Frühling ist eine gefährliche Jahreszeit: der Spargel schießt, die Bäume schlagen aus, der Rasen wird gesprengt und was es nicht sonst noch alles für Floskeln gibt. Wenn die Sonne den Äquator von Süden kommend überschreitet und der Tag genauso lang ist wie die Nacht, ist Frühlingsanfang. Soweit die Theorie (und die Wahrheit).

In unseren Medien, vermutlich gespeist von den Meteorologen, ist das aber anders. Ganz anders. Zumal die Wetterkundler so ziemlich die einzigen sind, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Frühlingsanfang auf den 01. März legen. Und die Schreiber- und Sprecherlinge in den Medien steigen auch voll drauf ein und verblöden ihre Nutzer mit entsprechend komischen Ansagen.

So durfte ich in diversen Medien gestern lesen, dass in der kommenden Woche der Frühling kommt. Ein sich offensichtlich seiner Idiotie bewusster und deswegen nicht namentlich erwähnter „Experte“ des Deutschen Wetterdienstes DWD – immerhin eine staatliche Einrichtung – sagt: „Zum Wochenende kommt etwas Fahrt in die Wetterküche mit der Hoffnung auf ein Frühlingserwachen.“

Für’s Protokoll: Wir haben noch knapp 2 Wochen Winter (ab Datum der Veröffentlichung dieses Beitrages). Der Frühling beginnt am 20. März 2016 und nicht einen Tag früher oder später. Das kann man den Meteorologen an ihrem Ehrentag, dem 23. März, gern mal ins Stammbuch schreiben. Vernünftige Prognosen machen und rechtzeitig vor Gefahren warnen, dass sollen sie machen. Für Blödsinn sind hierzulande (Vorsicht: Klischeebemerkung!) die Politiker zuständig.

Zur Ergänzung: Sprachökonomie ist eine schöne Sache, spart sie doch Zeit in der Kommunikation. Im Idealfall fallen damit ausufernde Floskeln und sprachliche Schnörkel weg. Das ist solange gut, solange der Sinn nicht entstellt wird und im schlimmsten Fall noch mit einer Wertung untersetzt ist, die falsche Botschaften mitschwingen lässt. Immer gern genommenes Beispiel (auch hier schon im Blog) ist der Vergleich der aktuellen Temperatur mit dem langjährigen Mittel. Warum kann man nicht sagen: Die aktuellen Temperaturen liegen über resp. unter dem langjährigen Mittel? Sicher: „Es ist für die Jahreszeit zu warm resp. zu kalt.“ ist einfacher in der Formulierung, aber mit der damit verbundenen Wertung wird unterschwellig die Unnormalität der Werte unterstellt, was schwachsinnig ist.

Das gleiche gilt übrigens für den aktuellen Anlass dieses Beitrages. Wir erwarten vielleicht frühlingshaftes Wetter. ABER NICHT DEN FRÜHLING! Der kommt in diesem Jahr erst am 20. März. Punkt.

Übrigens: Früher war alles besser und das Wetter auch? Da hilft ein Blick in alte Volkslieder, zum Beispiel „Der Mai ist gekommen“ oder Goethes Osterspaziergang aus Faust I. Lesen und sich Gedanken darüber machen, über welche Zeitpunkte da für das Ende des Winters philosophiert wird: Ostern (Ende März – Ende April) oder Mai.

Auf Twitter war es angekündigt, ich schulterte mal wieder die Kamera und machte mich auf dem Weg, um den Frühling zu suchen. Der Weg und das Auto eines Freundes brachte mich in die Müritzregion. Nach einem kurzen Abstecher in die Scheune Bollewick führte uns der Weg Richtung Plau am See, um allerdings kurz vorher abzubiegen, weil uns ein Hinweisschild auf den Bärenwald hinwies. Nach dem Löhnen des Eintritts – wenig ist es nicht – machten wir uns auf den Weg, die Bären zu jagen sehen. Und nebenher wollte ich ja auch noch etwas Frühling einfangen.

Obwohl die Natur dort noch nicht ganz soweit war wie in Neubrandenburg, sah man durchaus das eine oder andere frische Grün mit ein paar anderen Farbtupfen.

Frühe Blüten im Bärenwald

Aber nicht nur violette oder gelbe Blüten waren zu sehen, auch weiß war vertreten.

Frühe Blüten im Bärenwald

In einem stillen Wasser dann auch Wasserpflanzen.

Frühe Blüten im Bärenwald

Sogar die Baumscheibe sah richtig frisch aus, fast wie ein Smiley.

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Von irgendwo her klopfte es auch sehr kräftig aufs Holz. Bei Fotografien gehen den Himmel zeigen sich doch die Grenzen der Technik, deswegen gibt es nur ein Schattenspiel vom fleißigen Specht.

Es klopft der Specht

Aber es gab nicht nur totes Holz zu sehen, im Gegenteil. Auch hier trieb sich das Grün aus den Knospen.

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Und das auch in diverser Vielfältigkeit.

Es grünt

Und noch mehr.

Knospen

Nur die Bären ließen ein wenig auf sich warten. Das Knacken eines trockenen Astes, wie es nur ein Fuß einer 200 kg schweren Persönlichkeit fertig bekommt, hallte zwar mal durch den Wald, aber zu sehen war keiner. Nur sehr natürliche Natur mit dem ihr eigenen Chaos im Gesträuch.

Ist da ein Bär?

Aber in einem Bärenwald sollten doch auch Bären sein. Nun ja, das Wetter war nicht so besonders. Aber ein paar Bären wären dann doch schön. Oder war da nicht schon einer zu sehen?

Im Gebüsch

Da hat sich also einer versteckt und liegt einfach und relaxt so rum. Recht so, wenn man ihre Geschichte kennt. Es sei ihnen gegönnt.

Genau gucken

Manchmal liegt dann doch einfach mal einer in einem der weitläufigen Gelände. Gut bezäunt, sind sie doch nicht immer so gemütlich und niedlich.

Faulbär

Aber nur einfach in der nicht vorhandenen Sonne rumliegen ist doch auch uncool. Da sind Gäste, die bespaßt werden wollen! Also zumindest erstmal aufraffen.

Da steht der Bär.

Na bitte, geht doch. Etwas mehr Äktschen bitte.

Laufbär

Geht doch. Nun aber bitte nochmal ein Bär von vorn. Und wenns geht, mit Teddybärengesicht.

Guckbär

Naja, so schön ist das Wetter nicht gewesen. 10°C, keine Sonne …

Noch ein Bär

Manchmal nerven die Besucher dann doch – obwohl: So viele waren in dem Moment doch gar nicht da. Allerdings ein paar Stunden vorher ein ganzer Trupp Radler …

Radler weg?

Die strengen dann doch etwas an. Nun können die Menschen aber auch mal wieder verschwinden.

Fressen

‚Nicht mal in Ruhe fressen kann man hier. Nur gut, dass es den Elektrozaun gibt. Der hält die Menschen weg.‘

Frisches Grün schmeckt

Aber das frische Grün ist schon lecker.

Essenszeit

‚Nun wird aber gefressen. Also lasst mich in Ruhe.‘

Es sei ihr – Maja, der Bärin – gegönnt. Man müsste mal rausbekommen, wann die Wahrscheinlichkeit höher ist, noch mehr von den Bären zu sehen. Aber dann ist der Bärenwald Müritz durchaus für einen Ausflug zu empfehlen.

Nun ist er da, der Lenz. Und die Sommerzeit ist auch da. Trotzdem geht die Sonne abends unter. Manche sagen, dass das am Horizont passiert. Ich bin eher der Meinung, dass das hinter meinem Kaktus der Fall ist. 😉Sonnenuntergang hinter Puschel

Am nächsten Tag, es war etwas früher am Abend, fiel mir beim Kaktus daneben (links am Rand) etwas auf. Da hat er mir doch was unterschlagen:

Kaktusblüte

Blüht das doch einfach so vor sich hin. Naja, Frühling eben.

Die Reihe sonniger und leidlich warmer Tage lässt vermuten, dass es wirklich und endlich langsam Frühling wird. Nach dem doch recht langen Winter sei es uns allen auch gegönnt. Aufblühendes Grün und Blütenpracht, das wäre es jetzt! Also schnappte ich mir Fernglas, Fotoapparat und fahrbaren Untersatz und suchte den Lenz …

Wege übers Land

So richtig Frühling scheint es aber noch nicht zu sein.

Man sieht eher etwas Wasser, teils dekorativ in der Landschaft, teils da, wo es nicht hingehört.

Und auch Grünes, wo es nicht hingehört (Miraculix hätte seine helle Freude)

Aber, wenn man genau hinschaut, findet man auch die ersten Spuren des Frühlings.

Und weil es Ostersamstag war, als ich folgendes Bild machte, hier ein Suchbild: Wo ist der Osterhase?