Ein Platz für Touristen

Touristen sind schon ein recht eigenwilliges Völkchen. Es gibt sie ja aller Unkenrufe zum Trotz in Neubrandenburg; in sielmannscher Tradition kann man ihrer immer mal wieder ansichtig werden und sie beobachten. Manchmal stößt man aber auch zufällig und im Vorbeigehen (oder heißt es jetzt „im vorbei Gehen“?) auf sie, wie es mir eben passiert.

Der Tourist als solcher bevölkert bekanntlich nicht nur Gegenden, wo er normalerweise nicht vorkommt, sondern –  Bewegung an frischer Luft macht hungrig – ist dort auch auf Nahrungssuche. Ein Einkaufscenter bot mir, selber auch beim Erjagen etwas Nahrhaften, das Bild zweier älterer Damen mit süddeutschem Akzent bei der Qual der Wahl. Vom Gespräch selber habe ich nichts gehört, aber als ich an den beiden vorbeigehend einen halben Satzfetzen mitbekam, schlich sich doch ein Lächeln auf mein Gesicht.

„… oder willscht was Geschabtes?“ war die leicht schwäbelnd formulierte Entscheidungsvorlage, die Blicke der Fragenden – kulinarisch vorgebildete Leser werden es ahnen –  auf zwei rotierende Dönerspieße gerichtet. Mein Weg führte mich zur „Goldenen Möwe“, manchmal die einfachere, aber nicht immer die bessere Wahl.

Sauer ist nicht nur lustig, sondern auch ätzend

Essen tue ich schon eine ganze Weile. Um es möglichst dramatisch auszudrücken: seit dem Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Trinken steht schon länger auf der Tagesordnung. Mit der Zeit entwickeln sich der Geschmack und die damit verbundene Wertung von für die menschliche Ernährung bestimmten Produkten immer weiter. So bin ich schon seit einigen Jahren der felsenfesten Meinung, dass es (in beinahe jeder Küche) ein Produkt gibt, dass traditionell bei den Gewürzen steht, eigentlich aber den Platz bei den Putzmitteln einnehmen sollte. 

Die wochenendlich einkaufsanregenden Beilagen der Zeitung brachten für mich eine entsprechende Überraschung. Das Produkt wird nicht mehr als Nahrungsmittel, sondern als Putzmittel beworben. Eingerahmt von Wischtüchern, Lufterfrischern, Scheuermilch, Fettlöser, Backofen und Allzweckreiniger steht es da, sogar noch verbunden mit einem Tipp: „Ab und zu Feuchtsensoren des Trockners mit … (dem Produkt – D.) auswischen.“  In der Werbung im Internet ist es auch zu sehen: Ich meine Essig-Essenz. 

Wobei ich selbstkritisch gestehen muss, bei mir steht die Flasche auch noch zwischen den Gewürzen und nicht im Putzschrank.

Lachen, harter Stuhl und Bullrichsalz

Manchmal weiß man gar nicht, was man über eine Veranstaltung schreiben soll; vor allem dann nicht, wenn diese Veranstaltung mit soviel Engagement, Mühe, Fleiß und persönlichem Einsatz organisiert war und trotzdem zumindest für einen Teil der Zuschauer voll in die Hose ging. Für andere war es vermutlich richtig schön, mal hautnah an den Künstler ran zu kommen. Wenn man Karten für eine Veranstaltung vorbestellt, dabei auch noch fast zu den ersten gehört, die das getan haben, und dann auf den schlechtesten Plätzen sitzt und mangels Beschallungsanlage sehr angestrengt dem Wortkünstler auf der Bühne zuhören muss, um nicht zu verpassen, überlegt man es sich, ob man nochmal zu einer Veranstaltung am gleichen Ort geht, zumal Besucher, die augenscheinlich spontan vorbeischauten, praktisch und wörtlich auf der Bühne plaziert wurden.

Aber der Reihe nach. Am vorpfingstlichen Freitag gab sich der westberliner (er betont es selber immer wieder gern) Kabarettist Martin Buchholz im Kulturstall Userin die Ehre. Der Verbalakrobal bester Güte, ein politkabarettistisches Urgestein, gab sein bestes und ein Besuch seines Programms ist jedem zu empfehlen (zum Beispiel am 01.06.2009, 19:30 Uhr, Alte Kachelofenfabrik, Neustrelitz).

Das kulinarische Rahmenprogramm war ansprechend, wenn man auf Gegrilltes, Schmalzstullen, selbstgemachtem Apfelsaft und Rotwein steht.

Ihnen wird zur Last gelegt, …

… Sie hätten an dem Ast gesägt. Ach nee, das war ja von Otto. Aber ein Schreiben, das wie die Überschrift begann, habe ich heute aus meinem Briefkasten gezogen. Unser Oberbürgermeister schrieb mir, genauer gesagt, eine Sachbearbeiterin aus der Abteilung Ordnung und Gewerbe. ‚Dabei habe ich doch gar kein Gewerbeschein‘, dachte ich noch leicht erheitert. Aber dann kam’s. 

Es gibt Fragen,  deren Beantwortung wohl noch etwas dauern wird. Geht im Kühlschrank wirklich das Licht aus, wenn man die Tür schließt? Wenn im Wald ein Baum umfällt und keiner hört hin, macht es dann trotzdem Krach? Oder, was machen unsere Autos, wenn wir selig im Bett liegen und an der Matraze horchen? Bleiben Sie auf ihrem Parkplatz vor dem Haus stehen oder suchen sie sich schönere?

Die Vermutung liegt nach, dass Autos das zuweilen machen, zumindest, wenn ich dem amtlichen Schreiben glauben schenke. Während ich noch in Morpheus Armen liege, scheint es durch die Stadtgebiete gefahren zu sein und stellte sich im Viertel Rostocker Straße, die §§ 42 Abs. 4a, 49 StVO, 24 StVG und 158 BKat verletzend, einfach so hin und ließ sich dabei auch noch erwischen.

Wer mich kennt, wird es als sehr lächerlich empfinden, dass mein Auto und ich um 6:49 Uhr irgendwo anders sind als zu Hause: das Auto auf dem Parkplatz, sein Halter im Bett. Zumal sich das Ereignis an einem Tag in einer Spätdienstwoche ereignet haben soll. Einfach absurd. Bleibt abzuwarten, was mein Widerspruch ergibt. Meine früh aufstehende Nachbarschaft könnte sicherlich bezeugen, das mein Auto da stand, wenn sie denn drauf geachtet hat.

Pawlow oder Freud im Verkehr

Freud und Verkehr, dass lässt auf ein schlüpfiges Thema schließen, aber irgendwie muss man ja die Internetnutzer auf seine Blog-Seite bekommen. 😉 Eigentlich soll es hier um Pawlow und Verkehr gehen. Zur Erinnerung: Pawlow war der mit den Reflexen, Hund -> Lampe -> Fressen -> Speichelfluss. Und irgendwann begann der Hund schon zu sappern, wenn nur die Lampe an ging, wie sinnlos.

Das ist aber nicht das einzige Beispiel zwischen einer optischen Wahrnehmung und einer sinnlosen Reaktion. Gerade auch im Straßenverkehr kann man immer wieder sowas beobachten. Man nehme eine dreispurige Richtungsfahrbahn (zum Beispiel den Ring), der Verkehr ist relativ dicht, aber flüssig. Vor meinem Auto fahren weitere und im Abstand von vielleicht 6 oder 8 Autos wechselt ein Lkw auf meine Spur. Praktisch sofort scheren zwei Pkw auf die Nebenspur, um sich einen viertel Ring weiter wieder auf der Ursprungsspur einzuordnen, faktisch fast an der gleichen Stelle, auf der sie vorher fuhren.

Was sollte das? Ich habe das schon öfters beobachtet. Kaum ist ein Lkw (gern auch ein Bus oder was anderes großes) auf der Fahrspur, wird sie gewechselt, was im Stadtverkehr meist nicht viel bringt. Nur um vielleicht Bruchteile von Sekunden schneller zu sein, wird in Sicherheitsabstände anderer Verkehrsteilnehmer hineingewechselt, teils ohne blinken, und der Effekt ist praktisch gleich null. Wie sinnlos.

Das Leben als Hühnerleiter – Alles Käse, oder doch nicht?

Ist das im Moment besonders schlimm, oder kommt es nur mir gerade hoch (lapsus linguae)? Werden wir gerade von immer mehr künstlicher sogenannter Nahrung überrannt? Von den Fertigprodukten und z.T. aus Restaurants kann man wohl bald wirklich nichts mehr essen.

Die Pizza als solches, dass hat mal ein Team von Wissenschaftlern ferstgestellt, ist eigentlich eine ganz gesunde Sache. Kohlenhydrate, Olivenöl und Ballaststoffe im Boden, wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe in der Tomatensoße, Vitamine u.a. in der Gemüseauflage, Eiweiß und maßvolles Fett in Schinken und Käse obendrauf. 

Nur: Nachdem vor einiger Zeit durch die Medien ging, dass das, was da als Schinken benannt wird, manchmal gar keiner ist, wurde jetzt festgestellt, dass es auch nicht alles Käse ist, was wir auf Pizza, Käsestangen, Käsebrötchen u.ä. finden. Laut Frontal21 wird hier oftmals „Analogkäse“, eine Mischung aus Palmöl, Stärke, Milcheiweiß, Salz und Geschmacksverstärkern, benutzt.

Der Grund: Das Zeug ist billiger. Geiz ist eben doch geil. Aber kulinarisch ganz weit unten. Ein Blick in die Zutatenliste hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Kunstkäse darf nicht als Käse bezeichnet werden, steht also bei der TK-Pizza kein Käse drauf, oder dieser in der Liste sehr weit hinten, ist Vorsicht geboten. Tauchen dann noch die oben genannten Mischungsbestandteile auf, sollte die Pizza dort bleiben, wo ihr sie gefunden habt: Im Supermarkt.

Als kulinarisch eingestellter Verbraucher kommt man sich ja bald wie eine Hühnerleiter vor: Man wird nur noch beschissen.

Aufklärung oder Werbung

Vielleicht habt ihr den Gemeinschaftswerbespot vierer Margarine-Sorten auch schon im Fernsehen gesehen. In einem Arikel von horizont.net ist er zu sehen und wird zum anderen als „Aufklärungskampagne“ bezeichnet. Schön in dem Zusammenhang ist das Zitat des Aufschmiermittelherstellers. Da kommen Begriffe wie „konkrete Wissensvermittlung“ drin vor! 

Ha! Werbung und konkrete Wissensvermittlung. Das ist doch ein Widerspruch in sich! Seit wann wird in Werbung nicht mehr gelogen? Da habe ich wohl irgendwas verpasst. Margarine ist und bleibt ein Produkt, das zwar mit natürlichen Rohstoffen hantiert, die aber chemisch „veredelt“. 

Sicher hat „pflanzliches“ zur Zeit ein besseres Image als „tierisches“, wenn wir mal einen Vergleich zur Butter wagen, aber mehr als ein Image ist es auch nicht. Und die Verknüpfung zwischen „pflanzlich“ und „gesünder“ ist in vielen Zusammenhängen nicht wirklich statthaft. 

Ansonsten gibt es zwischen Butter und Margarine ein eindeutiges patt: Fett- und Kaloriengehalt sind in vergleichbaren Größenordnungen (Ausnahme sind natürlich Halbfettmargarinen, aber da wage ich auf die Chemiebilanz gar nicht erst zu gucken). Ansonsten besteht Margarine aus billigeren Rohstoffen zweifelhafter Herkunft, so dass hier mal wieder die Gewinnspanne etwas größer ausfallen dürfte als bei Butter. 

Es ist nicht die schlechteste Philosophie, wenn man auf dem Weg zur natürlicheren Ernährung Produkte vermeidet, für die Werbung gemacht wird.

Die süße Macht des Geldes

Manchmal fragt man sich: Warum machen die das? Ist es wirklich nur das Profitstreben oder steckt doch etwas mehr dahinter (man hofft es ja fast). Und warum müssen sie es dann noch als Positivum verkaufen, obwohl es genug Hinweise darauf gibt, dass es eben nicht positiv ist. 

Zum Thema. Ich denke die ganze Zeit an die Fruktose- oder Fruchtzucker-Schweinerei. Der entsprechende Zusatz von Fruktose/Fruchtzucker wird uns als gesund verkauft, es ist ja die Süße aus Früchten und kein „ungesunder“ Kristallzucker. Daraus soll wohl auch geschlossen werden, dass Zuckerrüben bzw. Zuckerrohr keine Früchte sind. Oder wie sehe ich das? Außerdem gibt es ausreichend Studien, das Fruchtzucker im Gegensatz zu Kristallzucker verschiedenste Nachteile hat: 
– er sättigt nicht
– er wird besser in Körperfett umgewandelt
– ca. 1/3 aller Menschen haben eine Fruchtzuckerunverträglichkeit.

Zusammenfassend kann man also sagen: Er macht schneller dick und kann den Körper schädigen. Weswegen wird er aber trotzdem immer mehr verwendet? Fruchtzucker klingt irgendwie besser als Kristallzucker, er hat damit völlig zu unrecht ein besseres Image. Und er wird noch nicht mal aus Früchten hergestellt: Hauptquelle ist Maissirup, aus dem der Fruchtzucker preiswert hergestellt werden kann. Preiswerter übrigens als Kristallzucker. Und da liegt der vielzitierte Hase im Pfeffer: Fruktose ist billiger als Haushalts- oder Kristalzucker.

Übrigens: Süßstoffe sind auch billiger als Zucker, deswegen gibt es ja auch eine so groß beworbene Light-Kultur. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Light-Limonaden mehr beworben werden als die normalen Ausführungen? Kein Wunder, man kann mit denen mehr Gewinn machen.

So wird der Blick auf die Zutatenliste von Lebensmitteln immer wichtiger und sollte zur Pflichtübung beim Einkaufen werden.