Werbende oder informierende Aussagen sollten eine nachvollziehbare oder ggf. auch einklagbare Substanz enthalten. Das Geschick der Autoren – vor allem bei Werbung – liegt darin, eine glasklare Aussage mit einem Schlupfloch zu versehen, dass ggf. nichts einklagbares dabei herauskommt.

Wir besorgen jedes Schulbuch innerhalb von 24 Stunden.

Wenn dieser Slogan irgendwo steht, freut sich das angehende Schulkind, vor allem, wenn es vergessen hat, kurz vor Schuljahresbeginn alle Bücher zu besorgen (alternativ freuen sich auch die Eltern). Am letzten Feriensamstag stürmen sie also den Laden und suchen die Bücher heraus, weil spätestens Sonntag würden sie ja geliefert.

Hä? Sonntag? Das kann nicht stimmen. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es kein Sonntagsshopping, also wäre die Aussage gewagt. Ergänzen wir sie.

Wir besorgen jedes Schulbuch in der Regel innerhalb 24 Stunden.

Schon kann es Ausnahmen geben. Und Sonnabend bestellte Bücher kommen dann eben Montag. Das sind dann die Ausnahmen, die die Regel bestimmen. Aber es müssen Ausnahmen bleiben.

„Jedes Schulbuch“, also ggf. auch die auf den saarländischen oder den polnischen Lehrplan abgestimmten Exemplare? Das wird bei aller logistischen Meisterleistung, die mittlerweile möglich ist, schwierig. Also wird die Aussage noch etwas aufgeweicht.

Wir besorgen jedes lieferbare Schulbuch in der Regel innerhalb 24 Stunden.

Tja, damit wäre die Formulierung doch perfekt und man ist für alle Eventualitäten abgesichert. Als konkrete Aussage zu irgendeinem Dienstleistungsversprechen hat der Satz aber kaum noch eine Bedeutung.

Nun schauen wir uns mal dieses Foto an:

Na? Schwierig zu sehen? Wir zoomen mal ran.

Das ist doch mal ein Service! Ich gehe also in einen Laden und möchte etwas erwerben. Da nicht immer alles vorrätig ist, bestellt man es mir auch. Aber vermutlich macht man Sammelbestellungen, weil man bis zu 24 Stunden warten kann, bis die Bestellung dann auch raus ist. Über die Lieferung und ihren Termin wird sicherheitshalber gar nichts versprochen. Wahrscheinlich der dritte Dienstag nach Vollmond mit Venus im dritten Haus.

(Danke an Uwe für den Tipp.)

Was versteht der geneigte Leser unter dem Begriff „kurzfristig“? Kann man kurzfristig genau definieren? Für einen Astronomen, der sich schwerpunktmäßig mit Kosmologie befasst, kann „kurzfristig“ sicherlich schon mal einen Zeitraum von ein paar Millionen Jahren umfassen. Aber bei denen sind ja auch alle chemischen Elemente jenseits Wasserstoff und Helium „Metalle“. Kein Spaß.

Neulich habe ich mal etwas in einem großen hiesigen Internetshop bestellt. Und wer sich jetzt wundert, die Kombination „großer Internetshop“ mit „hiesig“ erscheint vielleicht etwas widersinnig, dem sei versichert, dass es das wirklich gibt: Einen großen Internetshop (nicht nur, aber auch), der in unserer Stadt beheimatet ist. Die Bestellung ist auch eingegangen, eine E-Mail unterrichtete mich:

Nun ist „kurzfristig lieferbar“ eine eher vage Angabe. Werfen wir also einen Blick auf die Webseite:

Wir lernen: Kurzfristig heißt 3-5 Werktage. Oder brutto: eine Woche. Kann man das eigentlich einfordern, wenn das da steht?

Vielleicht sollte ich nochmal in die Bestätigungs-E-Mail gucken:

Und seither keine weitere Information. Servicewüste Deutschland.

Update 06.09.2011: Aus der Oststadt über Altentreptow in die Innenstadt. Manchmal muss man erst was schreiben, dann geht alles schnell. Wobei im konkreten Fall wohl doch beides nichts miteinander zu tun hat. Das Päckchen kam und ich habe jetzt meinen eigenen blauen Yeti. Irgendwann demnächst werde ich ihn Euch auch noch vorstellen. Fällt mir nur noch ein alter Witz zu ein: Treffen sich zwei Yetis, sagt der eine: „Ich habe neulich den Reinhold Messner gesehen.“ Meint der andere: „Ach, den gibts wirklich?!“