Vorsicht vor dem Einkauf

Eins sag ich Euch: Vorsicht vor noch so verlockenden Angebote der Supermärkte und Discounter, gerade auch vor Weihnachten. Da wird unter dem Deckmantel der Nächstenliebe einiges an den wohlmeinenden Kunden gebracht.

Nebenstehende Werbung vor einiger Zeit ist ein Beispiel dafür. Dieser kleine niedliche Weihnachtskaktus, jeweils in einer stachligen oder in einer puschligen Version.

Tierschützer kämpfen gelegentlich gegen die Vermenschlichung von Tieren, die sich unter anderem in Bekleidung für Hunde und Katzen oder anderen geldabschneidenen Perversitäten ausdrückt. Gibt es eigentlich auch Pflanzenschützer, die für ähnliches kämpfen?!

Aber die eigene Erfahrung zeigt: Der Zierrat lässt sich einfach entfernen und dann hat man einen schönen kleinen Kaktus. Und die Hersteller sind sogar erfinderisch. Zu Ostern gibt es sowas sicher wieder als Osterhase. Wie es der Zufall so will, habe ich einen Osterkaktus mal geschenkt bekommen.

Anfangs passierte relativ wenig. Aber als ich die Osterverzierungen entfernt hatte, ging es los. 2 oder 3 Jahre ist es jetzt fast her. Klein und süß sind mittlerweile nicht mehr die Vokabeln, die mir im Zusammenhang mit dem puscheligen Kaktus einfallen wollen.

Aber seht selbst:

Scheitern mit System (2 Updates)

Hallo und herzlich willkommen bei „Vorsicht Kunde!“, der kleinen, aber feinen Transskriptionsshow, die es nur als Text gibt und nicht als Radio- oder Fernsehsendung. Heute haben wir zu Gast den Herrn P. aus N. an der D. (Name, Stadt und Fluss von der Redaktion gekürzt, aber im Prinzip bekannt), der uns sein neustes Erlebnis mit der allgemeinen Warenwirtschaft erzählen wird.

P.: Tja, hm, … *hust* … also: Ich will mir ein Küchengerät kaufen. Aber das gestaltet sich schwieriger, als man denkt.

Moderator: Was ist beim Erwerb eines Küchengerätes denn so schwer? Ab in den Landen, aussuchen, evtl. beraten lassen, auswählen, bezahlen, raus und fertig. 

P.: Das stellen sie sich so einfach vor. Und an sich mag das ja auch so richtig sein. Aber ich hatte mir etwas besonderes ausgesucht. Im Fernsehen hatte ich das Gerät, dass anlässlich der kommenden Weihnachtsfeiertage das meine werden sollte, ein paar mal gesehen. Da war es zwar meist irgendwo im Hintergrund, aber auch in Betrieb. Selbst ein bekannter Fernsehkoch nutzte es …

M.: Da hat das Product placement also funktioniert *lach*.

P.: Mag sein, aber ich hatte vorher schon mal davon gelesen, in einigen Rezepten war es auch als Zubereitungshilfe angegeben. Ich war durchaus interessiert, also googelte ich mich durchs Internet, um Bezugsmöglichkeiten zu finden. Dabei stellte sich heraus, dass das Gerät nur über einen Direktvertrieb zu erhalten ist. Und dann wohl auch nur bei Kochpartys. So ein Brimborium wollte ich nicht.

M.: Apropos kochen. Da gab es doch noch diesen legendären Berlin-Ausflug. 

P.: Ach ja, der war schön. Sie müssen wissen: Ich kenne da zwei Wahlberliner, der eine aus dem süddeutschen, der andere aus dem N.er Raum. Die betreiben ein kleines, aber feines Restaurant in Berlin-Charlottenburg. Bei denen war ich in meinem letzten Urlaub zu Gast. Und was sah ich dort bei einem Blick in die Küche?! Genau das Gerät, über das ich mich informieren und das ich käuflich erwerben wollte. So konnte ich die Vorteile hautnah erfahren. Mein Wunsch, so etwas auch zu besitzen, stand fest. Nur: Wie komme ich da ran, ohne Kochpartys, ohne Vertreterbesuche, oder andere „verkaufsfördernde Maßnahmen“, die mich vom Kauf eher abhalten denn animieren konnten.

M.: Die Lösung, die sich bot, schien einfach.

P.: Stimmt. Besagte Bereitsgerätbesitzer outeten sich als mögliche Vertriebler des Gerätes, wenn auch nicht so ganz, aber irgendwie sollte das klappen. Nach ein wenig Bedenkzeit, immerhin ist das Küchengerät doch etwas hochwertiger, was sich durchaus im Preis niederschlägt, gab ich mein O.k.: Besorgt es mir. 

M.: Aber das stellte sich wohl als nicht so einfach heraus.

P.: Augenscheinlich. Nach einigen Tagen des Versuchens wurde erstmal aufgegeben. Es schien wirklich keinen Weg an den Kochpartys und den anderen Kinkerlitzchen vorbei direkt zum Gerät zu geben. Ich sehe ja ein, dass es einen Standard-Vertriebsweg für die Küchenmaschine gibt. Aber das bisschen Flexibilität, diesen mal zu verlassen, wenn ein Kunde gar nicht erst von den Vorteilen überzeugt werden, sondern es einfach nur haben will, scheint es bisher nicht zu geben. Es ist einfach nicht möglich, diesen Quirl-Schlag-und-Rührkochtopf mit eingebauter Waage und Zeitschaltuhr einfach nur zu kaufen. 

M.: Das ist unverständlich. Anscheinend hat der Hersteller kein Vertrauen in seine Betriebsanleitung, dass er seinen Vertrieblern einzuhämmern scheint, dass sie die Geräte vor Ort vorführen und am besten gleich was damit kochen müssen. 

P.: Der Witz bei der Geschichte ist ja: Auf der Webseite des Herstellers befindet sich ein permanenter – um nicht zu sagen penetranter – Warnhinweis vor Angeboten im Internet,  die dubios und kriminell sein sollen. Mit ihrer Vertriebskultur sind sie aber dabei, mich genau in diese Shops zu treiben, oder, um es seriöser zusagen: mich nach alternativen Bezugsmöglichkeiten umzusehen – die es aber nicht zu geben scheint. Die Webseite bietet einiges an Informationen, Videos und Zubehörteilen an, aber nicht das Küchengerät. 

M.: Wenn ich auf die Seite schaue, gibt es da neben iPhone-Apps, Jobangeboten und Zahlpausenwerbung auch einen Hinweis, dass man das Gerät „live erleben“ kann: „Gerne stellenw ir Ihnen … (das Gerät) zu Hause bei einem Erlebniskochen vor. Unverbindlich und kostenlos!“

P. (aufgeregt): Das ist ja der gesamte Blödsinn. Ich will nichts unverbindliches und kostenlos. Ich will diese Küchenmaschine und ich will sie auch bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will kein Erlebniskochen, ich will keine Kochparty, ich will keinen Vertreterbesuch. Ich will seitens des Herstellers Vertrauen in die Konstruktion des Gerätes und in die Qualität der Bedienungsanleitung sowie ein Paket, dass ich mir ggf. von der nächsten Postagentur abholen muss. Ich will Geld ausgeben ohne Zwangsbespaßung … 

An dieser Stelle bricht die Show ab. Herr P. aus N. an der D. ist von seinem Stuhl aufgesprungen und fuchtelt wild mit den Armen umher. Eine Archivgrabung brachte noch eine E-Mail an den Tag, augenscheinlich eine Antwort des Herstellers auf eine Nachfrage von Herrn P. Darin heißt es unter anderem:

Guten Tag Herr P.,

vielen Dank für Ihre Mitteilung.
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserem … (Gerät). Der perfekte Partner in der Küche hat in Europa bereits über 2 Millionen begeisterte Besitzer gefunden. Und täglich werden es mehr.

Erleben Sie den … (Küchenhelfer) zu Hause in Aktion. Eine erfahrene Repräsentantin zeigt Ihnen, wie Sie sich und Ihre Familie mit leckeren Speisen verwöhnen können – ganz schnell, einfach und mühelos… Hat Sie die Präsentation überzeugt, können Sie Ihren neuen Küchenpartner über unsere Repräsentantin bestellen.

Warum einfach machen, wenn es auch kompliziert geht. Aber das Verfahren läuft noch. Wie heißt es doch in einschlägigen journalistischen Magazinen immer so schön: Wir bleiben dran. Hier im Blog nenne ich es mal:

(Stand: 24.11.11, Fortsetzung folgt)

Update I (30.11.2011): Berlin ist gescheitert. Die Sache habe ich nun selber in die Hand genommen. Und ich muss sagen: Es entwickelt sich prächtig. Formular ausgefüllt, nochmal auf die Brimboriumfreiheit hingewiesen, Anruf verpasst, E-Mail erhalten und beantwortet, nächsten Anruf nicht verpasst, für Samstag einen Termin gemacht.

Update II (03.12.2011): Das Gerät steht, noch originalverpackt, seit 14:30 Uhr in meinem Flur. Manchmal geht doch alles schnell. Die Einladung zu einer Vorführung, die mir dann noch Rabatt bringt, habe ich trotzdem. Mal sehen, was passiert.

Bezeichnende Zeitlinie

Twitter ist ein schnelles Medium. Und es hilft auch, Informationen zu bekommen. Aber manchmal ist die Timeline auch für aufschlussreiche Überraschungen gut. Zur Erläuterung für die nicht Twitterer, oben stehen immer die neusten Nachrichten, um der Zeitlinie zu folgen, muss man also unten anfangen zu lesen.

Folgendes geschah auf meiner Timeline, nachdem ich durch die Stadt fuhr, größerer Mengen Polizei ansichtig wurde und per Twitter fragte, was das soll:

Manchmal sind Zufälle doch so bezeichnend.

Was es nicht alles gibt: Haptovegetarier

Zugegeben, den Begriff gibt es nicht. Er ist mir eingefallen. Aber jedes Kind braucht einen Namen und der ist passend. So was habe ich neulich mal erlebt. Wobei auch eine kleine Unterstellung dabei ist, konnte ich die diese Begriffsbildung auslösende Person nicht nach genaueren Einzelheiten befragen.

Das Volk der Vegetarier ist genauso vielfältig wie die Menschheit als solches. Die bekanntesten Schlagworte  sind Veganer, Flexitaristen, Pescetarier, Ovo-lacto-Vegetarier u. v. a. m. zuzüglich diverser Zwischen- und Mischformen, wobei einige Formen bei strengen Vegetariern nicht als solche gelten.

Haptovegetarier dürften dazu gehören. Im konkreten Fall aß die Person kein Fleisch, wohl aber Gerichte, die mit Fleisch zubereitet wurden. Im konkreten Fall war es wohl ein Auflauf. Man stelle sich also jemanden vor, der beim Gulasch oder vom Sonntagsbraten nur die Soße, bei der klassischen Lasagne nur die Nudelplatten oder bei Irisch Stew nur das Kraut und die Kartoffeln. Schwierig wird es beim Labskaus, dort Fleisch und Nichtfleisch wieder auseinander zu dividieren.

Wer jetzt meint, dass das kein Vegetarismus ist, hat vermutlich recht, im konkreten Fall  fiel aber der Begriff in Selbstbezeichnung. Man mochte wohl das Gefühl von Fleisch auf der Zunge nicht. Wer macht da eigentlich wem etwas vor?

Herbst in Bildern

War das nicht wieder ein wunderschöner Samstag; etwas kühl vielleicht, aber wir haben Mitte Oktober, da ist das erlaubt. Also den Fotoapparat eingepackt, das Auto gestartet und nach anderthalb Stunden die Insel Usedom, genauer: die Insel Görmitz erreicht.

Die entstandenen Bilder sind hier anzusehen. Viel Spaß beim Ansehen. Gut gegessen wurde natürlich auch.

Gourmand-Wellness

Was gehört eigentlich zu einem schönen Urlaubstag? Entspannung, Erholung, etwas Aufregung, genussvolle Momente, Meditation, schöne Gespräche, lecker Essen und Zeit. Dafür steht man auch schon mal gern etwas früher auf. 😉 So passierte es mir heute, auch wenn das Wetter eigentlich nicht dazu einlud, es als schönen Urlaubstag zu definieren. Grau, Regen, wenn auch nicht unbedingt zu kalt.

Wer mal schön entschleunigt Auto fahren möchte, mache sich relaxt auf den Weg in die Hauptstadt. Berlin über die B96 zu erreichen sorgt für Entspannung, beinahe Meditation und gemütliche Stimmung. Hat man die Landesgrenze zu Brandenburg hinter sich gelassen, bringt das Autoradio meist garantiert irgendeinen Sender mit der persönlichen Lieblingsauswahl der Musik. Dann die große Tempo-80-Zone, die bis zum  Autobahnring reicht. Das erholt. Vor allem, wenn man a) weiß, dass man Zeit hat und b) ausreichend Lkws unterwegs sind, die zur weiteren Verlangsamung der Fahrt führen.

Der Berliner Stadtverkehr ist dann doch schon etwas aufregender, vor allem, wenn man bemerkt, dass die Google Navigation nicht nur ständigen Funkempfang bevorzugt, sondern auch freie Sicht nach oben für die GPS-Satelliten. Die Tunnelführung der A100 und der A111 reizen zum navigatorischen Blindflug. Erstaunlich: Das erste Mal habe ich den Übergang zwischen den beiden Autobahnen fehlerfrei und ohne Probleme erwischt, auch wenn mir das erst hinterher auffiel. 😉

Kennt ihr die Situation: Die Oma greift dem Enkel mit einem kneifenden Griff in die Wange. Was passiert eigentlich, wenn man das zu oft macht. Oder zumindest öfter als üblich? Was passiert dann mit der Wange? Ich weiß es nicht. Was mit einer Ochsenwange passiert, wenn man sie aufs feinste schmort, mit handgeschabten Spätzle und einer aromatischen Rotweinsoße versieht und den Teller mit Scheiben violetter Möhren und Feigen ergänzt, durfte ich im Essen fassen erleben. Dabei war die Entscheidung für dieses Gericht nicht einfach, wird da doch noch viel mehr leckeres Angeboten. Auf der täglich aktualisierten Speisekarte (je nach Verfügbarkeit der immer frisch zubereiteten Zutaten) fand sich auch ein 4 Stunden gegarter, ergänzend gebratener und mit Teriyaki-Soße veredelter Schweinebauch, der an Linsengemüse eine Versuchung wert wäre. Leckere Suppen, salatige Vorspeisen und edle Desserts ergänzen die übersichtliche Karte.

Solltet ihr diesen Ausflug auch mal machen wollen: Tut das! Erwartet aber nicht das gleiche Essen, was ich eben beschrieben habe, es wird was anderes geben. Das wird aber auch lecker sein. Interessant für mich war übrigens eine kleine individuelle Verkostung, der ich beiwohnen durfte. Chefkoch Norbert experimentierte mit einem Fischgericht, das keinen Fisch enthielt. Verbrauchertäuschung stand dabei natürlich nicht auf dem Programm. Erstaunlich: Geschmack und Mundgefühl entsprachen einem wohlschmeckendem Bratfisch (ohne, dass ich die genaue Sorte benennen könnte, es müsste ein größerer Fisch gewesen sein), was sich auf dem Teller befand war aber so absolut grätenfrei, weil aus Nori-Algen (das Grüne, was bei Sushi gern mal drumrum ist), Tofu und Champignons nunmal keine Gräten erwachsen, auch nicht bei der Verwendung von Teriyaki-Soße. Hmm. Vielleicht sollte man da mal eine Folge EiTV draus machen, um den Nichtfischessern ihre Fischangst zu nehmen.

Sind Veganer Tierquäler?

Mit dem Gedanken, einen Artikel zu dieser Fragestellung zu schreiben, gehe ich schon länger schwanger. Ein nicht veröffentlichter/-barer Entwurf schlummert schon seit Ende 2009 hier in der Datenbank, bisher fehlte mir aber der schlüssige Aufhänger und eine Idee, wie ich den Artikel anlegen soll. Die Entscheidung wurde mir jetzt erfreulicherweise aus der Hand genommen, veröffentlichte doch eine bekannte Tageszeitung ein Interview mit niemand geringerem als dem Gründer und Vorsitzenden der veganen gesellschaft deutschland Christian Vagedes.

Zwei oder drei grundsätzliche Gedanken möchte ich voranstellen. Die Reihenfolge stellt aber keine Wertung dar.
Der Mensch ist, biologisch gesehen, ein Allesfresser; es gibt sogar welche, die meinen, wir wären Aasfresser. So weit würde ich nicht gehen wollen. Allesfresser zu sein heißt, bestimmte Nahrungsquellen auszuschließen, wäre keine artgerechte Ernährung.
Massentierhaltung, wie sie leider zur Erzeugung von Fleisch heutzutage üblich ist, gehört durch eine artgerechte, naturnahe Aufzucht ersetzt. Dagegen zu kämpfen ist wichtig, die Nutzung von Bio-Ware ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Er sollte zumindest dadurch ergänzt werden (gerade auch bei Fleischprodukten) auf regionale Erzeuger zu achten.
Naturnah sollte auch die Ernährung des Menschen sein, verarbeitete Nahrungsmittel sind, so weit es geht, zu vermeiden; (meist) industriell hergestellte hochverarbeitete Nahrungsmittel gehören definitiv nicht in den Menschen.

Nun aber zu den Äußerungen im oben genannten „Streitgespräch“.

… und Menschen hungern, weil wir die falsche Ernährung haben.

Das ist wohl das kleinere Problem, vor allem, wenn man bedenkt, dass zwischen dem Erzeuger und dem Endverbraucher in Europa etwa die Hälfte aller Lebensmittel auf dem Müll landen. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie unter anderem zu viel produziert wurden. Ein Indiz für die Aussage: hier.

Wir haben die Alternativen schon da, leckere Würstchen aus Weizen, aus Tofu, sogar aus Lupinen …
eine protein- und eiweißreiche Hülsenfrucht …
… da kann man sich dran gewöhnen.

In den USA gibt es sogar Turkey in vegan für Thanksgiving. Wir müssen die kulturellen Codes nicht aufgeben, wir müssen sie nur veganisieren.

Wie pervers ist das denn? Industrielle Nachahmerprodukte als besondere Delikatessen herauszustellen, das hat nichts mit einer natürlichen Ernährung zu tun. Wenn sich die Menschen vegan ernähren möchten, ist das ihre Entscheidung. Vegane Fleischdummys in die Ernährung zu integrieren, heißt aber, sich selber etwas vor zu machen. Außerdem wird die Lebensmittelindustrie unnötigerweise unterstützt, ist es doch manchmal nicht nachvollziehbar, was in diesen Fleischsimulantien alles drin ist, um den Versuch unternehmen zu können, dem Original zu entsprechen. Das ist Ressourcenverschwendung und Verbrauchertäuschung. Man könnte den Eindruck gewinnen, entsprechende sojabohnenverarbeitende Industrien fördern das Veganertum, um ihre Produkte los zu werden. Entsprechende Vorwürfe („Von der Halbzeitvegetarier-Kampagne geht das falsche Signal aus. Ich weiß nicht, ob sich Frau Rimpler (Teilnehmerin des Streitgesprächs – DirkNB) darüber bewusst ist, dass die Flexitarier-Bewegung (Flexitarier = Halbzeitvegetarier – DirkNB) in den USA von den Lobbyisten der Fleischindustrie unterstützt wird.“) werden auch in Gegenrichtung kolportiert.

Jeder, der tierische Produkte isst, hat eine Mitverantwortung für das Leiden dieser Lebewesen.

Provokant gefragt: Wer sagt uns eigentlich, dass Pflanzen die niederen Lebewesen sind, um sie eher als Nahrungsgrundlage zu definieren als Tiere? Die Erkenntnis ist in der Wissenschaft zur Zeit Mode, aber es gab Zeiten, da war es auch Mode, sich die Erde als Scheibe vorzustellen. Es gibt Hinweise, dass der Menschenaffe seine Entwicklung zum Menschen damit eingeleitet hat, dass er Fleisch zu sich nahm. Einen weiteren Sprung in der geistigen Entwicklung unternahm der Mensch wohl, als er anfing, das Fleisch nicht mehr roh in sich hinein zu stopfen, sondern es über offenem Feuer zu garen. Ist es nicht erstaunlich, dass erst der Fleischgenuss solche Geistesleistungen wie das Veganertum möglich gemacht hat.

Im Moment gibt es immer mehr Menschen, die von heute auf morgen vegan werden …

Ein Modell, dessen schnellstmögliche Umsetzung für viele sendungsbewusste Veganer das wichtigste Ziel ist. Wie bei vielen Zielsetzungen kann man sich auch hier mal vorstellen, was passieren würde, wenn das Ziel kurz vor dem Erreichen wäre. Stellen wir uns also vor, 95% der Menschheit lebten ab morgen vegan, natürlich den Tieren zuliebe. Was passiert dann aber mit den Nutztieren, die auch gern mal in einschlägigen Kreisen als Ausnutztiere bezeichnet werden? Seit Jahrhunderten sind diese Tiere daraufhin gezüchtet worden, dem Menschen als Nahrungsgrundlage zu dienen. Einfach frei lassen geht nicht, sie sind auf die Betreuung durch den Menschen angewiesen. Kühe, Schafe, Ziegen müssen trotzdem gemolken werden. Schweine, Hühner, Enten müssen trotzdem gepflegt werden. Wer macht das? Und vor allem: Wer bezahlt das? Der Wirtschaftskreislauf ist durch den nicht mehr möglichen Verkauf der Produkte zerstört. Soll das auch der Staat übernehmen? Und die trotz fehlender Nachfrage erzeugten Lebensmittel wie Milch, Honig, Eier sollen einfach weggeschmissen werden? Wer zahlt die Entsorgung? Irgendwann stirbt natürlich jedes Nutztier mal von allein. Auch hier stellt sich die Frage der Entsorgung, aber nicht nur. Wichtiger wäre die Frage, wo die natürlichen Düngemittel (Mist, Dung, Jauche) dann herkommen sollen? Einen Anteil wird der Kompost und die menschliche Ausscheidung leisten, aber reicht das? Oder soll hier wieder auf künstliche (industrielle) Produkte zurückgegriffen werden?

Wir Veganer leiden ja nicht, wir begeistern uns daran.

Das erinnert mich ein wenig an Masochisten. Die lassen sich auch gern quälen und Schmerzen zufügen, aber es erregt sie und sie ziehen ihren Lustgewinn daraus. Das zu einem Massenmodell zu machen, heißt, es zu übertreiben.

Tierisches Protein ist nicht gesund, sondern ein Gesundheitsrisiko.

Eine schöne Aussage, aber verbindliche Nachweise fehlen. Das liegt aber vor allem an der Ernährungswissenschaft an sich. Solange keiner weiß, wie die menschliche Verdauung im Komplex mit dem ganzen Körper überhaupt und bis ins letzte Detail funktioniert, sind Schlussfolgerungen immer fragwürdig. Statistische Studien gibt es mannigfaltig. So las ich neulich von einer, die zeigte, dass Fleischgenuss keinen Einfluss auf Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen hat, der Verzehr von Wurst (= verarbeitetes Produkt) aber schon. Ob die Pökelsalze ihren Anteil daran haben, steht nicht fest.
Ein anderes schönes Beispiel ist das Schweinefett. Beinahe nichts gilt als ungesünder, was für die industriellen Mastschweine wohl auch gilt. Untersuchungen sollen aber gezeigt haben, dass der Speck naturnah aufgezogener Schweine ob seines Gehaltes an ungesättigten Fettsäuren beinahe genauso wertvoll ist wie kaltgepresstes Oliven- oder Rapsöl.

Es gibt gesellschaftliche Probleme, die auch dem Veganertum als Basis und Begründung dienen, mit denen wir uns dringend auseinander setzen müssen. Das Stichwort „Massentierhaltung“ ist gefallen, die Lebensmittelverschwendung gehört auch dazu. Aber wenn mir der Fuß weh tut, dann prüfe ich den Schuh, suche mir ggf. einen neuen, hacke mir aber nicht den Fuß ab.