit, mit denen man sich auch noch vergnügen kann. Augenscheinlich kommen die Schmerzen aber daher, dass derjenige einfach nur mit dem Kopf durch die Wand will. Also nimmt man den Helm. Die Kopfschmerzen werden weniger, weg gehen sie aber damit trotzdem nicht.

Dabei ist die Lösung so einfach wie schwer zugleich. Und damit spiele ich nicht auf den Hammer aus dem Liedtext an, für den ich bei diesen Bildern leider nichts adäquates gefunden habe. Man kann sich aber ein wenig zur Seite bewegen, etwas an der Wand entlang tasten und dann die Tür nehmen, um ohne Kopfschmerzen den Raum zu verlassen.

Aber das Bild zeigt auch, wo das Problem liegt: Die Politik müsste die eingetretenen Pfade verlassen (wobei das Verweilen auf diesen das Problem erst befördert), sich bewegen, neue Lösungen suchen. Aber da ist beim präsenten Teil leider wenig zu sehen. Außer heißer Luft (manchmal auch nur ein laues Lüftchen) ist leider wenig zu sehen. Vielleicht sollten wir es auch mal mit einem neuen Politikertypus probieren, jemand, der zu seinem Wort steht; bei dem das Wort aber auch eine konkrete Aussage beinhaltet und von allein steht. 😉

Vielleicht sollte man es auch mal mit einer verallgemeinerten Regel versuchen, die momentan wohl nur für Bundespräsidenten gilt: Für die aktive Politik muss man mindestens 40 Jahre als sein und darf zusätzlich vorher nix mit Politik zu tun gehabt haben. Der Bundestag wird als echtes Abbild der Bevölkerung des ganzen Landes besetzt. Und man darf nicht mittels Politik seinen Lebensunterhalt bestreiten (oder: jeder Bundestagsabgeordnete spiegelt z.Zt. ca. 130’000 Bürgerinnen und Bürger wieder. Von jedem pro Jahr ein Euro … reicht. 😉

Zurück zum Ernst: Ursachen bekämpfen und nicht an den Symptomen herumdoktern, auch, wenn’s weh tut und sich die Politik nicht nur hinterfragen sondern auch ändern muss!