Zugegeben, die Überschrift ist eine leichte Übertreibung, aber zurück in den Frühkapitalismus trifft es eher. Und dabei liegt der Auslöser für diesen Ausruf gar nicht mal so weit weg. Die DEHOGA M-V traf sich zu einem Verbandstreffen. Die gastronomische Interessenvertretung (der Arbeitgeber) fordert, das Arbeitszeitgesetz aufzuweichen. Aus 8 Stunden/Tag Regelarbeitszeit, die in Ausnahmefällen auf 10 h/Tag erhöht werden darf, soll ein 12 Stunden/Tag an bis zu 3 Tagen die Woche werden. Und das bei den Hungerlöhnen (=Mindestlohn, der möglichst auch noch umgangen werden soll), die in der Branche geboten werden.

Liebe DEHOGA-organisierte Gastronominnen/Gastronomen, die diese Forderung mittragen: Macht mal Eure Hausaufgaben und bringt Eure Läden auf vernünftige Art und Weise in Schwung, liefert Qualität und nicht nur Quantität, lasst Euch nicht alles von den Gästen vorschreiben. Eine solide Finanzierung durchzusetzen ist vermutlich sinnvoller als jedem Hype hinterher zu laufen. Und bezahlt eure Angestellten anständig. Der Gast honoriert’s.

Nachdem ich mittlerweile zum wiederholten Mal zumindest komisch angeguckt worden bin, als ich winzige Details zu meinem Tagesablauf offenbarte bzw. offenbaren musste, will ich den hier mal zur Diskussion stellen. Die Reaktionen reichten bisher von Mitleid auf der guten Seite der Gefühlsskala bis zu verächtlicher Assi-Einsortierung am anderen Ende. Dreh- und Angelpunkt bei der Einschätzung scheint der Zeitpunkt des morgendlichen Aufstehens zu sein, frei pauschalisiert: Je später, desto assi.

Das Image des Deutschen ist u. a. der des fleißigen, ordentlichen und exakten Arbeiters. Soweit das Bild von außen. Von innen scheint es sich zu verstärken: Hinzu kommt, dass er dafür allerspätestens um 7 Uhr auch mit der Arbeit anzufangen hat. Besser wäre 6:30 Uhr. Frühes Aufstehen ist erste Bürgerpflicht, alle, die das nicht hinbekommen, sind Faulpelze, Schlafsäcke oder ähnliches. Wer nicht früh aufsteht, verschläft den halben Tag und versäumt sein Leben.

Achja? Wollen wir doch mal einen allgemeinen Tagesablauf Revue passieren lassen. Dabei wird mal eine normale 40-Stunden-Arbeitswoche, halbwegs gleichmäßig auf 5 Tage verteilt, unterstellt. Um es allgemeiner zu halten, beginnt der Tag mit dem Zeitpunkt x, dem Zeitpunkt des Weckens.

  • x + 00h00: Wecker klingelt
  • x + 00h10: aufstehen, Morgentoilette und sonstige morgendliche Verrichtungen
  • x + 01h00: Wohnung verlassen
  • x + 01h30: Arbeitsbeginn
  • x + 05h30: Mittagspause
  • x + 10h00: Feierabend, Heimweg mit kleineren Erledigungen
  • x + 11h30: Ankunft zu Hause*
  • x + 12h00: Abendbrot*
  • x + 12h30: private „Verpflichtungen“, Hobbys, gemütlicher Abend, social communications*
  • x + 15h30: Abendtoilette
  • x + 16h00: Nachtruhe
  • x + 24h00: Wecker klingeln

Sollten Freizeitaktivitäten gleich nach der Arbeitszeit erfolgen, verschieben sich die mit * bezeichneten Zeilen 0h30 bis 1h00 nach hinten. Ansonsten dürfte, mit kleinen Ungenauigkeiten, der Ablauf entweder stimmen oder nachvollziehbar sein. Dem Klischee sei Dank.

Rechnen wir jetzt mal ein konkretes Beispiel durch und nehmen einen Arbeitsbeginn für 7 Uhr an. Der Wecker klingelt dann gegen 5:30 Uhr. Da 11 Uhr als Mittagspause etwas unpassend wäre, zerteilen wir es auf 10 Uhr Frühstück und 12 Uhr Mittag. 15:30 Uhr wäre dann Feierabend, nach dem man eine Freizeitaktivität durchführt, 18 Uhr Abendbrot isst und allerspätestens 22 Uhr im Bett verschwindet. Ganz dem Klischee ergeben ist man mit einem Arbeitsbeginn um 8 Uhr: Wecker um 6:30 Uhr, Mittag um 12 Uhr, 16:30 Uhr Feierabend, 18 Uhr Abendbrot, 22:30 Uhr Nachtruhe.

Vom allgemeinen zum konkreten, wenn auch mit einem etwas anderen, weil sozusagen von außen vorgegebenen Aufhängungspunkt: Feierabend 19:00 Uhr. Legen wir den ansonsten gleichen Tagesablauf zugrunde, wird einiges auf den ersten Blick etwas komisch, aber wenn man es genauer überlegt, vielleicht doch nachvollziehbar. 20:00 Uhr Abendbrot, dann etwas E-Mail und Nachrichten überprüfen und 1:00 Uhr ins Bett. Jetzt kommen die komischen Sachen: 14:30 Uhr Mittagspause, 10:30 Uhr Arbeitsbeginn, 09:00 Uhr Wecker klingeln und 23:00 Uhr Zeit für Freunde, Bekannte, Familie und andere privaten „Verpflichtungen“.

Habe ich nicht auch das Recht auf den gleichen Tagesablauf, wie andere Berufstätige auch? Oder sollte ich mir einen anderen Ablauf ausdenken? Das hätte dann vielleicht sogar den Vorteil, Freunde und Bekannte öfter zu Gesicht zu bekommen. Im Moment fokussieren sich einige Freundschaften auf elektronischen Kontakt.