Unsere Hauptstadt wächst und wächst und das sogar über sich hinaus. Selbst der Autobahnring drumrum wird irgendwann – sehr Neubrandenburg-like – ein innerstädtischer Ringverkehr werden.

Stellt sich die Frage, woher ich diese Weisheit nehme? Ganz einfach. Neulich las ich mal einen Einleger eines Marken-Discounters der in der Werbebeilage eines Anzeigenblattes steckte. Dort fand ich Berlin in seiner vollen Größe. Ich habe das mal fotografiert:

Berlin wächst

Berlin, mit den Stadtteilen Neukölln, Wedding, Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedrichshein, Schöneberg, Mitte, Spandau … usw. Soweit, so gut. Aber gucken wir uns die dritte Spalte doch mal genauer an:

Berlin wächst

Friedrichshagen, Rostock, Friedrichshain, …, Mitte, Schwerin, Hohen Neuendorf, … Kreuzberg, Neubrandenburg, Marzahn, …

Berlin wächst und wächst. Sind die drei mecklenburgischen Städte eigentlich direkt eingemeindet oder nur Enklaven?

Unsere Kanzlerin taut auf. Nach ihrem lang durchgehaltenen Sparkurs zur Behebung der Wirtschaftskrise in Europa und seinen Teilnehmern darf jetzt auch wieder etwas Wachstum gefördert werden, damit es den Beteiligten irgendwann wieder besser geht.

Wachstum wurde schon länger als alleiniges Ziel alles wirtschaftlichen Wirkens postuliert. Allen soll es gut gehen, solange nur mit dem Wachstum immer so weiter geht. So entsteht ein heiliges Mantra. Nur, wohin soll noch gewachsen werden?

Seit Ende der 1980er Jahre wird in der Bundesrepublik (alt) mehr erwirtschaftet als gebraucht wird. Es ist also eigentlich von allem zu viel da, nur eben nicht gut verteilt. Und wenn von allem sowieso schon zu viel da ist, ist weiteres Wachstum natürlich genau die richtige Lösung.

Irgendwie ist es wie beim Aufblasen eines Luftballons. Am Anfang ist es schwer, überhaupt Luft hinein zu bekommen, es bedarf einer großen Anstrengung, das Wachstum in Schwung zu kriegen. Ist das aber erstmal gelungen, bläst man den Ballon immer leichter immer weiter auf. Nur geht das auch nicht unendlich weiter. Das Finale kennt jeder.