Manchmal schlägt einem die Geografie doch ein Schnäppchen durch die Blogideen. Wobei bei der kulinarischen Geografie könnte man doch einen Grund zum Aufregen finden. Auslöser war eine Werbung auf einem der großen Displays, die so als Stadt- oder Straßenmöbel rumstehen.

Ein großer Lieferdienstvermittler offeriert seine Dienstleistungen. Mir fiel da die Variante mit dem Angebot asiatischen Essens ins Auge. Nun weiß ich nicht, wie ihr sowas genauer definiert. Rein geografisch gehört Indien ja auch zu Asien, die indische Küche unterscheidet sich aber doch ein wenig von der, die wir gern mal als „asiatisch“ bezeichnen. Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass indische Gerichte nicht „asiatisch“ sind, dann möchte ich wie folgt zusammenfassen:

Ey, Lieferando! Ihr habt keinen Lieferdienst für asiatisches Essen in Neubrandenburg im Portfolio, also werbt auch nicht dafür! Weckt nicht Erwartungen, die ihr später nicht erfüllen könnt! Da kann man beim Aufhängen der Werbung schon drauf achten. Irgendwie erinnert das an Werbung eines ehemaligen Berliner Fernsehsenders, dessen Auftraggeber offensichtlich dachten, Neubrandenburg liegt im Brandenburgischen.

Heute mal was zum Thema Werbefernsehen. Ich glaube mal nicht, dass ich der erste bin, dem sowas auffällt, aber außer gelegentlich hochkochenden Diskussionen über die Zielgruppenunterteilung, die auch genauso schnell wieder verschwinden, passiert ansonsten nichts.

Der Legende nach hat sie Dr. Helmut Thoma, Ex-Chef von RTL(plus) mal miterfunden: die „für die Werbewirtschaft besonders relevante Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer“. In entsprechenden Veröffentlichungen der Marktanteile und Einschaltquoten der Sender wird sie immer noch separat ausgewiesen. Wenn man aber mal genau hinsieht und einmal kurz drüber nachdenkt, fragt an sich: Wieso?

Ich kam gerade auf das Thema, weil ich genau so eine Veröffentlichung gelesen habe. Greifen wir ein Beispiel heraus (weitere lassen sich bilden, das Ergebnis ist vergleichbar): Sonntag, 25.11.2012, 20:15 Uhr, Tatort. Beim Gesamtpublikum hat diese Sendung den Spitzenplatz, keine andere Sendung im November hatte mehr Zuschauer: 12,2 Mio. Da kann man mal gratulieren. Schauen wir mal, mal in die Liste der „für die Werbewirtschaft besonders relevante Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer“. Hier erreicht der Krimi 4,2 Mio Zuschauer (Platz 4). Ebenfalls am 25. 11., aber schon um 17:05 Uhr, begann das Rennen der Formel 1 in Brasilien. Hier liegt das Zuschauerverhältnis bei 10,6 Mio. zu 4,3 Mio.

Die Beispiele ließen sich fortsetzen; es stellt nur die Frage: Warum ist eine Zielgruppe, die nicht mal die Hälfte, oft nur ein Drittel oder weniger der Zuschauerschaft ausmacht, so relevant? Es gab da früher mal Ansätze, diese Relevanz zu belegen, mittlerweile gelingt das aber nicht mehr. Warum also?