„Ein Jahresrückblick ist wie ein Besuch in der Kläranlage.“
Erwin Pelzig
Dieser Spruch ist sicher sehr allgemein gemeint und da recht eindeutig. Im speziellen bekommt er eine ungewohnt deutliche Mehrdeutigkeit. Eigentlich wollte ich einen recht umfangreichen Jahresrückblick schreiben, so meine Gedanken im Sommer. Es ist genug passiert. Dagegen spricht, dass ich bisher wenig wirklich persönliches hier im Blog geschrieben habe. Deswegen werde ich wohl ein paar Extrakte zusammentragen, mal sehen, wie sich das auswächst. Die Reihenfolge ist übrigens nicht chronologisch oder von irgendeiner anderen Wertigkeit.
Das Jahr 2010 zeichnete sich u. a. dadurch aus, dass ich einmal tief in die Kloake menschlicher Seele schauen durfte. Die Veröffentlichung der Details überlasse ich dem Ghostwriter meiner Memorien. 😉 Aber allein die Tatsache, dass ich, nachdem ich Kenntnis von der Ausgeburt der Kloake erhalten hatte, zur Polizei ging, um zum Selbstschutz Anzeige gegen Unbekannt erstattete, dürfte einiges aussagen. Der diensthabende Beamte holte sogar noch eine sich bereits im Wochenende befindliche Kollegin von einem Familiengeburtstag zurück in den Dienst, damit sie sich der Sache annimmt. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an die Beamtin.
Schützende Hände, das steht jetzt in keinem direkten Zusammenhang mit dem vorherigen Absatz, sind oftmals eine schöne Sache, halten sie die rauhe Wirklichkeit in einem gehörigen Abstand weg, so dass man es sich gemütlich einrichten kann. Das ist eine komfortable Situation, in der es sicher jedem gefällt (Abenteuerer u.ä. mal außen vor gelassen). Man sitzt scheinbar sicher in seiner warmen Bude, hört zwar den Wind um die Ecken pfeifen, aber die schützenden Hände halten einen.
Aber irgendwann, da fangen von außen die Wände an der Bude an zu bröseln, am Fundament wird auch genagt, die ersten Dachziegel haben sich verabschiedet. Die schützenden Hände halten einen aber noch warm und trocken, warum sollte man also etwas tun? Doch plötzlich, wenn auch nicht unerwartet, sind die Hände weg. Die Realität prasselt auf einen ein, das wahre Ausmaß der veränderten Umgebung wird bekannt und man ist nicht vorbereitet, hat die „Zeichen der Zeit“ vielleicht gesehen, aber keine Schlüsse daraus gezogen, ist nicht aktiv geworden. Bevor die Bude ganz einstürzt, wird das Fundament analysiert, die Tragfähigkeit getestet. An einigen Stellen ist es doch schon so marode, dass Teile der Bude aufgegeben werden müssen. Aber jetzt steht sie wieder recht stabil, auch wenn sie kleiner geworden ist. Wer weiß, was man hätte anders machen können, wenn man sich der Wirklichkeit aktiv früher gestellt hätte.
2010 war auch ein Jahr (wie eigentlich jedes Jahr), wo man mit einem gewissen Erkenntnisgewinn raus geht. So haben wir gelernt, dass es auch zwei Winter hintereinander schneereich und eisig kalt sein kann. „Geld regiert die Welt“ – der Gedanke ist zwar schon etwas älter, bewahrheitet sich aber immer wieder. Für Geld tun viele Menschen vieles; es kommt nur auf die Höhe an, wie weit dabei Gesetze gebogen bzw. gebrochen werden. Im Moment sehe ich meine Bestechlichkeitsgrenze bei ca. 3 Mio Euro netto, wobei ich meine diesbezüglichen Gedanken noch von einem Steuerfachmann nachprüfen lassen müsste. 😉
Wie heißen diese Dinger, die ein Chef über einen schreibt? Führungszeugnis heißt es nicht, ist aber aus Arbeitgebersicht sowas ähnliches. Da muss man bei hierarchisch aufgebauten Strukturen (großen Firmen, Ämter, Behörden u.ä.) aufpassen, wer das für einen schreibt, sonst kann es nach hinten losgehen. Diese Dinger landen als Kopie wohl auch in der Personalakte, zu der nicht jeder Zugang hat, und wenn sie da nicht drin sind, weil die Beurteilung jemand geschrieben hat, der laut Dienstrecht das nicht durfte, sind sie zumindest wertlos.
Auf was für Schnapsideen manche Leute kommen, ist genauso erstaunlich. Da macht einer kleine komische Internetfilmchen unter dem Label „EierschneiderTV“ (einer Anspielung auf die Beleuchtungselemente des Neubrandenburger Marktplatzes) und sucht sich einen Off-Sprecher. Der wiederum kocht ganz gern, bringt alles in einen großen Topf und rührt gut durch. Herausgekommen ist „EiTV“, dass ihr sicher schon auf dieser Webseite gesehen habt. 12 Folgen gibt es mittlerweile schon und es geht weiter, auch wenn die Ei-Rezepte langsam ausgehen. 😉
Nine To Five ist nicht die Cousine von Seven Of Nine (Star-Trek-Fans werden die Anspielung erkennen), sondern eher ein Klischee einer bürokratischen Arbeitszeit von 9 bis 17 Uhr. Bei den 40-Stunden-Wochen in der Region funktioniert das nur nicht, fehlt doch die halbe Stunde Mittags- und, wenn tariflich vereinbart, die viertel Stunde Frühstückspause. Soll also trotzdem nachmittags um 5 Feierabend sein, heißt es 8:30 (bzw. 8:15) Uhr starten, damit der exakten Stundenabrechnung genüge getan ist.
Aber wer arbeitet schon so regelmäßig. Nicht mal die Beamten im Rathaus tun das, vor allem nicht die mit Publikumsverkehr und entsprechenden Sprechzeiten. Nun bin ich zwar nur ein öffentlich Angestellter (und das nicht mal im Rathaus), habe aber auch Publikumsverkehr und täglich wechselnde Feierabende. Aber wozu kann man Tabellenkalkulation und sich selber die Anfangszeit ausrechnen, damit das mit den 40 Stunden pro Woche stimmt? 😉 Es klingt aber komisch, wenn man von 10:15 Uhr bis 15 Minuten nach Schließzeit arbeitet. Vor allem: Der gesamte Tagesablauf schiebt sich nach hinten, hat aber letztendlich die gleiche Verteilung wie bei jedem anderen auch, nur eben zwei bis drei Stunden später. 20 Uhr Abendbrot, 14 Uhr Mittag, 8 Uhr Frühstück (da schlafe ich allerdings noch, da ca. 1 Uhr Nachtruhe angesagt ist). Der Nachteil: Man wird zum Sonderling. Soziale Kontakte verlagern sich in die „Social Networks“, leibhaftig sieht man sich höchstens noch am Wochenende, wo viele ja auch was anderes zu tun haben.