Vergebliche Werbemüh‘

Natürlich verläuft bei jedem der Sonntag etwas anders. Das Klischee spricht gern von einem gemütlichen Frühstück, etwas seichte Betätigung, einen schmackhaften Sonntagsbraten, Reallifesocialnetworkingaktivitäten, meist verbunden mit Kaffee und Kuchen in geselliger Runde, Abendbrot, Tatort, Anne Will Günter Jauch und dann ab ins Bett.

Sendungsbedingt sieht es bei mir dann doch etwas anders aus. Nachdem mich das Licht des Sonntags den morpheus’schen Armen entreißt, meist in Form eines Weckradios, erhält die Sendung „RundumGenuss“ ihr letztes inhaltliches Update. kulinarisch verschweiße ich das elterliche Mittagessen zum Brunch, um mich anschließend der weitestgehenden Sendungsvorbereitung in der „Redaktionskonferenz“ zu ergehen. Dann gehts – meist mit einem Umweg über McCafé – nach Hause. Dies ist dann auch der Zeitpunkt der Sonntagsleerung meines Briefkastens.

Wahlsonntage bringen den Ablauf nur bedingt durcheinander. Das Update ist etwas straffer organisiert, so dass ein wenig Zeit gewonnen wird, um zur Wahl gehen zu können. Der Termin des sonntäglichen Mittagstisches ist seit Jahrzehnten festgemeiselt, daran ändern auch ein gesellschaftlicher Wandel nichts. Nur: Die Wahlwerbung in „Neubrandenburgs größter Sonntagszeitung“ verfehlt dann völlig ihre Wirkung, sehe ich sie doch erst Stunden nach meinem Wahlakt.

„Streuverluste“ nennt das wohl der Werbefachmann, wenn Werbung Leute anspricht, die die beworbenen Produkte nicht nutzen können. Die Kandidaten haben eine ganze Reihe Unterstützer um sich versammelt, die teilweise aber auch ganz schön streuen, vor allem dann, wenn das eine Partei-A-Mitglied den Kandidaten von Partei B, ein anderes Partei-A-Mitglied den Kandidaten von Partei C unterstützt.

Wahlplakat spielt mit Unwissenheit der Bürger

Da stellt sich doch gleich mal die Frage, ob Otto Normalwähler den Widerspruch in sich, der sich auf diesem Wahlplakat (wie auch auf einigen anderen) befindet, auch sieht.

Ausgenutzt wird die Unkenntnis der Wähler, wobei der Urheber dieses Tricks die FDP ist, die auf diese Art und Weise schon Legislaturperioden lang in den Bundestag einzog, da war von den Grünen noch nichts oder nur wenig zu sehen.

Analysieren wir also das Bild. Wir sehen eine nette junge Frau, die als Direktkandidatin in den Landtag Mecklenburg-Vorpommern einziehen möchte. Und das geht wie? Mit der „natürlich grünen“ Zweitstimme. Oder?

Nein! Auch wenn es sich in ihrer Bezeichnung nicht widerspiegelt, ist doch die Zweitstimme die wichtigere Stimme, wenn es im die Besetzung des Landtages mit den Parteien gilt. Nur mit dieser wird also die Sitzverteilung bestimmt.

Dafür ist die Erststimme eher unwichtig. Die bestimmt nur, welche Leute dann auf den für die Parteien reservierten Plätze sitzen, was sich durch „demokratische“ Mittel wie „Fraktionszwang“ bei Abstimmungen gern als unwesentlich herausstellt.

Übrigens: Das Plakat hier ist nur exemplarisch zu sehen, vor allem die kleineren Parteien nutzen die Unsicherheit der Wähler gern mal aus und unterstellen, dass die Wähler mit ihrer wichtigen Erststimme das beste für das Land aussuchen, dann können sie die unwichtigere Zweitstimme gern an sie abgeben. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Zusammenfassung: Wichtig für die Zusammensetzung des Landtages ist die Zweitstimme! Die sollte man nach seiner politischen Befindlichkeit setzen. Die Erststimme bestimmt nur mit, wer nachher auf einem der durch die Zweitstimme geschaffenen Stühlen sitzt (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Wählen gehen!

Natürlich kann man auch zum Wahllokal fahren. Radeln, rollatoren, joggen, walken (nordic oder nicht) usw. sind selbstverständlich auch erlaubt. Und die Briefwahl ist ergänzend möglich. Wenn man es sich richtig überlegt, sollte man eigentlich seine Stimme grundsätzlich per Briefwahl abgeben, immer am möglichst frühzeitigsten Zeitpunkt. Der war für die kommende Wahl am 15. August, seither ist das Briefwahllokal im Neubrandenburger Rathaus eröffnet. Man kann seine Unterlagen dafür sogar online beantragen (siehe Artikel).

Warum sollte man so frühzeitig wählen? Ganz einfach: Die Wahlentscheidung wird dann hauptsächlich durch die Arbeit der Politik bestimmt und nicht durch ihre Wahlkampfaussagen. Natürlich sollte man dazu die Politik und die Aussagen der Politiker/-innen seit der letzten Wahl ein wenig verfolgt haben; man sollte für sich registriert haben, was sie für einen Blödsinn gemacht haben und welche echten Erfolge es zu feiern gibt. Das setzt eine ständige politische Interessiertheit voraus, aber im eigenen Interesse sollte man das wohl auch sein.

Sollte, und das kann natürlich vorkommen, keine der aktiven Parteien den eigenen Vorstellungen von Politik entsprechen, ist es oberste Bürgerpflicht, sich über Alternativen zu informieren (zum Beispiel so oder so). Die sind mittlerweile so vielfältig, dass man eigentlich immer irgendwo etwas für sich findet und die eigenen Ideen und Ziele abgebildet findet. 100%ige Übereinstimmung wird es sicher nicht geben, aber da ist es wie im wahren Leben: Man kann nicht alles haben.

Keine – wirklich absolut keine – Alternative ist die Nichtwahl. Wer sich nicht an den demokratischen Prozessen – Wahlen sind einer der wichtigsten – beteiligt, hat hinterher kein Recht, sich über das Ergebnis der Wahl und den daraus folgenden Situationen aufzuregen. Das ist genauso blödsinnig wie Vegetaristen, die aus Tierschutzgründen kein Fleisch essen, oder Pazifisten, die in der Küche wegen ihrer Waffenablehnung keine Messer benutzen.

Und für alle, die partout keine Partei oder Wählergemeinschaft finden, die ihre Ziele vertritt: Selbst aktiv werden. Für die anstehende Wahl ist es zwar schon zu spät für eine Parteigründung. Aber die nächste kommt bestimmt. Einfach nur Gleichgesinnte suchen, helfende Fachleute einladen, sich zu den gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen informieren und los gehts. Dank Internet und sozialer Netzwerke sollte das heutzutage weit weniger kompliziert werden als in jeder vergangenen Zeit. Man kann natürlich auch in eine bestehende Partei eintreten und versuchen, diese in die neue Richtung zu lenken. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Da kann sich keiner raus reden.

Also: Wählen gehen!

Kopfschmerzen mit den Parteien

Die anstehenden Kreis- und Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern rücken mal wieder die Parteien und ihre politische Arbeit in den Mittelpunkt des Interesses. Wahlaussagen und sonstige Äußerungen, auch und vor allem über den politischen Gegner, lassen den Beobachter doch manchmal über den Sachverstand der Beteiligten verzweifeln und migränische Anfälle simulieren. Ein schönes Bild für eine Fabel.

Wer kennt sie nicht: Kopfschmerzen. Laut Werbung gibt es 37 Arten von Kopfschmerzen, die man wohl selber behandeln kann, und das alles mit nur einer einzigen Pille. Ob das sinnvoll ist oder nicht, wird nicht hinterfragt. Andere Pillen warben mit einem Abschaltimpuls für den Kopfschmerz. Das Prinzip erscheint einfach: Kopfschmerzen -> Pille -> Problem gelöst.

Ursachenforschung ist natürlich aufwendiger, verursacht Denkprozesse, die dann auch noch zu anderen Schlussfolgerungen führen könnten. Aber ein Gedanke sei in dem Zusammenhang doch erwähnt: Vielleicht ist es mal eine Idee, statt das Symptom Kopfschmerzen einfach mit einer Pille zu unterdrücken, doch mal die Ursachen zu beheben. Wie wäre es mit etwas mehr Bewegung an frischer Luft, gesunder, maßvoller Ernährung oder weniger ungesunder „Hobbys“ wie Rauchen oder Besaufen?

Das Schlimme daran: Man muss sich selber ändern, aber wer will das schon? Nur ist es das bisherige Leben, das heute dazu führt, dass es immer wieder Kopfschmerzen gibt. Mittlerweile scheinen diese sogar zum guten Ton zu gehören, werden gerade die pochenden, klopfenden durch einen hämmernden Specht satirisch geadelt. Blogs beschäftigen sich ausführlich mit dem Thema, was zu einer immer weiter führenden Normalisierung von Kopfschmerzen führt. Pille rein, und das Problem ist behoben. Oder auch nicht.

Muss eigentlich eine Fabel immer einen Moral haben? Völlig ohne Zusammenhang sei erwähnt, dass mal irgendein Papst eine Verbindung zwischen den Worten Pille und Verbot herstellte. Das ist allerdings ein anderes Thema. Unheil richtete es aber auch an. In der Hoffnung, dass die Fabel nicht zu fabulös daher kommt, bekämpfe ich meine Angst vor den hoffentlich nie kommenden großen Kopfschmerzen in der Zukunft mit der Geisteskraft des Verdrängens und einer Nullplattform.

Kontraproduktivität erklärt auch nichts

Da entnehme ich doch heute ein Papier aus meinem Briefkasten, dessen erster Satz das Druckwerk auf das Niveau senkt, gegen das es eigentlich geschrieben zu sein schien (ein völlig missglückter Versuch, nebenbei bemerkt).

In dem Satz heißt es, dass sechs Abgeordnete einer Partei die Arbeit des Landtages behindern. Damit kann man aber auch nicht jeden Beschluss wirklich erklären.

Wählen gehen!

Am 27. September steht der Deutsche Bundestag zur Wahl und es besteht eine zumindest moralische Wahlpflicht. Die Frage, die man sich jedes Mal vor einer politischen Wahl stellt, ist eigentlich auch immer die gleiche: Wen wählen? Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt zusammen mit Partnern auch in diesem Jahr wieder den Wahl-O-Mat ins Netz, wo anhand von 38 Thesen der geneigte Wähler Übereinstimmungen zwischen seiner Meinung und den entsprechenden Veröffentlichungen der Parteien finden kann. Ob sich die Parteien nach der Wahl noch daran erinnern können, berücksichtigt das Webangebot natürlich nicht.

Auf meinem Wahlzettel stehen 9 Parteien zur Wahl, also gibt es hier eine Top 9 der Parteien, die mit meinen Meinungen übereinstimmen. Diese Liste sagt natürlich nichts darüber aus, wen ich am 27. September wähle. Aber interessant ist es schon. Wär lässt sich schon gern bei grundsätzlichen Entscheidungen von Fakten beeinflussen? 😉

  1. Die Linke (76/94)
  2. Grüne (71/94)
  3. MLPD (66/94)
  4. Piraten (62/94)
  5. NPD (59/94)
  6. SPD (58/94)
  7. REP (45/94)
  8. FDP (43/94)
  9. CDU/CSU (33/94)

Ich werde kurz vor meinem Urnengang dieses Angebot nochmal durchlaufen lassen, mal sehen, was dann herauskommt. Einige Stellungnahmen meinerseits sind sicher auch tagesformabhängig. Außerdem habe ich vor einiger Zeit das Angebot schon einmal genutzt, und ohne Schwerpunktwichtung ein anderes Ergebnis erhalten (und leider nicht gespeichert).

Aufgeschnappt: Wahlkampfschnibbel

Der SPD-Kanzleranwärter Frank-Walter Steinmeier hat vor einiger Zeit sein Kompetenzteam aufgebaut, mit dem er nach der Wahl kompetente Politik machen will. Das ist hervorzuheben, wie mal ein Kabarettist in diesem Zusammenhang erwähnte. Leider versteckt er das Kompetenzteam noch vor der Öffentlichkeit. Auf den Bildern zur Meldung waren immer nur die Gesichter aus der SPD-Führungsriege zu sehen.

Am 27.09. ist Bundestagswahl – Die Entscheidungshilfe

In 4 Wochen ist Bundestagswahl. Das Stimmabgabesystem mit Erst- und Zweitstimme, mit Stimme für eine/n Direktkandidat/in/en und eine Partei, macht es nötig sich vor der Wahl ein paar Gedanken über die Stimmabgabe zu machen. Wichtig ist der verantwortungsvolle Umgang mit seinen Stimmen.

Die Zweitstimme ist die wichtigere der beiden Stimmen, bestimmt sie doch die Verteilung der Parteien im nächsten Deutschen Bundestag. Idealerweise sollte sich der Wähler und die Wählerin hier schon vor Wochen entschieden haben, für wen die Stimme abgegeben wird, um unabhängig vom momentanen Wahlkampfgetöse zu sein. Schließlich soll man die Parteien an ihrer Arbeit messen und nicht an dem, was sie vor der Wahl erzählen, wie SPD-Chef Müntefering nach der letzten Bundestagswahl anmerkte.

Bei der Erststimme, die den Direktkandidaten aus dem jeweiligen Wahlkreis bestimmt, sollte man sich gut überlegen, welche Bewerber (auch auf Grund ihres politischen Umfeldes) die meisten Interessen des Wählers durchsetzen kann.

Ein Überblick über die Parteien und die Direktkandidaten hat der Nordkurier auf seiner Webseite zusammengestellt (nicht nur aus Neubrandenburg, sondern auch aus den benachbarten Wahlkreisen). Schon mal Abstimmen üben für den hiesigen Wahlkreis geht auf der Webseite des Offenen Kanals unter www.nb-radiotreff.de