Man kann nicht alles mit der großen Hitze, die gerade herrscht, erklären. Sie als Grund zu nehmen, ist aber in der Bewertung harmloser als mögliche wahre Gründe. Ignoranz, Unkenntnis, Recherchefaulheit und vieles andere mehr könnte einem da einfallen.

Aus den E-Mails eines Tages.

Ein Anschreiben zu einer Pressemitteilung:

„Es ist so weit: Vom … bis … 2016 findet die <Veranstaltungsname> rund um die Höhenburg Stargard in Brandenburg statt.“

Solche Äußerungen mögen wir als Lokalpatrioten sehr gern. Ende der Ironie.
Aber was will man – gaaaanz klischeeesk – schon erwarten. Der letzte Absatz der Pressemitteilung lautet:

„Veranstalter der <Veranstaltungsname> in Stargard ist <Agenturname> mit Hauptsitz in Lübeck.“

Da stellt sich doch die Frage, wo die Veranstaltung wirklich stattfindet: In irgendeinem ominösen brandenburgischen Stargard, im westpommerschen Stargard jenseits der polnischen Grenze oder vielleicht doch im kleinen, feinen Örtchen Burg Stargard unweit von Neubrandenburg. Letzteres ist wohl der Fall.

Aber höflich sind sie, die Agenturen. Spätestens bei der Verabschiedung:

„Über Ihr Erscheinen und einem kurzen Feedback würden wir uns sehr freuen.“

Manchmal hat man Zukunftsängste. Die sind meist eher persönlich begründet: Job, Gesundheit, Beziehung … Aber manchmal wird die Zukunftsangst auch etwas globaler, vor allem, wenn man sich Gedanken über nachfolgende Generationen macht.

Ein Zitat aus einer Timeline bei Facebook (alles Original, nichts weggelassen – außer der Name – nichts hinzugefügt):

warum sind Leute die Mann sehr lieb hat immer so böse zu einen wenn Mann? Z.B 🙁

Es folgt eine mitfühlende Antwort:

was los ??

Worauf der Ursprungsverfasser antwortet:

egal, weil wurde die nacht bestimmt 10mal angerufen weil ich mein fahne bei chris hatte weist und ich müde war und ich nicht um 23Uhr die Fahne hol weist deswegen

Der Name ist geändert, aber in Anlehnung an die Originalorthografie geschrieben.

Augenscheinlich ging nicht nur mir das mit dem Verständnis so.

alos Michael dich muss man nicht verstehen grade wegen dein ticker;!!!

Manchmal habe ich Angst um die Zukunft.

Keine Angst, ich falle nicht vom Glauben ab. Aber unter der o. g. Überschrift veröffentlichte unlängst ein Werbeblättchen* einen Expertentipp der Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Kathleen Peterka, in Personalunion auch noch Redakteurin für das Druckwerk. Folgenden Gedanken kann man sich ja mal auf der Zunge zergehen lassen:

… mit der vegetarischen Genießerküche. Längst hat sie sich vom „Essen von Beilagen“ emanzipiert. Aromatische Küche ist angesagt. Die Gerichte sind durch … Dämpfen und Dünsten fettarm und durch den Einsatz von vielen Gewürzen auch gut verträglich.

Diese herausragenden Eigenschaften gehen natürlich der normalen Küche ab. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an fade Rindergulasch, an fetttriefende Saltimbocca oder unverträgliche Hühnersuppen. Kochtechniken wie Dämpfen und Dünsten sind in der normalen Küche verboten. Wussten Sie das nicht? Auch die Verwendung von Kräutern und Gewürzen ist allein der vegetarischen Küche vorbehalten.

Aber es werden noch weitere Kochweisheiten unters Volk gebracht, die vorher auch noch kein Mensch kannte:

Ein Menü lebt von den Gegensätzen … Auf eine cremige Suppe kein „suppiges“ Gericht wie Ragout folgen lassen. Eher etwas „zum Beißen“ wie überbackenes Gemüse oder ein knackiges Wokgericht.

Ein deutschsprachiger Satz lebt von den Verben. Auf ein Subjekt folgt das Prädikat und das Objekt. Fängt man mit dem Objekt an, folgen Prädikat und Subjekt in der Reihenfolge. Nur bei Nebensätzen steht das gebeugte Verb am Ende, aber es ist in jedem Fall vorhanden. Wenn, dann verzichtet man mal auf das Objekt.

Böse Zungen behaupten, Vegetarismus, vor allem in seinen schärferen Formen,  wäre eine Essstörung. Sicher ist das Weglassen von Verben weniger gesellschaftlich relevant wie das Weglassen von Fleisch. Zu einem vollwertigen Deutsch gehören die Tu-Wörter aber dazu.

*) Tip der Woche (17.12.2012)

Der genussvolle Umgang mit der deutschen Sprache liegt ja durchaus im Interesse eines jeden Autors, egal, ob er eher der schreibenden oder der sprechenden Zunft angehört. Aber manchmal wird einem dieser Genuss doch arg verleidet. Was denken sich eigentlich Aufschreiberlinge dabei, die augenscheinlich ohne Sinn und Verstand Texte in Druck oder anderweitige Vervielfältigung geben, und diese sind dann voller Fehler. Nachdem Korrektoren und andere Fehlerbremsen auf dem Abfallhaufen der Marktwirtschaft entsorgt wurden, ist es kein Wunder, wenn der deutsch voll krass den Abgrund fällt.

Eine der hiesigen Landesregierung nahestehende Institution veröffentlichte heute eine Pressemitteilung doppelt. Die wiederholte Aussendung war einer Korrektur geschuldet, die bei Ortsansässigen keiner bedurfte. Denn ob man hinten oder vorn die Arbeitsagentur betritt, bleibt doch fast beliebig. Nicht geändert wurde eine Adresse des Absenders, die das gewaltige Kunststück vollbrachte, in einem einzigen Wort zweimal den gleichen Fehler, wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen, zu machen. So firmiert die Einrichtung in der Schweriner

Schloßstrasse

und unterschlägt, dass das Schloss und die Straße nach einer einfachen Regel mit ß und ss ausgestattet werden. Wichtig ist der Buchstabe davor: kurzer Vokal -> ss, langer Vokal -> ß. Vermutlich zu einfach.

Aber auch hiesige Versicherungsvertreter sind Meister im Straßennamenfalschschreiben. Aber selbst hier wird eine der einfachsten Regeln der deutschen Sprache nicht angewandt – oder es gibt eine Lücke in den Geografiekenntnissen. Mit einem offenbar selbst gestalteten Flyer teilt die Agentur mit, dass sie in Kürze in der

Ihlenfelderstraße

ihren Sitz hat und alle Neukunden Rabatt kriegen. Nun bin ich mit Versicherungen m.E. ausreichend versorgt, so dass ich mit inbrünstiger Überzeugung sagen kann: Wenn die nicht mal ihre Straße richtig schreiben können, geh ich da auch nicht hin.

Achja, die Regel. Unter der Voraussetzung, die Ihlenfelder Straße ist nicht nach Mathilde oder Karl-Gustav Ihlenfelder benannt (dann würde richtigerweise die Zusammenschreibung gelten) sondern nach dem gleichnamigen Ort, wo sie zufälligerweise auch hin führt, ist die Auseinanderschreibung das einzig richtige. In vier Worten zusammengefasst und dadurch leicht merkbar: Ort fort, Mann ran. Von einer Gendrifizierung nehme ich Abstand.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich Stolz für absolut lässlich halte, ganz aus Gründen des vielfachen Leiden, die dieses Gefühl schon ausgelöst hat. Das soll hier aber nicht Thema sein.

Es gibt aber so ein paar Produkte, auf denen steht, dass sie entweder „Made in Germany“ sind oder zumindest hier entwickelt wurden. Ein Beispiel ist hier zu sehen.

Den Firmennamen – er tut nichts zur Sache – habe ich mal unkenntlich gemacht. Die Produkte, die sich dahinter verbergen, sind wirklich nicht geeignet, stolz darauf zu sein, aus dem gleichen Land zu kommen. Aber sehr selbst hier und hier.

Das Bildungsniveau scheint wirklich immer weiter abzusinken, vor allem sieht man das auch am Beherrschen der hier üblichen Sprache. Der aktuelle Wahlkampf gab mit „C wie Zukunft“ einen ersten Aufhänger.

Aber auch die theoretisch vorhandene Konkurrenz bereichert die orthogramatikalischen Kostbarkeiten. Beim Slogan „Gut, wie das Land.“ (ein Bild ist u.a. hier zu bestaunen) steckt ebenfalls ein Fehler drin. Oder kann jemand das Komma erklären?

Ich könnte mir vorstellen, welche Funktion es haben soll, aber selbst dann ist es falsch und besser als Gedankenstrich auszuführen.

Der Wissenschaft sind eine Reihe von (Lebens-)Formen bekannt, deren begriffliche Bezeichnung nicht immer eindeutig ist. Auch lässt sich eine Logik manchmal nur schwer erkennen. Machen wir ein Beispiel. Dem Teefreund wird Mate zumindest dem Wort nach bekannt sein. Der grüne Tee wird in Südamerika gern getrunken.

Durch griechisch- oder lateinischstämmige Vorsätze erfolgt dann eine Unterteilung und Klassifizierung. So wissen wir, das Primate ganz einfache immergrüne Tees sind (pri von primitiv = einfach lateinisch) und Automate (fast) von selbst (auto = selbst griechisch) schmeckt.

Jetzt entdeckte ich eine neue Sorte, die, so unterstellte ich, eher zweitklassig in der Qualität ist: Bemate (Mate der Handelsklasse B). Bei der genauen Testung kam aber die Frage auf: Braucht zweitklassiger Tee aus Blättern eines Strauches/Baumes eine Krankenkasse? Vor allem eine Bayerische mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern? Aber seht selbst:

Gestern war ich beim Arzt.
Bevor einer fragt: Es geht ihm gut. 😉
Mir übrigens auch.
Aber das war nicht immer so. Deswegen war ich ja beim Arzt – wenn auch nicht gestern, sondern eine Woche davor und 2 Wochen davor auch. Mein Mittelohr hatte sich erdreistet, entzündlich auf eine Erkältung zu reagieren. Aber das ist alles wieder in Ordnung, die Überprüfung gestern brachte es an den Tag.

Bewusst war das meine erste Behandlung durch einen HNO-Arzt. So war ich auch sehr neugierig, was so alles passiert und wie es um mein Gehör steht. Im Laufe des Lebens durfte ich mir schon einigen Blödsinn anhören, da ist man sich ja nicht sicher, ob noch alles funktioniert, wie es soll. Einer der Tests lief halbwegs automatisch ab. Ich musste nur die Ohren hinhalten. Das Gerät, sicherlich für den internationalen Markt produziert, gab als Zusammenfassung sowohl für das linke und das rechte Ohr als Ergebnis „pass“ an. Da mein Englisch nicht so überragend ist, habe ich mal bei einem Anglophilen nachgefragt, was das bedeuten könnte. Seine Liste:

  1. passieren
  2. überholen
  3. übergehen
  4. weitergeben
  5. abgeben
  6. in Rechnung stellen
  7. durchlassen, vorbeilassen
  8. anerkennen
  9. gangbar machen bzw. sein
  10. durchbringen, verabschieden (Gesetz)
  11. rechtskräftig machen
  12. bestehen
  13. aussprechen, äußern …

Punkt 7 wird wohl die Bedeutung sein, die das Gerät meint. Der Weg vom rechten zum linken Ohr ist wieder frei, so dass nicht alles Gehörte in der Mitte stecken bleibt, sondern immer wieder schön zum anderen Ohr rausgelassen werden kann. Das ist im Leben wie im Beruf eine sehr wichtige Eigenschaft, vor allem, wenn was dazwischen ist, was es aufhalten könnte.

Wenn man manchmal mit offenen Augen durch die Gegend läuft, dann fangen einem bei einigen werbenden oder informierenden Aushängen die Nackenhaare an, sich zu kräuseln. Speziell auch bei Uhrzeitangaben gibt es immer wieder Irritationen, vor allem, wenn es um den Zeitpunkt Mitternacht geht. Und damit meine ich nicht, dass zum Beispiel das Mitternachtsshopping schon um 23 Uhr beendet ist. 😉

Mitternacht ist ein interessanter Termin, wenn es um Zeitangaben geht. Einige Sachen werden in dem Zusammenhang richtig paradox – zumindest scheinbar – und führen manchmal zu Nachfragen. Als ich heute in unsere marktplatzunterkellernde Tiefgarage gefahren bin, stand vor der Schranke ein Schild: „Heute bis 0:00 Uhr geöffnet.“ Da wunderte ich mich, dass die Schranke trotzdem auf ging und das Rollgitter nicht heruntergelassen war. Denn 0:00 Uhr ist der Tagesbeginn und nicht sein Ende. Deswegen ist die Angabe „bis 0:00 Uhr“ grundsätzlich sinnlos, da zu diesem Zeitpunkt nur Abläufe beginnen können.

Mitternacht erlaubt sich den Luxus, nicht nur 2 verschiedene Uhrzeiten, sondern auch noch zwei verschiedene Daten zu haben. Zwischen zum Beispiel dem 20.11., 0:00 Uhr und dem 20.11., 24:00 Uhr liegen genau 24 Stunden. Der erste Zeitpunkt liegt um Mitternacht in der Nacht vom 19. auf den 20.11., der zweite um Mitternacht in der Nacht vom 20. auf den 21.11. So kommt es, dass der 20.11., 24:00 Uhr gleich ist mit dem 21.11., 0:00 Uhr.

Dabei ist die Regel doch so einfach: Wenn etwas um Mitternacht endet, dann endet es um 24:00 Uhr, wenn es um Mitternacht beginnt, dann beginnt es um 0:00 Uhr. Falls einer der Leserinnen und Leser zufällig die DIN für diese Aussage weiß, wäre ich für diese Information dankbar.