War die Bundestagswahl ein Gemetzel? (aktualisiert)

Keine Angst: Die Überschrift ist nur eine rhetorische Frage. Und der Auslöser hat nur mittelbar mit der Bundestagswahl zu tun. Es geht auch eher um Begrifflichkeiten und ihre Anwendung im Journalismus. Kommen wir mal vom Prinzipiellen über das Allgemeine zum Konkreten.

Ein Baum ist ein Baum. Zwei Bäume sind zwei Bäume. Tausend Bäume sind ein Wald. Ab dem wievielten Baum wird es ein Wald? Eine Kartoffel ist eine Kartoffel. Zwei Kartoffeln sind zwei Kartoffeln. Tausend Kartoffeln sind ein Haufen. Ab der wievielten Kartoffel wird ein Haufen?

Wenn bei der Besetzung eines Postens einer zur Auswahl steht, nennt man das Wahl (Bemerke nur ich den Widerspruch in diesem Satz?). Sind es zwei, nennt man es schon Kampfabstimmung. Was wird es, wenn der Wähler 38 Wahlmöglichkeiten hat? Ein Gemetzel? Völkermord?

Nach der letzten Bundestagswahl findet bei B’90/Grünen das große Stühlerücken statt – wobei meine Gedanken mit der Partei als solches nichts zu tun haben, das ist auch alles schon bei den anderen auch passiert. Die Journaille berichtet pflichtbewusst davon. Für den einen Posten gab es einen Bewerber. Hier sprach man dann von Wahl. Bei einem anderen Posten gibt es zwei Bewerberinnen, schon wurde es eine Kampfabstimmung.

Das Instrument der Wahl gehört zur Demokratie wie das Wasser ins Meer. Dass eine Wahl immer auch eine Auswahl impliziert, wird dem bürgerlichen Wähler mit jedem Wahlzettel vorgeführt. So wäre es doch eigentlich eine demokratische Pflichtübung, zu jeder Wahl mindestens eine Alternative bereitzustellen, meinetwegen auch zwangsweise. Und damit es etwas spannend bleib, gibt es für die die Wiederwahl erschwerte Bedingungen. Wie wäre es da mit einer summierten Mehrheit.

Das lässt sich am einfachsten mathematisch ausdrücken. Bei der n. Wahl für einen Posten braucht der Kandidat eine n/(n+1)-Mehrheit, um gewählt zu werden. Das hieße, bei der ersten Wahl ist alles wie bisher: der Kandidat braucht die Hälfte aller Stimmen, um gewählt zu sein. Bei der ersten Wiederwahl (also der 2. Wahl) braucht es dann schon eine 2/3-Mehrheit, bei der dritten Wahl eine 3/4-Mehrheit usw. So kommen vielleicht auch mal neue Leute auf die Posten.

Aktualisierung (20:02 Uhr): Achnee, liebe Tagesschau. Nicht ihr auch noch. Wenn Menschen zwischen zwei Kandidatinnen auswählen können, dann ist es eine Wahl und keine Kampfabstimmung! Hört auf mit dem Blödsinn!

Wahlnachlese – Ein Gedanke

Tja, da hat das Volk einigen Politikern und ihren Parteien doch ganz schön in die Suppe gespuckt. Aber wie reagieren die?

Erst führen die Röslers, Trittins & Co. ihre Parteien ins Desaster und dann ziehen sie den Schwanz ein und überlassen die Müllhalde den anderen.

Gerade jetzt müssten die doch als echte Parteiarbeiter helfen, die Karre aus dem Sumpf zu ziehen. Vielleicht sollte man denen, die freiwillig gehen und sich so vor richtiger Arbeit drücken, die Hälfte ihrer nachpolitikerkarriereruhestandversüßende Bezüge streichen.

Eigentümlich – Das Pferd von hinten (aktualisiert)

Im Wahlkampf werden die Politiker und damit auch die Parteien eigentümlich. Manchmal bleibt einem da nur zu hoffen, dass sie sich doch nach wie vor an den Münteferingschen Aufregersatz „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“ halten. Hauptsache medienwirksamer Populismus. Aber das hat Tradition.

Gerade die Grünen sind hier recht federführend aktiv. Mit traumwandlerischer Sicherheit zäumen sie – selbst mit ihren großen Aktionen – das Pferd von hinten auf. Beispiel: Anti-Atom-Kampf. Dass man die Energieerzeugung aus Kernkraft dank ihrer unsicheren Entsorgung und das risikobehafteten Betreibung runterfahren sollte, ist unbestritten. Es an den Transporten der abgebrannten Elemente mittels Castoren festzumachen, ist genauso sinngebend, als ob man ein Feuer dadurch bekämpft, indem man der Asche den Abtransport versperrt. Wäre es nicht da bedeutend besser, etwas gegen die Erzeugung von Kernbrennstäben und ihr Anlieferung zu tun?

Gleiches Prinzip – andere Baustelle. Aktuell steht der Veggie-Day groß auf den Fahnen. Kantinen sollen pro Woche einen fleischfreien Tag anbieten. Der Sinn, der dahinter steht, ist nicht die Förderung heimischer Gemüsebauern, indem über diesen Tag die Aufmerksamkeit auf ihre schmackhaften Angebote gelenkt würde, wären die Kantinen in der Lage, regional erzeugtes Gemüse überhaupt zuzubereiten. Nein: Das Ziel (der Grünen) mit dieser Aktion ist, etwas gegen die Massentierhaltung zu tun.

Betont sei an dieser Stelle: Gegen das Ziel, die Massentierhaltung abzuschaffen, ist überhaupt nichts zu sagen. Aber warum mit derart unbrauchbaren Mitteln? Ist es nicht gerade die Politik, die die Rahmenbedingungen setzen kann, dass derartige Tierquälerei nicht mehr stattfindet? Weil sie sich aber eher Lobbyinteressen beugen, verlagern sie die Verantwortung auf die Bürger (=Kantinenesser) und stehlen sich selbst aus selbiger. Vegetarismus verhindert keine Massentierhaltung. Im Gegenteil: Durch die dadurch nicht stattfindende Förderung naturnaher Tieraufzucht wird die Erzeugung billigen absetzbaren Fleisches nur forciert.

Da fällt mir noch ein alter Witz (leicht adaptiert) zu sein, wo wir gerade bei Pferden von hinten sind: Was ist der Unterschied zwischen dem Schwanz eines Pferdes und dem Schlips eines Politikers? Der Schwanz verdeckt das ganze Arschloch.

P.S.: Gerade wurde ich auf einen interessanten Artikel aufmerksam gemacht mit der Bemerkung: Sowas liest man auch nicht so oft im Internet.

Nachgeschaut

Skandal, Skandal, Skandal! Die Amis und die Briten überwachen deutsche Kommunikation, lesen E-Mails mit und was auch immer noch. Skandal, Skandal, Skandal.

Den Geheimdiensten wird jetzt also das vorgeworfen, was die Wirtschaftsunternehmen, die hinter den (Kostenlos-)E-Mail-Anbietern stehen, aus eigenem Interesse, Werbung zielgenau zu verkaufen, schon immer machen.

Skandal, Zeter, Mordio!

Historisches Neuland

Twitter ist schon toll. Vor allem auch für Leute, die Aphorismen lieben. Sicher, Twitter ist noch nicht der Beweis, dass es eine Schwarmintelligenz wirklich gibt, aber so der eine oder andere sehr geistreiche Gedanke entschlüpft jedem Mal und dank Twitter bekommt er auch Verbreitung.

So zum Beispiel ein Spruch von @Ekynos, der dieser Tage einen wunderschönen Beitrag zur aktuellen Neuland-Rede unserer Bundeskanzlerin leistete. Er schrieb dazu:

Immer wenn christliche Entdecker „Neuland“ entdeckten, mussten die Eingeborenen darunter leiden.

Es steht also noch einiges zu befürchten, es kann aber keiner Sachen, er wäre nicht gewarnt worden.

Richtig oder erfolgreich

Da habe ich was aufgeschnappt in den Medien des heutigen Tages. Das informatorische Umfeld ist die aktuelle Situation in der Türkei in Verbindung mit der Annäherung an die EU und das aktuelle Verhalten der deutschen Politik dazu. Die hiesige Opposition äußert sich natürlich auch dazu.

So zum Beispiel Johannes Kahrs aus der Fraktion der SPD im Bundestag. In seiner Reaktion kommt folgender Satz vor: „Und am Ende werden wir ein Problem haben mit der Türkei, weil die sich nicht weiter in die richtige Richtung entwickeln…“

Unabhängig vom Umfeld dieser Äußerung soll es mal ums Prinzip gehen: Wer definiert hier die „richtige Richtung“? Mit welcher Arroganz muss man eigentlich ausgestattet sein, den eigenen Weg als den richtigen zu bezeichnen? Ob Europa, Deutschland oder wer auch immer sich heute auf dem richtigen Weg befindet, wird erst weit weit in der Zukunft eingeschätzt werden können.

Dass in dem Zusammenhang die EU bei aller Kritik im Moment durchaus als erfolgreicher bezeichnet werden könnte, mag durchaus angehen, das Ergebnis dieses Vorganges wird es nachweisen. Aber dass sich die EU in eine „richtige Richtung“ entwickelt, diese Einschätzung wollen wir doch bitte Historikern nachfolgender Äonen überlassen einzuschätzen.

Lieber selber hin hören, als die Taube im Fernsehen

Langsam enttäuscht mich deutscher Alltagsjournalismus. Die Fähigkeit zur schnellen Kurzanalyse scheint ihm auch verloren gegangen zu sein. So wurde gestern Bundeskanzlerin Merkel u. a. dafür gefeiert, verspricht sie doch 100 Millionen Euro Hilfe zur Behebung der Hochwasserschäden.

Soweit, so gut. Aber dann sagt Merkel noch was, was dann in Moderationen und Kommentaren weg geschwiegen wird. Die 100 Millionen gibt es nicht einfach so, sie sind nur eine Kofinanzierung. Merkel sagt nämlich noch, dass zu jedem Euro, den das betroffene Land zahlt, ein Euro vom Bund dazu kommt.

Solche Versprechungen kann ich auch machen: 100 Millionen Euro, aber die nur dann, wenn die klammen Länder selber auch soviel zahlen. Das Prinzip sollte sich mal in der Versicherungswirtschaft durchsetzen. Die zahlen dann auch nur soviel Geld aus der Lebensversicherung, wie auch der Kunde selber nachweisen kann.

Eine Richtung unendlich oft

Die Bundestagswahl 2013 wirft ihre Schatten voraus, Kanzlerkandiaten/-innen stolpern durch Talkshows, Vorder- und Hinterbänkler bringen sich in Stellung, um irgendwie aufzufallen – es gilt schließlich, im September wiedergewählt zu werden. Selbst neue Parteien gründen sich, um auf die eine oder andere Art irgendwie mitzumischen.

Eine der immer mal wieder auftauchenden Forderungen – ein Viertel der Bevölkerung steht dieser durchaus wohlwollend gegenüber – ist eine, die genauso populistisch wie schwachsinnig ist, auch und vor allem rein formal betrachtet. Dabei ist sie so schön griffig, dass sie gleich auch noch von jedem moderierenden Journalisten nachgeplappert wird, ohne über die Unmöglichkeit aufzuklären.

Zurück zur D-Mark!

Achja, die gute alte D-Mark. Wie ging es uns doch allen gut, als wir sie noch hatten. Sogar die Inflation war in den letzten Jahren der D-Mark höher als heutzutage beim Euro. Aber das nur nebenbei. Gerade die Inflation ist es aber, die die nach wie vor beliebten Preisvergleiche Euro-DM mit jedem Jahr sinnloser macht. Irgendwo habe ich das schon mal ausführlicher dargestellt.

Wieviel ist Unendlich minus 1? Der Mathematiker sagt: wieder unendlich. Wie komme ich drauf? Ganz einfach, wenn auch etwas philosophisch. Von jedem Punkt hat der Mensch, die Gesellschaft, der Staat usw. theoretisch unendlich viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln. Einige Prozesse laufen planbar oder vorhersehbar ab, aber spätestens das Wetter zeigt uns, dass es doch immer wieder anders kommen kann. Es gibt unendlich viele Entwicklungsrichtungen, die wir einschlagen können. Nur eine, die gibt es nicht: zurück. Das heißt, in der Entwicklung zurück zu gehen, ist quasi ein Widerspruch in sich. Entwicklung geht immer nur vorwärts. Zurück zur D-Mark ist also intellektueller Schwachsinn. Und nicht nur das.

Sicher, es wäre möglich, in Deutschland wieder eine Währung einzuführen, die D-Mark, Deutsche Mark oder wie auch immer heißt und die nur in Deutschland gilt. Es sollte aber allen, die das wollen, klar sein, dass diese Währung dann mit der D-Mark aus den 1990er Jahren einzig und allein den Namen gemeinsam hat. Wert, Stabilität, internationales Renommee, Wechselkurse … das alles ist  muss sich dann erst wieder einspielen, was ein Prozess ist, deren Zahl der Unbekannten genauso vage ist wie die Stabilität eines Soufflees in einem Backofen mit Durchzug.

Und glaubt auch ja nicht, liebe D-Mark-Befürworter, dass mit der Neueinführung der Währung die Preise nach unten gehen! Bei dem Gedanken bekomme ich ob Eurer Verblendetheit einen Lachflash. Auch bei diesem Währungswechsel wird es wieder Preiserhöhungen geben, das nennt sich Marktwirtschaft und Kapitalismus. Genau wie 2001. Jede Chance für Preiserhöhungen wird genutzt, das liegt nicht an den beteiligten Währungen, sondern nur am Wechsel als solchen.