Früher war mehr … geregelt

Es ist doch erstaunlich, was es mittlerweile so alles gibt. Schuld daran ist wohl auch eine zurückgehende Regulierungsflut staatlicherseits, was das dann auch immer konkret heißen soll. Als gelernte Bundes- und Europabürger sind wir da einiges gewohnt. Gurken- und Bananenverordnungen, Bäderregelung, Ladenöffnungszeiten, DIN und TGL – alles das gab es und gibt es in der einen oder anderen Form nach wie vor.

Apropos Shopping. Neben Weihnachten und Ostern feierte lange Jahre der Einzelhandel noch zwei andere wichtige Feiertage: Sommerschluss- und Winterschlussverkauf. Der Kunde wusste, wann es also rabattierte Waren gab, alles war geregelt. Offiziell gibt es diese Schlussverkaufstermine nicht mehr, es steht dem Handel frei, wann er dergleichen durchführt und unter welchem Namen. Immer häufiger wird darauf mittlerweile auch mit dem urdeutschen Begriff „Sale“ hingewiesen, von dem man aber auch erstmal wissen muss, dass er sowas ähnliches wie SSV und WSV heißt.

Während die Schlussverkäufe die entsprechend jahreszeitlich geprägte Saison abschlossen, gibt es mittlerweile diesen terminlichen Anlass nicht mehr. Oder man gibt dem Kind einfach einen neuen Namen, Hauptsache, man kann mit Rabattaktionen Leute in den Laden bzw. auf die Webseite locken.  So etwas müssen sich die Wortdesigner eines Internethandelshauses auch gedacht haben, als sie sich den „Midseasonsale“ ausgedacht haben – auch nur eine Rabattwerbung.

Was sehen wir, wenns nichts zu sehen gibt?

Zur Zeit feiern die Fernsehsender, seien sie privat oder öffentlich-rechtlich, einen großen Feiertag, oder, genauer gesagt: Sie bereiten ihn vor. Es ist der 30. April 2012. Zelebriert wird die Abschaltung des analogen Fernsehens, auf das in zahlreichen, manche sagen auch in zu zahlreichen,  Fernsehspots hingewiesen wird. Selbst unsere hiesige Lokalzeitung nahm sich jetzt des Themas an. Grund dafür dürfte u.a. sein, dass beim ebenfalls hiesigen Kabelfernsehbetreiber die Nachfragen häuften.

Was lernen wir daraus? Werbung im Fernsehen, wenn sie die Leute anspricht, hat durchaus eine überragende Wirkung, vor allem bei denjenigen, die nicht so in der Materie stehen. Die Bedingung ist dabei, dass es die Leute direkt betreffen muss. Ein Fernsehabend ist ohne Fernsehprogramme, die man empfangen kann, auch nur halb so schön, aber dieses Szenario drohte ja laut TV-Spot. Irgendwie erinnert mich das an den Werbespot eines „Erkältungsheilmittels“, dass nach eigenen Angaben Deutschlands meist verkauftes und vor allem auch meist überschätztes ist.

Die Wissenschaft hat gezeigt: Eine Erkältung dauert ohne medizinische Behandlung 7 Tage und mit medizinischer Behandlung eine Woche. Was sollen Wirkstoffe in der Kapsel wie Paracetamol, Ascorbinsäure, Coffein, Chlorphenaminhydrogenmaleat (genau die sind da drin) schon ausrichten? Die Kopfschmerzen (so vorhanden) werden gelindert, das künstliche Vitamin C geht sowieso gleich in den Ausguss, Coffein kriegt man auch durch einen Espresso oder eine Cola und das letzte soll wohl die Nasenschleimhäute zum Abschwellen bringen. Das heißt: Es werden die körperlichen Reaktionen unseres Immunsystems unterdrückt, die eigentlich die beste Strategie gegen Erkältungen sind: Ruhe, Entspannung und Nasenfluss. Denn, das muss einem auch erst mal einer sagen, was wir als Erkältungssymptome wahrnehmen, sind eigentlich die Abwehrreaktionen unseres Körpers auf die Erkältung.

Der Erkältungstipp: Die drei oder vier Tage, wo die Erkältung am schlimmsten ist, einfach auf Krankenkassenkosten frei nehmen und es sich bei heißem Tee und heißer Hühnerbrühe auf dem Sofa bequem machen und etwas leiden. Das muss ja nicht nur durch das Nachmittagsprogramm der Fernsehsender sein, womit wir dann beim eigentlichen Ursprungsthema wären. 20 Fernsehsender stehen ab 1. Mai im Neubrandenburger Kabelfernsehnetz analog noch zur Verfügung. Ich vermute aber, dass zu dem Zeitpunkt eine Kanalsuche durchgeführt werden muss, nicht alle werden ihren Kanalplatz behalten. Der Auswahl der Sender standen sicher verschiedene Kriterien zu Grunde, Zuschauerinteresse war dabei nicht als Spitzenreiter dabei. Rechtliche Vorgaben und wirtschaftliche Interessen hatten vermutlich Vorrang. Wer mehr sehen möchte, kommt um den Kauf eines Receivers (DVB-C) oder eines neuen Fernsehers (ebenfalls mit DVB-C) nicht herum. Der Fachhändler ihres Vertrauens berät sicher gern.

Schlafmützen aufgepasst!

Auch als Schlafunterlagenverkäufer muss man aufgeweckt sein. Es empfiehlt sich außerdem, bei der Werbung ein klein wenig Logik mit einfließen zu lassen. Und auch Mathematik kann nicht schaden, nicht nur beim Ansetzen des Rotstifts und beim Errechnen des Rabattes.

Sowohl in der Logik als auch in der Mathematik lässt sich eine Negation nicht steigern, in dem man sie nochmals negiert. Aufs allerwesentlichste reduziert: -(-1)=1. Oder als logischer Ausdruck: ¬¬A = A, wobei A eine Aussage ist.

Manchmal versteckt sich allerdings eine Negation, zum Beispiel, wenn es auf etwas Rabatt gibt. Hier bedeutet ein Rabatt von beispielsweise 25%, dass etwas nicht mehr 100€ kostet sondern nur noch 75€ (25% von 100€ sind 25€; 100€ minus 25€ sind 75€).

Derweil Preise im allgemeinen eher die Tendenz haben zu steigen, kann man das mit einem kleinen Kunstgriff auch als Rabatt verkaufen, setzt man vor die Rabattprozente ein Minus. Das Beispiel würde also heißen, dass wir jetzt -25% Rabatt gewähren. Wir rechnen: -25% von 100 € sind -25€; 100€ minus -25€ sind 125€. Manchmal ist so ein kleines Vorzeichen doch eine ganze Menge wert.

Negativsparen. So, so. Das klingt nach dem Negativwachstum, dass uns auch immer wieder verkauft wird, und eigentlich Verkleinerung heißt. Man muss bei doppelten Negationen schon aufpassen, das ist nicht unwichtig.

Vergebliche Werbemüh‘

Natürlich verläuft bei jedem der Sonntag etwas anders. Das Klischee spricht gern von einem gemütlichen Frühstück, etwas seichte Betätigung, einen schmackhaften Sonntagsbraten, Reallifesocialnetworkingaktivitäten, meist verbunden mit Kaffee und Kuchen in geselliger Runde, Abendbrot, Tatort, Anne Will Günter Jauch und dann ab ins Bett.

Sendungsbedingt sieht es bei mir dann doch etwas anders aus. Nachdem mich das Licht des Sonntags den morpheus’schen Armen entreißt, meist in Form eines Weckradios, erhält die Sendung „RundumGenuss“ ihr letztes inhaltliches Update. kulinarisch verschweiße ich das elterliche Mittagessen zum Brunch, um mich anschließend der weitestgehenden Sendungsvorbereitung in der „Redaktionskonferenz“ zu ergehen. Dann gehts – meist mit einem Umweg über McCafé – nach Hause. Dies ist dann auch der Zeitpunkt der Sonntagsleerung meines Briefkastens.

Wahlsonntage bringen den Ablauf nur bedingt durcheinander. Das Update ist etwas straffer organisiert, so dass ein wenig Zeit gewonnen wird, um zur Wahl gehen zu können. Der Termin des sonntäglichen Mittagstisches ist seit Jahrzehnten festgemeiselt, daran ändern auch ein gesellschaftlicher Wandel nichts. Nur: Die Wahlwerbung in „Neubrandenburgs größter Sonntagszeitung“ verfehlt dann völlig ihre Wirkung, sehe ich sie doch erst Stunden nach meinem Wahlakt.

„Streuverluste“ nennt das wohl der Werbefachmann, wenn Werbung Leute anspricht, die die beworbenen Produkte nicht nutzen können. Die Kandidaten haben eine ganze Reihe Unterstützer um sich versammelt, die teilweise aber auch ganz schön streuen, vor allem dann, wenn das eine Partei-A-Mitglied den Kandidaten von Partei B, ein anderes Partei-A-Mitglied den Kandidaten von Partei C unterstützt.

Deutsch 5, setzen!

Das Bildungsniveau scheint wirklich immer weiter abzusinken, vor allem sieht man das auch am Beherrschen der hier üblichen Sprache. Der aktuelle Wahlkampf gab mit „C wie Zukunft“ einen ersten Aufhänger.

Aber auch die theoretisch vorhandene Konkurrenz bereichert die orthogramatikalischen Kostbarkeiten. Beim Slogan „Gut, wie das Land.“ (ein Bild ist u.a. hier zu bestaunen) steckt ebenfalls ein Fehler drin. Oder kann jemand das Komma erklären?

Ich könnte mir vorstellen, welche Funktion es haben soll, aber selbst dann ist es falsch und besser als Gedankenstrich auszuführen.

Überraschung!

Wer liebt sie nicht, diese „Wir-machen-gar-keine-große-Party-aber-wenn-der-zu-befeiernde-nach-Hause-kommt-ist-es-ein-Riesenfest-und-alle-rufen-wenn-er-reinkommt-‚Überraschung!'“-Parties? Einfache Antwort: Ich. Nicht umsonst habe ich ja auch den Wahlspruch: „Bei dreimonatiger Voranmeldung Spontanität gesichert.“ Aber Scherz beiseite.

Im anglophilen Sprachraum wird, passend zum Zwecke der allgemeinen Verständlichkeit, meist nicht „Überraschung!“ gebrüllt, sondern „Surprise!“.  Das ist, Mitdenker und Englisch kundige wird das nicht wundern, die ortssprachliche Entsprechung. Vermutlich gibt es dort auch genauso viele Liebhaber der Unsitte wir hier.

Nur welchen Sinn hat das Wort „Surprise“, wenn man es hinter einen eingeführten Produktnamen schreibt? Wahrscheinlich ist dann eine Überraschung mit drin. „Die Pille Surprise“ enthält dann wohl an einer Stelle eine Schokolinse, eine Kiste Cola light koffeeinfrei Surprise enthält eine Flasche mit braungefärbtem Süßstoffwasser und bei Tütensuppe Surprise ist mal kein Glutamat/Hefeextrakt drin.

Was passiert aber, wenn eine, wie ich es jetzt auf einem großen Werbeaufsteller im Stadtgebiet gesehen habe, Zigarettenmarke mit der Produktvariante „Surprise“ wirbt? Sind bei gleichen Preis unterschiedlich viel Zigaretten drin? Oder sind die aufgedruckten Krankheiten, die man vom Rauchen bekommen kann, vielfältiger? Oder gibt es in einer Packung jetzt viele Geschmacksrichtungen? Ich werde es nie erfahren. Das Schicksal eines Nichtrauchers.

Häuserarbeit

Mit dem Begriff „Haus“ wird im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch immer wieder auch „Immobilie“ verknüpft, was diese zu in Faulheit rumstehenden Gebilden verunglimpft. Die tägliche Praxis zeigt aber, dass vielen Gebäuden auch Funktionalität innewohnt, die sich in den vorgesetzten Bestandteilen der damit formulierten zusammengesetzten Substantive manifestiert.

Klassisch zu nennende Beispielen sind Wohnhäuser, wo irdendwas oder -wer drin wohnt. Gepflegte Parkanlagen sucht man zwar in Parkhäusern vergeblich, aber immerhin kann man seine Mobilie darin abstellen. In Ärztehäuser praktizieren Ärzte, in Rathäusern wird geraten, wo das Geld aus dem Stadtsäckel hin ist. Der – sicher empirischen – Beispiele gibt es viele.

Breit macht sich in der Stadt eine neue Art von Funktionshaus. Allerdings hat es noch keinen eingängigen Namen wie die anderen. Es gleicht gewissen It-Girls oder Supermodels, ohne an deren Qualitäten heran zu kommen. Aber außen bunt angezogen die eigene Haut zu Markte tragen, innen aber hohl und leer zu sein und ansonsten sinnlos in der Gegend rum zu stehen, das verbindet sie dann doch.

Eine eingängige Begrifflichkeit wäre also gesucht. Vielleicht in Anlehnung ans It-Girl das WeT-Haus? Aber es ist zu sachlich und wenig originell, aus WerbeTräger einfach nur das Kurzwort zu bilden.

Prosit Wochenende

Werbung, wie sie sein muss: Kurz, knackig, aussagekräftig und auf das Wesentliche reduziert. So soll sie sein. In entsprechenden Fachkreisen wird folgende Anekdote immer wieder gern zum besten gegeben:

Ein Mann kommt immer mal wieder an einem Imbiss vorbei, an dem auf der Angebotstafel unter anderem stand: „1 Paar Winerwürstchen mit Brot und Senf … 1,99 €“. Eines Tages geht er hinein, bestellt das Paar Würstchen und sprach dann den Wirt darauf an, dass da ein „e“ draußen auf seiner Angebotstafel fehle. Der Wirt meinte, das wisse er bereits. Auf die Frage des Gastes, warum er den Fehler denn nicht korrigiere, meinte er: „Es haben mich schon so viele Leute auf den Fehler hingewiesen, aber alle kommen dazu in den Laden und bestellen die Wiener oder etwas anderes.“ So sei sein Umsatz gestiegen.

Ob diese Gedanken auch zu nachfolgendem, schon länger aushängender Werbetafel geführt hat, weiß man nicht. Sicher ist nur, dass es hier augenscheinlich das billigste Bier der Region, und dann noch mit 7% Alkohol gibt:

Billiges Bier?

Schade, dass ich kein Bier trinke, mich hätte wirklich mal interessiert, wie die Pfennigbruchteile rausgegeben werden. Oder wird ähnlich wie bei Tankstellen im Zweifel einfach nur aufgerundet? Die haben aber nur eine Stelle hinter dem Komma bei den Cent-Angaben, beim Bier sind es ja zwei … 😉

Schnittmengen in der Logik – Haar in der Suppe

Die Werbung, vor allem auch im Fernsehen, hat eine gewisse Bildsprache. Weiße Wäsche, so unmodisch sie auch immer sein mag, steht für Reinlichkeit, ähnlich wie in der Sage steht der Fuchs für Schläue, lächelnde Gesichter stehen für Lebensfreude usw. usf. (oder für Lateiner: etc. pp.). Eine Schere steht im Allgemeinen dafür, dass man etwas abschneiden kann/soll/muss.

Nun interessiert mich Werbung für Haarspülungen, vor allem, wenn sie langhaarige Frauen ansprechen soll, eher weniger. Aber ein altbewährtes Sujet eines entsprechenden Spots geht mir nicht aus dem Kopf. Das Bild, dass da verwendet wird, gibt es gefühlt schon seit den 1980er Jahren, immer wieder frisch aufgenommen. Seit damals beschleicht mich das Gefühl, dass damit etwas nicht stimmt. Die Frage ist nur: Stimmt was am Sujet nicht oder an meiner Logik?

Defektes Haar soll sich entweder mit der Spülung reparieren lassen oder soll abgeschnitten werden. Soweit, so gut. Nun wird aber zum Schluss die Schere zerbrochen, was für mich ein Bild dafür wäre, dass man nichts abschneiden muss. Der zu hörende Text lautet aber „Entweder … (Bild von Schere beim Zerbrochenwerden) oder … (Bild der Spülung)“. Also: Entweder müssen die Haare NICHT abgeschnitten werden, oder man nehme die Spülung. Negieren wir den ersten Teil der Aussage, wird aus der entweder-oder-Verknüpfung (Antivalenz) eine und-Verknüpfung (Konjunktion), damit die Aussage als ganzes wahr bleibt. Also soll man die Haare mit der Spülung behandeln UND abschneiden. Warum dann noch spülen?