Wenn einem nix einfällt, redet man übers Wetter. Alter Smalltalktrick. Probieren wir es also hier mal: Mir gehen die Wettermoderator(inn)en in den Medien auf den Geist, die erzählen nur Blödsinn. Und damit meine ich noch nicht mal ihre Prognosen sondern ihr Vokabular, dass dringend überarbeitet werden sollte. Die gängigen Floskeln unterstellen manchen Aussagen einen Sinn, der einfach nur falsch ist. Leider liegen Teile des Problems nicht nur bei den Moderatoren selber, selbst beim Deutschen Wetterdienst (DWD) habe ich derartig falsches gelesen, was mich – ehrlich gesagt – etwas verwundert. Die müssten es eigentlich besser wissen.

Auslöser ist das „Wetter vor acht“ der ARD vom 20.02.2018. Claudia Kleinert hat zwar die schon mehrfach von mir kritisierte Formulierung nicht benutzt, dafür aber eine – zumindest für mich – neue Variante, die genauso falsch war. Nachdem als Beispielwert für den aktuellen Tag die Höchsttemperatur von Weimar mit -1°C angegeben wurde, kam die 15-Tages-Prognose für die Stadt ins Bild mit ihrem immer größer werdenden Unsicherheitsfaktor. Soweit, so gut. Entgegen dem vielfach gesehenen Bild gab es noch eine Linie in der Grafik, die zwar aussah als überhaupt nicht dazugehörig, aber doch wohl einen Sinn hatte: die statistische Durchschnittstemperatur von Weimar, vermutlich seit Beginn der Erfassung. Sie lag deutlich über der Prognose.

Die FALSCHE Standard-Formulierung wäre jetzt gewesen, dass es in Weimar gerade „zu kalt“ ist. Aber: ES IST NICHT „ZU KALT“!!! Die Temperatur liegt nur unter dem langjährigen Mittel. Punkt. Der Satz hat eine völlig andere Bedeutung und vor allem keinen unterschwelligen Sinn. Die Formulierung von Frau Kleinert hatte einen ähnlichen, fehlerhaften Subtext, indem sie fabulierte, dass die durch die Linie angezeigte Temperatur eigentlich die wäre, die gerade zu erwarten wäre. Das ist hanebüchener Bullshit. Die Temperatur ist nicht zu erwarten, sie ist nur der Mittelwert aus den letzten Jahren/Jahrzehnten/Jahrhunderten … Die Chance, diesen Wert wirklich mal zu treffen liegt bei unter 10%.

Kommen wir zum konstruktiven bei dieser Kritik: Zugegeben, die Formulierungen „über dem langjährigen Mittel“ bzw. „unter …“ sind etwas sperriger, aber mit ein wenig Übung sollte es elegant und leicht von den Lippen gehen. Und bei neuen grafischen Darstellungen mit der Mittelwertslinie bitte genau wie bei der Prognose die Wertvarianten mit anzeigen, also eine farbige Fläche ober- und unterhalb, die die Werte symbolisiert, die die Temperatur an den jeweilgen Tagen in der Vergangenheit auch alles angenommen hat. Die Statistik bietet da eine Reihe von Hilfsmitteln, diese Varianz-Flächen zu berechnen. Rechenmaschinen und die nötigen Daten scheinen ja vorzuliegen, also müssen sie nur noch genutzt werden.

Das beschriebene kritikwürdige Verhalten hat übrigens nicht nur Frau Kleinert. Sie ist hier nur exemplarisch erwähnt und letztendlich als Auslöser dieses kleinen Artikels gewürdigt. Den Unsinn mit „zu warm“ oder „zu kalt“ hat im wesentlichen jede(r) Wettermoderator(in) im Repertoire. Und sollte es doch jemanden geben, der das nicht macht, entschuldige ich mich für die pauschalistische Aussage. Aber mir ist noch keiner aufgefallen.

Ein ganz wichtiger Gedanke gleich an den Anfang: Die nachfolgende Aufzählung ist auf keinen Fall vollständig. Sie ist auch streng subjektiv. Aber sie soll mal eine Anregung zum Weitergucken sein.

75 (in Worten: fünfundsiebzig) Fernsehsender bringt mir mein Hausaltar ins Wohnzimmer, die ich mir ansehen kann, die an mich gerichtet sind. Nicht alle Sender bringen rund um die Uhr Programm, so dass wir nur mit ca. 1500 Stunden pro Tag rechnen müssen. Bei der Masse gibt es dann doch schon mal die eine oder andere Minute, die überdenkenswert oder gar überflüssig ist. Eine Auswahl:

  • Börsenberichterstattung
    Wieviele Deutsche besitzen Aktien? Weniger als 4%, so heißt es. Da gibt es ausreichend andere, ähnlich umfangreiche Randgruppen, die in den Medien nicht so präsent sind.
  • Lottozahlen in den Hauptnachrichtensendungen
    Hallo? Jede Lottowerbung muss mit dem Hinweis auf das Suchtpotenzial versehen werden, warum kommt wird das nicht bei der Werbung für Lotto in den Nachrichtensendungen gemacht? Der gute Zweck, der mit den Erlösen unterstützt wird, heiligt nicht alle Mittel.
  • Wetterbericht bei EinsExtra aktuell kurz vor der vollen Stunde
    Was soll das? Mehrere dynamische Wetterkarten gleichzeitig, die unerläutert in der Gegend rum stehen. Ich hoffe mal, dass ich nicht der einzige bin, der da überfordert ist, dem zu folgen.
  • Scripted Reality Shows, die sich den Anschein geben, echt zu sein
    Eigentlich müsste während der ganzen Sendung der Hinweis, dass alles gescripted ist, also erstunken und erlogen, vornehm: ausgedacht, als Logoergänzung eingeblendet werden, ähnlich wie bei Live-Sendungen. „Verdachtsfälle“, „Betrugsfälle“, „Mitten im Leben“, „Familien im Brennpunkt“, „Die Schulermittler“, „Unter uns“, „Alles was zählt“, …
  • Betroffenheitstriefende Moderatorengesichter in Boulevardmagazinen, wenn es in einem Beitrag „gemenschelt“ hat
    Das kommt immer so falsch und gespielt rüber, schrecklich. Es wäre schön, wenn man öffentlich-rechtliche Sender von dieser Kritik ausnehmen könnte, aber leider geht das nicht. „Brisant“ scheint da ein Vorreiter zu sein, das wundert aber nicht, weiß man, welche Anstalt für die Sendung verantwortlich ist.
  • manche Teleshopping-Sendung
    Die Betonung liegt auf „manche“, vor allem, wenn solche Sätze vorkommen wie: „Sie bekommen gratis dazu diese Deckelhalterung, wir berechnen ihnen dafür lediglich eine kleine Bearbeitungsgebühr von 9,95€  …“ Die Teleshopping-Sender schließe ich mal pauschal von diesem Vorwurf aus, handelt es sich dabei doch rein rechtlich um kein Fernsehen sondern um Mediendienste. Allerdings habe ich sie bei den 75 Fernsehsendern oben mitgezählt. 😉 Sie haben nicht nur rein wirtschaftliche Interessen, sondern auch eine wichtige psychologische Funktion, sind das doch die einzigen Programme, die weitläufig direkt mit den Zuschauern kommunizieren.
  • Jugendsendungen von Erwachsenen
    Neulich las ich mal folgende Sendungsbeschreibung: „DASDING.tv ist die lässigste Sendung im SWR Fernsehen. Versprochen. Außer Du stehst auf Eisenbahnromantik.“ Ein echter Schenkelklopfer, zumal, wenn man beide Sendungen kennt. Müsste es da nicht auch „… lässlichste Sendung …“ heißen? Manchmal fühle ich mich beim Anblick solcher Sendungen an einige Mittdreißiger erinnert, die immer noch krampfhaft versuchen, wie Mittzwanziger zu wirken. Die dazu gehörige Floskel lautet: „auf jung gequälte Tabakruine“.
  • „Sender XY aktuell Eins30“ oder „Nachrichtenflaggschiff in 90 Sekunden“ Kompaktnachrichten
    Natürlich weiß ich, dass diese Sendungen nicht primär für die Ausstrahlung im Fernsehen produziert werden, sondern als Fastfood für die Generation Internet. Vermutlich lässt aber irgendein (Staats-)Vertrag die reine Internetausstrahlung nicht zu. Sie sind gekennzeichnet durch übergroße Schrifteinblendungen, Standbilder und einer Moderationsoptik, die Nasenhaare und „das weiße im Auge des Moderators“ erkennen lässt. Eben die Anforderungen für die niedrigen Auflösungen im Internet. Dazu eine Handvoll Fakten, die einem um die Ohren gehauen werden, ohne Einordnung, ohne Hintergrund, ohne Sinn, wenn man nicht sowieso halbwegs auf dem laufenden ist. Internetclips im Fernsehen – das vergleichbar mit der ähnlich sinnvollen Ausstrahlung einer Fernsehsendung im Radio. Gibt’s auch.